HOTEL ROYAL - Wolfgang Becker

Sexwellen, Kriminalspaß und andere Krautploitation.
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Prisma
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HOTEL ROYAL - Wolfgang Becker

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HOTEL ROYAL


● HOTEL ROYAL (D|1969) [TV]
mit Joachim Fuchsberger, Lil Dagover, Nadja Tiller, Paul Hubschmid, Hanns Ernst Jäger, Anthony Steel, Anne-Marie Blanc,
Pinkas Braun, Friedrich Joloff, Jan Hendriks, Robert Meyn, Michael Maien, Heidi Abel, Erland Erlandsen und Karin Hübner
eine Neue Münchner Fernsehproduktion | im Auftrag des ZDF
ein Fernsehfilm von Wolfgang Becker

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»Rien ne vas plus!«


Jeden Sommer findet sich die internationale High Society im Hotel Royal am Genfer See ein. Die Herrschaften tummeln sich im Casino, auf dem Golfplatz oder im beheizten Swimmingpool und tragen mitunter ihre Juwelen gerne zur Schau. Wo sich so viel Kapital versammelt, können Gauner nicht weit sein. Als der Safe der Maharani von Dungapur (Lil Dagover) geknackt und sie um ihren Schmuck erleichtert wird, ist das Hotel in Aufruhr, zumal der Dieb am nächsten Tag erschossen aufgefunden wird. Vor der Beute fehlt allerdings jede Spur. Die Polizei attestiert dem Juwelendieb höchstes Knowhow, eine erstklassige Präzision und beginnt, die illustre Gesellschaft des Hotels unter die Lupe zu nehmen...

Wolfgang Beckers "Hotel Royal" entstand seinerzeit im Rahmen der Ringelmann-Dreiteiler und Publikumserfolge "Der Tod läuft hinterher" sowie die anschließend entstandenen Mehrteiler "Babeck" und "11 Uhr 20", verfügte für einen TV-Krimi dabei über ein beachtliches Produktionsbudget von rund 600.000 D-Mark. Dementsprechend verfügt die Geschichte über eine prominente Schauspielriege, die spektakulärer ausgefallen ist, als in den meisten Kinofilmen dieser Zeit. Bei der Kriminalgeschichte muss man jedoch deutliche Abstriche machen, denn der Film plätschert ohne nennenswerte Spannungskurven und mit einem recht einfachen Drehbuch von Maria Matray und Answald Krüger vor sich hin. Dies macht zwar noch keinen uninteressanten oder langweiligen Film daraus, immerhin bekommt man für TV-Verhältnisse einen gehobenen Durchschnitt und das erprobte Vakuum Hotel geboten, aber es mag durch zu viele und überdeutliche Stilmittel der Komödie kein Nervenkitzel aufkommen. Auf technischer Seite werden insbesondere bei den Juwelen-Diebstählen tolle Impressionen geboten, die Präzision und Sachverstand vermitteln, was in aller erforderlichen Ruhe eine nette Abwechslung darstellt. Charles Regnier übernimmt den anfänglichen Off-Kommentar und stellt das Ambiente und seine Protagonisten anschaulich vor, es ist Luxus zu sehen, soweit das Auge reicht. Als Blickfang für die bevorstehende Juwelen-Schau fungiert Stummfilm-Ikone Lil Dagover, die sich in späteren Jahren gerne üppig mit Schmuck behangen präsentierte und hier als Objekt der Begierde aufs Tableau kommt. Der entschärfte Tenor der Geschichte lässt zwar nie vermuten, dass ihr Leben in Gefahr kommen könnte, aber natürlich ihre Prunkstücke, die förmlich durch einen kriminellen Gentleman entwendet werden, der niemanden behelligen wird. Der Raub an sich wird akribisch und en detail von der Kamera eingefangen, was tatsächlich sehr interessant und hochwertig wirkt. Dennoch folgt am Ende ein Mord, der eigenartigerweise nicht so recht ins Gesamtbild passen möchte. So wird schließlich die Rolle der Polizei integriert, welche die beteiligten Personen beziehungsweise Gäste des Hotels noch einmal näher für sich und das Publikum unter die Lupe nehmen wird.

Die Verschiedenheiten und Spleens ermöglichen es, mehrere Handlungsstränge aufzurollen, die teilweise etwas seltsam anmuten und aus Humor modelliert wirken. Ob der Krimi-Freund auch dieses Angebot dankend annehmen wird, bleibt abzuwarten, denn das Szenario wirkt immer wieder künstlich ausgebremst. Ein Blick auf die Besetzungsliste lässt keinerlei Wünsche offen, denn das Szenario ist durch und durch mit Top-Interpreten bestückt, die durch Beckers bemerkenswerte Art der Schauspielführung für die erinnerungswürdigen Momente sorgen. Joachim Fuchsberger betritt das Geschehen erst spät nach über 20 Minuten und bietet einen Charakter an, den man von ihm nicht alle Tage gewöhnt war, wenn dies auch nicht für die laufende Saison 1969 gilt, in der Experimente wie diese angeboten wurden. Der Geschichte entsprechend wimmelt es geradezu von Personen, die ohne weitere Hintergrundinformationen nicht einzuschätzen sind. In dieser Kategorie lassen sich Paul Hubschmid, Anthony Steel und vor allem Pinkas Braun genüsslich nieder, aber auch die Damen bieten mitunter sehr wenig an. Hier arbeiten Karin Hübner, Nadja Tiller und Lil Dagover vollkommen konträre Entwürfe aus, die vielleicht alles sind, nur oftmals nicht greifbar. Für ein besonderes Kabinettstückchen sorgt der Wiener Interpret Hanns Ernst Jäger, dessen Situationskomik stilecht wirkt. Abgerundet durch gewohnt präzise Leistungen von Jan Hendriks, Robert Meyn oder Friedrich Joloff kommen rein darstellerisch sehr gute Szenen zustande. Auf dem Prüfstand bleibt die Kriminalgeschichte stehen, die unterm Strich keine besondere Raffinesse entwickelt, es aber dennoch irgendwie schafft, interessant genug zu bleiben, um dem Geschehen von Anfang bis Ende problemlos folgen zu können. Wenn man so will, protzt "Hotel Royal" genüsslich mit seinen Auslagen, ebenso wie es die gehobene Gesellschaft in der laufenden Story tut, um am Ende über einige Defizite hinwegzutäuschen, die einem plötzlich nicht mehr so relevant vorkommen, da der Unterhaltungswert stimmt. Dennoch hätte sich unter einem Krimi-Spezialisten wie Wolfgang Becker mehr herausschlagen lassen, sodass es gut sein kann, diesen Fernsehfilm angesichts der prominenten Krimi-Konkurrenz zunächst auf den falschen Fuß zu erwischen.

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