11 UHR 20 - Wolfgang Becker

Sexwellen, Kriminalspaß und andere Krautploitation.
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Prisma
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11 UHR 20 - Wolfgang Becker

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● 11 UHR 20 | TEIL 1 | MORD AM BOSPORUS (D|1969) [TV]
mit Joachim Fuchsberger, Gila von Weitershausen, Christiane Krüger, Werner Bruhns, Götz George,
Anthony Steel, Ann Smyrner, Sema Özcan, Karl Walter Diess, Konrad Georg, Muzaffer Tema, u.a.
hergestellt durch die Neue Münchner Fernsehproduktion | im Auftrag des ZDF
Regie | Wolfgang Becker

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Der Ingenieur Thomas Wassem (Joachim Fuchsberger) arbeitet im Iran. Seine Frau Maria (Gila von Weitershausen) bittet um ein Treffen in Istanbul, um mit ihm die Scheidung zu besprechen. Doch die schönen gemeinsamen Tage bringen die Ehe wieder ins Gleichgewicht. Einen Tag bevor beide nach Deutschland abreisen möchten, finden sie einen Toten (Peter Carsten) in ihrem Wagen, bei dem es sich den Papieren nach um einen deutschen Ingenieur namens Dr. Vogt handeln soll. Er wurde ermordet. Um in keine Schwierigkeiten zu kommen, will Thomas die Leiche verschwinden lassen, doch in der Zwischenzeit stürzt Maria samt Wagen am Bosporus in den Tod. Marias Uhr ist um 11 Uhr 20 stehen geblieben und auch der Tote ist spurlos verschwunden. Nur dessen Schlüssel führt Thomas in ein Hotel, in dem aber niemand etwas von ihm gesehen haben will und auch die Polizei glaubt kein Wort von dieser Geschichte. Wassem sieht sich daher gezwungen, den Fall in Eigenregie aufzurollen, zumal ihn die Zeitungen längst als Mörder abgestempelt haben...

Wolfgang Beckers "11 Uhr 20" ist nach "Der Tod läuft hinterher" und "Babeck" der dritte Fernsehdreiteiler, der seinerzeit nach einem Drehbuch von Krimi-Spezialist Herbert Reinecker entstanden war. Diese TV-Produktionen stellen gleichzeitig Äquivalent und Gegenentwurf zu den von der ARD produzierten Beiträgen wie beispielsweise "Das Halstuch" dar, die alle mit sehr hohen Einschaltquoten in die deutsche Fernsehgeschichte eingehen konnten. Neben der ausgezeichneten Besetzung und dem hervorragenden Stab, sind es vor allem die besonderen Eindrücke an Originalschauplätzen in Istanbul und Tunis, die diesem 1969 gedrehten Mehrteiler ein überaus hochwertiges Profil verleihen. Die Geschichte beginnt wie so oft unscheinbar, beziehungsweise trügerisch, und mündet bereits nach kurzer Spielzeit in einer Tragödie, deren Hintergründe absolut im Dunkeln liegt. Der Zuschauer ist auf den ermittelnden Protagonisten angewiesen, der den Fall in mühsamer und vor allem gefährlicher Eigenarbeit aufzurollen beginnt. Die dabei auftauchenden Personen meistens zwielichtiger Natur, stellen die vielen Etappen der Geschichte dar, die wie ein Puzzle zusammengesetzt werden müssen und mit zahlreichen Leichen gepflastert sind. Zahlreiche Wendungen und ein guter Action-Anteil sorgen für ein angemessenes Tempo, bei dem sich keine signifikanten Aussetzer finden lassen und als Zuschauer kann man sich auf turbulente, gewohnt temperamentvolle, aber hier auch ungewöhnlich emotional aufgeladene Momente mit Joachim Fuchsberger einstellen. Als Thomas Wassem kämpft er gegen ein Phantom, dessen zahlreiche ausführende Arme ihn massiv bedrohen. Nur wenige Personen stehen ihm dabei hilfreich zur Seite oder lassen sich überhaupt als aufrichtig identifizieren, sodass man gezwungenermaßen einen klassischen Alleingang geboten bekommt.

Die Gefahr ist also für die meisten Personen sehr hoch, die Augen für immer zu schließen, egal ob sie schweigen oder sprechen, oder es sich um Sympathieträger handelt. Joachim Fuchsberger bereicherte den Kriminalsektor bereits seit etlichen Jahren und auch hier spielt er seine gesamte Erfahrung aus, lässt es sich aber nicht nehmen, immer wieder neue Facetten preiszugeben und mit Variationen zu überraschen. Er gestaltet seine Figur sehr agil und stattet diese mit greifbaren Zügen aus, mit der der Zuschauer bedingungslos mitfiebern kann. Da es mit sachdienlicher Hilfe ziemlich schwach aussieht, sind es diese wenigen Personen des Szenarios, die hin und wieder für einen Hauch von Hoffnung und Sicherheit sorgen können, auch wenn zahlreiche Sargnägel nur darauf warten, endlich zum Einsatz zu kommen. Konrad Georg, geistreicherweise als Herr Konrad und Mitarbeiter des Konsulats, steht ihm zur Seite, wenn auch ängstlich und etwas unbeholfen. Ansonsten tauchen tatsächlich wenige vertrauenswürdige Leute auf. Zwar lassen sich die gefährlichsten Gegner schnell ausmachen, aber auch diejenigen, die vornehmlich Skepsis provozieren oder geheimnisvoll wirken, wie beispielsweise Christiane Krüger, Karl Walter Diess oder Ann Smyrner, wo hingegen Zeitgenossen wie Werner Bruhns, Anthony Steel und insbesondere Götz George eindeutig für Bedrohung und Gefahr stehen. Die überdurchschnittlich prominente Besetzung steht dieser Geschichte jedenfalls sehr gut und findet mit einer angenehm aufspielenden Gila von Weitershausen ihren tragischen Aufhänger. Mit musikalischer Unterstützung von Peter Thomas verlegt sich das turbulente Treiben von Istanbul nach Tunis und bis zum gelungenen Cliffhanger von Teil 1 werden noch einige Köpfe rollen. "Mord am Bosporus" beweist einen intelligenten Aufbau und lässt die folgenden zwei Episoden mit großer Spannung erwarten.

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