VOM TEUFEL GEJAGT - Viktor Tourjansky

Sexwellen, Kriminalspaß und andere Krautploitation.
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Prisma
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VOM TEUFEL GEJAGT - Viktor Tourjansky

Beitrag von Prisma »



VOM TEUFEL GEJAGT


● VOM TEUFEL GEJAGT (D|1950)
mit Hans Albers, Willy Birgel, Lil Dagover, Maria Holst, Otto Wernicke, Alexander Golling, Heinrich Gretler, Joseph Offenbach, Georg Lehn,
Ernst Stahl-Nachbaur, Edith Schultze-Westrum, Arnulf Schröder, Karl Schaidler, Walter Janssen, Erika Streithorst und Heidemarie Hatheyer
ein Witt Film | im Schorcht Filmverleih
ein Film von Viktor Tourjansky

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»K27 ist nicht lebensgefährlich!«


Dr. Heinrich Blank (Hans Albers), Chef einer eigenen Nervenklinik, genießt in der Fachwelt ein sehr hohes Renommee. Sein neues Medikament zur Behandlung von seelischen Erkrankungen stößt jedoch auf große Skepsis und Ablehnung, auch bei seinem neuen Kollegen und Freund Dr. Fingal (Willy Birgel). Blank ist jedoch von der Wirkung derart überzeugt, dass er sich das toxische Präparat selbst injiziert, um den Beweis zu erbringen, dass es ungefährlich aber höchst wirkungsvoll sei. Ab sofort verliert sich Dr. Blank in Abwesenheitszuständen, außerdem kommt es zu Bewusstseinsspaltungen, sodass er Gefahr läuft, bei sich selbst eine völlig entgegengesetzte Wirkung zu erzielen …

Viktor Tourjanskys "Vom Teufel gejagt" liebäugelt mit Film Noir-Anleihen und verfügt über einige Nuancen des Psycho-Thrillers, wenngleich sich die Regie vor allem auf die dramatischen Grundvoraussetzungen der Geschichte stützt, ohne die vorhandene Brisanz jedoch vollends auszuschöpfen. Im Gegenzug dazu wird das hier üppig vorhandene Star-Potenzial in den Fokus gerückt, sodass der Film seinerzeit zu einem passablen Publikumserfolg avancieren konnte. Tourjansky gelingt hier im Grunde genommen kein optimaler Mittelweg, sodass die Entscheidung, seine Stars zu hofierten, kopflastig in den Mittelpunkt rückt. Das alles andere als uninteressant klingende Thema ist für mindestens zwei Drittel des Spielverlaufs mit zu wenig Spannung und Brisanz versehen, was hauptsächlich gemächliche Eindrücke fabriziert. Thriller bedienten sich seit jeher mitunter medizinischer Themen und entsprechender Schleudersitze, sodass das hier gewählte Mittel selbstverständlich auch irgendwie zu interessieren weiß. Das weite Feld der psychischen Erkrankungen erfährt einen naturgemäß reißerischen Anstrich, der betont weit weg vom Publikum installiert wird. Die Behandlungsmethodik und Arbeit am Patienten wirkt zweckgebunden, durch Hans Albers Person jedoch auch eigenartig familiär, allerdings bekommt man in diesem Bereich nicht allzu viele Veranschaulichungen geboten. Eher konzentriert sich das Skript auf den sich zuspitzenden Eklat um Eigenversuche mit einem Präparat, welches eigentlich noch gar keines ist. Das Hauptaugenmerk der Produktion liegt voll und ganz auf Hauptdarsteller Hans Albers, um den hier alles konstruiert ist. Für die meisten seiner Kollegen bedeutet dieser Fokus sogar, dass sie trotz großer Namen in die zweite Reihe gerückt werden, was beispielsweise für Willy Birgel, Heidemarie Hatheyer und Maria Holst gilt. Sucht man nach einer Person, die sich neben Albers profilieren kann, muss schließlich Lil Dagover genannt werden, die aus ihren Szenen ein eigens erfundenes Spektakel zu kreieren versucht. Dabei bekommt sie im Gegensatz zu ihren ebenfalls namhaften Kolleginnen dramaturgisch noch nicht einmal die besseren Möglichkeiten eingeräumt, sondern Dagover inszeniert sich kurzerhand selbst, und dies in beinahe in rücksichtsloser Art und Weise. Sie reklamiert jede ihrer Szenen für sich persönlich, färbt diese dementsprechend mit ihrer ganz eigenen Philosophie, die hier zu deutlichen Übertreibungen neigt.

Die vom Titel bereits angedeutete Brisanz des Themas wird lange nicht wirksam angepackt, etwa wie ein viel zu heißes Eisen, sodass der Verlauf beginnt, vor sich hinzuplätschern. Eingebettet in romantische beziehungsweise kitschige Anteile, kommt selten der erhoffte sterile Anteil dabei heraus, den ein Medizin-Thriller eigentlich locker herzugeben wüsste. Da Hans Albers in den meisten Szenen zu sehen oder eben zu spüren ist, beansprucht er diese ebenso wie Partnerin Dagover ausschließlich für sich selbst, bis sich die Geschichte völlig kopflastig um ihr bisweilen stiefmütterlich behandeltes Haupt-Thema kümmert. Dabei ist es nicht so, dass der Zuschauer hier lediglich mit vagen Informationen versorgt wird, immerhin sieht man einige Bilder aus dem Klinikalltag oder von der Erprobung des Medikaments, aber diese Inhalte verfügen einfach über zu wenig Schärfe. Der Betrachter entscheidet trotz allem, ob das Angebot als gelungen eingeschätzt werden kann, dem im Großen und Ganzen die vielleicht zu große Erwartungshaltung einen Strich durch die einfache Rechnung machen wird. Die Situation spitzt sich aufgrund forciert labiler Geisteszustände und der Verlegenheit, einen Mäzen für die weitere Finanzierung des Präparates zu finden, schließlich noch zu, sodass man sich trotz aller Kritikpunkte zumindest gut unterhalten fühlen kann. In diesem Zusammenhang werden zahlreiche Ortswechsel angeboten, die eine gewisse Dynamik aufkommen lassen. Auch verbreitet das Szenario nichts Elitäres, da sich die Probleme durch alle Schichten winden, da Krankheiten naturgemäß nicht nach dem Stand einer Person fragen. Alles in allem kann "Vom Teufel gejagt" einen spürbaren Unterhaltungswert anbieten, wenngleich der Film über seine gesamte Spieldauer auch nicht über eine besonders günstige Feinabstimmung verfügt. Die erhoffte Brisanz gibt sich somit nur in wenigen Amplituden zu Verstehen, und in der Zwischenzeit hat man es mit Selbstinszenierungen und überraschend schwachen charakterlichen Zeichnungen zu tun, die zusätzlich auf eine stiefmütterliche Schauspielführung hinweisen. Als Zeitdokument nicht gerade uninteressant im Bilde festgehalten, versandet das vielversprechende Thema jedoch in der Bedeutungslosigkeit, auch wenn am Ende noch ein überraschender Paukenschlag geboten wird, der so gar nicht in das gemeine Star-Kino der 1950er-Jahre hineinpassen möchte. Es bleibt schlussendlich viel vergeudetes Potenzial.

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Count Yorga
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Re: VOM TEUFEL GEJAGT - Viktor Tourjansky

Beitrag von Count Yorga »

Illustrierter Filmkurier IFK:

Teufel.jpg
Teufel.jpg (142.02 KiB) 347 mal betrachtet
:hut:

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Prisma
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Re: VOM TEUFEL GEJAGT - Viktor Tourjansky

Beitrag von Prisma »



Ich hätte jetzt auf ein Motiv aus dem Labor getippt …
Blau eingefärbt mit dem prominenten Schicksals-Trio sieht aber auch ganz gut aus.

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