MORD IM SPIEGEL
● THE MIRROR CRACK'D / MORD IM SPIEGEL (GB|1980)
in den Hauptrollen: Angela Lansbury, Geraldine Chaplin, Tony Curtis, Edward Fox, Rock Hudson, Kim Novak und Elizabeth Taylor
mit Wendy Morgan, Margaret Courtenay, Charles Gray, Anthony Steel, Eric Dodson, Marella Oppenheim sowie Maureen Bennett
eine Produktion der EMI Films | G.W. Films | im Verleih der Neue Constantin Film
nach dem Kriminalroman von Agatha Christie
ein Film von Guy Hamilton
»Bereite dich auf den Tod vor!«
In dem kleinen englischen Ort St. Mary Mead findet ein wahrhaftiges Happening statt. Ein Filmteam aus Hollywood hat sich angemeldet um einen Film über das Leben der Maria Stuart abzudrehen. Die Hysterie ist groß und der Empfang der Filmdiva und Hauptdarstellerin Marina Gregg (Elizabeth Taylor) ist furios. Schon beim Gala-Empfang kommt es zu kleineren Zwischenfällen, als Marina und ihre Erzfeindin und Schauspiel-Kollegin Lola Brewster (Kim Novak) aufeinandertreffen und sich am liebsten die Augen auskratzen würden. Plötzlich aber hält jeder der Gäste den Atem an, denn es ist ein rätselhafter Mord an einer völlig unbeteiligten Frau geschehen. Sie wurde vergiftet. Hat es das richtige Opfer getroffen, oder galt der Anschlag eigentlich Marina Gregg? Um den nebulösen Fall zu klären, taucht Inspektor Craddock (Edward Fox) von Scotland-Yard auf der Bildfläche auf, doch schnell muss er bemerken, dass er allseits auf hohe Widerstände trifft. Zum Glück kann er auf die Kombinationsgabe seiner Tante Jane Marple (Angela Lansbury) bauen, die die Zusammenhänge langsam entwirren kann...
In der Liste der persönlichen Lieblingsfilme kriminalistischer Natur darf Guy Hamiltons Agatha Christie-Adaption selbstverständlich nicht fehlen. Eine solche, ganz persönliche Liste ist mitunter geprägt von Filmen, die eigentlich keine großen Meisterwerke oder Klassiker darstellen, zu denen man aber einen ganz besonderen Draht aufbauen konnte, und das von Anfang an. "Mord im Spiegel" ist solch ein klassischer Fall. Vielleicht ist die Inszenierung über weite Strecken lediglich als ambitioniert zu bezeichnen, doch im Grunde genommen hervorragend aufgebaut, wenngleich es inszenatorisch gesehen sicherlich genügend Luft nach oben gegeben hat. Der Haupt-Knackpunkt ist vermutlich die Präsentation der Titelrolle, die neben der dominierenden Interpretation einer Elizabeth Taylor eher zur Nebenrolle abqualifiziert wird, was anfangs etwas störend ins Gewicht fällt, gleichzeitig aber die Gewissheit mit sich bringt, dass Vergleiche zu den Verfilmungen mit Margaret Rutherford gezogen werden, was man sich hier unbedingt oder eher generell sparen sollte. Der Film ist dennoch gleich bei der ersten Ansicht sehr faszinierend, da es verborgene Höchstleistungen in nahezu allen Bereichen zu finden gibt. Hier wären natürlich die beteiligten Interpreten zu nennen, vor allem aber wirken die scharfzüngigen Dialoge und die brillanten Charakterzeichnungen restlos überzeugend. Überhaupt ist es bei jeder weiteren Ansicht so, dass es immer wieder neue Facetten zu entdecken gibt. Ausstattung und Setting wirken recht klassisch, die handwerkliche Verarbeitung hält Kniffe bereit, die für breite Zustimmung sorgen kann und bei der ersten Konfrontation mit dieser mysteriösen Geschichte tappt man im Dunkeln, obwohl es einem so vorkommt, als könne man den Mörder direkt beim Namen nennen. Das Raffinierte an der Erzählung ist, dass sich die Hintergründe nur langsam erschließen, was einen gelungenen Spannungsbogen inmitten der eigentlichen Idylle offeriert, und im Endeffekt ist diese straffe Assoziationskette daher als beinahe perfekt zu bezeichnen.
Das Konzept, wenn Schauspieler im selben Film auch Schauspieler zu interpretieren haben, bietet hier einen besonders starken Reiz. Im besten Fall ist somit nämlich eine wesentlich höhere Präzision bei erschwerter, weil doppelter Anforderung wahrzunehmen, und das ist in "Mord im Spiegel" definitiv ausfindig zu machen. So ist es vollkommen logisch, mit der eigentlichen Hauptrolle des Szenarios zu beginnen, nämlich mit Elizabeth Taylor. Sie bekommt die große Bühne gleich im zweifachen Sinne geebnet und es bleibt anzumerken, dass sie sich gerade mit dieser Interpretation einen festen Platz in der persönlichen Rangliste der Top-Leistungen erspielen kann. Als Marina Gregg jongliert sie nämlich mit ihrem eigenen, hinlänglich bekannten Image, und lässt die Schauspielerinnen Elizabeth Taylor/Marina Gregg ineinander übergehen. Die allerbesten Zeiten liegen bei der einen weit und bei der anderen noch weiter zurück, die Themen Konstitution und Comeback werden hemmungslos angeschnitten, Allüren, wütende und temperamentvolle Ausbrüche, aber auch zerbrechliche und labile Tendenzen sind an der Tagesordnung. Ja, und was wäre eine richtige Diva, wenn sie ihrem jeweiligen Gegenüber nicht auch im Alltag ihre Rollen von einst aufzutischen versuchte? Elizabeth Taylor löst diese Aufgabe einfach nur großartig. Ihre Auftritte wurden ab Mitte der Siebziger Jahre sporadischer, 1980 war "Mord im Spiegel" sogar ihre einzige Arbeit fürs Kino. Bei Marina Gregg liegt dies alles schon ein bisschen weiter zurück. Sie fürchtet sich insgeheim vor einem Comeback das missglücken könnte. Man sieht ihr die große Angst an, dass die Leute sie vergessen und abgeschrieben haben könnten, aber es wird mit einer perfekt choreografierten Gestik und Mimik überspielt. Als Zuschauer ist man jedenfalls hin- und hergerissen wegen ihrer launischen und undurchsichtigen Performance, was allerdings ebenso heißt, dass es haufenweise große Momente zu sehen gibt und man förmlich darauf wartet, dass ihre Maske irgendwann fällt.
Das ist vor allem der Fall wenn sie Lola Brewster alias Kim Novak in die Hände fällt. Bereits die erste Begegnung ist ein herrlicher Schlagabtausch, der die Luft zum brennen bringt und sie nach Gift und Galle riechen lässt. Die beiden Rivalinnen hassen sich wie die Pest und untermauern dies mit überaus zynischen Kommentaren, die dem schlechten Ton entsprechend unter die Gürtellinie der anderen gehen. Kim Novak spielt ebenfalls ausgezeichnet, da sie das Kunststück hinbekommt, eine durchschnittliche Schauspielerin und eine affektierte, oberflächliche und recht einfältige Frau darzustellen, die als Waffen ihre weiblichen Attribute gewinnbringend einsetzen konnte. Wo sie noch über die mittlerweile schwerfällige Verfassung ihrer Kontrahentin lästert, sieht sie noch etwas frischer aus, weil sie dem Vernehmen nach den Zahn der Zeit immer wieder hat korrigieren lassen. Da sie mit einem bekannten Produzenten verheiratet ist, hat sie schließlich noch eine Karriere. Auch dass sie offenbar ein gewöhnliches Flittchen ist, wird des Öfteren angedeutet, durch ihr Gehabe sogar von ihr selbst. In manchen Situationen - insbesondere bei der Befragung durch die Polizei - verliert sie die Kontrolle über sich und zeigt ihr ordinäres und eigentlich wahres Gesicht. Klasse! Die aparte Geraldine Chaplin wirkt wie eine graue Maus zwischen all dem Glamour und hemmungslosen Selbstinszenierungen, aber sie stellt ein offenes und ehrliches Sprachrohr in dieser Scheinwelt dar. Im Film selbst fällt ein Kommentar über sie, das den Nagel absolut auf den Kopf trifft, sie sei »attraktiv in einer Art die unberechenbar ist«. Warum hat sie ihre besten Jahre als Assistentin des Regisseurs Rudd und Marina Greggs Mann verschenkt? Es ist die Hoffnung auf mehr, die sie Durchhalten lässt, denn ganz offensichtlich besteht eine intimere Beziehung zwischen den beiden. Die schön voneinander differenziert wirkenden Charaktere machen jedenfalls ein Spektakel aus dem ohnehin hochinteressanten Verlauf, der das mehrmalige Anschauen stets rechtfertigt.
Angela Lansburys Darstellung der Miss Marple soll relativ nahe an der Romanvorlage bewegen. Lansbury ist eine besonders qualifizierte und überzeugende Interpretin und darüber hinaus nahezu perfekt für die Darstellung der Miss Marple. Auch holt sie das Optimum aus ihrer zugegebenermaßen vom Drehbuch stiefmütterlich behandelten Rolle heraus. In St. Mary Mead ist sie ganz offensichtlich eine Instanz die von den Bewohnern geschätzt und respektiert wird, was sich gleich zu Beginn des Films deutlich zeigt. Dieser ist übrigens sehr originell, da er in Schwarzweiß und in einem Kriminalfilm im örtlichen Kino beginnt und Miss Marple den Zuschauern mit ihrer wachen Kombinationsgabe auf die Sprünge helfen muss. Zu kritisieren ist, dass sie den Fall quasi aus dem Off, sprich dem "Krankenbett" lösen wird, daher nur wenig oder gar keinen Kontakt mit den Hauptverdächtigen hat. Ansonsten ist ihre Interpretation der Hobby-Detektivin sehr gelungen und empfiehlt sie bereits für ihren späteren Dauerbrenner "Mord ist ihr Hobby". Die Herren der Schöpfung wirken insgesamt ziemlich untergeordnet und haben dementsprechend die vermeintlich schwächeren Parts erwischt, was man allerdings bei diesem Star-Aufgebot relativ sehen sollte. Edward Fox' ebenfalls gänzlich alternative Interpretation des Inspektors benötigt vielleicht eine längere Anlaufzeit, um im Endeffekt zu funktionieren, doch im wahrsten Sinne des Wortes lernt man die sehr gelungene Zeichnung des Fuchses zu schätzen. Er ist durch und durch ein Gentleman mit allen dazugehörigen Attributen, er behandelt seine Verdächtigen höflich und mit Respekt, daher wird der von ihnen und vom Zuschauer auch lange unterschätzt, bis er mit den besten Manieren zuschnappt und teils heftige Reaktionen hervorruft, wie beispielsweise von Lola Brewster, die ihm nur noch hinterher brüllt: »Ich scheiß auf Scotland Yard!« Das internationale Star-Karussell dreht sich mit Rock Hudson und Tony Curtis natürlich weiter, wenn auch nicht ganz so spektakulär. Insbesondere Curtis' Rolle geht ein wenig inmitten der übermächtig wirkenden Konkurrenz unter, dennoch bringt er eine Zeichnung des Produzenten zustande, wie man ihn sich mit all den dazu gehörenden Klischees vorstellt. Hudson als Regisseur wirkt weitgehend ambivalent. Man nimmt ihm die tiefe Zuneigung zu seiner Frau unbedingt ab, aber eben nicht die bedingungslose Treue. Insgesamt sind alle Beteiligten vor allem aus der Hollywood-Clique undurchsichtig, aber offensichtlich miteinander verstrickt, und es entstehen versteckte Hinweise, die den Täter dort ausmachen könnten.
So muss man schon sehr genau zuhören, um die Bruchstücke dieses Spiegels zusammensetzen zu können. Dass eine unbeteiligte Frau ermordet wurde, zwingt einen diffusen Verdacht in jede Richtung. Später wird es präziser, aber man kann das Puzzle ohne Miss Marples' Hilfe zunächst unmöglich deuten. Es bekommt der Inszenierung sehr gut, dass das finale Puzzlestück in diesem Cluedo bis zum bitteren Ende hinausgezögert wird. Selbst dass letztlich immer wieder sehr melodramatische Komponenten zusammenkommen, kleidet die Geschichte angemessen, denn der recht tragische Fall von Mord als erstes Mittel der Wahl wirkt auch nicht gerade herkömmlich. Es entsteht zugegebenermaßen eine ganz eigenartige Variante der Vorhersehbarkeit im Rahmen eines Mordes ohne Motiv. Der klare Aufbau trägt zum späten Verständnis bei und sorgt für einen Twist, der eigentlich keiner ist, aber dennoch als solcher wahrgenommen wird. Begrüßenswert bei Hamiltons Beitrag ist, dass überaus klassische Elemente eine ansprechende Symbiose mit modernen, oder vielleicht eher zeitgemäßen Inhalten eingehen konnten. Die englische Ruhe und das provinzielle Flair wird durch eine Horde Hollywood-Vandalen gestört, was in jeder Hinsicht gut eingefangen wurde. Die Bildkomposition ist hervorragend, sie hebt Edles und Gewöhnliches nach Herzenslust vor, was nicht nur für die Sets gilt, sondern auch für die Charaktere. Musikalisch gesehen gibt es sehr Einprägsames und es ist in jedem Moment ein Genuss zuzuhören, vor allem auch im akustischen Bereich wenn besonders wichtige Momente eingefangen werden. Insbesondere die Schlüsselszene dieser Produktion gehört zu den ganz persönlichen Favoriten der großen Film-Momente. Die stechende Akustik, die Blitzmontage der Bilder und der Personen sorgt für einen atemberaubenden Moment, der sich in den umher stehenden Beteiligten widerspiegelt. "Mord im Spiegel" ist immer wieder gerne gesehen, im Szenario lässt sich alles zwischen Durchschnitt und großem Kino ausfindig machen, aber einer der persönlichen Lieblingsfilme muss wohl stets etwas Großartiges an sich haben, egal ob Luft von unten oder von oben geschnuppert werden kann. Eines bleibt jedoch unbestritten, denn diese Produktion erteilt kleine Lehrstunden in Sachen Star-Kino der Extraklasse und besonderer Unterhaltung mit Whodunit-Bonus.
In der Liste der persönlichen Lieblingsfilme kriminalistischer Natur darf Guy Hamiltons Agatha Christie-Adaption selbstverständlich nicht fehlen. Eine solche, ganz persönliche Liste ist mitunter geprägt von Filmen, die eigentlich keine großen Meisterwerke oder Klassiker darstellen, zu denen man aber einen ganz besonderen Draht aufbauen konnte, und das von Anfang an. "Mord im Spiegel" ist solch ein klassischer Fall. Vielleicht ist die Inszenierung über weite Strecken lediglich als ambitioniert zu bezeichnen, doch im Grunde genommen hervorragend aufgebaut, wenngleich es inszenatorisch gesehen sicherlich genügend Luft nach oben gegeben hat. Der Haupt-Knackpunkt ist vermutlich die Präsentation der Titelrolle, die neben der dominierenden Interpretation einer Elizabeth Taylor eher zur Nebenrolle abqualifiziert wird, was anfangs etwas störend ins Gewicht fällt, gleichzeitig aber die Gewissheit mit sich bringt, dass Vergleiche zu den Verfilmungen mit Margaret Rutherford gezogen werden, was man sich hier unbedingt oder eher generell sparen sollte. Der Film ist dennoch gleich bei der ersten Ansicht sehr faszinierend, da es verborgene Höchstleistungen in nahezu allen Bereichen zu finden gibt. Hier wären natürlich die beteiligten Interpreten zu nennen, vor allem aber wirken die scharfzüngigen Dialoge und die brillanten Charakterzeichnungen restlos überzeugend. Überhaupt ist es bei jeder weiteren Ansicht so, dass es immer wieder neue Facetten zu entdecken gibt. Ausstattung und Setting wirken recht klassisch, die handwerkliche Verarbeitung hält Kniffe bereit, die für breite Zustimmung sorgen kann und bei der ersten Konfrontation mit dieser mysteriösen Geschichte tappt man im Dunkeln, obwohl es einem so vorkommt, als könne man den Mörder direkt beim Namen nennen. Das Raffinierte an der Erzählung ist, dass sich die Hintergründe nur langsam erschließen, was einen gelungenen Spannungsbogen inmitten der eigentlichen Idylle offeriert, und im Endeffekt ist diese straffe Assoziationskette daher als beinahe perfekt zu bezeichnen.
Das Konzept, wenn Schauspieler im selben Film auch Schauspieler zu interpretieren haben, bietet hier einen besonders starken Reiz. Im besten Fall ist somit nämlich eine wesentlich höhere Präzision bei erschwerter, weil doppelter Anforderung wahrzunehmen, und das ist in "Mord im Spiegel" definitiv ausfindig zu machen. So ist es vollkommen logisch, mit der eigentlichen Hauptrolle des Szenarios zu beginnen, nämlich mit Elizabeth Taylor. Sie bekommt die große Bühne gleich im zweifachen Sinne geebnet und es bleibt anzumerken, dass sie sich gerade mit dieser Interpretation einen festen Platz in der persönlichen Rangliste der Top-Leistungen erspielen kann. Als Marina Gregg jongliert sie nämlich mit ihrem eigenen, hinlänglich bekannten Image, und lässt die Schauspielerinnen Elizabeth Taylor/Marina Gregg ineinander übergehen. Die allerbesten Zeiten liegen bei der einen weit und bei der anderen noch weiter zurück, die Themen Konstitution und Comeback werden hemmungslos angeschnitten, Allüren, wütende und temperamentvolle Ausbrüche, aber auch zerbrechliche und labile Tendenzen sind an der Tagesordnung. Ja, und was wäre eine richtige Diva, wenn sie ihrem jeweiligen Gegenüber nicht auch im Alltag ihre Rollen von einst aufzutischen versuchte? Elizabeth Taylor löst diese Aufgabe einfach nur großartig. Ihre Auftritte wurden ab Mitte der Siebziger Jahre sporadischer, 1980 war "Mord im Spiegel" sogar ihre einzige Arbeit fürs Kino. Bei Marina Gregg liegt dies alles schon ein bisschen weiter zurück. Sie fürchtet sich insgeheim vor einem Comeback das missglücken könnte. Man sieht ihr die große Angst an, dass die Leute sie vergessen und abgeschrieben haben könnten, aber es wird mit einer perfekt choreografierten Gestik und Mimik überspielt. Als Zuschauer ist man jedenfalls hin- und hergerissen wegen ihrer launischen und undurchsichtigen Performance, was allerdings ebenso heißt, dass es haufenweise große Momente zu sehen gibt und man förmlich darauf wartet, dass ihre Maske irgendwann fällt.
Das ist vor allem der Fall wenn sie Lola Brewster alias Kim Novak in die Hände fällt. Bereits die erste Begegnung ist ein herrlicher Schlagabtausch, der die Luft zum brennen bringt und sie nach Gift und Galle riechen lässt. Die beiden Rivalinnen hassen sich wie die Pest und untermauern dies mit überaus zynischen Kommentaren, die dem schlechten Ton entsprechend unter die Gürtellinie der anderen gehen. Kim Novak spielt ebenfalls ausgezeichnet, da sie das Kunststück hinbekommt, eine durchschnittliche Schauspielerin und eine affektierte, oberflächliche und recht einfältige Frau darzustellen, die als Waffen ihre weiblichen Attribute gewinnbringend einsetzen konnte. Wo sie noch über die mittlerweile schwerfällige Verfassung ihrer Kontrahentin lästert, sieht sie noch etwas frischer aus, weil sie dem Vernehmen nach den Zahn der Zeit immer wieder hat korrigieren lassen. Da sie mit einem bekannten Produzenten verheiratet ist, hat sie schließlich noch eine Karriere. Auch dass sie offenbar ein gewöhnliches Flittchen ist, wird des Öfteren angedeutet, durch ihr Gehabe sogar von ihr selbst. In manchen Situationen - insbesondere bei der Befragung durch die Polizei - verliert sie die Kontrolle über sich und zeigt ihr ordinäres und eigentlich wahres Gesicht. Klasse! Die aparte Geraldine Chaplin wirkt wie eine graue Maus zwischen all dem Glamour und hemmungslosen Selbstinszenierungen, aber sie stellt ein offenes und ehrliches Sprachrohr in dieser Scheinwelt dar. Im Film selbst fällt ein Kommentar über sie, das den Nagel absolut auf den Kopf trifft, sie sei »attraktiv in einer Art die unberechenbar ist«. Warum hat sie ihre besten Jahre als Assistentin des Regisseurs Rudd und Marina Greggs Mann verschenkt? Es ist die Hoffnung auf mehr, die sie Durchhalten lässt, denn ganz offensichtlich besteht eine intimere Beziehung zwischen den beiden. Die schön voneinander differenziert wirkenden Charaktere machen jedenfalls ein Spektakel aus dem ohnehin hochinteressanten Verlauf, der das mehrmalige Anschauen stets rechtfertigt.
Angela Lansburys Darstellung der Miss Marple soll relativ nahe an der Romanvorlage bewegen. Lansbury ist eine besonders qualifizierte und überzeugende Interpretin und darüber hinaus nahezu perfekt für die Darstellung der Miss Marple. Auch holt sie das Optimum aus ihrer zugegebenermaßen vom Drehbuch stiefmütterlich behandelten Rolle heraus. In St. Mary Mead ist sie ganz offensichtlich eine Instanz die von den Bewohnern geschätzt und respektiert wird, was sich gleich zu Beginn des Films deutlich zeigt. Dieser ist übrigens sehr originell, da er in Schwarzweiß und in einem Kriminalfilm im örtlichen Kino beginnt und Miss Marple den Zuschauern mit ihrer wachen Kombinationsgabe auf die Sprünge helfen muss. Zu kritisieren ist, dass sie den Fall quasi aus dem Off, sprich dem "Krankenbett" lösen wird, daher nur wenig oder gar keinen Kontakt mit den Hauptverdächtigen hat. Ansonsten ist ihre Interpretation der Hobby-Detektivin sehr gelungen und empfiehlt sie bereits für ihren späteren Dauerbrenner "Mord ist ihr Hobby". Die Herren der Schöpfung wirken insgesamt ziemlich untergeordnet und haben dementsprechend die vermeintlich schwächeren Parts erwischt, was man allerdings bei diesem Star-Aufgebot relativ sehen sollte. Edward Fox' ebenfalls gänzlich alternative Interpretation des Inspektors benötigt vielleicht eine längere Anlaufzeit, um im Endeffekt zu funktionieren, doch im wahrsten Sinne des Wortes lernt man die sehr gelungene Zeichnung des Fuchses zu schätzen. Er ist durch und durch ein Gentleman mit allen dazugehörigen Attributen, er behandelt seine Verdächtigen höflich und mit Respekt, daher wird der von ihnen und vom Zuschauer auch lange unterschätzt, bis er mit den besten Manieren zuschnappt und teils heftige Reaktionen hervorruft, wie beispielsweise von Lola Brewster, die ihm nur noch hinterher brüllt: »Ich scheiß auf Scotland Yard!« Das internationale Star-Karussell dreht sich mit Rock Hudson und Tony Curtis natürlich weiter, wenn auch nicht ganz so spektakulär. Insbesondere Curtis' Rolle geht ein wenig inmitten der übermächtig wirkenden Konkurrenz unter, dennoch bringt er eine Zeichnung des Produzenten zustande, wie man ihn sich mit all den dazu gehörenden Klischees vorstellt. Hudson als Regisseur wirkt weitgehend ambivalent. Man nimmt ihm die tiefe Zuneigung zu seiner Frau unbedingt ab, aber eben nicht die bedingungslose Treue. Insgesamt sind alle Beteiligten vor allem aus der Hollywood-Clique undurchsichtig, aber offensichtlich miteinander verstrickt, und es entstehen versteckte Hinweise, die den Täter dort ausmachen könnten.
So muss man schon sehr genau zuhören, um die Bruchstücke dieses Spiegels zusammensetzen zu können. Dass eine unbeteiligte Frau ermordet wurde, zwingt einen diffusen Verdacht in jede Richtung. Später wird es präziser, aber man kann das Puzzle ohne Miss Marples' Hilfe zunächst unmöglich deuten. Es bekommt der Inszenierung sehr gut, dass das finale Puzzlestück in diesem Cluedo bis zum bitteren Ende hinausgezögert wird. Selbst dass letztlich immer wieder sehr melodramatische Komponenten zusammenkommen, kleidet die Geschichte angemessen, denn der recht tragische Fall von Mord als erstes Mittel der Wahl wirkt auch nicht gerade herkömmlich. Es entsteht zugegebenermaßen eine ganz eigenartige Variante der Vorhersehbarkeit im Rahmen eines Mordes ohne Motiv. Der klare Aufbau trägt zum späten Verständnis bei und sorgt für einen Twist, der eigentlich keiner ist, aber dennoch als solcher wahrgenommen wird. Begrüßenswert bei Hamiltons Beitrag ist, dass überaus klassische Elemente eine ansprechende Symbiose mit modernen, oder vielleicht eher zeitgemäßen Inhalten eingehen konnten. Die englische Ruhe und das provinzielle Flair wird durch eine Horde Hollywood-Vandalen gestört, was in jeder Hinsicht gut eingefangen wurde. Die Bildkomposition ist hervorragend, sie hebt Edles und Gewöhnliches nach Herzenslust vor, was nicht nur für die Sets gilt, sondern auch für die Charaktere. Musikalisch gesehen gibt es sehr Einprägsames und es ist in jedem Moment ein Genuss zuzuhören, vor allem auch im akustischen Bereich wenn besonders wichtige Momente eingefangen werden. Insbesondere die Schlüsselszene dieser Produktion gehört zu den ganz persönlichen Favoriten der großen Film-Momente. Die stechende Akustik, die Blitzmontage der Bilder und der Personen sorgt für einen atemberaubenden Moment, der sich in den umher stehenden Beteiligten widerspiegelt. "Mord im Spiegel" ist immer wieder gerne gesehen, im Szenario lässt sich alles zwischen Durchschnitt und großem Kino ausfindig machen, aber einer der persönlichen Lieblingsfilme muss wohl stets etwas Großartiges an sich haben, egal ob Luft von unten oder von oben geschnuppert werden kann. Eines bleibt jedoch unbestritten, denn diese Produktion erteilt kleine Lehrstunden in Sachen Star-Kino der Extraklasse und besonderer Unterhaltung mit Whodunit-Bonus.