TAG DER ABRECHNUNG – DER AMOKLÄUFER VON EUSKIRCHEN - Peter Keglevic

Sexwellen, Kriminalspaß und andere Krautploitation.
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Prisma
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TAG DER ABRECHNUNG – DER AMOKLÄUFER VON EUSKIRCHEN - Peter Keglevic

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TAG DER ABRECHNUNG – DER AMOKLÄUFER VON EUSKIRCHEN


● TAG DER ABRECHNUNG – DER AMOKLÄUFER VON EUSKIRCHEN (D|1994) [TV]
mit Christoph Waltz, Cornelia Froboess, Fabian Oscar Wien, Oliver Stritzel, Johanna Christine Gehlen, Hans-Jürgen Schatz sowie Tamara Kafka und Christian Redl
eine Produktion der Crea TV | im Auftrag von RTL
ein Fernsehfilm von Peter Keglevic


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»Ich kann dir helfen!«


Der Busfahrer Erwin M. (Christoph Waltz) gilt als Einzelgänger und wird als Außenseiter wahrgenommen. Er lebt zurückgezogen mit seiner Mutter (Cornelia Froboess) zusammen. Als Mitglied in einem Sportschützenverein ist er passionierter Waffensammler, doch hat mit dem Sammeln von Gummistiefeln noch eine andere, geheime Leidenschaft. Nachdem er seinen Job verloren und dessen Freundin Lena (Tamara Kafka) krankenhausreif geprügelt hat, wird ihm der Prozess wegen schwerer Körperverletzung vor dem Amtsgericht Euskirchen gemacht. Völlig aufgebracht beschließt er, dieses Urteil nicht zu akzeptieren und eigenhändig Urteile zu vollstrecken …

Das dokumentarische Filmdrama "Tag der Abrechnung – Der Amokläufer von Euskirchen" aus dem Jahr 1994 arbeitet den realen Amoklauf am Amtsgericht Euskirchen vom 9. März 1994 filmisch auf, bei dem der Täter nach einer abgelehnten Berufung mehrere Menschen und sich selbst tötete. Die RTL-Eigenproduktion wurde in Rekordzeit in Angriff genommen und bereits sieben Monate nach der Tat abgedreht. Die folgende Ausstrahlung im Oktober 1994 provozierte aufgrund der extremen zeitlichen Nähe Kontroversen und war der Anlass einer Debatte über die fragwürdige Moral des Senders, dem es offenbar primär um Sensation und Einschaltquoten ging. Für die traumatisierten Überlebenden und Hinterbliebenen bedeutete diese schnelle, jedoch wenigstens detailgetreue Rekonstruktion eine enorme emotionale Belastung und die Gefahr einer Retraumatisierung, während zeitgleich kritisiert wurde, dass dem Mörder eine mediale Bühne geboten wurde. Trotz dieses rein kommerziellen Kalküls des Senders entwickelte sich die Ausstrahlung zu einem großen Quotenerfolg, was auch daran lag, dass die Filmemacher sich dagegen entschieden, einen reißerischen Action-Thriller abzuliefern, und das Werk stattdessen durch handwerkliche Disziplin und psychologische Tiefe überzeugte. So lässt sich sagen, dass der Film unter Peter Keglevics Regie keine merklichen Kardinalfehler im Spektrum von Täter-Opfer-Umkehr oder unsensibler Beleuchtung begeht. Getragen von einem wirklich beachtlichen Ensemble, insbesondere von Christoph Waltz in einer frühen Charakterrolle als unberechenbarer Einzelgänger, kann man sich mit Sicherheitsabstand leicht auf das Dargebotene einlassen. Des Weiteren agiert ein wieder einmal brillanter Christian Redl als Vater des späteren Täters, dessen Aggressivität und Unempfindlichkeit oft nur schwer zu verdauen ist, an der Seite von Cornelia Froboess, Tamara Kafka und Fabian Oscar Wien. Genau hier entfaltet der Film ein beklemmendes Familien-Trauma, in dem sich die Gewaltgewohnheiten über Generationen hinweg weitergetragen haben. Durch die Inszenierung des tyrannischen Vaters, der im Film als verbitterter Schuhmacher den wirtschaftlichen Niedergang des traditionellen Handwerks und den Verlust des gesellschaftlichen Status symbolisiert, sowie der machtlos wegschauenden Mutter, wird der Nährboden für Erwins soziale Isolation begreiflich gemacht.

Der Verlauf zeigt eine fatale Identifikation des Aggressors, bei der der erwachsene Sohn auch nach dem Tod des Vaters verzweifelt versucht, dessen Ideal von patriarchaler Härte zu erfüllen, um endlich stolz auf ihn sein zu können, und diese Muster schließlich an seiner Freundin Lena durch Misshandlung und Erniedrigung fortführt. Diese Szenen der Gewalt und Hilflosigkeit sind durch die beinahe klinische Veranschaulichung nur schwer zu ertragen, zumal das Publikum erahnt, dass noch Schlimmeres für Lena folgen wird. Hierbei muss die Leistung von Tamara Kafka erwähnt werden, die sich in keiner Sekunde des Schreckens scheut, sehr schwierige Szenen darzustellen. Dennoch verfällt das Drehbuch nie in einen Entschuldigungsmarathon oder versucht den Täter reflexartig durch schwere Kindheitserzählungen zu rehabilitieren, da unmissverständlich klar bleibt, dass die finale Entscheidung zur Gewalt beim Täter selbst lag und er seine Kindheit lediglich zur eigenen Rationalisierung nutzt. Zusätzlich wird auf eine plumpe Stigmatisierung von Menschen, die einen Fetisch haben oder Waffenbegeisterung von Sportschützen verzichtet, da diese Obsessionen differenziert als Teil seines Kontrollwahns und nicht als automatische Auslöser dargestellt werden, wenngleich das Thema scharfer Waffen, die erst die Möglichkeiten zu derartigen Taten liefern, immer eine Kontroverse bleiben wird. Während die Kulisse beispielsweise mit den typischen Autos der frühen 1990er-Jahre wie eine visuelle Zeitkapsel wirkt, die die triste Atmosphäre der Isolation unterstreicht, wirkt der Film auch heute noch brandaktuell, wenngleich es zu unmittelbaren Veränderungen kam. In der Realität markierte die Tat einen historischen Wendepunkt, der neben massiven Verschärfungen des deutschen Waffenrechts vor allem zu drastischen Sicherheitsreformen an deutschen Gerichten führte, die seither durch permanente Einlasskontrollen, Sicherheitsschleusen, eine stärkere Präsenz von Justizwachtmeistern und verdeckte Alarmknöpfe geschützt werden. "Tag der Abrechnung – Der Amokläufer von Euskirchen" schafft es innerhalb eines Drahtseilaktes, als ernstzunehmendes Dokument wahrgenommen zu werden, welches in der Spanne zwischen Vergangenheit und Zukunft jedoch keine zeitlichen und örtlichen Bindungen kennt. So bleibt man mit der erschreckenden Gewissheit zurück, dass sich eine derartige Tragödie trotz Vorkehrungen jederzeit und überall wiederholen könnte.

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