● LYDIA MUSS STERBEN (D|1964) [TV]
mit Hellmut Lange, Eva Pflug, Friedrich Joloff, Edith Schultze-Westrum, Marion Lindt, Ursula Herwig, Horst Niendorf, Klaus Löwitsch,
Bum Krüger, Alexis von Hagemeister, Lorley Katz, Ernst Ronnecker, Wolfgang Völz, Sigfrit Steiner, Adolf Ziegler, Johannes Buzalski, u.a.
eine Produktion der Bavaria Atelier | Südfunk Stuttgart | im Auftrag der ARD
ein Fernsehfilm von Rainer Erler
»Bis jetzt ist der Mord nur vorbereitet …«
Der erfolgreiche Rechtsanwalt Webster Lindley (Hellmut Lange) schmiedet einen kaltblütigen Mordplan. Aus Rachegefühlen will er seine Ex-Frau Lydia (Eva Pflug) loswerden, die ihn vor einigen Jahren für seinen wohlhabenden Bruder Bruce (Horst Niendorf) verlassen hatte. Lindley will nichts dem Zufall überlassen und er konstruiert sich ein absolut wasserdichtes Alibi. Doch als die Vollendung seines Plans bevorsteht, kommt es zu ungeahnten Komplikationen. Durch unvorhergesehene Zufälle, unbequeme Personen und das Schicksal selbst, droht sich sein genialer Plan gegen ihn selbst zu richten …
Die beinahe unendlich wirkenden Weiten deutscher Kriminalverfilmungen brachten mitunter derartig aufwändig bebilderte und thematisch hochinteressante Beiträge wie Rainer Erlers "Lydia muss sterben" auf den Weg. Entstanden nach dem Kriminalroman "False Bounty" von Stephen Ransome alias Frederick Clyde Davis aus dem Jahr 1948, sorgt alleine der deutsche TV-Titel dieser Produktion für Aufsehen, denn es stellt sich die entscheidende Frage, wer diese eigentlich formuliert haben könnte. Kommt sie direkt vom Mörder, um dessen Identität von vorneherein kein Geheimnis gemacht wird, oder gar vom Zuschauer selbst, möglicherweise vorformuliert durch die Moral? Es folgt eine schnelle Vorstellung der Titelrolle und ein ebenso schnelles Vollstrecken ihres Todesurteils. Hierbei zeichnet Eva Pflug eine von Grund auf frustrierte Frau mit tyrannischen Zügen und demütigender Attitüde, die trotz gut situierter Verhältnisse mit nichts und niemandem zufrieden ist. Vor allem nicht mit ihrem Ex-Ehemann, der doch eigentlich ihre Existenzgrundlage darstellte. So setzte sie ihn permanent in hinkende Vergleiche zu seinen Kollegen und anderen Ehegatten, referiert immerfort über materielle Dinge und ihren Stand, der nach ihrer Ansicht nach gehobener sein müsste, immerhin müsse ein Jurist die Karriereleiter aggressiver erklimmen. Regie, Vorlage und Eva Pflug in der Blüte ihres Temperaments liefern das Motiv für einen bevorstehenden Mord auf einem Silbertablett, das Publikum gerät dabei in Lauerstellung, da erfahrungsgemäß nicht alles so glattlaufen wird, wie anvisiert. Der potenzielle Mörder teilt seine Gedankengänge unverblümt mit dem erstaunten Publikum, Hass und Verachtung müssen mittlerweile zu unüberwindbaren Bergen geworden sein. Der in schöner Schwarzweiß-Fotografie präsentierte Film spart von Beginn an nicht mit seinen Stärken, ob in visueller Hinsicht oder thematisch und darstellerisch. Wer könnte einen Mord besser planen als ein Anwalt? So denkt man zumindest, aber jeder Jurist würde auch gleich darauf verweisen, dass das perfekte Verbrechen gar nicht existiert, es sei denn, man greift zu einer guten juristischen Vorbereitung. Muss Lydia also wirklich sterben? Man findet sich plötzlich in Kehrtwendungen wieder.
In clever aufgebauten Kriminalfällen lassen sich durch ungewöhnliche Twists dankbare Zuschauer finden, da sich Geschichten und Personen neu ausrichten und Nebenschauplätze abbilden. »Das Gift für Lydia. Ein Experiment, um ein wenig Gerechtigkeit zu üben.« Derartig abenteuerliche Erläuterungen versetzen trotz des eindeutigen Profils der zu beseitigenden Frau in Erstaunen. Plötzlich wird man tatsächlich mit einer Leiche konfrontiert, die nicht unbedingt einkalkuliert war. Szenen am Gericht lockern das durchaus gut durchdachte Geschehen auf und man behält die Titelankündigung dieser TV-Produktion immer im Hinterkopf, die vor allem erwartungsgemäß einzutreffen hätte. Die Schauspieler wirken sorgsam ausgewählt, interpretieren ihre Rollen mit der nötigen Hingabe, was vor allem für Hellmut Lange und Eva Pflug gilt, die beide als feste Krimi-Kapazitäten bezeichnet werden können. So spielen beide Interpreten oftmals in dem Luxus, sich keine besonderen Festlegungen überstülpen lassen zu müssen, zumindest im Radius zwischen Gut und Böse. Beide Darsteller trumpfen entsprechend auf, mit Temperament, Destruktivität, Gleichmütigkeit, gegenseitiger Verachtung und aggressiven Intrigen, nur um den anderen in die schlechtere Position oder gleich ins Grab zu bringen. Herrlich fotografierte Szenen auf einem Friedhof weisen auf die Verheißung der Geschichte hin: Sie muss nur irgendwann zu ihrer Erfüllung kommen. Dabei rückt die vom Titel her totgesagte Lydia deutlicher in den Fokus, die sprichwörtlich vielleicht länger leben dürfte, als gedacht. Gekleidet wie eine Schwarze Witwe, scheint sie auf ihren richtigen Moment zu lauern, jedoch nicht ohne ihre wie gewöhnlich vorwurfsvollen Kommentare in Dauerschleife. Überraschungsgeladen, originell, mehr als solide inszeniert und passend in den Nebenrollen mit Klaus Löwitsch, Friedrich Joloff, Bum Krüger, Edith Schultze-Westrum, Sigfrit Steiner oder Wolfgang Völz besetzt, kann sich "Lydia muss sterben" für das gehobene TV-Segment kriminalistischer Unterhaltung empfehlen. Über weite Strecken für Spannung und Überraschungen gut, entfaltet sich eine raffiniert konstruierte Geschichte, deren Krux darin liegt, seinen Augen und Ohren nicht immer trauen zu dürfen. Sehenswert.
Die beinahe unendlich wirkenden Weiten deutscher Kriminalverfilmungen brachten mitunter derartig aufwändig bebilderte und thematisch hochinteressante Beiträge wie Rainer Erlers "Lydia muss sterben" auf den Weg. Entstanden nach dem Kriminalroman "False Bounty" von Stephen Ransome alias Frederick Clyde Davis aus dem Jahr 1948, sorgt alleine der deutsche TV-Titel dieser Produktion für Aufsehen, denn es stellt sich die entscheidende Frage, wer diese eigentlich formuliert haben könnte. Kommt sie direkt vom Mörder, um dessen Identität von vorneherein kein Geheimnis gemacht wird, oder gar vom Zuschauer selbst, möglicherweise vorformuliert durch die Moral? Es folgt eine schnelle Vorstellung der Titelrolle und ein ebenso schnelles Vollstrecken ihres Todesurteils. Hierbei zeichnet Eva Pflug eine von Grund auf frustrierte Frau mit tyrannischen Zügen und demütigender Attitüde, die trotz gut situierter Verhältnisse mit nichts und niemandem zufrieden ist. Vor allem nicht mit ihrem Ex-Ehemann, der doch eigentlich ihre Existenzgrundlage darstellte. So setzte sie ihn permanent in hinkende Vergleiche zu seinen Kollegen und anderen Ehegatten, referiert immerfort über materielle Dinge und ihren Stand, der nach ihrer Ansicht nach gehobener sein müsste, immerhin müsse ein Jurist die Karriereleiter aggressiver erklimmen. Regie, Vorlage und Eva Pflug in der Blüte ihres Temperaments liefern das Motiv für einen bevorstehenden Mord auf einem Silbertablett, das Publikum gerät dabei in Lauerstellung, da erfahrungsgemäß nicht alles so glattlaufen wird, wie anvisiert. Der potenzielle Mörder teilt seine Gedankengänge unverblümt mit dem erstaunten Publikum, Hass und Verachtung müssen mittlerweile zu unüberwindbaren Bergen geworden sein. Der in schöner Schwarzweiß-Fotografie präsentierte Film spart von Beginn an nicht mit seinen Stärken, ob in visueller Hinsicht oder thematisch und darstellerisch. Wer könnte einen Mord besser planen als ein Anwalt? So denkt man zumindest, aber jeder Jurist würde auch gleich darauf verweisen, dass das perfekte Verbrechen gar nicht existiert, es sei denn, man greift zu einer guten juristischen Vorbereitung. Muss Lydia also wirklich sterben? Man findet sich plötzlich in Kehrtwendungen wieder.
In clever aufgebauten Kriminalfällen lassen sich durch ungewöhnliche Twists dankbare Zuschauer finden, da sich Geschichten und Personen neu ausrichten und Nebenschauplätze abbilden. »Das Gift für Lydia. Ein Experiment, um ein wenig Gerechtigkeit zu üben.« Derartig abenteuerliche Erläuterungen versetzen trotz des eindeutigen Profils der zu beseitigenden Frau in Erstaunen. Plötzlich wird man tatsächlich mit einer Leiche konfrontiert, die nicht unbedingt einkalkuliert war. Szenen am Gericht lockern das durchaus gut durchdachte Geschehen auf und man behält die Titelankündigung dieser TV-Produktion immer im Hinterkopf, die vor allem erwartungsgemäß einzutreffen hätte. Die Schauspieler wirken sorgsam ausgewählt, interpretieren ihre Rollen mit der nötigen Hingabe, was vor allem für Hellmut Lange und Eva Pflug gilt, die beide als feste Krimi-Kapazitäten bezeichnet werden können. So spielen beide Interpreten oftmals in dem Luxus, sich keine besonderen Festlegungen überstülpen lassen zu müssen, zumindest im Radius zwischen Gut und Böse. Beide Darsteller trumpfen entsprechend auf, mit Temperament, Destruktivität, Gleichmütigkeit, gegenseitiger Verachtung und aggressiven Intrigen, nur um den anderen in die schlechtere Position oder gleich ins Grab zu bringen. Herrlich fotografierte Szenen auf einem Friedhof weisen auf die Verheißung der Geschichte hin: Sie muss nur irgendwann zu ihrer Erfüllung kommen. Dabei rückt die vom Titel her totgesagte Lydia deutlicher in den Fokus, die sprichwörtlich vielleicht länger leben dürfte, als gedacht. Gekleidet wie eine Schwarze Witwe, scheint sie auf ihren richtigen Moment zu lauern, jedoch nicht ohne ihre wie gewöhnlich vorwurfsvollen Kommentare in Dauerschleife. Überraschungsgeladen, originell, mehr als solide inszeniert und passend in den Nebenrollen mit Klaus Löwitsch, Friedrich Joloff, Bum Krüger, Edith Schultze-Westrum, Sigfrit Steiner oder Wolfgang Völz besetzt, kann sich "Lydia muss sterben" für das gehobene TV-Segment kriminalistischer Unterhaltung empfehlen. Über weite Strecken für Spannung und Überraschungen gut, entfaltet sich eine raffiniert konstruierte Geschichte, deren Krux darin liegt, seinen Augen und Ohren nicht immer trauen zu dürfen. Sehenswert.