MINNESOTA CLAY - Sergio Corbucci

Staubige Dörfer, schweigsame Pistoleros und glühende Colts.
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alex_wintermute
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MINNESOTA CLAY - Sergio Corbucci

Beitrag von alex_wintermute »

Minnesota Clay (1964)

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Erscheinungsjahr: 1964
Herstellungsland: Italien, Spanien, Frankreich
Darsteller: Cameron Mitchell, Georges Rivière, Ethel Rojo, Diana Martín, Antonio Roso, Fernando Sancho, Antonio Casas
Regie: Sergio Corbucci

Sergio Corbuccis Film ist ganz ordentlich gemacht, es fehlt aber der Feinschliff, um als Begründer/Mitbegründer des wahren Italowesterns definiert zu werden. Cameron Mitchell in der Rolle des Minnesota Clay halte ich für eine komplette Fehlbesetzung. Erinnert mich irgendwie an Bill Haley, der war auch zu alt für den Rock'n Roll für die junge Generation. Kurze Zeit später übernahm Elvis, der war kein alter Sack und besaß wesentlich mehr Charisma, was besonders gut und auch authentisch bei jungen Leuten jener Zeit ankam. Bill Haley hatte zwar ein paar sehr gute Songs vorzuweisen, war aber zu alt oder besser wirkte zu alt, fast wie 50 Lenze und damit völlig ungeeigent als Identifikationsfigur. Und hier sind wir bei Cameron Mitchell als Minnesota Clay. Hätte man ihn mit Clint Eastwood, Franco Nero oder Anthony Steffen ersetzt, der Film würde in einer anderen Liga spielen. In meinen Augen ist das auch ein entscheidender Grund dafür, warum "Minnesota Clay“ eher ein durchschnittlicher früher "Italowestern" geworden ist, trotz Potenzial nach oben. Der Film deutet schon viele spätere Genre Zutaten an, präsentiert sie aber noch nicht mit der Wucht, Coolness und stilistischen Sicherheit, die das Genre kurz darauf berühmt gemacht haben. Corbuccis Werk wirkt für mich in vielem wie ein Übergangswerk: Er ist düsterer und härter als viele ältere europäische Western, aber noch nicht so ikonisch, konsequent oder souverän inszeniert wie die großen Klassiker, die den Italowestern dann wirklich definierten. Das eigentliche Problem ist in meinen Augen tatsächlich der Protagonist, verkörpert durch Cameron Mitchell, neben einigen anderen sekundären Faktoren. Cameron Mitchell hat zwar eine markante, abgekämpfte Präsenz, die grundsätzlich gut zu einem gebrochenen Revolverhelden passt, aber wenn die Figur zugleich als eine Art Identifikationsfigur für die jüngere Generation funktionieren soll, wirkt er stellenweise eher zu alt, schwer und unbeweglich, als es der Film idealerweise bräuchte. Das muss nicht automatisch schlecht sein, aber es nimmt der Figur etwas von jener mythischen Energie, die spätere Italowestern Helden oft auszeichnet. Wichtig ist auch die Einordnung: "Minnesota Clay" stammt zwar aus dem Jahr 1964 und gehört damit zu den extrem frühen "Italowestern", aber als eigentlicher Begründer des Genres wird zu recht Sergio Leone mit "Für eine Handvoll Dollar" ebenfalls aus dem Jahre 1964 genannt, weil dieser Film die Form, den Stil, den Rhythmus und die internationale Wirkung des Genres viel klarer und nachhaltiger geprägt hat. "Minnesota Clay" ist also eher ein früher Baustein als der eigentliche Startpunkt. Exakt eingeschätzt ist "Minnesota Clay" ein früher, noch suchender "Protoitalowestern" beziehungsweise "Frühitalowestern", der bereits typische Motive des Genres bzw. des eigentlichen Italowesterns enthält, etwa den einsamen, beschädigten Helden, die moralische Grauzone und eine rauere Gewalt, der aber noch stärker zwischen klassischem Western und dem späteren Italowestern steht. Deshalb ist er filmhistorisch interessant und für Genrefans sehenswert, aber künstlerisch und stilistisch eher ein solides Mittelfeldwerk als ein großer Meilenstein ist. Von mir gibt es 7-8/10

Nachtrag: Der besseren Verständlichkeit wegen den Begriff Italowestern an manchen Stellen im Bezug zu dem Film mit Gänsefüßchen versehen.
Zuletzt geändert von alex_wintermute am Di., 02.06.2026 03:20, insgesamt 4-mal geändert.

Nobody
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Re: MINNESOTA CLAY - Sergio Corbucci

Beitrag von Nobody »

Viele Punkte für solides Mittelfeld ;)
Man sollte nicht verkennen, dass sich der Film eher an den amerikanischen Western von Mann und Boetticher orientiert, als einer noch nicht vorhandenen italienischen Tradition, denn zumindest die Vorbereitungen liefen sogar schon vor dem ersten Dollarfilm an.

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alex_wintermute
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Re: MINNESOTA CLAY - Sergio Corbucci

Beitrag von alex_wintermute »

Ich korrigiere auf 7/10, also etwas über dem durchschnittlichen Mittelfeld. Mann hat doch häufig mit James Stewart gedreht, der ein gewisses Saubermann Image innehatte. Den "Winchester 73" mal ausgeklammert, meine mich zu entsinnen, dass er in dem Film mal einen Bösewicht spielt. Oder nicht? Und Boetticher drehte gerne mit Randolph Scott, mit dem ich als Schauspieler aber nie so richtig warm geworden bin. "Minnesota Clay" ist für mich nach wie vor eine Art von Zwitter, teils US-Western und teils zukünftig Italowestern inszeniert. Die prozentuale Verteilung sei mal dahingestellt, ersteres wiegt leicht schwerer, aber nicht alleinig. In jedem Fall aber ist Corbuccis Film fernab der Perfektion eines Leone zu betrachten. Erst später mit seinem "Django" aus dem Jahre 1966 kam das Corbucci 10/10 Meisterwerk. Für mich ist immer noch Leones "Für eine Handvoll Dollar" nicht nur ein Klassiker und 10+/10 Meisterwerk, sondern der Film markiert auch den Beginn einer neuen Ära im Western Genre. Leone erschuf mit diesem Film den Grundstein des eigentlichen Italowesterns und hat auch damit Filmgeschichte geschrieben.

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