DER LETZTE ZUG NACH DURANGO - Mario Caiano

Staubige Dörfer, schweigsame Pistoleros und glühende Colts.
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alex_wintermute
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DER LETZTE ZUG NACH DURANGO - Mario Caiano

Beitrag von alex_wintermute »

Der Letzte Zug nach Durango (1968)

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Originaltitel: Un Treno per Durango
Herstellungsland: Italien, Spanien
Erscheinungsjahr: 1968
Darsteller: Anthony Steffen, Roberto Camardiel, Mark Damon, Dominique Boschero, José Bódalo, Manuel Zarzo, Aldo Sambrell
Regie: Mario Caiano

Mario Caiano inszenierte die interessante Italowestern Komödie "Der letzte Zug nach Durango" unter dem Pseudonym William Hawkins. Sein Werk zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass der Film die klassische Westernwelt mit einer sehr lockeren, witzigen und charmanten Buddy Dynamik verbindet. Dadurch hebt er sich deutlich von den ernsteren und härteren Italowestern seiner Zeit ab. Besonders stark ist dabei, wie der Film mehrere sehr unterschiedliche Figuren zusammenbringt und aus ihrem Zusammenspiel eine lebendige Mischung aus Komik, Spannung und Sympathie entstehen lässt, sodass man nicht nur an der Handlung interessiert bleibt, sondern auch einfach gern Zeit mit diesen Charakteren verbringt. Die beiden Buddys, Anthony Steffen mal in einer nicht zu harten und ernsten Rolle als Gringo und Roberto Camardiel als Lobo, leben vor allem von ihrem Zusammenspiel, denn sie verkörpern nicht nur Freundschaft oder Zweckgemeinschaft, sondern eine Dynamik, die von Reibung, Spott, Improvisation und gegenseitigem Ergänzen lebt. Aus diesem Wechselspiel entsteht viel von dem Humor und der Wärme des Films. Wichtig ist dabei, dass die beiden nicht bloß als Witzfiguren funktionieren, sondern als Typen, mit denen man gern mitgeht, weil sie menschlich, unvollkommen und sympathisch wirken und weil ihre Verbindung dem Film Herz und Bewegung gibt. Sie tragen die Geschichte nicht nur durch Action, sondern vor allem durch ihre Chemie, durch ihre kleinen Streitereien, ihre Loyalität, eher tiefe Freundschaft und das Gefühl, dass sie gemeinsam stärker und interessanter sind als allein. Und der dubiose Gentleman im Film, grandios verkörpert von Mark Damon, ist die Figur, die sofort durch ihre elegante, kontrollierte und oft etwas überlegene Art auffällt. Er bewegt sich mit Stil durch eine raue Welt und wirkt dadurch fast wie ein Fremdkörper im staubigen Westernmilieu, was ihm aber gerade seinen besonderen Reiz verleiht. Er ist nicht einfach nur geschniegelt oder ein oberflächlicher Lebemann, sondern strahlt eine Mischung aus Intelligenz, Selbstbeherrschung, Raffinesse und ironischer Distanz aus. Bei ihm hat man immer das Gefühl, dass er lieber mit Witz, Taktik und Charme gewinnt als mit bloßer Gewalt. Zu Letzterem aber auch nicht immer abgeneigt ist, sondern zu gerne auch mal anwendet und auskostet. Er bringt eine feine, fast spielerische Note in den Film und bildet einen reizvollen Gegenpol zu den eigentlich direkteren, körperlicheren Gegenspielern in der rauen Welt des Westens um ihn herum. Die mysteriöse Frau Helen, sehr beeindruckend von Dominique Boschero gespielt, ist in dem Film nicht nur romantisches Beiwerk, sondern eine Figur, die Charme, Eigenständigkeit und eine gewisse Unberechenbarkeit in die Handlung bringt. Sie lockert das Männergefüge auf und belebt es zugleich. Sie verkörpert Anziehung, Spannung und emotionale Motivation, aber oft auch Klugheit, Selbstsicherheit und die Fähigkeit, die Männer um sie herum zu durchschauen oder geschickt zu lenken. Gerade in diesem Film ist eine solche Frauenfigur wichtig, weil sie nicht nur Objekt von Interesse oder Begierde ist, sondern eine eigene Präsenz mitbringt und dem Film zusätzlich Eleganz, Witz und auch einen Hauch von romantischer Abenteuerstimmung verleiht. Sie spielt ihre Rolle sehr überzeugend und sorgt dafür, dass der Film nicht nur von männlicher Konkurrenz und Kameradschaft lebt, sondern auch von Charme, Spannung und einem kleinen Spiel der Gefühle. Mich jedenfalls hat Mario Caiano Werk äußerst gut unterhalten. Es bietet scheinbar leichte Unterhaltung, ist dabei aber sehr präzise inszeniert und Mario Camino weiß genau, wie Timing, Situationskomik, Action und Figurenchemie zusammenwirken müssen, damit ein Film zugleich unterhaltsam und erinnerungswürdig bleibt. Ihm gelingt es den Film mit Tempo, Stilgefühl und einem sicheren Gespür für Atmosphäre zu erzählen, ohne dass die Geschichte dabei zu überladen oder zu künstlich wirkt. Gerade das macht ihren ganz besonderen Reiz aus. Hinzu kommt, dass der Film eine angenehm spielerische, fast elegante Haltung zum Genre hat: Er nimmt den Western ernst genug, um echte Spannung und Abenteuer zu liefern, aber ist nie so verbissen, dass kein Platz für Ironie, Charme und Leichtigkeit bleibt. Genau diese Balance ist selten und wenn sie funktioniert, wirkt ein Film oft frischer, klüger und lebendiger als viele auf den ersten Blick größere Genrebeiträge. Und in diesem Film funktioniert diese Balance perfekt. "Der letzte Zug nach Durango" revolutionierte zwar nicht das Genre, macht aber innerhalb seiner Form fast alles richtig: starke Chemie zwischen den Hauptcharakteren, kluges Tempo, unterhaltsame Einfälle, viel Atmosphäre und eine sehr angenehme Mischung aus Abenteuer, Humor und Stil. Gerade dadurch bleibt der Film als besonders gelungener, charmanter und oft unterschätzter Italowestern im Gedächtnis. Mal ganz abgesehen von einem der witzigsten Finale bzw. Duelle gegen Ende des Films, das mit einem wirklich klasse Soundtrack untermalt ist. Von mir gibt es locker 9/10

ephedrino
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Re: DER LETZTE ZUG NACH DURANGO - Mario Caiano

Beitrag von ephedrino »

alex_wintermute hat geschrieben:
Di., 26.05.2026 09:34
Die beiden Buddys, Anthony Steffen mal in einer nicht zu harten und ernsten Rolle als Gringo und Roberto Camardiel als Lobo
Steffens Buddy ist aber doch Enrico Maria Salerno.

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alex_wintermute
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Re: DER LETZTE ZUG NACH DURANGO - Mario Caiano

Beitrag von alex_wintermute »

ephedrino hat geschrieben:
Di., 26.05.2026 10:49
alex_wintermute hat geschrieben:
Di., 26.05.2026 09:34
Die beiden Buddys, Anthony Steffen mal in einer nicht zu harten und ernsten Rolle als Gringo und Roberto Camardiel als Lobo
Steffens Buddy ist aber doch Enrico Maria Salerno.

Völlig richtig! Asche auf mein Haupt. Da muss ich irgendwie etwas komplett verwechselt haben. Wohl noch Nachwirkungen von meinem Irish Pub Besuch am Pfingstmontag.

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