● DIE INSEL DER BLUTIGEN PLANTAGE (D|1982)
mit Udo Kier, Barbara Valentin, Hans Zander, Karen Lopez, Rosemarie Sarita, Kurt Raab, Peter Kern, Mike Monty,
Karina Fallenstein, Fouad Mediouni-Zaoudi, Ronald Buenaventura sowie Tet Antiquiera und Karl-Otto Alberty
ein Luxor Film | FGO Film | im Verleih der Atlas international
ein Film von Kurt Raab
»Habt ihr denn alle nur Scheiße im Hirn?«
Otto Globocnik (Karl-Otto Alberty), ein Mann mit einschlägiger Vergangenheit, beherrscht und unterjocht die Bevölkerung einer idyllischen Insel. Der selbsternannte Diktator konnte gemeinsam mit seiner sadistischen Freundin Olga (Barbara Valentin) eine Herrschaft der Willkür, Gewalt und Erniedrigung etablieren. Die Einheimischen müssen auf einer Plantage Frondienste leisten, die Frauen werden obendrein von ihm uns seiner Privatarmee zu Lustobjekten degradiert. Lediglich Hermano (Udo Kier), ein einst loyaler Helfershelfer, versucht sich von den Grausamkeiten abzuwenden, da er sich in die schöne Cora (Karen Lopez) verliebt hat. Er möchte mit ihr von der Insel fliehen, doch die Pläne sickern durch und es wird ein grausames Exempel statuiert …
Kurt Raabs "Die Insel der blutigen Plantage" verfügt laut Produzent Peter Kern über eine schwierige, nahezu abenteuerliche Produktionsgeschichte, bei der zahlreiche widrige Umstände überwunden werden mussten. Dass der Film genauso existiert, grenzt dabei fast an ein Wunder, doch die Intention, ihn in seiner unbändigen Fasson überhaupt zu produzieren, stellt dabei die interessanteste Fußnote dar. Um sich freischaufeln zu können, wollte man einen international und auf ein breites Zielpublikum ausgerichteten Film auf den Markt werfen, um ordentlich Geld damit zu verdienen. Davon sollten schließlich die Filme entstehen, die man wirklich realisieren wollte, also inszenatorisch und thematisch wesentlich komplizierter und anspruchsvoller, als das, was man hier geboten bekommt. Der Film wurde in der Bundesrepublik zum finanziellen Desaster und nach dem Kinostart relativ schnell indiziert, genießt jedoch heute einen gewissen Kultstatus, vor allem auf dem asiatischen Markt. Hierzulande wurde das Werk nicht einmal kritisch, sondern vornehmlich mit Abscheu besprochen, was nicht nur am Angebot selbst liegen wird, sondern vielleicht auch an der Tatsache, in welche Kloake sich Teile der Fassbinder-Clique begeben hatten. Der Wechsel aus dem gesellschaftskritischen und sezierenden Charakterfach zum unverblümten Exploitation- und Trashfilm mag dabei wie ein Kulturschock gewirkt haben, wenngleich es von Anfang an keine Verwechslungsmöglichkeiten geben sollte. Am Ende kann vielleicht gesagt werden, dass sich Produktion und Regie temporär zu wichtig genommen haben, doch für einen Jahrzehnte später existierenden Kultfaktor, kann man sich im Moment der Erstauswertung nichts kaufen. Die Dramaturgie der Veranstaltung ist simpel und daher effektiv. Sadisten toben sich in der Abgeschiedenheit einer schönen Insel aus und inszenieren sich wie Halbgötter. Das Material Mensch wird auf Arbeits- und Sexmaschinen reduziert und jeder kann ordentlich die Sau herauslassen, sodass Folter und Erniedrigung eine plastische Veranschaulichung finden dürfen. Bereits der Einstieg verbreitet ein Gefühl, bei dem man sich fragt, ob die Wahrnehmung stimmt, aber die zwei hübschen Blondinen, die den Weg in die Hölle ebnen, seien laut Peter Kern nur Gewinnerinnen eines Preisausschreibens bei einer Zeitschrift gewesen, die er dann im Gegenzug für dortige Reklame unterzubringen hatte. Es werden also gleich unmissverständliche Zeichen gegeben: Wer die Insel betritt, wird sofort kaltgestellt. Zwar ärgern sich einige der Schergen über den schnellen Tod der beiden Strandschönheiten, der Zuschauer, dass sie nicht blank gezogen haben, vor allem, weil man sie doch in zahlreiche perverse Fantasien und Praktiken hätte einbauen können. Aber man kann jederzeit auf bewährte Pferde im Stall setzen.
Der Film verliert keine überflüssige Zeit, um sich von seiner Schokoladenseite zu zeigen, immerhin wollte man diesen auch in zehn Drehtagen im Kasten haben, sodass die relevantesten Charaktere vorgestellt werden können. Im Grunde genommen stellen sie sich im Rahmen eindeutiger charakterlicher Abgründe selbst vor, und hier sind vor allem Karl-Otto Alberty, Hans Zander und Barbara Valentin zu nennen, denen das Skript-Diktat dem Empfinden nach auch noch Spaß beziehungsweise keine Mühe bereitet. Umso besser, man nimmt auch gut gelaunte Sadisten in einem derartigen Flick dankend an. Leider hat Udo Kier, der Mann mit der überwältigenden Präsenz und beinahe undefinierbaren Ausstrahlung, einen vorgefertigten Nachteil seiner Rolle zu tragen, denn er darf seine bekannten Kapazitäten zugunsten dramaturgischer Ziele nicht in üblicher Manier abrufen. So fällt das Hauptaugenmerk schnell auf Valentin, Zander und Alberty, die in ihrer Eindimensionalität mit Überzeugungskraft und gepfefferten Dialogen kokettieren werden. Es kommt schließlich viel im Rahmen der neu ausgelegten Todsünden, sexueller Ausschweifungen und menschlichen Abschaums zusammen: Der Diktator verlangt blinden Gehorsam und Loyalität zu ihm und seinem System, was schließlich eins ist. Dabei sind ihm Menschen generell nichts wert und er fällt durch eine völlig perfide und unsentimentale Aura auf. Barbara Valentin als "blutige Olga" ist eine Melange aus Sadismus und Geilheit, wobei sich das eine durch das andere nur potenziert. Ein besonderes Kabinettstückchen liefert schließlich Hans Zander, der dem Begriff Widerwärtigkeit in neue Dimensionen verhilft. Eine derartige Entourage ist das Α und Ω in einer derartigen Produktion, deren Handeln gerne auch mal unmotiviert und nicht immer begreiflich sein darf, denn es muss generell einfach nur krachen. Inszenatorisch ist beinahe überall zu bemerken, dass die Möglichkeiten limitiert waren, aber letztlich entsteht so der besondere Kick des Gezeigten. Im letzten Drittel versucht es die Regie mit einem Allround-Programm aus allem, was recht und billig erscheint, sodass man kleine Pyrotechnik, tiefer als tief sinken, Ekel, okkulten Hokuspokus sowie Action und Tempo, außerdem unkultivierte Dialoge angeboten bekommt. Im Gesamtmenü dürfte für Interessenten solcher Flicks also immer etwas Reizvolles dabei sein, und sei es nur ein plumper Nervenkitzel mit betont primitiv agierenden Beteiligten, die hier zu jeder Schandtat bereit sind, obwohl sie sich vielleicht zunächst nicht im Klaren waren, wo sie überhaupt gelandet sind. "Die Insel der blutigen Plantage" genießt für heutige Verhältnisse zurecht einen gewissen Kultstatus, da er vor allem für bundesdeutsche Verhältnisse als recht gut fotografiertes und unterhaltsames Experiment wahrzunehmen ist, das hierzulande in einer derartigen Form nicht wie am Fließband zustande gekommen ist.
Kurt Raabs "Die Insel der blutigen Plantage" verfügt laut Produzent Peter Kern über eine schwierige, nahezu abenteuerliche Produktionsgeschichte, bei der zahlreiche widrige Umstände überwunden werden mussten. Dass der Film genauso existiert, grenzt dabei fast an ein Wunder, doch die Intention, ihn in seiner unbändigen Fasson überhaupt zu produzieren, stellt dabei die interessanteste Fußnote dar. Um sich freischaufeln zu können, wollte man einen international und auf ein breites Zielpublikum ausgerichteten Film auf den Markt werfen, um ordentlich Geld damit zu verdienen. Davon sollten schließlich die Filme entstehen, die man wirklich realisieren wollte, also inszenatorisch und thematisch wesentlich komplizierter und anspruchsvoller, als das, was man hier geboten bekommt. Der Film wurde in der Bundesrepublik zum finanziellen Desaster und nach dem Kinostart relativ schnell indiziert, genießt jedoch heute einen gewissen Kultstatus, vor allem auf dem asiatischen Markt. Hierzulande wurde das Werk nicht einmal kritisch, sondern vornehmlich mit Abscheu besprochen, was nicht nur am Angebot selbst liegen wird, sondern vielleicht auch an der Tatsache, in welche Kloake sich Teile der Fassbinder-Clique begeben hatten. Der Wechsel aus dem gesellschaftskritischen und sezierenden Charakterfach zum unverblümten Exploitation- und Trashfilm mag dabei wie ein Kulturschock gewirkt haben, wenngleich es von Anfang an keine Verwechslungsmöglichkeiten geben sollte. Am Ende kann vielleicht gesagt werden, dass sich Produktion und Regie temporär zu wichtig genommen haben, doch für einen Jahrzehnte später existierenden Kultfaktor, kann man sich im Moment der Erstauswertung nichts kaufen. Die Dramaturgie der Veranstaltung ist simpel und daher effektiv. Sadisten toben sich in der Abgeschiedenheit einer schönen Insel aus und inszenieren sich wie Halbgötter. Das Material Mensch wird auf Arbeits- und Sexmaschinen reduziert und jeder kann ordentlich die Sau herauslassen, sodass Folter und Erniedrigung eine plastische Veranschaulichung finden dürfen. Bereits der Einstieg verbreitet ein Gefühl, bei dem man sich fragt, ob die Wahrnehmung stimmt, aber die zwei hübschen Blondinen, die den Weg in die Hölle ebnen, seien laut Peter Kern nur Gewinnerinnen eines Preisausschreibens bei einer Zeitschrift gewesen, die er dann im Gegenzug für dortige Reklame unterzubringen hatte. Es werden also gleich unmissverständliche Zeichen gegeben: Wer die Insel betritt, wird sofort kaltgestellt. Zwar ärgern sich einige der Schergen über den schnellen Tod der beiden Strandschönheiten, der Zuschauer, dass sie nicht blank gezogen haben, vor allem, weil man sie doch in zahlreiche perverse Fantasien und Praktiken hätte einbauen können. Aber man kann jederzeit auf bewährte Pferde im Stall setzen.
Der Film verliert keine überflüssige Zeit, um sich von seiner Schokoladenseite zu zeigen, immerhin wollte man diesen auch in zehn Drehtagen im Kasten haben, sodass die relevantesten Charaktere vorgestellt werden können. Im Grunde genommen stellen sie sich im Rahmen eindeutiger charakterlicher Abgründe selbst vor, und hier sind vor allem Karl-Otto Alberty, Hans Zander und Barbara Valentin zu nennen, denen das Skript-Diktat dem Empfinden nach auch noch Spaß beziehungsweise keine Mühe bereitet. Umso besser, man nimmt auch gut gelaunte Sadisten in einem derartigen Flick dankend an. Leider hat Udo Kier, der Mann mit der überwältigenden Präsenz und beinahe undefinierbaren Ausstrahlung, einen vorgefertigten Nachteil seiner Rolle zu tragen, denn er darf seine bekannten Kapazitäten zugunsten dramaturgischer Ziele nicht in üblicher Manier abrufen. So fällt das Hauptaugenmerk schnell auf Valentin, Zander und Alberty, die in ihrer Eindimensionalität mit Überzeugungskraft und gepfefferten Dialogen kokettieren werden. Es kommt schließlich viel im Rahmen der neu ausgelegten Todsünden, sexueller Ausschweifungen und menschlichen Abschaums zusammen: Der Diktator verlangt blinden Gehorsam und Loyalität zu ihm und seinem System, was schließlich eins ist. Dabei sind ihm Menschen generell nichts wert und er fällt durch eine völlig perfide und unsentimentale Aura auf. Barbara Valentin als "blutige Olga" ist eine Melange aus Sadismus und Geilheit, wobei sich das eine durch das andere nur potenziert. Ein besonderes Kabinettstückchen liefert schließlich Hans Zander, der dem Begriff Widerwärtigkeit in neue Dimensionen verhilft. Eine derartige Entourage ist das Α und Ω in einer derartigen Produktion, deren Handeln gerne auch mal unmotiviert und nicht immer begreiflich sein darf, denn es muss generell einfach nur krachen. Inszenatorisch ist beinahe überall zu bemerken, dass die Möglichkeiten limitiert waren, aber letztlich entsteht so der besondere Kick des Gezeigten. Im letzten Drittel versucht es die Regie mit einem Allround-Programm aus allem, was recht und billig erscheint, sodass man kleine Pyrotechnik, tiefer als tief sinken, Ekel, okkulten Hokuspokus sowie Action und Tempo, außerdem unkultivierte Dialoge angeboten bekommt. Im Gesamtmenü dürfte für Interessenten solcher Flicks also immer etwas Reizvolles dabei sein, und sei es nur ein plumper Nervenkitzel mit betont primitiv agierenden Beteiligten, die hier zu jeder Schandtat bereit sind, obwohl sie sich vielleicht zunächst nicht im Klaren waren, wo sie überhaupt gelandet sind. "Die Insel der blutigen Plantage" genießt für heutige Verhältnisse zurecht einen gewissen Kultstatus, da er vor allem für bundesdeutsche Verhältnisse als recht gut fotografiertes und unterhaltsames Experiment wahrzunehmen ist, das hierzulande in einer derartigen Form nicht wie am Fließband zustande gekommen ist.