"Verdammt die jungen Sünder nicht" (Morgen beginnt das Leben) (Österreich 1961)
mit: Cordula Trantow, Corny Collins, Werner Hinz, Magda Schneider, Walter Wilz, Rainer Brandt, Chris van Loosen, Gertraud Jesserer, Michael Heltau, Joseph Krastel, Hilde Jaeger, Grete Elb, Margarete Fries, Hannes Schiel, Kurt Schossmann, Gaby Banschenbach u.a. | Drehbuch: Hermann Leitner, August Rieger und Wolfgang Schnitzler | Regie: Hermann Leitner
Sylvia Reimers und Ruth Jüttner leben in der selben Stadt, kennen sich aber nicht, obwohl ihr Leben einige Berührungspunkte aufweist. Während Sylvia gerade ein Kind bekommen hat und nun in der Jugendfürsorge untergebracht ist, lebt die gutbürgerliche Ruth zuhause, will sich aber nicht mehr länger vorschreiben lassen, wie sie ihre Freizeit gestaltet. Sie findet falsche Freunde, die nur ihren eigenen Vorteil im Auge haben und manövriert sich von einem Fehltritt zum nächsten. Während Sylvia nach einer Versöhnung mit dem Vater ihres Babys strebt, entfremdet sich Ruth immer mehr von ihrer Familie und droht, in der Gosse zu landen, wenn sie die Intrigen ihrer Umgebung nicht durchschaut....
Anhand von zwei 17-jährigen Mädchen, von denen eines wohlbehütet bei bürgerlichen, konservativen Eltern aufwächst, während das andere eine alleinerziehende Mutter hat, deren Lebensverhältnisse von Enttäuschungen und Rückschlägen geprägt sind, nähert sich der Film einem schwierigen gesellschaftlichen Thema an. Die Frage, inwiefern Fürsorge und Strenge einen jungen Menschen davor bewahren, in sein Unglück zu rennen oder ob das Streben nach Freiheit und Unabhängigkeit dadurch erst gefördert wird, wird am Beispiel von Ruth und Sylvia erläutert. Ihre Lebenswege kreuzen sich nie bewusst, verlaufen aber parallel, und was die eine mitmacht, steht der anderen eventuell noch bevor. Anschaulich präsentieren sich Ursache und Wirkung anhand zweier nach Selbstbehauptung und Glück strebenden Mädchen, die für ihre Fehler und Verstöße gegen die Ordnung teilweise saftige Quittungen erhalten und Personen, die ihnen nahestehen, enttäuschen. Kaum eine klassische Jugendsünde wird ausgelassen, um die Vorurteile des Publikums aus den Jahrgängen vor dem Ersten Weltkrieg zu bestätigen und gleichzeitig den Voyeurismus zu befriedigen, der in schöner Doppelmoral bei einem Teil der Zuschauer vorhanden ist. So ist es nicht schwer, gewisse Drehbuchwendungen vorwegzunehmen und Klischees über Rollentypen bekräftigt zu sehen. Der Film appelliert an die Elterngeneration, die Jugend nicht in Bausch und Bogen zu verteufeln, auch wenn die Kommunikation an unterschiedlichen Vorstellungen über Laster und Tugend bzw. Pflichten und Rechten scheitert. So wird oft übereinander und gegeneinander, aber selten miteinander geredet, was die Kluft zwischen den Generationen noch vertieft.
Das Drehbuch des Dreierteams ist in manchen Punkten zu zögerlich oder bedient sich plakativer Muster, um einen Konflikt zu konstruieren. Deshalb wirken manche Sequenzen wie Blaupausen anderer Kolportagefilme, was allerdings durch das einnehmende Spiel der beiden weiblichen Hauptfiguren ausgeglichen wird. Besonders Cordula Trantow erweist sich als gute Wahl für die Rolle der jungen Mutter, die anfangs mit ihrem Schicksal hadert, dann jedoch konsequent nach einem Weg sucht, den Kontakt zu ihrem Freund wieder aufzunehmen und ihn in ihr neues Leben einzubinden. Walter Wilz, der ihren Partner spielt, rebelliert gegen die Erwartungen, die an ihn gestellt werden, sei es von seinen sogenannten Freunden, die seine Stellung als Autolackierer dazu missbrauchen, gestohlene Wagen neu zu spritzen, als auch gegen die Verantwortung, mit der er sich durch Sylvia konfrontiert sieht. Seine Darstellung des zornigen jungen Mannes bricht nur für wenige Augenblicke auf, wenn er sich daran erinnert, wie gern er Sylvia mochte. Die am meisten berührende Szene des Films ist jene, in der Cordula Trantow vor dem Wagen steht, mit dem Walter Wilz und Chris van Loosen gerade vorgefahren sind und sie traurig lächelnd auf das Maskottchen hinter der Windschutzscheibe blickt. Solche Momente heben den Film vom Durchschnitt ab und verleihen ihm Profil, was er angesichts des hohen Tempos gut gebrauchen kann. Die Produktion jagt von einem hausgemachten Skandal zum nächsten, wobei man Corny Collins zwar den Trotz, nicht jedoch die permanente Naivität abnimmt, mit der sie den üblen Burschen fortwährend auf den Leim geht. Ihre bekannte Schlagfertigkeit nimmt sich in vielen Szenen eine Auszeit, was sie besonders im Umgang mit ihren Filmeltern wehrlos macht.
Trotz der manchmal wie am Reißbrett entworfenen Filmcharaktere verfügt die Wiener Schönbrunn-Film-Produktion des Ernest Müller über einen sehr hohen Unterhaltungswert und vermag das Publikum bei Laune zu halten, obwohl gerade im Finale einige haarscharfe Kurven - im wahrsten Sinne des Wortes - genommen werden müssen und das Ende unausgegoren und abrupt wirkt. In Gedanken antizipiert der Zuschauer einen weitaus tragischeren Abschluss und erhält den Eindruck, es hier mit einer Kompromisslösung zu tun zu bekommen. In vielen Punkten scheint es, als wären Zugeständnisse gemacht worden, als hätte die Zensur der Filmprüfstelle bereits in den Köpfen der Beteiligten stattgefunden und manche klare Aussage verhindert. Es liegt in der Hand der Darsteller, ihren Figuren einen lebendigen Anstrich zu verleihen. Die Elterngeneration in Gestalt von Werner Hinz und Magda Schneider (in ihrer letzten Kinorolle) begegnet der Jugend mit aus der eigenen Sturm- und Drangzeit importierten Lebensansichten, wobei sich der gesellschaftliche Wandel wie eine Mauer erweist, die zwischen Alt und Jung hochgezogen wurde. Die Befangenheit, mit der Themen wie Selbstbestimmung und Verantwortung angesprochen werden, zeigt die Hilflosigkeit, Verständnis für menschliche Schwächen aufzubringen. Nach dem kollektiven "Wir" der Kriegsgeneration, entwickelt sich die Gesellschaft zum individuellen "Ich", was neue Probleme schafft und labile und schwache Charaktere in isolierter Hoffnungslosigkeit zurücklässt. In Ansätzen gelingt es der Produktion, auf diesen Wandel der Werte hinzuweisen, bleibt jedoch insgesamt zu oberflächlich, um wirkliche Kritik anzubringen oder psychologische Tiefe zu erlangen.
mit: Cordula Trantow, Corny Collins, Werner Hinz, Magda Schneider, Walter Wilz, Rainer Brandt, Chris van Loosen, Gertraud Jesserer, Michael Heltau, Joseph Krastel, Hilde Jaeger, Grete Elb, Margarete Fries, Hannes Schiel, Kurt Schossmann, Gaby Banschenbach u.a. | Drehbuch: Hermann Leitner, August Rieger und Wolfgang Schnitzler | Regie: Hermann Leitner
Sylvia Reimers und Ruth Jüttner leben in der selben Stadt, kennen sich aber nicht, obwohl ihr Leben einige Berührungspunkte aufweist. Während Sylvia gerade ein Kind bekommen hat und nun in der Jugendfürsorge untergebracht ist, lebt die gutbürgerliche Ruth zuhause, will sich aber nicht mehr länger vorschreiben lassen, wie sie ihre Freizeit gestaltet. Sie findet falsche Freunde, die nur ihren eigenen Vorteil im Auge haben und manövriert sich von einem Fehltritt zum nächsten. Während Sylvia nach einer Versöhnung mit dem Vater ihres Babys strebt, entfremdet sich Ruth immer mehr von ihrer Familie und droht, in der Gosse zu landen, wenn sie die Intrigen ihrer Umgebung nicht durchschaut....
Anhand von zwei 17-jährigen Mädchen, von denen eines wohlbehütet bei bürgerlichen, konservativen Eltern aufwächst, während das andere eine alleinerziehende Mutter hat, deren Lebensverhältnisse von Enttäuschungen und Rückschlägen geprägt sind, nähert sich der Film einem schwierigen gesellschaftlichen Thema an. Die Frage, inwiefern Fürsorge und Strenge einen jungen Menschen davor bewahren, in sein Unglück zu rennen oder ob das Streben nach Freiheit und Unabhängigkeit dadurch erst gefördert wird, wird am Beispiel von Ruth und Sylvia erläutert. Ihre Lebenswege kreuzen sich nie bewusst, verlaufen aber parallel, und was die eine mitmacht, steht der anderen eventuell noch bevor. Anschaulich präsentieren sich Ursache und Wirkung anhand zweier nach Selbstbehauptung und Glück strebenden Mädchen, die für ihre Fehler und Verstöße gegen die Ordnung teilweise saftige Quittungen erhalten und Personen, die ihnen nahestehen, enttäuschen. Kaum eine klassische Jugendsünde wird ausgelassen, um die Vorurteile des Publikums aus den Jahrgängen vor dem Ersten Weltkrieg zu bestätigen und gleichzeitig den Voyeurismus zu befriedigen, der in schöner Doppelmoral bei einem Teil der Zuschauer vorhanden ist. So ist es nicht schwer, gewisse Drehbuchwendungen vorwegzunehmen und Klischees über Rollentypen bekräftigt zu sehen. Der Film appelliert an die Elterngeneration, die Jugend nicht in Bausch und Bogen zu verteufeln, auch wenn die Kommunikation an unterschiedlichen Vorstellungen über Laster und Tugend bzw. Pflichten und Rechten scheitert. So wird oft übereinander und gegeneinander, aber selten miteinander geredet, was die Kluft zwischen den Generationen noch vertieft.
Das Drehbuch des Dreierteams ist in manchen Punkten zu zögerlich oder bedient sich plakativer Muster, um einen Konflikt zu konstruieren. Deshalb wirken manche Sequenzen wie Blaupausen anderer Kolportagefilme, was allerdings durch das einnehmende Spiel der beiden weiblichen Hauptfiguren ausgeglichen wird. Besonders Cordula Trantow erweist sich als gute Wahl für die Rolle der jungen Mutter, die anfangs mit ihrem Schicksal hadert, dann jedoch konsequent nach einem Weg sucht, den Kontakt zu ihrem Freund wieder aufzunehmen und ihn in ihr neues Leben einzubinden. Walter Wilz, der ihren Partner spielt, rebelliert gegen die Erwartungen, die an ihn gestellt werden, sei es von seinen sogenannten Freunden, die seine Stellung als Autolackierer dazu missbrauchen, gestohlene Wagen neu zu spritzen, als auch gegen die Verantwortung, mit der er sich durch Sylvia konfrontiert sieht. Seine Darstellung des zornigen jungen Mannes bricht nur für wenige Augenblicke auf, wenn er sich daran erinnert, wie gern er Sylvia mochte. Die am meisten berührende Szene des Films ist jene, in der Cordula Trantow vor dem Wagen steht, mit dem Walter Wilz und Chris van Loosen gerade vorgefahren sind und sie traurig lächelnd auf das Maskottchen hinter der Windschutzscheibe blickt. Solche Momente heben den Film vom Durchschnitt ab und verleihen ihm Profil, was er angesichts des hohen Tempos gut gebrauchen kann. Die Produktion jagt von einem hausgemachten Skandal zum nächsten, wobei man Corny Collins zwar den Trotz, nicht jedoch die permanente Naivität abnimmt, mit der sie den üblen Burschen fortwährend auf den Leim geht. Ihre bekannte Schlagfertigkeit nimmt sich in vielen Szenen eine Auszeit, was sie besonders im Umgang mit ihren Filmeltern wehrlos macht.
Trotz der manchmal wie am Reißbrett entworfenen Filmcharaktere verfügt die Wiener Schönbrunn-Film-Produktion des Ernest Müller über einen sehr hohen Unterhaltungswert und vermag das Publikum bei Laune zu halten, obwohl gerade im Finale einige haarscharfe Kurven - im wahrsten Sinne des Wortes - genommen werden müssen und das Ende unausgegoren und abrupt wirkt. In Gedanken antizipiert der Zuschauer einen weitaus tragischeren Abschluss und erhält den Eindruck, es hier mit einer Kompromisslösung zu tun zu bekommen. In vielen Punkten scheint es, als wären Zugeständnisse gemacht worden, als hätte die Zensur der Filmprüfstelle bereits in den Köpfen der Beteiligten stattgefunden und manche klare Aussage verhindert. Es liegt in der Hand der Darsteller, ihren Figuren einen lebendigen Anstrich zu verleihen. Die Elterngeneration in Gestalt von Werner Hinz und Magda Schneider (in ihrer letzten Kinorolle) begegnet der Jugend mit aus der eigenen Sturm- und Drangzeit importierten Lebensansichten, wobei sich der gesellschaftliche Wandel wie eine Mauer erweist, die zwischen Alt und Jung hochgezogen wurde. Die Befangenheit, mit der Themen wie Selbstbestimmung und Verantwortung angesprochen werden, zeigt die Hilflosigkeit, Verständnis für menschliche Schwächen aufzubringen. Nach dem kollektiven "Wir" der Kriegsgeneration, entwickelt sich die Gesellschaft zum individuellen "Ich", was neue Probleme schafft und labile und schwache Charaktere in isolierter Hoffnungslosigkeit zurücklässt. In Ansätzen gelingt es der Produktion, auf diesen Wandel der Werte hinzuweisen, bleibt jedoch insgesamt zu oberflächlich, um wirkliche Kritik anzubringen oder psychologische Tiefe zu erlangen.