"Das Geheimnis von Lismore Castle" (Deutschland 1986)
mit: Carl Heinz Schroth, Vera Tschechowa, Christian Wolff, Tilly Lauenstein, Hans Clarin, Henning Schlüter, Günter Meisner, Karl-W. Schaper, Hermann Ebeling, Monica Gruber, Peter Lehwald | Drehbuch: Franz Joseph Gottlieb nach dem Roman "The Man Who Changed His Name" von Edgar Wallace | Regie: Franz Joseph Gottlieb
Selby Cliff lebt in zweiter Ehe mit seiner Frau Anita auf dem abgelegenen Lismore Castle in Schottland. Er besitzt in seiner alten Heimat Kanada noch Grundstücke, die er nun veräußern möchte und hat deshalb einen Mann namens Frank O'Ryan eingeladen, um mit ihm zu verhandeln. Was er nicht weiß: Frank ist die Jugendliebe von Anita und hat sich erst wenige Tage vor seiner Anreise mit ihr in einem Hotel getroffen. Bald nach seiner Ankunft auf dem Schloss geschehen seltsame Dinge und Mrs. Cliff und O'Ryan entgehen mehrmals knapp dem Tod. Als der Kriminalschriftsteller Sir Ralph Whitecombe den Fall Dennis Sanderby für seinen neuen Roman verwenden will, wird Selby Cliff nervös. Sanderby verschwand vor dreißig Jahren, nachdem er zwei Menschen getötet hatte. Frank O'Ryan beschleicht ein furchtbarer Verdacht: Handelt es sich bei dem gesuchten Mörder um Selby Cliff und plant dieser nun, seine Frau zu ermorden, um die hohe Lebensversicherung zu kassieren?
Wenn Ambition auf ein schmales Budget trifft, kann mit viel Disziplin und Leidenschaft ein besseres Produkt entstehen als unter besten Voraussetzungen. Die Firma Phönix Film übernahm für das ZDF im Herbst 1985 den Auftrag, eine Neuverfilmung von "Der Mann, der seinen Namen änderte" zu drehen, ein Fernsehspiel aus dem Jahr 1958. Um sich von der reinen Studioproduktion abzuheben, kalkulierte Regisseur Gottlieb mit spitzer Feder, da er den Atelieraufnahmen, welche in Berlin entstanden, unbedingt Außendrehorte in Schottland gegenüberstellen wollte. Das Schloss in seiner ursprünglichen Umgebung auf windumtosten Klippen, in der Nähe der schäumenden Gischt des Meeres und ausgedehnter Wälder, bildete dabei einen faszinierenden und authentischen Fixpunkt, an den es die Personen immer wieder hinzieht. Die Rechnung ging auf, weil das Gesamtkonzept sehr stimmig ist und sich vieler Faktoren bedient, welche den Film zu einem stilvollen und angenehmen Vertreter der späten Edgar-Wallace-Interpretationen machen. Man kann erkennen, was möglich ist, wenn ein Regisseur mit Herzblut und Engagement an ein Projekt herangeht, für das nur ein begrenzter finanzieller Rahmen bereitsteht. Der Wille von Gottlieb, die Geschichte durch Ortswechsel aufzufrischen und die wild-romantische Kulisse als Stolperstein für die handelnden Personen zu nutzen, verleiht dem Film eine Lebendigkeit, die ihn zeitlos erscheinen lässt. Wie Verschworene ziehen alle am gleichen Strang und erschaffen Figuren mit Charakter und Charme. Das Auge des Regisseurs ruht liebevoll auf der Produktion und belohnt den Zuseher mit einem Gespür für Details. Durch die suggestive Erzählweise wird man gleich zu Beginn für das junge Paar eingenommen, kommt aber nicht umhin, anzuerkennen, mit welcher Güte und Ruhe der siebzigjährige Selby das Haus führt und seine Frau, sein Personal und seine Gäste behandelt. Er erhebt nie die Stimme, scheint jedoch einen geheimen Schmerz in sich zu tragen, den er zu verbergen sucht. Verschweigt er eine dunkle Vergangenheit oder braut sich ein Komplott gegen ihn zusammen?
Carl-Heinz Schroth stattet seine Rolle mit der ihm eigenen Schrulligkeit aus, bewahrt jedoch seine Contenance und erscheint im Zwielicht des Verdachts durchaus nicht unbescholten. Seine hintergründigen Bemerkungen, seine gelassene Weitsicht und sein Bemühen, zwischen den Zeilen zu lesen und dementsprechend diskret zu antworten, machen seine Figur zu einer Komponente der Geschichte, die unberechenbar ist. Die zierliche Vera Tschechowa ringt überzeugend mit der Versuchung, die sie in die Arme ihres Jugendfreundes treibt. Der gesetzte Ehemann, das eintönige Leben fernab gesellschaftlicher Pflichten und das Misstrauen, das ihr die langgedienten Hausangestellten entgegenbringen, fördern die Sehnsucht nach einem Neuanfang mit einem Mann, der zusätzlich Zweifel an der Lauterkeit ihres Gatten weckt. Es ist nicht schwer zu verstehen, dass der fesche Christian Wolff genau der Richtige ist, um Unruhe in das bedächtige Leben von Anita zu bringen. Er ist charmant, einfallsreich und gleichzeitig entschlossen genug, unbequeme Denkweisen zu verfolgen und sich gegen Widerstände aufzulehnen. Er übernimmt die Rolle eines Ermittlers und durchbricht Anitas Routine, die auf ihrem Bedürfnis nach Sicherheit und Berechenbarkeit aufbaut. Unverhohlen gibt er zu erkennen, dass er beides möchte: finanziellen Zugewinn und die Liebe der Frau, die er vor achtzehn Jahren zum ersten Mal begehrte. Tilly Lauenstein und Hans Clarin haben sich durch Starrsinn und Anpassungsfähigkeit als treue Diener ihres Herrn unentbehrlich gemacht. Henning Schlüter als polternder Anwalt und Günter Meisner als trinkfreudiger Gast runden das Ensemble ab, in dem selbst der Produktionsleiter in seiner Rolle als Messerschleifer zu überzeugen weiß. Er sorgt für eine unheimliche Note und lenkt den Blick des Zuschauers nach außen, wohlwissend, dass Edgar Wallace ein Faible für skurrile Nebenfiguren hatte .
Die Schauplätze stellen einen enormen Mehrwert dar, sorgen sie doch für Fluchtmomente aus der erdrückenden Atmosphäre des düsteren Hauses, in dem Gefahren lauern und böse Ahnungen gepflegt werden. Die gedämpft-diskrete Umgebung des Hotels, das eine verbotene Verlockung darstellt; das von einer Mauer mit Zinnen eingerahmte Wirtschaftsgebäude des Selby-Anwesens und die Weite der Wälder und der Klippen harmonieren als Gesamtbild und lassen in keiner Weise erahnen, wie mühsam und knapp bemessen die Drehtage in Schottland waren. Ohne klassischen Grusel zu bemühen, gelingt es durch die Wirkung, die die originelle Ausstattung und die 'Unfälle' entfalten, den schlimmen Verdacht zu untermauern, dass die Auslöschung zweier Menschenleben geplant sei. Der Realismus der Handlung wird durch Vermutungen angereichert, die entstehen, wenn über Aspekte geschwiegen wird, die sich dazu eignen, dem Betreffenden einen Strick zu drehen. Verhält sich der Verdächtige dann unter den gegebenen Umständen nicht so, wie man es gewöhnlich von ihm erwartet, werden der Spekulation Tür und Tor geöffnet. Trotz der Gefahren, die den Personen auf Lismore Castle begegnen, verströmt der Schauplatz eine besondere Behaglichkeit und lullt das Auge des Betrachters mit Ingredienzien ein, die seiner Vorstellung vom gehobenen Leben auf dem Land entsprechen. Stundenlang könnte man in den schweren Ledersesseln verweilen, ins Kaminfeuer blicken und das bernsteinfarbene Leuchten des alten schottischen Whisky im Schein der Flammen goutieren. Struktur erhält die Produktion durch die saubere Umsetzung der Romanvorlage, die ein stabiles Gerüst darstellt und die Handlung zielsicher nach vorne treibt. Das Zusammenspiel aller Faktoren, sei es nun die darstellerische Überzeugungskraft des Ensembles, die dezente klassische Musikuntermalung, die fließenden Bewegungen der Kamera oder die treffenden Cliffhanger, lassen diese späte Verfilmung eines Wallace-Buches zum Vergnügen mit Wiederholungsgarantie werden.
mit: Carl Heinz Schroth, Vera Tschechowa, Christian Wolff, Tilly Lauenstein, Hans Clarin, Henning Schlüter, Günter Meisner, Karl-W. Schaper, Hermann Ebeling, Monica Gruber, Peter Lehwald | Drehbuch: Franz Joseph Gottlieb nach dem Roman "The Man Who Changed His Name" von Edgar Wallace | Regie: Franz Joseph Gottlieb
Selby Cliff lebt in zweiter Ehe mit seiner Frau Anita auf dem abgelegenen Lismore Castle in Schottland. Er besitzt in seiner alten Heimat Kanada noch Grundstücke, die er nun veräußern möchte und hat deshalb einen Mann namens Frank O'Ryan eingeladen, um mit ihm zu verhandeln. Was er nicht weiß: Frank ist die Jugendliebe von Anita und hat sich erst wenige Tage vor seiner Anreise mit ihr in einem Hotel getroffen. Bald nach seiner Ankunft auf dem Schloss geschehen seltsame Dinge und Mrs. Cliff und O'Ryan entgehen mehrmals knapp dem Tod. Als der Kriminalschriftsteller Sir Ralph Whitecombe den Fall Dennis Sanderby für seinen neuen Roman verwenden will, wird Selby Cliff nervös. Sanderby verschwand vor dreißig Jahren, nachdem er zwei Menschen getötet hatte. Frank O'Ryan beschleicht ein furchtbarer Verdacht: Handelt es sich bei dem gesuchten Mörder um Selby Cliff und plant dieser nun, seine Frau zu ermorden, um die hohe Lebensversicherung zu kassieren?
Wenn Ambition auf ein schmales Budget trifft, kann mit viel Disziplin und Leidenschaft ein besseres Produkt entstehen als unter besten Voraussetzungen. Die Firma Phönix Film übernahm für das ZDF im Herbst 1985 den Auftrag, eine Neuverfilmung von "Der Mann, der seinen Namen änderte" zu drehen, ein Fernsehspiel aus dem Jahr 1958. Um sich von der reinen Studioproduktion abzuheben, kalkulierte Regisseur Gottlieb mit spitzer Feder, da er den Atelieraufnahmen, welche in Berlin entstanden, unbedingt Außendrehorte in Schottland gegenüberstellen wollte. Das Schloss in seiner ursprünglichen Umgebung auf windumtosten Klippen, in der Nähe der schäumenden Gischt des Meeres und ausgedehnter Wälder, bildete dabei einen faszinierenden und authentischen Fixpunkt, an den es die Personen immer wieder hinzieht. Die Rechnung ging auf, weil das Gesamtkonzept sehr stimmig ist und sich vieler Faktoren bedient, welche den Film zu einem stilvollen und angenehmen Vertreter der späten Edgar-Wallace-Interpretationen machen. Man kann erkennen, was möglich ist, wenn ein Regisseur mit Herzblut und Engagement an ein Projekt herangeht, für das nur ein begrenzter finanzieller Rahmen bereitsteht. Der Wille von Gottlieb, die Geschichte durch Ortswechsel aufzufrischen und die wild-romantische Kulisse als Stolperstein für die handelnden Personen zu nutzen, verleiht dem Film eine Lebendigkeit, die ihn zeitlos erscheinen lässt. Wie Verschworene ziehen alle am gleichen Strang und erschaffen Figuren mit Charakter und Charme. Das Auge des Regisseurs ruht liebevoll auf der Produktion und belohnt den Zuseher mit einem Gespür für Details. Durch die suggestive Erzählweise wird man gleich zu Beginn für das junge Paar eingenommen, kommt aber nicht umhin, anzuerkennen, mit welcher Güte und Ruhe der siebzigjährige Selby das Haus führt und seine Frau, sein Personal und seine Gäste behandelt. Er erhebt nie die Stimme, scheint jedoch einen geheimen Schmerz in sich zu tragen, den er zu verbergen sucht. Verschweigt er eine dunkle Vergangenheit oder braut sich ein Komplott gegen ihn zusammen?
Carl-Heinz Schroth stattet seine Rolle mit der ihm eigenen Schrulligkeit aus, bewahrt jedoch seine Contenance und erscheint im Zwielicht des Verdachts durchaus nicht unbescholten. Seine hintergründigen Bemerkungen, seine gelassene Weitsicht und sein Bemühen, zwischen den Zeilen zu lesen und dementsprechend diskret zu antworten, machen seine Figur zu einer Komponente der Geschichte, die unberechenbar ist. Die zierliche Vera Tschechowa ringt überzeugend mit der Versuchung, die sie in die Arme ihres Jugendfreundes treibt. Der gesetzte Ehemann, das eintönige Leben fernab gesellschaftlicher Pflichten und das Misstrauen, das ihr die langgedienten Hausangestellten entgegenbringen, fördern die Sehnsucht nach einem Neuanfang mit einem Mann, der zusätzlich Zweifel an der Lauterkeit ihres Gatten weckt. Es ist nicht schwer zu verstehen, dass der fesche Christian Wolff genau der Richtige ist, um Unruhe in das bedächtige Leben von Anita zu bringen. Er ist charmant, einfallsreich und gleichzeitig entschlossen genug, unbequeme Denkweisen zu verfolgen und sich gegen Widerstände aufzulehnen. Er übernimmt die Rolle eines Ermittlers und durchbricht Anitas Routine, die auf ihrem Bedürfnis nach Sicherheit und Berechenbarkeit aufbaut. Unverhohlen gibt er zu erkennen, dass er beides möchte: finanziellen Zugewinn und die Liebe der Frau, die er vor achtzehn Jahren zum ersten Mal begehrte. Tilly Lauenstein und Hans Clarin haben sich durch Starrsinn und Anpassungsfähigkeit als treue Diener ihres Herrn unentbehrlich gemacht. Henning Schlüter als polternder Anwalt und Günter Meisner als trinkfreudiger Gast runden das Ensemble ab, in dem selbst der Produktionsleiter in seiner Rolle als Messerschleifer zu überzeugen weiß. Er sorgt für eine unheimliche Note und lenkt den Blick des Zuschauers nach außen, wohlwissend, dass Edgar Wallace ein Faible für skurrile Nebenfiguren hatte .
Die Schauplätze stellen einen enormen Mehrwert dar, sorgen sie doch für Fluchtmomente aus der erdrückenden Atmosphäre des düsteren Hauses, in dem Gefahren lauern und böse Ahnungen gepflegt werden. Die gedämpft-diskrete Umgebung des Hotels, das eine verbotene Verlockung darstellt; das von einer Mauer mit Zinnen eingerahmte Wirtschaftsgebäude des Selby-Anwesens und die Weite der Wälder und der Klippen harmonieren als Gesamtbild und lassen in keiner Weise erahnen, wie mühsam und knapp bemessen die Drehtage in Schottland waren. Ohne klassischen Grusel zu bemühen, gelingt es durch die Wirkung, die die originelle Ausstattung und die 'Unfälle' entfalten, den schlimmen Verdacht zu untermauern, dass die Auslöschung zweier Menschenleben geplant sei. Der Realismus der Handlung wird durch Vermutungen angereichert, die entstehen, wenn über Aspekte geschwiegen wird, die sich dazu eignen, dem Betreffenden einen Strick zu drehen. Verhält sich der Verdächtige dann unter den gegebenen Umständen nicht so, wie man es gewöhnlich von ihm erwartet, werden der Spekulation Tür und Tor geöffnet. Trotz der Gefahren, die den Personen auf Lismore Castle begegnen, verströmt der Schauplatz eine besondere Behaglichkeit und lullt das Auge des Betrachters mit Ingredienzien ein, die seiner Vorstellung vom gehobenen Leben auf dem Land entsprechen. Stundenlang könnte man in den schweren Ledersesseln verweilen, ins Kaminfeuer blicken und das bernsteinfarbene Leuchten des alten schottischen Whisky im Schein der Flammen goutieren. Struktur erhält die Produktion durch die saubere Umsetzung der Romanvorlage, die ein stabiles Gerüst darstellt und die Handlung zielsicher nach vorne treibt. Das Zusammenspiel aller Faktoren, sei es nun die darstellerische Überzeugungskraft des Ensembles, die dezente klassische Musikuntermalung, die fließenden Bewegungen der Kamera oder die treffenden Cliffhanger, lassen diese späte Verfilmung eines Wallace-Buches zum Vergnügen mit Wiederholungsgarantie werden.