KÜSS MICH, MONSTER - Jess Franco

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Prisma
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KÜSS MICH, MONSTER - Jess Franco

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KÜSS MICH, MONSTER


● KÜSS MICH, MONSTER / BÉSAME MONSTRUO (|D|E|1969)
mit Janine Reynaud, Rosanna Yanni, Chris Howland, Michel Lemoine, Manuel Velasco, Ana Casares, Carlos Mendi, Barta Barri,
Manolo Otero, Marta Reves, Nélida Quiroga, Fernando de Rojas, María Antonia Redondo, Gregorio de Mora und Adrian Hoven
ein Aquila Film | Films Montana
ein Film von Jess Franco

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»Ich hab dir wirklich mehr Geschmack zugetraut!«


Ein unbekannter und obendrein schwer verletzter Bote bricht eines Nachts tot bei den Detektivinnen Diana (Janine Reynaud) und Regina (Rosanna Yanni) zusammen. Er hält eine Partitur in Händen, die von einem gewissen Professor Bertrand komponiert wurde. Sie lassen den Toten kurzerhand verschwinden und ermitteln den letzten Aufenthaltsort des Professors, da sie ein lukratives Geschäft hinter der kompletten Angelegenheit wittern. Vor Ort erfahren sie von einer mysteriösen Sekte, dass es um eine geheimnisvolle Formel geht, die ab sofort jeder in die Finger bekommen möchte …

Bei Jess Francos "Küss mich, Monster" handelt es sich um den Nachfolger zu "Rote Lippen - Sadisterotica", der im Spätherbst 1967 unmittelbar nach diesem ersten Teil gedreht wurde. Erlebte die Premiere noch eine um zwei Jahre verzögerte Kinopremiere in der Bundesrepublik, fand sich für das Nachfolgeprojekt bereits kein Verleih mehr, was nicht allzu viel über die Qualität der Produktion aussagen muss. Besteht eine Affinität für die Arbeiten des spanischen Regisseurs, kommt man auch mit dieser Variante blendend klar, die überraschend deutlich mit komödiantischen Elementen angereichert ist. Schielt man auf Adrian Hovens Aquila Film, so muss doch insgesamt festgestellt werden, dass in der Produktionshistorie der Firma zahlreiche Angebote zwischen Kuriosum, Überraschung und Krempel herauskamen, die in ihren Marschrichtungen alles andere als uninteressant ausgefallen sind. Bei "Küss mich, Monster" sollte man zuerst einmal milde über den albernen deutschen Titel hinwegsehen, denn er leitet in die Irre, was seinerzeit jedoch auch keine Seltenheit darstellte. Es ist originell und überaus logisch, das Detektivinnen-Duo Janine Reynaud und Rosanna Yanni wieder am Werk zu sehen, denn es entwickelt sich erneut eine wirklich amüsante Eigendynamik, die alles und vor allem die schwache, dabei nicht immer ganz nachvollziehbare Geschichte souverän über Wasser hält. Möchte man Jess Franco nach zahlreichen Versuchen attestieren, dass er kein gutes Gespür und Timing für die Gesetze des Kriminalfilms hat, darf jedoch anerkannt werden, dass ihm das komödiantische Terrain gar nicht einmal so fernzuliegen scheint, was sich hier in etlichen Szenen immer wieder deutlich erkennen lässt. Seine beiden Hauptdarstellerinnen agieren mit einer besonders überzeugenden Art der Wonne und Ironie, sodass die deutschen Dialoge recht gut zum Tragen kommen. Sie können außerdem als wirksame und ständig in Bewegung stehende Ablenkungsmanöver angenommen werden, die souverän darüber hinweghelfen können, falls man bei der Suche nach dramaturgischer Schärfe nicht fündig wird. Für eine andere Couleur der Schärfe sorgen Reynaud und Yanni aber ohnehin, sodass es am Ende zugegeben großen Spaß machen kann, den beiden bei ihrem unberechenbaren Treiben zuzusehen.

Jess Franco schafft es hier und da, für sehr atmosphärische Szenen zu sorgen, aber es kommt vor allem eine willkommene Art der Situationskomik auf, auch wenn sich manche Schläge ins Wasser beobachten lassen. Da Janine Reynaud und Rosanna Yanni das komplette Geschehen im Alleingang zu tragen haben, ist es umso vorteilhafter, dass die Französin und ihre aus Argentinien stammende Kollegin sehr gut miteinander harmonieren, auch wenn sie meist völlig unterschiedliche Arbeitsansätze präsentieren. Wer Franco und seine bevorzugte Schauspielerinnen-Führung kennt, weiß nur zu genau, dass die jeweiligen Damen nicht mit ihren Reizen zu sparen haben, was man hier in üblicher Weise auch präsentiert bekommt. Vor allem Reynaud bietet in dieser Beziehung ihre hauseigene Expertise an. Betrachtet man den erweiterten Cast, so lassen sich ausschließlich Nebenrollen ausfindig machen, deren Relevanz fraglich bleibt, auch wenn ihre Rollennamen in aller Munde sind. Überzeugend agieren Adrian Hoven, Michel Lemoine und zahlreiche spanische Kollegen, sodass die Dominanz der beiden Hauptdarstellerinnen nie erdrückend wirkt. Chris Howlands in der Peripherie der Ereignisse angesiedelten Part kann man als passend ansehen oder nicht, was meistens auch für das Auftauchen des Regisseurs selbst gilt, dessen Gestik und Mimik hier wieder episch im negativen Sinne wirken. Die Geschichte hält zahlreiche Morde und Turbulenzen bereit, um von Spannung sprechen zu können, müsste man jedoch seine Fantasie multiplizieren können. Fairerweise sollte festgehalten werden, dass es Jess Franco hier sicherlich nicht um kaum auszuhaltende Spannungszustände geht, sondern um eine mit Humor, Ironie und Erotik gewürzte Reise in die Unberechenbarkeit, die sogar mit ein paar Überraschungsmomenten aufwarten wird. Es fällt schlussendlich nicht schwer, "Küss mich, Monster" zu mögen und die Vorzüge anzuerkennen, da der Film einem vor allem die Zeit sehr angenehm vertreiben kann. Hin und wieder ist einem sogar so, dass man sich langsam aber sicher unbeeindruckt von Jess Francos Unzulänglichkeiten zeigt und alles so annimmt, wie es konsumierfertig aufgetischt wird. Aber der Film macht tatsächlich auch ohne diese selbstkritische Erkenntnis Spaß, da es sich um ein gelungenes Unterhaltungsangebot handelt.

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