Seite 1 von 1

DIRTY ANGELS - VERGOGNA SCHIFOSI! - Mauro Severino

Verfasst: So., 15.11.2020 11:27
von Richie Pistilli
Bild

Vergogna schifosi! (IT)
Dirty Angels (UK)
A Noite da Vergonha (BRA)



IT 1969

R: Mauro Severino
D: Lino Capolicchio, Marília Branco, Roberto Bisacco, Ivano Davoli, Claudia Giannotti, Ezio Marano, Carlo Palmucci, Mirella Pamphili, Franca Sciutto, Daniël Sola, Carlo Spadoni, Luciano Tacconi, Greta Vayan, Anna Zinnemann


Score: Ennio Morricone

Italo-Cinema.de

Zensurbeschlüsse

Il giallo in acido

OFDb



Bild Bild Bild Bild Bild
Bild Bild Bild Bild Bild


Lea (Marília Branco), Vanni (Daniël Sola) und Andrea (Roberto Bisacco) sind drei liebestolle Heranwachsende aus besseren Gesellschaftskreisen, die in ihrer Freizeit äußerst gerne hemmungslose Sexorgien veranstalten, wozu sie sich dann wiederum mit gleichgestrickten Bettkameraden in einem abgelegenen Mailänder Gästehaus zu ihren ausufernden Lusthappenings einfinden. Doch eines schönen Nachts kommt es während eines solchen lustvollen 'Stelldicheins' völlig unerwartet zu einem verhängnisvollen Unglücksfall mit Todesfolge, indem einen zuvor von der Straße wegrekrutierten Bettkameraden inmitten eines flotten Dreiers urplötzlich der hundsgemeine Herzschwächetod ereilt. Völlig geschockt über die Folgen ihres hemmungslosen Liebesspiels entsorgen die drei liebestollen Bettakrobaten zunächst den Leichnahm des frisch verblichenen Unbekannten, bevor sie sich dann gegenseitig schwören, nie wieder in ihrem weiteren Leben auch nur ein Sterbenswörtchen über die verhängnisvolle Liebesnacht zu verlieren.

Doch sechs Jahre später trudelt eines schönen Tages ein Foto der unheilvollen Nacht bei den drei Missetätern ein, welches ihnen offenbar von unbekannter Hand zugespielt wurde. Und wie zu erwarten, erpresst der namenlose Absender die tollgeschockte Sippschaft mit dem kompromettierenden Foto, wodurch diese wiederum unweigerlich in Zugzwang geraten, da niemand von ihnen zum jetzigen Zeitpunkt mehr etwas mit der bereits verdrängten Schandtat zu tun haben möchte. Und somit bleibt ihnen auch nichts anderes übrig, als irgendwie hinter die wahre Identität des geheimnisvollen Erpressers zu gelangen. Doch dann gerät nicht nur urplötzlich ein alter Weggefährte -die exaltierte Frohnatur Carletto (Lino Capolicchio)- ins Visier der drei unheilvollen Liebesspieler, sondern infolge dessen auch die gesamte Situation nach und nach aus den Fugen. Bleibt schlussendlich nur noch die Frage, ob es den Dreien gelingen wird, Carletto die Tat schlussendlich auch zu beweisen , soweit dieser überhaupt hinter der wahren Täterschaft steckt...?


Bild Bild Bild Bild Bild
Bild Bild Bild Bild Bild


Fernab von schwarzen Handschuhpaaren, vermummten Meuchelmördern und hochglanzpoliertem Schlitzwerkzeug schuf Mauro Severino im Jahre 1968 mit 'Vergogna Schifosi!' einen Intrigenthriller der etwas anderen Art. Auf den ersten Blick etwas unspektakulär und spannungsarm wirkend, entpuppt sich 'Vergogna Schifosi' auf den zweiten, durch die zeitgeschichtliche Brille gerichteten Blick als ein wahres Filmjuwel der 68er Generation, das mich gerade aufgrund seiner unkonventionellen Machart sowohl faszinieren als auch durchwegs begeistern konnte. Andererseits könnte man diesen leicht verschrobenen Intrigenthriller aber auch aufgrund seines zugleich delirierenden Inszenierungstils in die bereits bestehende Riege “acidhaltiger” Gialli wie beispielsweise DAS LUSTHAUS TEUFLISCHER BEGIERDEN, SEX OF THE DEVIL, PERVERSION STORY, IN THE FOLDS OF THE FLESH, GLI ANGELI DEL 2000, ICH BIN WIE ICH BIN – DAS MÄDCHEN AUS DER CARNABY STREET oder BLACKMAIL einreihen, zumal auch diese einmaligen Filmunikate eindeutig der damaligen Zeitdekade geschuldet sind.

Neben den vorzüglichen Bildkompositionen und Schwenks des verdienstvollen Kameramanns Angelo Lotti sollten aber auch die sehr intensiv wirkenden Zwischenschnitte ihre Erwähnung finden, in denen Mauro Severino gespenstige Bilder eines sowohl menschenleeren als auch todstillen Mailands dazu nutzt, um die existenzielle Leere der vermeintlich besseren Gesellschaftsmitgliedern zu versinnbildlichen.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen drei völlig mitleidslose und gefühlskalte Mitglieder der mondänen Gesellschaftsschicht, denen eine bereits vor etlichen Jahren verursachte Missetat urplötzlich wieder zum Verhängnis wird. Dabei gerät dann auch ein alter Weggefährte ins Visier der drei seelenlose Subjekte, da dieser ausgerechnet zum Zeitpunkt der Erpressung völlig unverhofft von Rom nach Mailand zurückkehrte, um dort schließlich eine Kunstausstellung auszurichten. Nach und nach gerät dieser dann immer tiefer in die Fänge der Schönen und Reichen, ohne dabei zu bemerken, dass die Situation für ihn immer brenzliger wird.

Verkörpert wird der leicht exzentrische Weggefährte 'Carletto' übrigens von niemand Geringeren als dem unvergleichlichen Lino Capolicchio (ESCALATION, DEINE HÄNDE AUF MEINEM KÖRPER, BLUTIGER SCHATTEN, DAS HAUS DER LACHENDEN FENSTER), der dieses mal einen freidenkenden Künstler, einen überzeugten Antikapitalist und einen linksgerichteten Revolutionär in einer Person vereint. Dabei wird er gerade von seinen vermeintlich besseren Freunden für das in ihren Augen "illusionäre Revoluzzertum" andauernd belächelt, zumal sich der Verdacht gegen ihn mit Fortschreiten des Filmverlaufs immer mehr zu verhärten scheint. In den weiteren Hauptrollen geben sich darüber hinaus die heißblütige Brasilianerin Marília Branco, Roberto Bisacco und Daniël Sola die Ehre.

Abschließend sei auch noch auf die sehr außergewöhnliche Filmmusik des Maestros hingewiesen, die den Zuhörer mit ihrem sowohl narkotisierenden als auch lieblich verstörenden Ringelreign unumstößlich in ihren Bann zieht.

Fazit: Ein wundervoll verschrobener Film aus einer einmaligen Epoche, der aber vermutlich weniger dem vorherrschenden Massengeschmack entsprechen dürfte.



Auf ITALO-CINEMA.DE steht zudem eine etwas ausführlichere Besprechung dieses herrlich verschrobenen Films zur Verfügung.


Bild Bild Bild Bild Bild
Bild Bild Bild Bild Bild
Bild Bild Bild Bild Bild





Die delirierende Strandszene:



Die nicht minder delirierende Partyszene



Bild



Score:

Ennio Morricone - Matto, Caldo, Soldi, Morto... Girotondo






Bild Bild Bild Bild Bild
Bild Bild Bild Bild Bild
Bild Bild Bild Bild Bild




(Beitrag aus dem alten Forum: 12.07.2017)