Rally (DE)
Rally (IT)
Rally (FR)
IT 1989
Regie: Sergio Martino
Drehbuch: Sergio Martino, Massimo De Rita, Lorraine De Selle, Sauro Scavolini, Luigi Spagnol
Musik: Goblin, Fabio Pignatelli
Darsteller: Giuliano Gemma, Lorraine De Selle, Robert Hoffmann, Luca Lionello, Vincent Souliac, Yvonne Sciò, Maurice Barrier, Gino Santercole, Lara Lamberti
Italienische Premiere: 25.01.1989
Deutsche Premiere: 25.06.1990
IMDb
Ofdb
"Die Prüfung muss abgesagt werden! Der nächste Abschnitt ist mörderisch!"
Alain Costa (Giuliano Gemma) ist eine echte Rallye-Legende. Als er sich jedoch weigert, nachts im strömenden Regen die nächste Wertungsprüfung zu fahren, setzt sich sein Freund und Beifahrer Jo selbst ans Steuer und fährt ohne Costa los, um die Weltmeisterschaft nicht zu gefährden. Nachdem Jo während der Etappe tödlich verunglückt, beschließt Alain, zurückzutreten. Seine letzte Amtshandlung besteht darin, Jos drogenabhängigen Sohn Eddy (Vincent Souliac) auf die rechte Spur zu bringen. Nur wenige Tage später versuchen zudem zwei Jungspunde, Alain davon zu überzeugen, sie zu trainieren, um sie zu den weltbesten Rallyefahrern zu machen. Zuerst lehnt er entschieden ab, doch nach weiteren Versuchen beschließt er, Bruno (Luca Lionello), Lorelei (Yvonne Sció) und auch Eddy das Rallyefahren beizubringen.
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"Sei ständig auf der Hut! Ich werde immer da sein!"
Giuliano Gemma als Rennfahrer, Lorreine De Selle als seine Geliebte und Robert Hoffmann als Bösewicht – zusammen in einer Serie von Sergio Martino, mit Musik von Goblin! Was für Genrefans wie ein schmieriger Genre-Cast aussieht, ist weit mehr als das. Hier erwartet uns kein Giallo, kein Polizesco, kein schmieriger Crimer und auch keine Erotik. Vielmehr bestimmen Drama, Staub und Zusammenhalt das Geschehen dieser kurzlebigen italienischen Miniserie.
Giuliano Gemma spielt den rücksichtsvollen Rennfahrer Alain Costa, der nach dem Tod seines Beifahrers mit dem Sport eigentlich nichts mehr zu tun haben will. Für Friedrich von Walter, einen wohlhabenden Sportsmann, ist das ein Verlust für den Rallyesport, und auch dessen Tochter Lorelei ist erschüttert. Kurzentschlossen beschließt die leidenschaftliche Autofahrerin, Alain zu fragen, ob er ihr das Rallyefahren beibringen kann. Bis hierhin ist alles nachvollziehbar – doch zufällig taucht Bruno auf, ein zweiter Hitzkopf, der von Costa das Gleiche verlangt. Bruno will einen Gefallen einlösen, was für Costa jedoch zu viel des Guten ist, und er weist beide ab. Durch Eddy lässt sich Costa dann doch überreden – und die Serie nimmt ihren Lauf.
Der zu diesem Zeitpunkt noch sehr interessierte und willige Zuschauer ahnt nicht, dass einige Charaktere mit ihren Handlungen später für offene Münder sorgen werden. Schon kurze Zeit später ist es der selbstverliebte und wenig sympathische Bruno, der zum Kopfschütteln einlädt. Nachdem er seine Kollegen kritisiert und behauptet, er sei der Beste, fährt er selbst eine Runde – und überschätzt sich dabei gewaltig. Alain sagt ihm, er sei der Langsamste gewesen, was Bruno zur Weißglut treibt, da er die Zeit im Auto gestoppt hat und tatsächlich der Schnellste war. Als Bruno daraufhin sogar Alains Fähigkeiten infrage stellt, macht Alain kurzen Prozess und demütigt ihn mit einer Fabelzeit. Der Zuschauer reibt sich die Hände, denn dieser Unsympath sucht endlich das Weite. Doch schon bald ist Bruno wieder da, sorgt erneut für Ärger, zerstört mit seiner überheblichen Fahrweise das Auto, baut einen weiteren schweren Unfall und tätigt auch sonst oftmals keine klugen Aktionen.
Wie ein solch unsympathischer Charakter immer wieder angekrochen kommt und vom Gutmenschen Alain aufgenommen wird, ist teilweise frustrierend mitanzusehen. Dieser Frust entwickelt sich jedoch später in Hochachtung vor der Darbietung seiner Rolle. Luca Lionello spielt Bruno recht überzeugend, so dass sich der Zuschauer über dessen Handlungen, Mimiken und Gestiken aufregt – für mich ein Zeichen solider Schauspielerei.
"Wenn dir in der Wüste schlecht wird, binde ich dich am Sitz fest und fahre die Rallye zu Ende!"
Über Giuliano Gemma muss man nicht viele Worte verlieren. Er verkörpert einen äußerst bodenständigen Rennfahrer, dem die Sicherheit und das Wohl anderer am wichtigsten sind. Seine Geliebte, gespielt von der bezaubernden Lorreine De Selle, unterstützt ihn, wo sie nur kann. Im Laufe der Serie muss sie sich allerdings mit einigen Problemen herumschlagen, darunter Eifersucht, Streitereien und daraus resultierende Alkoholprobleme. Sie ist – neben Bruno – für die dramatische Seite der Serie zuständig. Für De Selle war es die letzte Rolle, bevor sie zunehmend als Produzentin tätig wurde.
Robert Hoffmann spielt den schmierigen und erfolgsbesessenen Ryan, der das neue Team managt. Obwohl er vom ersten Moment an unsympathisch wirkt, müssen wir uns mit seiner Visage arrangieren. Als Teil des Teams ist er derart erfolgsfixiert, dass er vor der Schweden-Rallye etwas in den Wein mischt und damit seine eigenen Fahrer in Lebensgefahr bringt – nur damit der zurückgetretene Alain wieder ans Steuer geht und die Rallye gewinnt. Nach dieser Aktion wird er gefeuert und schließt sich der Konkurrenz an. Dort manipuliert er Alains Wagen, setzt die Garage in Brand und lässt Mitarbeiter verprügeln.
Erwähnenswert ist auch die Mitwirkung von Gino Santercole, den Celentano-Fans sicher kennen. Er spielt den Formel-Fahrer Michel Delacroix, der auch im Rallyesport ein Ass ist. Mitgebracht hat er seine schlagkräftige Tochter Maggie (Mariella Di Lauro), die Bruno in ihrer ersten Szene erst einmal in die Schranken weist.
Für Rallyefans ist die Serie vermutlich noch etwas interessanter als für Genrefans des italienischen Kinos, denn die Rennszenen sind gelungen und kommen nicht zu kurz. Verantwortlich dafür war natürlich Remy Julienne mit seinem Team, das zu den besten der Welt gehörte. Rational denkende Menschen müssen in manchen Szenen allerdings schlucken: Autospezialisten sind plötzlich auch Asse auf zwei Rädern. So gewinnt der fast ausgetrocknete Eddy die Rallye Dakar in der Motorradklasse, obwohl er in der gesamten Serie noch nie ein Motorrad gefahren ist. Auch die Mechaniker nehmen plötzlich in der LKW-Wertung teil – auf einmal können alle alles fahren.
Weitere Ungereimtheiten fallen ebenfalls auf, und manche Folgen enden abrupt oder beginnen mitten im Geschehen. Das könnte an der deutschen Fassung liegen, denn ähnlich wie bei Jack Clementi mit Bud Spencer entschied sich das ZDF, die ursprünglichen Folgen zu halbieren und so die Folgenanzahl zu verdoppeln. Während eine Folge in Italien rund 110 Minuten dauert, wurden die deutschen auf etwa 50 Minuten zurechtgestutzt. Statt vier italienischer Folgen gab es bei uns acht – zusätzlich um Handlung und Gewalt geschnitten.
Besonders hart ist der Übergang von Folge 7 zu 8: Auf einer Beerdigung erzählt Lorelei, dass sie das Team wieder aufbauen möchte, und sofort setzt der Abspann ein. Die nächste Folge startet bereits im Dschungel, ohne jegliche Erklärung, wie man auf die Idee kam, dieser „Todesrallye“ mit einer Kamera ein Ende setzen zu wollen. Das Ganze hat auch nicht mehr viel mit Rallye zu tun, sondern besteht überwiegend aus Action und Boshaftigkeit der Teilnehmer. Ebenso kurios ist der Beginn der siebten Folge: Bruno bittet Alain um Hilfe, weil er Schwierigkeiten hat – die sich zuvor nur angedeutet haben. Der Zuschauer kann nur erahnen, worum es geht, und plötzlich befinden wir uns in einer alten Fabrik im Kugelhagel, ohne zu wissen, was eigentlich geschieht. Nachdem Alain Bruno aus der Patsche geholfen hat, schlägt dieser auf ihn ein und beschimpft ihn. Auch hier bleibt der Zuschauer ratlos – und gleichzeitig geschockt, da der Menschenfreund Alain plötzlich andere Seiten zeigt.
Alles in allem läuft die Serie etwas unrund, bleibt aber dennoch unterhaltsam. Der Soundtrack ist nichts Besonderes und reiht sich in typische TV-Produktionen der Zeit ein. Schade ist die schlechte Zugänglichkeit: Die Serie ist bislang weder auf DVD noch auf Blu-ray erschienen und lief seit ihrer Erstausstrahlung 1990 nicht mehr im deutschen Fernsehen. Auch in Frankreich war sie lange nicht mehr zu sehen. Nur in Italien taucht sie alle paar Jahre wieder auf – immerhin ungeschnitten und in handlicheren vier Originalfolgen statt in acht zerstückelten.