OPERATION 'KLEINER BRUDER' - Alberto De Martino

Agenten rippen einsam off - Bond-Kopien aus europäischem Klon-Technik-Anbau
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Richie Pistilli
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OPERATION 'KLEINER BRUDER' - Alberto De Martino

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Operation 'Kleiner Bruder' (D)
OK Connery (IT)
Opération frère cadet (F)
Todos los hermanos eran agentes (ES)
Operação Kid Brother (POR)
Operación hermano menor (MEX)
Operation Kid Brother
Operation Double 007
Secret Agent 00
Divided Evil
Kid Brother

IT 1967

R: Alberto De Martino
D: Neil Connery, Daniela Bianchi, Adolfo Celi, Agata Flori, Bernard Lee, Anthony Dawson, Lois Maxwell, Yee-Wah Yang, Margherita Horowitz, Guido Lollobrigida, Kitty Swan, Ana María Noé u.a.



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Deutsche Erstaufführung: 26. April 1968

Synchronkartei

Italo-Cinema

Hintergrundinformationen

Score: Ennio Morricone & Bruno Nicolai

IMCDb

OFDb



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"Ich finde die Nullen bei meinem Bruder schon lächerlich genug!"



Ein hochrangiges Verbrechersyndikat namens "Thanatos" verfolgt den ruchlosen Plan, sämtliche Goldreserven auf diesem Planeten in ihre Gewalt zu bringen. Damit dies gelingt beauftragt der Kopf der Bande, Alpha (Anthony Dawson), seinen besten Mann mit der Ausführung des Plans, denn Thair Beta (Adolofo Celi) besitzt eine selbstkonstruierte Wunderwaffe, die mit ihrer magnetischen Strahlung sämtliche Motoren außer Kraft setzen kann. Und diese setzt Thair Beta ohne große Scheu gegenüber den Vereinten Nationen als Druckmittel ein, um somit die Herausgabe der anvisierten Goldreserven zu erpressen. Da guter Rat teuer und der weltbeste Agent unabkömmlich ist, heuert der britische Geheimdienst kurzerhand dessen Bruder (Neil Connery) an, obwohl dieser von Berufswegen ein renommierter Chirurg ist, der obendrein die wichtigsten Hypnosetechniken beherrscht. Was folgt, ist eine wilde Jagd durch halb Europa sowie Marokko, bei der Dr. Connery in zahlreiche verzwickte Situationen gerät. Bleibt letztlich die Frage, ob es dem furchtlosen Chirurgen gelingt, die Welt vor den Plänen der Thanatos-Bande zu retten.



"Ich glaube, Sie sehen zu viele Filme mit James Bond."


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"Sicher eine Frage des Stanpunktes. Aber hier zählt nur einer und das ist meiner!"


Ein schwer unterhaltsamer Genrebeitrag, den Alberto De Martino im Jahr 1967 auf die Beine stellte. OPERATION "'KLEINER BRUDER' zählt nicht nur zu meinen persönlichen Favoriten des Eurospy-Genres, sondern stellt zugleich eine gelungene Persiflage auf die 007-Filme dar, ohne dabei klamaukig zu wirken. Der Clou des Films ist, dass der Regisseur neben den altgedienten Bond-Schauspielern Bernard Lee, Lois Maxwell, Daniela Bianchi, Adolfo Celi und Anthony Dawson auch Neil Connery, den leiblichen Bruder von Sean, als Hauptdarsteller für sein Werk verpflichtete, obwohl dieser mit der Schauspielerei so rein gar nichts am Hut hatte. Umso erstaunlicher ist die Performance, die Neil Connery in diesem Film aufs Parkett legt. Zwar merkt man ihm die fehlenden Schauspiel-Skills an, was ihn dennoch nicht daran hindert, seine Rolle als unausgebildeter Quereinsteiger im Rahmen dieser comichaften Geschichte glaubhaft zu verkörpern. Wenn man dem Eintrag in der Wikipedia Glauben schenken darf, dann spielte sich die Rekrutierung von Neil Connery folgendermaßen ab: "Als Sean Connerys Bruder Neil, von Beruf Stuckateur, Anfang der 1960er eine Tasche mit seinem Arbeitswerkzeug gestohlen wurde, wandte er sich an die Presse und gab unter anderem ein Radiointerview. Durch dieses Interview wurde der Produzent Dario Sabatello auf ihn aufmerksam und lud ihn zu Probeaufnahmen nach Rom ein, woraufhin er ihm die Hauptrolle in Operation 'Kleiner Bruder' anbot. Neil Connery sollte dafür 5.000 Pfund erhalten, was im Jahr 2012 ca. 80.000 Euro entspricht. Zusätzlich zu Neil Connery in der Hauptrolle engagierte Sabatello fünf Schauspieler, die bereits aus James-Bond-Filmen bekannt waren. Bernard Lee und Lois Maxwell spielen ähnliche Rollen wie in der James-Bond-Reihe, wo sie M und Miss Moneypenny verkörperten. Auch Adolfo Celi und Anthony Dawson waren als Schurken aus Feuerball bzw. Dr. No bekannt. Letzterer spielte außerdem Blofeld in Liebesgrüße aus Moskau und Feuerball, wo jedoch jeweils nur seine Hände zu sehen waren. Dazu kam noch Daniela Bianchi, das Bondgirl aus Liebesgrüße aus Moskau." (Quelle)


Gedreht wurde der Film an Orten in Marokko, Monaco, Spanien, Italien, Frankreich, Deutschland und Tetuan. Inszenatorisch gibt es bei dem Streifen rein gar nichts zu meckern, denn Alberto De Martino zauberte gemeinsam mit seinem Kameramann Giovanni Bergamini traumhafte Bildkompositionen, die bereits den sehenswerten Vorgänger IM NETZ DER GOLDENEN SPINNE prägten. Fernerhin legt der abwechslungsreiche Film ein flottes Tempo aufs Parkett, was ihn wiederum zu einem kurzweiligen Filmvergnügen macht. Aber auch inhaltlich wird dem Zuschauer so einiges geboten, wie beispielsweise eine knuffige Apparatur, mit der man kurzerhand Patienten aus ihrem Krankenbett in einen Rettungswagen verfrachten kann, projizierbare Sofortbildkameras, tödliche Cancan-Tänze, Springmesser mit fliegenden Klingen, ein Aufstand der Blinden, eine Armee schottischer Bogenschützen sowie jede Menge Fachsimpelei und köstliche Anspielungen auf die James-Bond-Filme. Während der Laiendarsteller Neil Connery die Kampfsportart "Ka-Ra-Tee" beherrscht und gesprochene Sprache von den Lippen ablesen kann, schont Adolfo Celi bei niedrigpreisigen Auktionsangeboten lieber seine Stimme. In der Rolle des Thair Beta spielt er einen überheblichen Gangsterboss, der offensichtlich noch nie etwas von der Binsenweisheit "Hochmut kommt vor dem Fall" gehört hat. Ganz großes Kino ist sein Auftritt in einem rostfarbenen Spandex-Leder-Anzug, in dem er das letzte Drittel des Films bestreitet. Gemeinsam mit seiner Mannschaft, ein Haufen reizender Matrosinnen, macht er dem Hobby-Agenten Connery das Leben schwer, wobei sich dieser im Rahmen seiner neuen Beschäftigung tapfer schlägt. Die weibliche Hauptrolle wird von der bezaubernden Daniela Bianchi gespielt, wobei die italienische Schauspielerin eine durchweg überzeugende Darbietung abgibt - und zwar egal ob als Nonne, Cancan-Tänzerin oder heiße Mieze. Aber auch im ganz normalen Alltag zeigt sie sich geschmackvoll gedresst. Abgerundet wird das italienische Agentenspektakel mit einer fantastischen Filmmusik, die aus den Federn von Ennio Morricone und Bruno Nicolai stammt. Neben dem ohrwurmträchtigen Titelsong spielte Morricone eigens eine Variante der bekannten James-Bond-Melodie ein, die mir ehrlich gesagt viel besser als das Original gefällt. Was die deutsche Synchronfassung anbelangt, so ist diese vom Anfang bis zum Ende durchweg gelungen. Im Rahmen der Vorführung auf dem diesjährigen Terza Visione wurde diesbezüglich vermutet, dass die zahlreichen Anspielungen auf die James-Bond-Filme Kreationen der deutschen Synchro seien, was aber letztlich nicht stimmt, denn sowohl in der italienischen als auch englischen Sprachfassungen sind diese Anspielungen ebenfalls enthalten. Was bleibt, ist ein gelungener Eurospy-Vertreter, der immer wieder aufs Neue Freude bereitet. In diesem Sinn:


"Schön artig sein. Wir sehen uns sicher bald wieder."


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Filmplakate:
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Titelvorspann:
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Filmausschnitt:
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Score:
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Trailer:




"Tut mir leid. Ich kümmere mich wieder um meine Patienten und Sie um ihre Gangster. Ein schwarzes Schaf in der Familie genügt."

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