24 Deutsche Klassiker, die man nicht mehr sehe kann

Alle Themen und Plaudereien, die nichts mit Film zu tun haben.
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Kent
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24 Deutsche Klassiker, die man nicht mehr sehe kann

Beitrag von Kent »

Moin Leute,

gerade wurde mir in meinem Browser die folgende Liste vorgeschlagen. Ich muss sagen, ich bin entsetzt, war früher eine politische "Linke" Sichtweise ja noch irgendwie interessant und spannend, ist es heute nur noch piefig und nervig. Der Autor ist woke hoch 100 und genauso schreibt er auch. Was früher der katholische Filmdienst war, sind heute solche Woken-Typen! Mir gefallen auch nicht alle Filme, aber jeden Sachverhalt durch die Brille: "wer könnte sich denn beleidigt fühlen?" zu sehen, ist schon beknackt.

Hier die Liste in Auszügen:

Der Arzt von St. Pauli (1968):
Besonders problematisch ist die Darstellung von Frauen, die weitgehend als Opfer oder Sexualobjekte auftreten und keinerlei Handlungsmacht besitzen. Die Schwarz-Weiß-Moral zwischen dem „guten Arzt“ und der „verkommenen Welt“ ist stark vereinfachend und entspricht einem paternalistischen Weltbild, das keine differenzierte Auseinandersetzung mit sozialen Realitäten zulässt.

Winnetou-Filme (1960er)
Einst waren sie riesige Publikumserfolge, heute sind sie ein Paradebeispiel für kulturelle Aneignung: die Karl-May-Verfilmungen mit Pierre Brice als Winnetou. Ein europäischer Schauspieler, der einen „edlen Wilden“ verkörpert und dabei stereotype Vorstellungen von indigenen Kulturen als naturverbunden, spirituell und edel bedient. Die echten Lebensrealitäten und Perspektiven indigener Menschen bleiben komplett außen vor. Aus heutiger Sicht ist die Darstellung nicht nur realitätsfern, sondern auch problematisch im Umgang mit kultureller Identität und Fremdzuschreibung.

Piratensender Powerplay (1982)
Der Film ist voll von sexistischen Klischees: Frauen sind fast ausschließlich hübsch, naiv oder willenlose Eroberungsobjekte. Viele Gags beruhen auf Homophobie, Rassismus oder der Lächerlichmachung von Minderheiten – zum Beispiel durch stereotype Nebenfiguren oder platte Akzente. Humor dient hier nicht der Kritik, sondern wird als billiges Mittel eingesetzt, um über „die anderen“ zu lachen. Die Auflehnung gegen Autoritäten wirkt oberflächlich und unpolitisch – anarchischer Schein ohne kritisches Bewusstsein. Ein Film, der heute durch seine altbackenen Gags und problematischen Witze eher befremdet als amüsiert. Nur mit kritischer Einordnung zu genießen.


Oh Boy (2012)
Paradebeispiel für wohlstandsverwöhnte Männer-Existenzkrisen. Diversität? Keine. Soziale Probleme werden nur gestreift, Frauen dienen eher als mystische Nebenfiguren. In Zeiten, in der Inklusion und Repräsentation zentrale Themen sind, wirkt „Oh Boy“ wie eine selbstverliebte Hipster-Übung in urbaner Leere – ein Film, der sich um nichts dreht außer um das Leiden des privilegierten weißen Mannes.


Die Sünderin (1951)
Die Hauptfigur wird zur Projektionsfläche männlicher Fantasien – Ihre Erlösung findet sie nur in Liebe oder Tod. Der Film romantisiert patriarchale Machtstrukturen und blendet strukturelle Probleme völlig aus – ein rückwärtsgewandter Blick auf weibliche Autonomie.

Fack ju Göhte (2013)
Doch unter dem Deckmantel von Humor verbirgt sich ein zutiefst problematisches Gesellschaftsbild: Jugendliche aus „bildungsfernen Schichten“ werden als unmotiviert, aggressiv und schlichtweg dumm dargestellt, während Lehrer nur mit Macho-Attitüde Respekt bekommen. Sexismus, Bodyshaming und das völlige Fehlen von echten pädagogischen Inhalten machen diesen Film aus heutiger Sicht schwer erträglich.

Der Untertan (1951)
Viele Passagen reproduzieren patriarchale, autoritäre Strukturen ohne klare kritische Brechung. Der Hauptfigur wird nicht dekonstruiert, sie wirkt zeitweise fast bewundernswert. Frauen sind lediglich Randerscheinungen oder dienen als Spiegel männlicher Ambitionen.


Otto – Der Film (1985)
Stereotype Darstellungen von Ausländern, dämliche Blondinenwitze und flache Geschlechterklischees ziehen sich durch den gesamten Film.
Der Humor basiert häufig auf sozialem Spott oder vermeintlich harmlosen Grenzüberschreitungen, die aber bei genauerem Hinsehen sexistisch oder rassistisch wirken.


Die Lümmel von der ersten Bank (1967–1972)
Aus heutiger Sicht sind die Filme weniger witzig als erschreckend rückständig, besonders was pädagogische und geschlechtliche Sensibilität angeht.

Bang Boom Bang (1999)
Frauen sind Staffage, die entweder hysterisch, naiv oder einfach nur sexuell verfügbar sind. Gewalt, Drogen und Frauenverachtung werden humoristisch gebrochen, aber nicht hinterfragt. Die Dominanz männlicher Perspektiven zieht sich durch den gesamten Film, während Diversität oder kritische Tiefe völlig fehlen.

Der Schuh des Manitu (2001)
Die Darstellung indigener Kulturen ist klischeebeladen, kulturelle Aneignung wird als Humor verkauft. Hinzu kommen Witze über Homosexualität, die aus heutiger Sicht als homophob gelten. Die Figuren sind Karikaturen, die ethnische und sexuelle Identität auf Pointen reduzieren.

Hexen bis aufs Blut gequält (1970)
Unter dem Deckmantel historischer Aufarbeitung werden Frauen in sadistischen Szenen gequält, erniedrigt und sexualisiert. Die Inszenierung ist voyeuristisch, nicht kritisch. Heute würde man den Film eher als frauenfeindliches Machwerk denn als Gesellschaftskritik sehen – ein Paradebeispiel für die problematischen Seiten des deutschen Genrekinos.

Zwei Nasen tanken Super (1984)
Humorverständnis der 80er: Frauen sind Objekte, andere Kulturen werden in billigen Klischees abgebildet. Rassistische Gags, sexistische Sprüche und peinliche Rollenbilder prägen diesen Film. Der Humor ist plump, oft auf Kosten Schwächerer oder Andersartiger.

Die Geschichte vom kleinen Muck (1953)
Ein DEFA-Märchenfilm mit orientalischem Flair – doch was damals als Exotik galt, wirkt heute wie ein Zerrbild: „Orientalische“ Kulissen, Klischees und Kostüme, gespielt fast ausschließlich von weißen Schauspielern mit Make-up. Brownfacing, Stereotype und koloniale Bildsprache ziehen sich durch den ganzen Film. Auch wenn er märchenhaft bleibt, vermittelt er ein Bild vom „Fremden“, das heute in seiner Simplizität und seinem Eurozentrismus fragwürdig ist.


Die Feuerzangenbowle (1944)
Der Lehrerberuf wird verspottet, Autoritäten veralbert, und der Humor basiert auf Streichen, die aus heutiger Sicht teilweise respektlos oder sogar übergriffig erscheinen. Besonders heikel: Das romantische Interesse des erwachsenen Protagonisten an einer Schülerin wirkt aus heutiger moralischer Perspektive äußerst unangemessen. Auch das Frauenbild ist stark traditionell und klischeebehaftet. |

Der bewegte Mann (1994)
Homosexuelle Figuren werden klischeehaft als schrill und übergriffig dargestellt. Der Humor lebt von der Angst vor „verwechslender“ Homosexualität und männlicher Verletzlichkeit. Das Bild von queerer Männlichkeit bleibt karikaturhaft und reproduziert stereotype Denkmuster, die heute zunehmend kritisch betrachtet werden.

Werner – Beinhart! (1990)
Doch hinter dem Kult steckt eine Machowelt, in der Frauen kaum vorkommen oder als Nervensägen abgewertet werden. Gewalt ist ein Gag, Bildung überflüssig, Alkohol eine Lösung. Der Humor zielt oft unter die Gürtellinie und verherrlicht Lebensstile, die kaum Platz für Reflexion lassen. Aus heutiger Sicht hat der Film starke toxisch-männliche Tendenzen.

7 Zwerge – Männer allein im Wald (2004)
Frauenfiguren wie Schneewittchen oder die böse Königin werden auf ihr Äußeres und ihre Funktion reduziert. Humor entsteht oft auf Kosten von Menschen mit nicht-heteronormativer oder „abweichender“ Identität – z. B. durch klischeehafte Darstellung von Homosexualität oder körperlicher Andersartigkeit. Der Männerkult der Zwerge wird ironisch überhöht, aber nicht wirklich hinterfragt, was sexistische und infantile Männlichkeitsbilder bestärkt.

Die Liste findet sich hier:
https://www.msn.com/de-de/unterhaltung/ ... 42#image=2

samgardner
Beiträge: 81
Registriert: Mo., 02.11.2020 16:31

Re: 24 Deutsche Klassiker, die man nicht mehr sehe kann

Beitrag von samgardner »

Lol... ich hab's nur überflogen, denn dagegen wirkt selbst der "katholische Filmdienst" wie ein Hort der Intellektualität.

Was es mir aber tatsächlich kalt den Rücken runterlaufen lässt, ist die komplette Unfähigkeit vieler Leute heutzutage Dinge im zeitlichen Kontext zu betrachten. Das ist im Umgang mit Menschen, Kunst und Geschichte genauso unerlässlich, wie man fremde Kulturen in ihrem Kontext betrachten muss. Der Autor scheint die kulturhistorische Bildung eines 3-Jährigen zu besitzen. Wobei es bei Klassikern wie "Der Untertan" (1951), "Die Feuerzangenbowle" (1944), "Die Sünderin" (1951) offensichtlich wird, dass Geschichte generell bei ihm wohl eine völlig blinder Fleck ist, denn es fehlt ihm jegliche Idee die Aussage dieser Filme wenigstens im Ansatz zu verstehen. Das ist natürlich nicht die Schuld dieser Filme, sondern die der fehlenden Bildung des Autoren.

Damit bildet er sozusagen das "linke" Spiegelbild von Leuten wie Trump. Und wenn die Geschichtsvergessenheit von Links wie von Rechts kommt, ist der Faschismus nicht weit. Das mag sich etwas heftig anhören, aber für mich erfüllt Geschwätz dieser Art tatsächliche eine Wasserträger-Funktion für Leute wie Trump, d.h. "Rechts" und "Links" mögen hier unterschiedliche Ideologien haben, aber in der Praxis arbeiten sie Hand in Hand. Und um sich mit der Vorgehensweise von den Nazis in den 1930/40er Jahren gemein zu machen, fehlt ja auch nur noch die Forderung, dass man diese Filme verbrennen möge...

Wobei man heutzutage bei solchen Texten auch Klickbait als Hintergrund vermuten kann, was es natürlich nicht besser macht.
Zuletzt geändert von samgardner am Di., 17.06.2025 20:40, insgesamt 1-mal geändert.

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Kent
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Re: 24 Deutsche Klassiker, die man nicht mehr sehe kann

Beitrag von Kent »

Mein absoluter Favorit ist dabei, dass Mike Krüger Filme nur mit "kritischer Einordnung" vorgeführt werden dürften :D

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alex_wintermute
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Registriert: Di., 03.11.2020 13:16

Re: 24 Deutsche Klassiker, die man nicht mehr sehe kann

Beitrag von alex_wintermute »

Hm... also ich habe absolut nichts gegen "Woke", leider wurde der Begriff im Laufe der Zeit vornehmlich von weißen Gutmenschen missbraucht, die dort allerlei Firlefanz hinzudichteten. Ursprünglich wurde der Begriff in der Mitte des 20. Jahrhunderts von der afroamerikanischen Gemeinde verwendet, um ein Bewusstsein für soziale Ungerechtigkeit, insbesondere im Zusammenhang mit Rassismus, zu beschreiben. Der Begriff wurde auch im Kontext der Bürgerrechtsbewegung genutzt, um ein Bewusstsein für soziale Ungerechtigkeiten, Rassismus und Diskriminierung zu signalisieren, was ich ausgesprochen gut finde. Im Laufe der Zeit hat sich die Bedeutung von "Woke" jedoch radikal verändert. Dazu muss man sich nur mal mit dem extremen Femminismus Irrsinn, Gender Wahnsinn und aktuellen Political Correctness Trip unserer angeblich modernen Gesellschaft beschäftigen. Ich könnte nur noch kotzen. Und der Tuppes, der diese "Warning List" erstellt hat, gehört bis zum Kopf eingebuddelt und roten Ameisen ausgesetzt.

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Richie Pistilli
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Re: 24 Deutsche Klassiker, die man nicht mehr sehe kann

Beitrag von Richie Pistilli »

samgardner hat geschrieben:
Di., 17.06.2025 12:17
Was es mir aber tatsächlich kalt den Rücken runterlaufen lässt, ist die komplette Unfähigkeit vieler Leute heutzutage Dinge im zeitlichen Kontext zu betrachten.

Volle Zustimmung!

alex_wintermute hat geschrieben:
Di., 17.06.2025 18:41
Und der Tuppes, der diese "Warning List" erstellt hat, gehört bis zum Kopf eingebuddelt und roten Ameisen ausgesetzt.

:mrgreen:

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