EINER SPINNT IMMER - Franz Antel

Sexwellen, Kriminalspaß und andere Krautploitation.
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Prisma
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EINER SPINNT IMMER - Franz Antel

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Georg Thomalla

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● EINER SPINNT IMMER (D|A|1971)
mit Teri Tordai, Elfie Pertramer, Uwe Friedrichsen, Brigitte Grothum, Jacques Herlin, Eva Basch, Herbert Fux, Ralf Wolter,
Erich Kleiber, Franz Muxeneder, Erich Padalewski, Gerd Steffen, Marika Kilius, Hans-Jürgen Bäumler sowie Gunther Philipp
eine Produktion der Neue Delta | Terra Filmkunst | Wien Film | im Constantin Filmverleih
ein Film von Franz Antel

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»Das war der Kreuzwürgegriff!«


Bäckermeister Hugo Haase (Georg Thomalla) bekommt einen Supermarkt vor die Nase gesetzt, sodass dem eigentlich gut ausgelasteten Laden die Kundschaft fernbleibt. Während er sich Gedanken um seinen bevorstehenden Ruin macht, kommt es zu einem unerwarteten Geldsegen. Da eine seiner Tanten gestorben ist und er sie beerbt, wird er nach Wien zur Testamentseröffnung gebeten und kassiert einen fünfstelligen Betrag. Schon bald wird er Zielscheibe für etliche Ganoven, die es auf sein Geld abgesehen haben, so etwa die attraktive Betrügerin Clarisse (Teri Tordai), die ihm die Bürde des Reichtums abnehmen will...

Die Titel-Credits laufen und kündigen die üblichen Verdächtigen vor und hinter der Kamera an, sodass die Hoffnung auf einen positiven Ausreißer in der Welt der handelsüblichen Verwechslungskomödien und Lustspiele eigentlich zuerst stirbt, doch in Franz Antels Beitrag lassen sich gewisse Anreize und Abstriche feststellen, die zunächst überraschen, denn die Geschichte erweist sich als nicht ganz so aufdringlich, wie befürchtet. Der Leitfaden bleibt die Haupthandlung, die nur durch wenige Auswüchse in der Peripherie gestört wird, und das Ganze hat wieder einmal Georg Thomalla zu stemmen, für den es in den 70er-Jahren ausschließlich Kino-Einsätze in derartig einschlägig bekannten Komödien oder Klamotten gab, was seinem Talent sicherlich nicht gerecht wird. Hier kann er vor allem im Zusammenspiel mit seiner volkstümlich wirkenden Partnerin Elfie Pertramer punkten, die einen herben Kontrast zu der verführerischen Ungarin Teri Tordai darstellt. Turbulenzen sind also auf jeden Fall vorprogrammiert, doch anfangs entfaltet sich ein vergleichsweise unaufgeregter Verlauf, der sogar über ein paar Pointen verfügt, auch wenn sie unterm Strich nur mager wirken. Als der Discounter namens "Billa" seine Pforten vor der Nase der Bäckerei öffnet, von der ehemaligen Stammkundschaft keine Spur und Loyalität plötzlich keine Rede mehr ist, fangen die in den Reagenzgläsern gezüchteten Späße und Kalauer der Produktionsfirmen an zu grassieren, sodass es plötzlich einheitlich, hin und wieder aufdringlich wird. Der Sohn des Hauses Haase sabotiert den vis-à-vis liegenden Supermarkt gemeinsam mit seinen Kumpels mit blankem Vandalismus, was schon ein Dutzend Filme vorher kaum mehr aufwerten konnte, denn die Methodik ist dieselbe. Erfahrene und beinahe schon ausgediente Interpreten des Genres geben sich erneut die Klinke in die Hand, wenngleich ausgewählte Verpflichtungen auch für willkommene Abwechslung sorgen, da sie nicht permanent beziehungsweise selten zustande kamen.

Hier sind definitiv Elfie Pertramer, Uwe Friedrichsen, die damalige Freundin des Regisseurs Eva Vodičková alias Eva Basch und Brigitte Grothum zu nennen, deren humoriges Angebot nicht so abgedroschen und derb wie bei unlängst verheizten Kollegen namens Ralf Wolter, Jacques Herlin, Herbert Fux oder Gunther Philipp wirkt. Ein kleiner Lichtblick im sich immer mehr zuziehenden Antel'schen Dickicht stellt des Weiteren der nuanciert wirkende Auftritt von Teri Tordai dar, deren handwerkliche Auffassung etwas von Dosierung und Situationskomik berichten will, soweit es im Bereich des Möglichen liegt, sich gegen das bestehende Script stemmen zu können, welches die zweite Hälfte des Films unbarmherzig vor sich hertreibt. Man kann schließlich nicht alles haben und sollte sich auf die positiv wirkenden Komponenten dieses nicht allzu nervtötenden Vehikels konzentrieren, welches wohlgemerkt nur im Vergleich zu anderen Artgenossen nicht ganz so abgedroschen wirkt, da man auf ein immer wiederkehrendes und hinlänglich ausgeschlachtetes Baukastenprinzip verzichtet. Dem Publikum werden hier auch Gesangs- und Schlager-Auftritte erspart, die üblicherweise aus heiterem Himmel performt wurden, lediglich Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler sind als eislaufende Gäste zu sehen. Im schönen Wien angekommen, überschlagen sich die konstruierten Ereignisse zwischen Psychiatrie, Geldfälscherbande, Betrug und Charakteren aus anderen Sphären, hin und wieder lassen sich ein paar wirklich gut platzierte Sprüche und Gebärden ausfindig machen, allerdings wird unterm Strich kein Klassiker des Genres geboten, da hierfür weitreichende Grundvoraussetzungen und Ideen fehlen. Eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein, da "Einer spinnt immer" kaum eine Erwähnung im Dunstkreis einschlägig bekannter Komödien erfährt. Am Ende ist Antels Beitrag erträglich und zumindest heiter ausgefallen, wirkt deswegen nicht ganz so schlimm und aufdringlich mit grobschlächtigem Klamauk drapiert, wie es andernorts wahrzunehmen war.

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