GELIEBTES FRÄULEIN DOKTOR - Hans H. König

Sexwellen, Kriminalspaß und andere Krautploitation.
Antworten
Benutzeravatar
Prisma
Beiträge: 6304
Registriert: Sa., 31.10.2020 18:11

GELIEBTES FRÄULEIN DOKTOR - Hans H. König

Beitrag von Prisma »



Edith Mill

GELIEBTES FRÄULEIN DOKTOR


● GELIEBTES FRÄULEIN DOKTOR / LIEBESBRIEFE AUS MITTENWALD (D|1954)
mit Hans Nielsen, Helmut Schmid, Lina Carstens, Robert Freitag, Hans Clarin, Gusti Kreissl, Wastl Witt, Hermann Pfeiffer, Michael Rabanus,
Alex Weber, Christian Doermer, Peter Tost, Moritz Milar, Axel Arens. Hermann Lauterbach, Franz Simon, Manfred Eder, Pieter Kunheim, u.a.
ein König Film | im Kopp Filmverleih
ein Film von Hans H. König

Geliebtes Fräulein Doktor (1).jpg
Geliebtes Fräulein Doktor (2).jpg
Geliebtes Fräulein Doktor (3).jpg
Geliebtes Fräulein Doktor (4).jpg
Geliebtes Fräulein Doktor (5).jpg
Geliebtes Fräulein Doktor (7).jpg
Geliebtes Fräulein Doktor (9).jpg
Geliebtes Fräulein Doktor (12).jpg
Geliebtes Fräulein Doktor (16).jpg

»Liebe: Ein Rechenexempel zweier Menschen, das selten aufgeht!«


Im Internat für Jungen Mittenwald hat erneut ein Lehrer für Deutsch und Geschichte das Handtuch geworfen, da er die berüchtigten Streiche der sechsten Klasse nicht mehr ertragen konnte. Mit ihm geht bereits der sechste Lehrer. Internatsleiter Direktor Franke (Hans Nielsen) sucht händeringend nach einer Lösung und setzt schließlich den Rat seiner Gattin Luise (Gusti Kreissl) um, eine Lehrerin anzustellen. Mit der bieder wirkenden Dr. Maria Hofer (Edith Mill) glaubt er, auf das falsche Pferd gesetzt zu haben, doch schon bald stellen sich erste Erfolge ein, denn die Klasse ist lammfromm. Als die Lehrerin plötzlich fingierte Liebesbriefe ihres Kollegen Dr. Klinger (Helmut Schmid) erhält, gerät die trügerische Ruhe wider ins Wanken...

In irgend einer Fasson hat der Jahre später auftauchende und sogenannte Paukerfilm wohl immer schon existiert und unter der Regie von Hans H. König entstand mit "Geliebtes Fräulein Doktor" eine Mischung aus Heimatfilm und Liebeskomödie, die tatsächlich sehr sehenswerte Züge annehmen wird. Wie der Titel bereits ankündigt, ist die konservativ aber aufgeweckt wirkende Lehrerin noch zu haben, außerdem ist fest anzunehmen, dass sie die Herzen der renitenten Klasse VI im Sturm erobern wird und noch mehr. Eine Schulklasse hat bislang noch jeden Lehrer für Deutsch und Geschichte aus dem Internat ekeln können, mit Streichen, die 15 Jahre später ganz anders aussehen sollten. Da der Direktor mit seinem Latein am Ende ist, hört er auf den Rat seiner Gattin, einen weiblichen Lehrkörper zu etablieren, um an die »Ritterlichkeit« der Jungen zu appellieren. Der Neuen wird schnell und deftig auf den Zahn gefühlt, doch Fräulein Dr. Hofer überrascht mit einer ganz unbekannten Art der Nachsicht und subtilen Schlagfertigkeit, die am Ende einfach nur entwaffnend wirkt. Der Film erzählt seine Geschichte vor interessanter Naturkulisse, die Traditionelles mit Modernem zu vereinen versucht. Hauptdarstellerin Edith Mill, die hier von ihrem Regie führenden Schwager besetzt wurde, stellt sich in kürzester Zeit als Idealbesetzung für die Rolle der etwas bieder wirkenden Lehrerin heraus. Die insbesondere in den 50er-Jahren mit zahlreichen Hauptrollen vertraute Österreicherin wirkt vor allem sympathisch und schwingungsfähig, sodass es dem Zuschauer sehr leicht gemacht wird, sie zu mögen und auf ihr persönliches Glück zu hoffen. Edith Mill hat nach Destination des Scripts eine kleine Metamorphose durchzumachen, die durch innere Monologe recht witzige Züge annimmt, bis das große Drama derartig angelegter Filme zum Überholmanöver ansetzen kann. Mills besonders angenehme Art des Interpretierens kommt der sich langsam in Fahrt setzenden Story dabei enorm zugute. In Windeseile hat sie ihre Klasse in die Tasche gesteckt, ohne eigentlich viel tun zu müssen, denn sie wirkt authentisch und jederzeit freundlich und vor allem fair.

Interessant ist dieses Mal zu sehen, dass sich unter den Lehrkörpern keine wirklichen Tyrannen oder Sadisten finde werden, die dem Schabernack der Schüler dementsprechend wohlwollend beziehungsweise milde eingestellt gegenüberstehen, immerhin erinnern sie sich noch dunkel an ihr eigene Schulzeit. Helmut Schmid ist hier in seinem Kinodebüt zu sehen und man braucht kein Hellseher zu sein, dass er die designierte Partie der neuen Lehrerin sein wird, allerdings muss er erst einmal mit der Nase auf sein Glück gestoßen werden. In weiteren überzeugenden Rollen sieht man Hans Nielsen als progressiv eingestellter Direktor des Internats, oder Hans Clarin, dem man sein tatsächliches Alter in der sechsten Klasse nicht ansieht, sowie Lina Carstens oder Christian Doermer, ebenfalls in seinem Spielfilmdebüt. Nachdem man der neuen Lehrerin ordentlich auf den Zahn gefühlt hat, hagelt es plötzlich fingierte Liebesbriefe mit Tipps, das Aussehen eines Mauerblümchens signifikant zu modernisieren. Angeblich kommt diese Korrespondenz von ihrem Kollegen Dr. Klinger, der allerdings auch noch nichts von diesen Aktionen weiß. Der Film ist gestreckt mit klassischen Musikeinlagen, die allerdings nicht mit denen des einschlägig bekannten Schlagerfilms zu verwechseln sind, und es geht angenehm zu und bald auch Schlag auf Schlag. Am Ende gerät die ganze Chose ein wenig außer Kontrolle, da man es ausschließlich mit Leuten zu tun bekommt, die ihre Gefühlswelt nicht selbst ordnen können, doch auch der Kitsch kann dem positiven und vor allem kurzweiligen Ergebnis nichts anhaben. "Geliebtes Fräulein Doktor" ist unterm Strich ein typisches Produkt der damaligen Unterhaltungsbranche geworden, welches jegliche Dienste am Kunden zu erfüllen weiß. Ausgestattet mit überraschend guten Interpreten kommt ein angenehmes Flair auf und eine merkliche Leichtigkeit, die diese guten 80 Minuten zu einem netten Unterhaltungsprogramm für Fans von hier aufkommenden Angeboten machen. Insbesondere Edith Mill kann in der Titelrolle überzeugen, die sich mutig und entschlossen gegen den möglichen Verdacht stellt, diese Rolle nur wegen familiärer Beziehungen innezuhaben. Charmant.

Benutzeravatar
Count Yorga
Beiträge: 205
Registriert: Sa., 31.10.2020 20:43
Wohnort: Nordbaden

Re: GELIEBTES FRÄULEIN DOKTOR - Hans H. König

Beitrag von Count Yorga »

Das Neue Filmprogramm DNF:

Doktor.jpg
:hut:

Benutzeravatar
Prisma
Beiträge: 6304
Registriert: Sa., 31.10.2020 18:11

Re: GELIEBTES FRÄULEIN DOKTOR - Hans H. König

Beitrag von Prisma »



Ein ganz klassisches Motiv, wobei ich zuerst dachte, wer da eigentlich neben Edith Mill zu sehen ist.
Da habe ich wohl den eigentlich unverwechselbaren Helmut Schmid nicht gleich erkannt. :mrgreen:

Antworten