FREDDY UNTER FREMDEN STERNEN - Wolfgang Schleif

Sexwellen, Kriminalspaß und andere Krautploitation.
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Prisma
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FREDDY UNTER FREMDEN STERNEN - Wolfgang Schleif

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● FREDDY UNTER FREMDEN STERNEN (D|1959)
mit Freddy Quinn, Gustav Knuth, Vera Tschechowa, Dieter Eppler, Benno Sterzenbach, Marlies Behrens, Helga Sommerfeld
Hannelore Elsner, Otto Matthies, Herbert Wilck, Ursula Krieg, Herbert Tenbrook, Dagmar Biener sowie Christian Machalet
ein Melodie Film | im Constantin Filmverleih
ein Film von Wolfgang Schleif

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»Wenn du anfängst zu denken, dann kommt nichts dabei heraus!«


Von seinem Onkel erbt Freddy (Freddy Quinn) ein großes Stück Land in den Rocky Mountains und begibt sich mit dem elfjährigen Waisenjungen Stefan (Christian Machalet) auf die lange Reise nach Kanada, wo ein komplett neues Leben auf die beiden wartet. Vor Ort kommt es allerdings zu gewissen Problemen, denn das erwartete Anwesen entpuppt sich lediglich als heruntergekommene Bruchbude in der Wildnis, doch Stefan und Freddy machen das Beste aus den widrigen Umständen. Als sich plötzlich mehrere Leute für Freddys angeblich völlig wertloses Land zu interessieren beginnen, wird dieser misstrauisch, und versucht, der Sache auf den Grund zu gehen...

Im Ranking der "Freddy"-Filme lassen sich viele sogenannte Kassenschlager finden, doch bei Wolfgang Schleifs "Freddy unter fremden Sternen" handelt es sich um die erfolgreichste Produktion der langjährigen Reihe. Entstanden als Fortsetzung des ähnlich gut angekommenen "Freddy, die Gitarre und das Meer", sieht man erneut Freddy Quinn und seinen jungen Kollegen Michael Machalet in den gleichen Rollen. Der Exit aus Hamburg geschieht denkbar schnell, um einer Art Ruf zu folgen. Hierbei werden sehr intensive Schauplätze angeboten, aber die schönen Bilder werden ohnehin zu einer Art Leitmotiv der Geschichte, die sich wenig verschachtelt offenbart, und dabei Sehnsüchte wie Fernweh und Heimweh anspricht. Freddy Quinn thematisiert dies in seinen hinlänglich bekannten Schlagern, deren Einsätze hier glücklicherweise nicht allzu inflationär wirken. Vor Ort in Kanada finden die beiden Auswanderer ernüchternde Voraussetzungen vor, was sie jedoch nicht davon abhält, sich an die Arbeit zu machen. Man hört kein Murren oder Fluchen, denn dafür werden andere Charaktere in das Szenario eingeführt. Der unmittelbare Nachbar wirkt aufgrund von Gustav Knuths Aura zunächst etwas störrisch aber sympathisch zu sein, aber es werden die viele umliegenden Töchter sein, die sich förmlich um den sympathischen Neuankömmling reißen. Hier können Vera Tschechowa, Helga Sommerfeld, Hannelore Elsner und Marlies Behrens auftrumpfen und für ein wenig Knistern in der bildgewaltigen Einöde sorgen, die wie gesagt sehr imposant wirkt. Damit nicht alles zu reibungslos vonstattengeht, gibt es eine besonders kratzbürstige Tochter, aber auch Widersacher, die es nicht gut mit den Neuankömmlingen meinen. Die Geschichte ist in Windeseile durchschaut, aber macht dennoch Spaß beim Zuschauen, zumal hier ein ganz simples Strickmuster verfolgt wird, das prädestiniert dafür ist, gut beim Publikum landen zu können. So kam es wirtschaftlich gesehen wohl auch zu einem ausgezeichneten Geschäft.

Freddy Quinn agiert erneut als Held ohne Hintergedanken und böse Absichten, sodass die Zielgruppe ausgiebig schmachten und träumen kann. Versehen mit handelsüblichem Kitsch und entsprechenden Versatzstücken, strapaziert Wolfgang Schleif den Zuschauer nie über die Maßen, aber schließlich befindet man sich auch in einem Unterhaltungsfilm, der eine Mission erfüllen möchte. Freddy Quinn wirkt überaus solide und zuverlässig bei deiner Zeichnung der Titelfigur, sein junger Kollege Christian Machalet steht dieser Leistung in nichts nach und es handelt sich um einen sehr begabten Kinderdarsteller. Gute Momente entstehen im unbefangenen Zusammenspiel und über Machelet werden natürlich einige brenzlige Situationen aufgebaut, um Freddy gefügig zu machen, immerhin haben es einige Zeitgenossen auf sein doch nicht so unwichtiges Land abgesehen. Bei den Damen bietet sich eine geballte Ladung an: Hannelore Elsner ist in einem ihrer ersten Filme zu sehen, Helga Sommerfeld in ihrem Element, Marlies Behrens bei nicht zu unterschätzender Überzeugungsarbeit und Vera Tschechowa beim Kokettieren mit Selbstbewusstsein und individueller Selbstverständlichkeit. Es handelt sich um ein nettes Gespann weiblicher Anmut und Kraft, welches durch die junge Dagmar Biener abgerundet wird. Im späteren Verlauf kristallisieren sich Intrigen in der unberührten Landschaft heraus, und da die Geschichte mit etwas Naivität jongliert, kommt die Hauptperson auch nicht darauf, was sich wirklich hinter deren Rücken abspielt. So kommt man sich als Zuschauer beinahe wie ein Kind vor, welsches vor einem Kasperletheater sitzt und ganz laut schreien muss, wenn der böse Wolf oder die alte Hexe auftaucht, der Held es aber nicht bemerkt. Als Stilmittel legitim, in "Freddy"-Filmen beinahe ein Muss. "Freddy unter fremden Sternen" ist am Ende ein routinierter Unterhaltungsfilm geworden, der passgenau auf seine natürlich vorhandenen Ressourcen setzt und seine Unterhaltungsmission restlos erfüllen kann, zumal die Titelfigur genügend Potenzial hat, seine Anhängerschar in die Kinos zu locken. Heute muss man vielleicht einen Sinn für Nostalgie mitbringen.

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Count Yorga
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Re: FREDDY UNTER FREMDEN STERNEN - Wolfgang Schleif

Beitrag von Count Yorga »

Illustrierte Film-Bühne:

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:hut:

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Prisma
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Re: FREDDY UNTER FREMDEN STERNEN - Wolfgang Schleif

Beitrag von Prisma »



Ich glaube, das Motiv hätte man gar nicht anders gestalten können. :D

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