LSD - PARADIES FÜR 5 DOLLAR - Giuseppe Maria Scotese

Peitschenhiebe, laute Explosionen, wilde Abenteuer und anderer Filmstoff aus Italien.
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Richie Pistilli
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LSD - PARADIES FÜR 5 DOLLAR - Giuseppe Maria Scotese

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LSD - Paradies für 5 Dollar (D)
Acid - delirio dei sensi (IT)
LSD - Il paradiso a 5 dollari (IT)
Delírio do Sexo (BRA)
Acid Delirium of the Senses


IT 1968

R: Giuseppe Maria Scotese
D: Bud Thompson, Bruna Caruso, Annabella Andreoli, Norman Davis, Federica Sachs, Stephen Forsyth, Janet Tiller, John Bartha, Giuseppe Valdembrini, Valentino Macchi u.a.



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Deutsche Erstaufführung: 17. Mai 1968

Score: Angelo Francesco Lavagnino & Armando Trovajoli

Italo-Cinema.de

IMCDb

OFDb



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Die ersten Minuten: New York, Manhattan, Greenwich Village. Hippies mit schmutzigen Füßen und trübem Blick, die Wanderklampfe immer im Anschlag, ein Lied über den Frieden auf den trockenen Lippen, wahrscheinlich druff. So ist sie halt, die „psychodelische Generation“, wie der Voice-over in vollem Bewusstsein der großen Bedeutung seiner aufklärerischen Mission mitzuteilen weiß. Interessiert ist der Blick der Kamera, aber ohne Zweifel auch ziemlich abfällig und voller Vorurteile. Zwei Ärzte dürfen über den typischen LSD-Konsumenten erzählen und ihre wohlklingenden Kategorisierungen abgeben. Die Hippies selbst, die sich für nur fünf Dollar ein Stück vom Paradies zu erwerben hoffen oder auf eine „Reise“ gehen wollen, die am besten nicht mehr endet, werden nicht gefragt. Und kommen im folgenden Film, der doch eigentlich von ihnen und ihrer Droge handeln soll, bestenfalls als schmückendes Beiwerk vor.
[Quelle: Remember it for later]



New York 1968: Im Zuge der drogengeschwängerten Hippie-Bewegung ist ein Großteil der amerikanischen Jugend unwiderruflich dem kollektiven LSD Rausch verfallen und die Gesellschaft steht diesem gerade erst aufgekeimten Phänomen noch völlig ratlos gegenüber. Am meisten Sorgen bereitet der herrschenden Riege die unter den berauschten Jugendlichen immer größer werdende Bereitschaft zur Auflehnung gegen das Establishment sowie die ernüchternden Folgen des Konsums, zu denen beispielsweise ein massiver Anstieg chronifizierter Psychosen, ein erhöhtes Unfallrisiko während den Rauschzuständen und eine nicht gerade unbeachtliche Häufung an Selbstmordversuchen gezählt werden. Diese schonungslose Dokumentation geht dem Phänomen „LSD“ unnachgiebig auf den Grund und zeigt ungeschönt die verheerenden Auswirkungen, die dieses halluzinogene Teufelszeugs auf die Weltanschauung dauerberauschter und moralisch entwurzelter Jugendlicher ausübt.


Regisseur Giuseppe Maria Scotese (MONDO NUDO - NACKTE WELT, EIN MÄDCHEN KÄMPFT SICH DURCH DIE GRÜNE HÖLLE) zeigt in dieser äußerst unterhaltsamen Pseudo-Dokumentation den Werdegang mehrerer Jugendlicher im lsd-verseuchten New York der späten 60er-Jahre und die verheerenden Folgen eines in mittlerweile fast allen Gesellschaftsebenen existenten Konsums psychotroper Substanzen. Zunächst mal wird dieses mondoartige Rausch-Vergnügen mit einer angenehmen Sprecherstimme aus dem “Off” eröffnet und zugleich der verzweifelte Versuch gestartet, dem aus Sicht des Establishments besorgniserregenden Phänomens der halluzinogenen Jugendbewegung auf den Zahn zu fühlen. Bei der Frage nach der Wirkung halluzinogener Substanzen auf den menschlichen Organismus tritt dann auch gleich der renommierte Psychiater Humphry Osmond als wissenschaftlicher Interviewpartner auf den Plan und spielt dabei einfach nur sich selbst. Im nächsten Schritt wird sich der Vetriebsstruktur krimineller Drogenanbietern zu widmen versucht, bevor mit dem episodenhaft dargestellten Werdegang mehrerer LSD-Jünger aus den verschiedensten gesellschaftlichen Schichten der eigentliche Hauptteil dieser italienischen Kolportage eingeläutet wird.


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Hier gibt es dann die folgenden Unfassbarkeiten zu bestaunen: Nach dem unwissentlichen Genuss eines mit LSD angereicherten Stück Geburtstagstorte tritt das völlig berauschte Fotomodell Shelley (Bruna Caruso) einen orientierungslosen Spaziergang durch die menschenbefüllte Einkaufsmeile an und nimmt völlig ungeniert inmitten der Öffentlichkeit ein genüssliches Bad im städtischen Springbrunnen. Doch leider wird dem sehr kurzweiligen Badevergnügen durch den bereits herannahenden Arm des Gesetzes ein jähes Ende bereitet. Aufgrund der Beibehaltung ihres besorgniserregenden Konsumverhaltens manövriert sich das junge Fotomodell im weiteren Filmverlauf in einen paranoiden Zustand, indessen Folge es zu einem schicksalhaften Unfall kommt. Als Weiteres tritt die junge Reporterin Paola Miller (Janet Tiller) auf den Plan, die eine unglückliche Beziehung mit dem jungen Konzern-Direktor Eddie Stone (Stephen Forsyth) führt. Um das eingeschlafene Liebesleben wieder auf Trapp zu bringen, verordnet sich die Gute gemeinsam mit ihrem arbeitswütigen Partner eine halluzinogene Selbsttherapie und klinkt sich mit diesem nach dem gemeinsamen zu Bett gehen am Abend ein mit Lysergsäurediethylamid getränktes One Way-Ticket ein. Doch anstatt eines lustvollen Aufblühens der männlichen Libido löst die psychedelische Reise bei dem mittlerweile völlig apathisch wirkenden Eddie unterdrückte Mutterkomplexe aus, was wiederum zu einem absoluten Horrortrip führt. Außerdem setzt ab diesem Zeitpunkt bei dem zuvor erfolgreichen Geschäftsmann ein immer weiter fortschreitender sozialer Abstieg ein, infolgedessen die Beziehung letztendlich völlig in die Brüche geht.


Dann gibt es auch noch den farbigen Tänzer und Frauenschwarm Nicky (Norman Davis), der gemeinsam mit seiner dauerberauschten Partnerin Patrizia Davis (Annabella Andreoli) eine recht offene Beziehung führt. In dieser Episode kommt es irgendwann zu der unglaublichen Situation, dass eine der zahlreichen Affären Nickys (Federica Sachs) die völlig zugedröhnte und außer Kontrolle geratene Patrizia vor seinen Augen zum vermeintlichen Sprung von einer Brücke ermutigt, woraufhin diese den obligatorischen Flug in die grenzenlose Freiheit schlussendlich auch tatsächlich antritt. Weiterhin gibt es zahlreiche Drogenpartys zu bestaunen, bei denen die anwesenden Gäste bei dröhnender Beat-Mucke ausgefallene Partyspiele zelebriert. In rauschartigen Bildern verschwindet dann immer mehr “Sein und Schein”, wobei der Ausgang der jeweiligen Drahtseilakte zwischen Genialität und Wahnsinn zunächst im Ungewissen bleiben. In einigen Fällen enden solche halluzinogenen Drogen-Reisen mit der Selbstverstümmelung des eigenen Antlitzes vor dem blitzblank geputzten Badezimmerspiegel oder mit einem unbefristeten Aufenthalt in einem der zahlreichen Nervenheilanstalten am Rande der Stadt. Ferner kommt ein 200-seitiges James-Bond-Buch zum Einsatz, bei dem zuvor jede einzelne Seite mit genau einer Trip-Dosis an reinstem LSD beträufelt wurde. Ein doppelseitig bedruckter 007 sozusagen...


Im Rahmen des Terza-Visione-Festivals durfte ich im Jahr 2016 auch die deutsche Kinofassung dieser unfassbaren Drugumentary bestaunen, die zu allem Überfluss auch noch mit einer ganz hervorragenden Synchro aufwartet. Dabei fiel auf, dass im Vergleich zur italienischen Filmfassung die komplette Einleitung außen vor gelassen wurde, bei der eine Sprecherstimme während rauschartigen "Hare Krishna"-Gesängen die jeweiligen Beweggründe der acidschluckenden Hippiebewegung darlegt. Dabei ist zu beobachten, dass der Sorgenschwerpunkt in der italienischen Sprachfassung eher auf den vermeintlich durch LSD ausgelösten Rebellionsaspekt gelegt wird, der aber wiederum in der deutschen Synchronfassung fast gänzlich vernachlässigt wurde. Man wollte dadurch vermutlich die unschuldige Jugend aus dem Land der Kartoffeln nicht auf dumme Gedanken bringen. Aus diesem Grund ist dann scheinbar in der KF auch die Szene mit der Bühnendarbietung zum Opfer gefallen, in der eine Kunstaktivistin dem Publikum philosophische Fragen zu den Idealen und Werten der konditionierten Mehrheitsgesellschaft stellt ("Rebellion oder Konformität" - "Ideale aus der Konserve"!) Außerdem scheint der italienischen Filmfassung noch ein weiterer Pseudo-Neurologe namens Prof. Henry Osmond beizuwohnen, an dessen Dasein ich mich in der KF nicht erinnern kann. Zu guter Letzt wurde scheinbar der Horrortrip im Schlafzimmer etwas ausführlicher dargestellt. Die deutsche Synchronfassung zieht dabei, wie auch nicht anders erwartet, ordentlich vom Leder. Leider kommen die Sprecherstimmen in der zweiten Filmhälfte immer seltener zum Einsatz, obwohl es diesem filmischen Delirium weitaus besser bekommen wäre.


Fazit: Eine zeitgeschichtliche Kuriosität in Form einer acidgetränkten Pseudo-Drogumentation, bei der die heutigen pseudo-wissenschaftlichen Erklärungsversuche den damaligen in nicht viel nachstehen.


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Filmplakate:
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Filmausschnitte: Partyszenen
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Score:
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Italienischer Filmtrailer:




(Überarbeiteter Beitrag aus dem alten Forum: 12.07.2015)

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Richie Pistilli
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Re: LSD - PARADIES FÜR 5 DOLLAR - Giuseppe Maria Scotese

Beitrag von Richie Pistilli »

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In Zuge der Filmbesprechung zu LSD (1967) von Massimo Mida habe ich den hiesigen Beitrag ein klein wenig aufgefrischt und die Bildgalerien neu hochgeladen.



"All die Geschichten, die da erzählt werden, haben nur sehr am Rande etwas mit LSD zu tun – alle Charaktere kommen eher zufällig dazu und so richtig begeistert scheint keiner davon zu sein -, mit den am Anfang vorgeführten Hippies und ihren Ideen einer psychedelischen Gesellschaft bzw. den halluzinogenen Wirkungen der Droge rein gar nichts. Die Geschichten sind eigentlich sogar völlig untypisch für das doch angeblich im Zentrum stehende Milieu und werfen die Frage auf, ob hier nicht einfach Material unter fremdem Titel zusammengeschraubt wurde, das anderswo übrig geblieben war. Dafür funktioniert die Melange dann aber wieder erstaunlich gut. Aber das ist ja auch gerade das, was für den Film so einnimmt: Er folgt einer Ende der Sechzigerjahre bereits seit Jahrzehnten etablierten Schablone (das Marihuana-Pendant REEFER MADNESS stammt etwa von 1938), ohne in der Lage zu sein, diese wirklich anzuwenden. Was da passiert, ist komplett wahnsinnig, und wirkt nicht gerade so, als seien die Filmemacher die geeigneten Leute gewesen, ihr Publikum vor den Gefahren des Missbrauchs von Halluzinogenen zu warnen. Denen hat man selber eine ordentliche Portion Acid in den Fernet geschüttet. Prost!"

Quelle: https://funkhundd.wordpress.com/2016/04 ... lien-1968/


Filmvorspann:


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