JETZT SPRECHEN DIE PISTOLEN - Edoardo Mulargia

Staubige Dörfer, schweigsame Pistoleros und glühende Colts.
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doobee
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JETZT SPRECHEN DIE PISTOLEN - Edoardo Mulargia

Beitrag von doobee »

Jetzt sprechen die Pistolen
Perché uccidi ancora
Italien / Spanien 1965
Regie: Edoardo Mulargia
Anthony Steffen, José Calvo, Hugo Blanco, Aldo Berti, Ida Galli

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Die Familien McDougall und Lopez sind Erzfeinde. Donald McDougall (Armando Guarnieri) hatte einst Lopez (José Calvo) zum Krüppel geschossen. Dieser rächt sich nun und lässt Donald, wehrlos an einen Baum gefesselt, von seinen Leuten brutal abknallen. Als Steven McDougall (Anthony Steffen), der Sohn von Donald, davon erfährt, desertiert er aus der Armee um den feigen Mord zu rächen. Er erschiesst Manuel (Hugo Blanco), den Sohn von Lopez in einem Duell und gibt dem Alten 2 Tage Zeit, aus der Gegend zu verschwinden. Dieser jedoch denkt nicht daran und heuert eine Bande von Killern an, unter der Führung von Gringo (Aldo Berti). Diese ermorden Andy (Armando Guarinieri) und entführen Judy (Ida Galli), den Onkel und die Schwester von Steven. Die Spirale der Gewalt beginnt sich immer schneller zu drehen und am Ende kann es nur einen geben…….

Antonio Luiz de Teffé, bekannter unter seinem Künstlernamen Anthony Steffen: das Idol unzähliger Spaghettiwestern-Affecionados, der Prototyp des staubigen, einsamen und schweigsamen Gunslingers, die fleischgewordene Qual, der brutale Töter, der Inbegriff all dessen, was einen Antihelden ausmacht. Und hier sehen wir ihn in seiner ersten Western-Rolle, wenn man den peinlichen Winnetou-Verschnitt „Der letzte Mohikaner“ von Harald Reinl mal gnädigerweise vergisst. Seine Darstellung des von Hass zerfressenen Steven ist wirklich überzeugend, von beklemmender Intensität und bildete die Grundlage für seine bemerkenswerte Italowestern-Karriere. Er spielte in insgesamt 26 Genrewerken mit, und dies immer in der Hauptrolle. Was machte diesen mittelprächtigen Schauspieler so erfolgreich? Sicherlich nicht seine Schauspielkunst, die sich mehr oder weniger aufs Schiessen, Prügeln und Leiden reduzierte. Ohne Schnickschnack, ohne Gimmicks verkörperte er den Charakter des „Lone Wolf“ wie kein Zweiter. Sein Aussehen half ihm natürlich dabei: asketische Gesichtszüge, meist umrahmt von einem ungepflegten Dreitagebart, finstere, versteinerte Mine, kaum eine erkennbare Gefühlsregung. Das ist cool und so lieben ihn die Fans. Was hat der Film sonst noch zu bieten? Eine einfach gestrickte Rachegeschichte, die zielstrebig auf den gut gemachten Showdown zusteuert sowie sehr schöne Sets und eine authentische, dreckige Italowestern-Atmosphäre. Die Stimmung ist düster, die Bilder kraftvoll brutal, die Protagonisten verschwitzt und schmuddelig, und die Kulissen der heruntergekommenen und bis auf einige wenige Leute ausgestorben wirkenden Stadt bieten ein trostloses und dem Geschehen angepasstes Bild. Auch wenn als unbedeutender Nebenplot noch ein wenig Waffenschieberei von Lopez eingebaut wurde dominiert die Todfeindschaft zwischen den beiden Kontrahenten den ganzen Film. Dieser unverbrüderliche Hass, welchen beide inbrünstig und mit geradezu lustvollem Masochismus zelebrieren, welcher keinen Raum für Vernunft und Vergebung mehr lässt und bis zum bitteren Ende ihr Leben beherrscht. Hier muss man nicht nur Anthony Steffen sondern auch José Calvo Respekt zollen. Seine Darstellung von Lopez ist ausserodentlich gekonnt und eindringlich. Ich mag diesen Schauspieler sowieso sehr gerne, und hier hat er mir einmal mehr bewiesen weshalb dies so ist. Ein weiterer Pluspunkt ist der überaus gelungene Score von Felice di Stefano, welcher ein treibendes Gitarrenthema und klagende Trompeten bietet.

Fazit: einfach gestrickter aber sehr effektvoller Rachewestern mit zwei hervorragend aufspielenden Darstellern. Die Tatsache dass es sich um das das Italowestern-Debut von Anthony Steffen handelt macht ihn umso mehr zum Pflichtkonsum für jeden Genrefan. 8/10

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Sid Vicious
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Re: JETZT SPRECHEN DIE PISTOLEN - Edoardo Mulargia

Beitrag von Sid Vicious »

Als JETZT SPRECHEN DIE PISTOLEN dereinst von Bruckner kam, fand ich den Film durchwachsen. Deshalb werde ich auch nicht meine damalige Review posten.

Fakt ist nämlich , dass ich kraft meiner gestrigen Zweitsichtung einen sehr guten Früh-IW entdeckt habe. Düster, ruppig, hin und wieder gar brutal.

Im Folgejahr haute Mulargia VAYAS CON DIOS, GRINGO raus. Womit er einen mächtigen IW-Start hinlegte. Danach flachten seine Western allerdings ab. Außer EL PURO, der IMHO gigantisch gut ist.
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