DER BLINDE - Peter Keglevic

Sexwellen, Kriminalspaß und andere Krautploitation.
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Prisma
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DER BLINDE - Peter Keglevic

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DER BLINDE


● EDGAR WALLACE - DER BLINDE (D|1995) [TV]
mit Joachim Kemmer, Julia Bremermann, Doris Kunstmann, Leslie Phillips, Yvonne de Bark, Peter Simonischek,
Michael Gwisdek, Ronald Pickup, Henryk Nolewajka, Christiane Reiff, Philippa Howel, Eva Ebner und Eddi Arent
eine Produktion der Rialto Film | im Auftrag von RTL
ein Fernsehfilm von Peter Keglevic

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»Nach den 30 Sekunden gibts einen auf die Fresse!«


Susan Howard (Julie Smith) verpasst ihren Bus nach Hause, da sie sich um einem hilflos wirkenden Blinden kümmert. Doch ihre gut gemeinte Geste katapultiert sie in einen waschechten Alptraum, da der Mann das junge Mädchen betäubt und anschließend entführt. Das Innenministerium übergibt den Fall an Scotland-Yard-Chef Sir John (Leslie Phillips), der wiederum seinen besten Beamten, Chef-Inspektor Higgins (Joachim Kemmer), mit der Aufklärung beauftragt. Er und seine Assistentin Lane (Julia Bremermann) finden schnell eine heiße Spur, die in die dubiose "Rialto"-Bar führt, doch dort bekommt man es nur mit wenig kooperativen Zeitgenossen zu tun. Nach und nach kommt jedoch etwas Licht ins Dunkel und die Ermittler finden sich in einem Strudel aus Mädchenhandel und Mord wieder …

Die TV-Produktionen der Edgar-Wallace-Reihe spielen in der Regel gleich zu Beginn ihre großen Stärken aus, denn die einführenden Sequenzen sind so gut wie alle sehr atmosphärisch und auf Hochglanz getrimmt. Peter Keglevics bereits dritter Beitrag stellt in diesem Zusammenhang keine Ausnahme dar, denn die Titelfigur sorgt höchstpersönlich für die zukünftige Marschrichtung. Mit einer perfiden Masche, die er über das Mitgefühl eines jungen Mädchens abwickelt, geht sie ihm ins Netz. Auch wenn sich diese Szenen durchaus sehen lassen können und wie üblich Alfred Vohrers »Hallo, hier spricht Edgar Wallace« ganz traditionell erklingt, kommt es sehr rapide zu einem ausgesprochen ungünstigen Schwenk in die Klamauk-Richtung, die das Yard-Personal mehr schlecht als recht in die laufende Story zu integrieren versucht. Ob Leslie Phillips, Joachim Kemmer oder Eddi Arent; der Drop ist definitiv gelutscht und auch Julia Bremermann kann mittlerweile für keinen angenehmen beziehungsweise nötigen Ausgleich mehr sorgen. Alle Augen liegen somit auf dem vermeintlich Blinden, der sich jedoch leider eine längere Auszeit gönnt, sodass die Geschichte etwas ziellos vonstattengeht. Ein verschwundenes Mädchen bringt die Ermittlungen in Gang, und es geht trotz extravaganter Anwandlungen bedauerlicherweise zu hölzern und gestelzt zu, insbesondere im darstellerischen Bereich. Schöne, teilweise imposante London-Aufnahmen vertreiben die Zeit zugegebenermaßen recht angenehm, bis die Regie allerdings versucht, sich permanent von Pointe zu Pointe zu schwingen, was den Eindruck einer leichten Überfrachtung zur Folge hat. Die mittlerweile stark kompensierte, bis etwa zur Hälfte gekürzte Spielzeit sorgt zunächst einmal für einen griffigeren Eindruck, aber unterm Strich kommen die erwarteten großen Sprünge doch nicht zustande, was sehr schade ist. Das Thema Mädchenhandel ist bei Wallace ein bewährtes, kann hier aber kaum mehr überzeugen.

In einer Story, deren Potenzial sehr schnell abgeschöpft wirkt, sorgen einige gute Interpreten für die nötige Aufmerksamkeit, allen voran Doris Kunstmann, die man gerne einmal in der regulären Wallace-Reihe gesehen hätte - etwa in Produktionen wie beispielsweise "Der Mann mit dem Glasauge" oder vielleicht in "Das Gesicht im Dunkeln". Als verruchte Bar-Dame kann sie wirksame Akzente setzen, und es ist sehr wichtig, sie als Verstärkung mit an Bord zu haben. Übrigens handelt es sich bei dem gewählten Umschlagplatz um die "Rialto"-Bar; ganz offensichtlich in deutlicher Anlehnung an die Produktionsfirma der Spielfilm- und TV-Reihe. Gleichzeitig handelt es sich auch um ein unübersehbares Anzeichen dafür, dass man es sich nicht aufsparen konnte, die Filme der RTL-Reihe mit allerlei Relikten aus guten, alten Zeiten anzureichern, was an den Filmen allerdings komplett abperlt. Leider versickern die Möglichkeiten des Falls im Boden, sodass er zu unspektakulär aufgerollt wirkt, und auch späte Mordfälle können daher für wenig Aufsehen sorgen. Die beteiligten Personen kommen dem Empfinden nach nie richtig aus den Startlöchern heraus und manche tauchen sogar aus dem Nichts auf, um wieder genau dorthin zu verschwinden. Leider ergeben sich die Zusammenhänge eher schwerfällig, da nicht genügend Erklärungen serviert werden. Glücklicherweise kristallisiert sich ein anzuerkennender Unterhaltungsfaktor heraus, der auch Kurzweil offenbart, sodass man dem Film unterm Strich attestieren möchte, dass sich auch "Der Blinde" für Wallace- und Krimi-Fans ganz naturgemäß eignet, da alte Muster verwendet werden, wenngleich ihm die bemüht wirkende Zweigleisigkeit nicht immer gut stehen will. "Der Blinde" bleibt insgesamt weit hinter den Erwartungen zurück und im Grunde genommen auch ohne größere Highlights, die man als treuer Wallace-Fan schlicht erwartet und gewöhnt ist. Das perfide und skrupellose Spiel mit dem Schicksal ist somit der bislang holprigste Beitrag der 90er-Serie geworden.

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