CHRISTINA VON BLANC

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Prisma
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Re: CHRISTINA VON BLANC

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CHRISTINA VON BLANC als CHRISTINA in
EINE JUNGFRAU IN DEN KRALLEN VON ZOMBIES (B|F|I|LIE|1973)



Christina von Blanc bekam unter Jess Franco zunächst die Möglichkeit, kleinere Parts ohne besondere Relevanz beziehungsweise Screentime in seinen beiden Filmen "X 312 - Flug zur Hölle" und "Jungfrauen-Report" zu übernehmen, bevor es zu einer Hauptrolle ohne Konkurrenz kommen sollte. Von Blancs Inszenierung in "Das Grauen von Schloss Montserrat", der landläufig unter dem wesentlich reißerischen Titel "Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies" bekannt ist, erscheint insofern bemerkenswert, als Franco der Schauspielerin hier den wohl prominentesten Part ihrer gesamten Kurzkarriere beschert hat. Ganz in üblicher Manier des Spaniers bekommt das Publikum wahrhafte Strecken von Großaufnahmen ihres ausgesprochen schönen Gesichts und ein für die Geschichte notwendiges Abtasten ihres makellosen Körpers geboten. In ihren kleineren Parts ist die stets so sympathisch wirkende Blondine vielleicht nicht gerade untergegangen, denn dafür besitzt sie zu viel klassische Ausstrahlung, aber es gab selten Raum, eine Rolle so dicht zu gestalten wie hier. Was sich eigentlich positiv anhört, muss in Francos launischem Film jedoch kaum eine Referenz darstellten. So gibt es trotz der hier angebotenen Dominanz der Interpretin vergleichsweise hochwertigere, wenn nicht sogar interessantere Parts der Christina von Blanc zu finden, die sich dem Konzept der ganz nach Francos Gusto laufenden Geschichte jedoch problemlos beugt, dabei sogar einige Nuancen anbieten kann, die bei einer sehr kurzen Darbietung nicht auffallen können. Der Verlauf gehört schließlich der Titelrolle, die sich nach der Ankunft im Schloss gleich in schlaflosen Nächten wiederfindet, welche verheißungsvolle Wege aufweisen. Bei dieser Gelegenheit sind die körperlichen Vorzüge von Christina kennenzulernen, die es offenbar gewohnt ist, textilfrei zu schlafen, was jedoch genauso gut an der Gewöhnung der (um)triebigen Regie liegen könnte. Es ist in diesen Sequenzen kaum zu unterscheiden, ob es sich um Träume oder Realität handelt.

»Christina, wo bist du?« Flüsternde Rufe, quälende Irrwege durch unbekanntes Terrain, lebende Leichen, Angstzustände, Verfolgung ohne sichtbare Verfolger und Ohnmacht lassen die Protagonistin beinahe den Verstand verlieren und nicht klar erkennen, ob sie lediglich geträumt hat. »Weißt du, dein Körper hat etwas Magisches an sich. Er gefällt mir!« Britt Nichols als Stichwortgeberin braucht zwar erst gar nicht auf andere schöne Körper zu verweisen, da sie selbst überaus ansehnlich und lasziv unterwegs ist, allerdings wird Christina von Blanc immer wieder im Wechsel mit Totalen ihres Gesichts sowie der Augenpartie und in der Horizontalen abgescannt. Es stellt sich unterm Strich natürlich die Frage, ob sie die Anforderung gut meistert, falls man sie als Zuschauer von vorneherein abqualifiziert, aber dennoch wird unterm Strich ersichtlich, dass Christina von Blanc durchaus für Hauptrollen gemacht war. Dies gibt alleine ihre klassische Schönheit und starke Präsenz her, die hier quasi zum Lebenselixier für einen Film wird, der im breiten Franco-Universum von Fans mitunter geschätzt wird. Die Besucherin auf Montserrat reist einer Erbschaft wegen in das besagte Schloss, ihre krude Familie scheint zunächst kein Misstrauen bei ihr hervorzurufen, obwohl keine einzige Person zu finden ist, die sich nach normalen Maßstäben verhält. So folgt die Ahnungslose Stimmen aus dem Jenseits: »Christina, meine geliebte Tochter. Komm zu mir, du musst mich befreien!« Und sie folgt ihrem toten Vater, der in bizarrer Manier mit ihr kommuniziert, und zwar mit einem Strick um den Hals. Alpträumen gleichende Sequenzen werden schließlich mit dem kleinen Einmaleins der Körpersprache ausstaffiert, von Blanc erhält trotz einer permanenten Präsenz vor der Kamera wenige Möglichkeiten, sich freizuspielen, um bei dieser Gelegenheit auf individuelle handwerkliche Fertigkeiten hinzuweisen. Unter Jess Franco handelt es sich schließlich vordergründig um den Abruf von Repetition, um den immer wieder stattfindenden Alptraum zu simulieren, in dem Christina gefangen ist.

Vielleicht klagt man auf zu hohem Niveau, falls nach mehr als dem Geforderten verlangt wird, denn immerhin schafft es die Schauspielerin auch nach Ende des Films, im Gedächtnis zu bleiben, und zwar als eine der anmutigsten Erscheinungen, die Franco in dieser Zeit auf das Publikum losgelassen hat. Die Dialoge werden häufig mit Lyrik gleichgesetzt beziehungsweise verwechselt, bleiben im Fall der Hauptrolle jedoch bedenklich flach und eintönig. Dem Empfinden nach kommt es zu verhaltenen Gebärden, um die geplanten Gefühlsausbrüche und eine eigenartige Naivität des Charakters deutlicher hervorzuheben. Der Zoom der Kamera beschäftigt sich derweil immer wieder mit Christina von Blancs grünen Augen, die meistens unruhig und suchend im Ambiente umherschweifen. Nur ihre sogenannte Familie scheint ihr ein vermeintliches Gefühl der Sicherheit zu geben. Ihr Kollegium ist mit Howard Vernon, Anne Libert, Paul Muller, Britt Nichols und dem Regisseur selbst nach Art des Hauses Franco besetzt, sodass sich eine routinierte Dynamik innerhalb dieser Blase ausfindig machen lässt. Die weibliche Hauptrolle fügt sich sehr gut in dieses eingespielte Team ein, um es nicht nur gewinnbringend zu erweitern, sondern auch zu fordern. Es ist sehr schade, dass es für Christina von Blanc nicht zu weiteren Verpflichtungen unter Jess Franco kam, die im Grunde genommen wie geschaffen für dessen berüchtigte Ansprüche gewesen ist, auch für die des immer an Körpereinsatz interessierten Publikums. Aber möglicherweise nicht für ihre eigenen, wofür die sehr kurze Filmografie als Indiz wahrgenommen werden darf. Egal, wie man schließlich zu "Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies" stehen mag, der Film verfügt effektiv über die größte uns am meisten ausfüllende Rolle von Christina von Blanc, die in ihrem Schaffen zu finden ist. Hier tut sie sicherlich alles, um ihre Rolle so zu gestalten, dass sie die Geschichte genügend prägen kann. In nachhaltiger Erinnerung bleibt eine derartig schöne Frau ohnehin, die gerne noch häufiger in die Krallen eines Jess Franco hätte geraten dürfen.

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