● BRIGITTE SKAY als ISABELLA DE FRISSAC in
ISABELLA - MIT BLANKER BRUST UND SPITZEM DEGEN (I|D|1969)
Brigitte Skay schaffte es nach zahlreichen Rollen im bundesdeutschen und internationalen Film in explizitem Maße, sich einen Namen zu machen, sodass auch Hauptrollen nicht auf sich warten ließen. In Bruno Corbuccis Mantel, Degen und Erotik-Attacke "Isabella - Mit blanker Brust und spitzem Degen" sieht man die gebürtige Mannheimerin vermutlich auf dem Zenit ihrer in der Rückschau unwirsch anmutenden Karriere. Skay, bereits als ausgewiesene Expertin für erotische Angebote im kollektiven Gedächtnis des Zielpublikums angekommen, bekommt hier den Luxus einer exklusiven Show eingeräumt, die sie auch völlig überzeugend zu lösen weiß. Im Grunde genommen war die Interpretin wie geschaffen für die Bedürfnisse des italienischen Films, da der deutsche Markt ein derartiges Überangebot von Sex-Appeal recht zögerlich einsetzte, allerdings gleichzeitig leichtfertig in obligatorischem Erotik-Klamauk vergeudete. Ihre Hauptrolle in diesem späten Mantel- und Degenfilm suggeriert so gut wie in allen verfügbaren Filmtiteln, was von deren Hauptattraktion zu erwarten ist, doch Corbucci hat seiner Titelrolle keine ausschließlich kopflastige Aufgabe auferlegt, denn es kommt zu einer überraschend ausgiebigen Bandbreite, die in schwachen Momenten sogar etwas Tiefe anbietet. Eine tödliche Ungerechtigkeit bahnt diese Geschichte wie von selbst an, Hass und Rachsucht werden den weiteren Drive liefern, bis Isabella den Schuldigen gefunden hat, der sie zur Vollwaise machte. Dabei handelt es sich bei Isabella jedoch um keine Frau, die von Natur aus von niederen Gedanken getrieben ist - eher ist das Gegenteil der Fall - denn sie steht für Integrität, Gerechtigkeitssinn und Loyalität. Diese Attribute kann ihr Antagonist keineswegs liefern, der er symbolisiert Verworfenheit und sexuelle Ausbeutung. Dank Brigitte Skays körperlichen Vorzügen lässt sich hier in der Tat jeder ködern, womöglich auch jede, doch die natürliche Zeigefreudigkeit Isabellas steht völlig diametral zu ihrer Treue. Es kommt zu zahlreichen Strecken, die sich mit ihrem aufregenden Körper und schönen Gesicht beschäftigen, sodass der Zuschauer durchgehend animiert ist, mitzufiebern und bei der Sache zu bleiben. Brigitte Skay wirkt hier äußerst dynamisch, ihre Fechtszenen wirken überraschend geschickt und elegant dargeboten, was sich auch über die Erotik- und Sexszenen sagen lassen kann, die doch sehr anregend wirken und den Verlauf gewinnbringend ummanteln. Natürlich lässt sich auf der anderen Seite kritisieren, dass der emanzipatorische Gedanke über diese Strategie völlig verloren geht, der allerdings am Willen des Zielpublikums vorbeigegangen sein dürfte und dies immer noch tut.
Es ist bemerkenswert, dass ein derartiger Film vom Aufbau und der Marschrichtung her auf eine Frau oder vielmehr Amazone setzt; Vorlage hin oder her. So präsentiert sich Brigitte Skay außerordentlich gut in einer Männerdomäne und kann für stilsichere, klassische aber auch modifiziert und neu wirkende Akzente sorgen. Der Kampf mit der Waffe wird somit nicht nur mechanisch ausgetragen, sondern auf einer zusätzlichen Ebene, die so manchen Herrn der wilden Geschichte Schachmatt setzen wird, da Isabella mit Mitteln zu kämpfen weiß, über die ihre Kontrahenten nicht verfügen. Natürlich wird sie auch immer wieder in zeitbezogene, männlich-weibliche Beziehungen zurückversetzt, in denen sie Demütigungen, Unterdrückung, Mordanschläge und sogar Folter auszuhalten hat. Interessant ist und bleibt, dass sie nicht nur von Männern als große Gefahr identifiziert wird, sondern auch von Frauen; dem Empfinden nach manchmal sogar in besonderem Maße. Glücklicherweise wird Brigitte Skay auch dank ihrer universellen Hauptrolle nicht zu einem reinen Abziehbild der späten 1960er Jahre degradiert, sondern bekommt die Möglichkeiten eingeräumt, für Eigenständigkeit und Selbstbewusstsein zu stehen. Man schaut diesem wilden Treiben interessiert zu und kommt unweigerlich zu dem Gedanken, dass die Deutsche großen Spaß bei dieser Performance gehabt haben dürfte, denn sie wirkt gelöst, neben aller Freizügigkeit frei und schlussendlich hoch konzentriert. Für Produktion und Geschichte kann durch ihre Verpflichtung daher von einem großen Coup gesprochen werden, auch wenn der Film nicht die erhoffte Reichweite erlangen konnte, geschweige denn einen in der Retrospektive wichtigen Kultstatus. Dass die löwenanteilig italienische Produktion eine Deutsche vor allen anderen agieren lässt, erscheint bei Brigitte Skays damaligem Status recht logisch, denn immerhin entsprach sie vollkommen den Ansprüchen des italienischen beziehungsweise internationalen Marktes. Ihre Zeigefreudigkeit hatte sich auch über bundesdeutsche Grenzen herumgesprochen, ihre Sprache war somit überall verständlich. Außerdem war die Schauspielerin aufgrund ihrer besonderen Attraktivität gut zu vermarkten, sodass noch einige weitere Auftritte größeren Radius zustande kamen. Will man DEN Brigitte Skay-Film sehen, so heißt er höchstwahrscheinlich "Isabella - Mit blanker Brust und spitzem Degen", denn der angekündigte Titel verspricht keineswegs zu viel und präsentiert schlussendlich eine Brigitte Skay, deren Screentime und Schauspiellaune massiv sind. Es bleiben somit Seheindrücke, die nicht zum Vergessen gemacht sind und die Fähigkeiten der Schauspielerin von allen Seiten beleuchten können.