DIE TÖDLICHE WARNUNG - Damiano Damiani

Harte Kerle, grobe Keilereien, heiße Feger und unbarmherzige Gangster.
Antworten
Benutzeravatar
Richie Pistilli
Beiträge: 5951
Registriert: Sa., 31.10.2020 17:25
Wohnort: Provinzmetropole an Rhein und Mosel
Kontaktdaten:

DIE TÖDLICHE WARNUNG - Damiano Damiani

Beitrag von Richie Pistilli »

MV5BZjkyYzk4ZGQtZTc2Ni00ZTdiLWE0NDItMGY4ZmE4ZGIyMjgwXkEyXkFqcGc@._V1_FMjpg_UX1000_.jpg


Die tödliche Warnung (D)
Die Warnung (DDR)
L'avvertimento (IT)
La advertencia (ES)
Dupla Suspeita (POR)
Advertência (BRA)
The Warning


IT 1980

R: Damiano Damiani
D: Giuliano Gemma, Martin Balsam, Laura Trotter, John Karlsen, Geoffrey Copleston, Giulia Fossa, Guido Leontini, Marcello Mando, Franco Odoardi, Giancarlo Zanetti u.a.



zimg2015-08-28-18h06m13s255.png


Deutsche Erstaufführung DDR: 11.Dezember 1981 - BRD: 21. März 1987 (TV-Premiere)

Synchronkartei - Info

Italo-Cinema.de

Bretzelburger

Locatiomvergleich

Score: Riz Ortolani

IMCDb

OFDb




01.png
02.png
03.png
04.png

05.png
06.png
07.png
08.png

29.png
30.png
31.png
32.png




„Wenn ein Polizist ermordet wird, war er entweder zu anständig oder bestochen!“



Eines schönen Tages findet der gesetzestreue Kommissar Baresi (Giuliano Gemma) rein zufällig die Anweisung eines stattlichen Geldbetrags auf dem Auszug seines Girokontos vor, deren Herkunft er sich aber zunächst überhaupt nicht erklären kann. Nachdem ihm sein Kreditinstitut daraufhin die Ordnungsmäßigkeit der unheilvollen Bareinzahlung bestätigte, steht für den Kommissar unwiderruflich fest, dass es sich bei dem Geldgeschenk um eine 'tödliche Warnung' einer kriminellen Organisation handelt, die ihn für ihre gesetzeswidrigen Interessen korrumpieren möchte. Und nur kurze Zeit später erreicht Baresi tatsächlich ein erster anonymer Erpressungsanruf, in dem er als Gegenleistung dazu aufgefordert wird, sich unter allen Umständen aus den Ermittlungen eines sich noch nicht ereigneten Falls herauszuhalten. Um der völligen Erpressbarkeit entgehen zu können, entscheidet sich Baresi blitzschnell zur Quittierung seines Dienstes und reicht seine Kündigung persönlich in der ihm zugeordneten Dienstzentrale ein. Doch gerade im Moment des Unterzeichnens kommt es inmitten der Polizeizentrale zu einem entsetzlichen Massaker, bei dem Baresis Vorgesetzter Vincenzo Lagana (Franco Odoardi) und ein hochkarätiger Kronzeuge von einem drei Mann starken Killer-Kommando in einem schallgedämpften Kugelhagel aus ihren Leben geleitet werden. Nachdem die als Polizeibeamten getarnten Täter unerkannt entkommen konnten, wird Baresi unverzüglich von seinem Vorgesetzten, dem Polizeipräsidenten Martorana (Martin Balsam) mit den Ermittlungen an dem grausamen Blutbad beauftragt. Dieser signalisiert daraufhin seinen mächtigen Gönnern aus der Unterwelt zum Schein seine Solidarität hinsichtlich der eingeforderten Mitarbeit, bevor er die noch unberührte Geldsumme zur vorübergehenden Auslagerung auf sichere Auslandskonten transferieren lässt und sich schließlich Hals über Kopf in die ihm aufgetragene Ermittlungsarbeit stürzt. Dabei gerät er recht schnell in einen kriminellen Korruptionssumpf, der durch das fleißige Mitwirken von organisierter Kriminalität, Justiz, Politik, Banken, Presse und Polizei weiterhin großzügig genährt wird und der schon zum jetzigen Zeitpunkt unbezwingbar scheint. Zudem verdächtigt er mittlerweile auch Martorana korrumpiert zu sein, was die Zusammenarbeit noch zusätzlich erschwert. Kann er den Sumpf trotzdem trocken legen?



Ein Jahr nach EIN MANN AUF DEN KNIEN folgte mit DIE TÖDLICHE WARNUNG die zweite fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Giuliano Gemma und Damiano Damiani, wobei diese Produktion zugleich auch eine der letzten einschlägigen Arbeiten des Regisseurs für die große Leinwand darstellen sollte. Wie gewohnt, präsentiert uns Signore Damiani auch hier ein hochexplosives Korruptionsgemisch aus 'organisierter Kriminalität' und einer außerordentlichen Portion 'korrupter Staat', wobei das Ganze durch das Mitwirken von 'skrupellosen Geldinstituten' auch noch etwas ausgeweitet wurde. Inszenierungstechnisch fällt DIE TÖDLICHE WARNUNG etwas gesetzter aus, da neben einem spektakulären Auftakt und einem fulminanten Finale fast ausschließlich dialoglastige Anteile vorzufinden sind, die aber keineswegs spannungsmindernd ausfallen. Ganz im Gegenteil: Die Geschichte ist durchwegs spannend erzählt und die gesamte Inszenierung tadellos umgesetzt. Im Film versucht eine exklusive Vereinigung mächtiger Gangster einen verderblichen Einfluss auf die exekutiven Staatsorgane zu nehmen, indem sie gesetzestreue Staatsmänner durch Einzahlungen hoher Bestechungsgeldern für ihre Zwecke korrumpieren möchten und dabei bereits eine beachtliche Erfolgsquote vorweisen können. Den über allen Verdacht erhabenen Clubmitgliedern gehören neben hochkarätigen Vertretern aus 'organisierter Kriminalität' und 'Staat' auch einflussreiche Politiker, Rechtsanwälte, Notare, Doktoren und eben skrupellose Bankdirektoren an, die in ihren mächtigen Finanzinstituten nicht nur die schmutzigen Vereinskassen verwahren, sondern diese auch durch Korruption wieder rein waschen lassen.


Hintergrund des vorliegenden Versuchs der Einflussnahme auf unsere Staatsdiener stellt eine anstehende Bankenüberprüfung durch eine einberufene Kommission der Exekutive dar, die es daher mit allen Mitteln zu verhindern gilt. Um wieder ein wenig aus dem Visier der drohenden Prüfungskommission zu gelangen, lassen die sauberen Herren zunächst einen Kronzeugen sowie den ermittelnden Chefkommissar in einer beispiellosen Aktion aus dem Weg räumen, schieben daraufhin eine Bande an kleinen Drogendealern als gekauftes Bauernopfer vor und lassen den konstruierten Sachverhalt im Rahmen einer öffentlichen Pressekonferenz durch den vermeintlich ebenfalls gekauften Giuliano Gemma bestätigen. Doch dieser spielt bei der staatskriminellen Schmierenkomödie lediglich zum Schein mit, da er in Wahrheit die eigentlichen Drahtzieher des Mordes an seinem Vorgesetzten Franco Odoardi überführen, wozu er wiederum entsprechend unorthodoxe Ermittlungsmethoden an den Tag legt. Gemma betreibt somit ein riskantes Pokerspiel an zwei Spieltischen zugleich, da er sich neben dem eigentlichen Spielverlauf auch noch auf den seines vermeintlich kollegialen Mitspielers (Martin Balsam) konzentrieren muss, da er hinter diesem schließlich einen weiteren Falschspieler vermutet. Aufgrund der Annahme, dass Herr Balsam gleichfalls mit einer beachtlichen Summe von den eigentlichen Gegenspielern bedacht wurde und ihm somit auf seiner persönlichen Mission gefährlich werden könnte, ist die Beziehungsebene ab diesem Zeitpunkt zwischen den beiden exekutiven Staatsbeamten nicht nur von gegenseitigem Misstrauen geflutet, sondern auch Paranoia macht sich ungehindert breit. Und als wäre das alles noch nicht genug, scheint Laura Trotter in der Rolle der Witwe des ermordeten Vorgesetzten Ordoadi ebenfalls im Auftrag der kriminellen Vereinigung zu handeln, was wiederum für Kommissar Gemma den dritten Spieltisch darstellt, an dem er sich jetzt parallel auch noch an einem weiteren riskanten Spiel behaupten muss.


Die Darsteller liefern allesamt überzeugende Darbietungen ab, wobei das Zusammenspiel zwischen Giuliano Gemma und Martin Balsam handlungsbedingt ein ganz klein wenig an das von Balsam und Franco Nero in DER CLAN DER SEINE FEINDE LEBENDIG EINMAUERT erinnert. Und abschließend sollten auch noch die Filmmusik sowie die deutsche Synchro ihre Erwähnung finden, die sich beide hören lassen können.


Fazit: Ein souverän inszenierter Korruptionsthriller, der sich obendrein spannend bis zur letzten Minute entpuppt.


13.png
34.png
35.png
36.png

33.png
14.png
17.png
18.png

19.png
20.png
21.png
22.png

23.png
25.png
26.0.png
26.png



Filmplakate:
► Text zeigen



(Älterer Beitrag aus 2015)

Benutzeravatar
Richie Pistilli
Beiträge: 5951
Registriert: Sa., 31.10.2020 17:25
Wohnort: Provinzmetropole an Rhein und Mosel
Kontaktdaten:

Re: DIE TÖDLICHE WARNUNG - Damiano Damiani

Beitrag von Richie Pistilli »

z4.0.jpg


Rom. Während er auf die entscheidende Aussage eines reumütigen Anwalts (Giordano Falzoni) im Zusammenhang mit der Korruption eines großen Banken- und Wirtschaftskonzerns wartet, wird Chefinspektor Vincenzo Laganà (Franco Odoardi) zusammen mit dem Zeugen in seinem Büro im Polizeipräsidium ermordet. Zur gleichen Zeit erhält sein Kollege Antonio Barresi (Giuliano Gemma) eine mysteriöse Überweisung von 100 Millionen Lire auf sein Privatkonto – ein Bestechungsversuch, der Barresis Bereitschaft testen soll, sich an einer manipulierten Untersuchung von Laganàs Mord zu beteiligen. Zunächst will Barresi kündigen, beschließt dann aber, einen subtilen und gefährlichen Weg einzuschlagen: Er gibt vor, Bestechungsgelder annehmen zu wollen, und versucht, diese Tarnung auszunutzen, um tatsächlich eine echte Untersuchung zum Tod seines Kollegen durchzuführen. Nach und nach erkennt Barresi, dass er niemandem trauen kann, nicht einmal Polizeipräsident Martorana (Martin Balsam), der offenbar ebenfalls dem Korruptionsskandal erlegen ist… (Quelle: Quinlan)



Es gibt Filme, die die Fähigkeiten besitzen, bei jeder Sichtung wieder aufs Neue zu begeistern. Damiano Damianis DIE TÖDLICHE WARNUNG zählt zweifellos dazu, denn der Film konnte auch in der dritten Runde vom Anfang bis zum Ende fesseln. Der Streifen beginnt und endet mit einem lauten Knall, der durch schockierende Momente ausgelöst wird. Dazwischen offenbart DIE TÖDLICHE WARNUNG eine spannend erzählte Geschichte, der ein komplexes Drehbuch zugrunde liegt, dem wiederum eine gut durchdachte Handlung entspringt. Die Atmosphäre ist nicht nur geprägt von einem Klima des Misstrauens, für das in erster Linie die beiden Hauptprotagonisten verantwortlich zeigen, sondern auch durchgängig von einer Spannung durchzogen, die stets drohendes Unheil ankündigt. Ein spannend erzählter Politthriller, der auch nach mehreren Sichtungen immer noch zu fesseln vermag.


"Das italienische Krimi- und gesellschaftskritische Kino reflektiert sich selbst und seine Ausdrucksmittel. Damiano Damianis „L’avvista“ verzichtet auf direkte und offene Bezüge zum aktuellen Geschehen und taucht stattdessen in allegorische und metaphysische Gefilde ein. Überzeichnet, bewusst affektiert und paradox, genährt von einem radikalen Pessimismus, der auch vor spöttischen Grotesken nicht zurückschreckt, ist der Film zugleich eine düster-prophetische Betrachtung der typisch italienischen Unveränderlichkeit des Verhältnisses von Wahrheit und Macht. Giuliano Gemma liefert eine herausragende Leistung. [...] Damiani greift elegant die Struktur des Polizeithrillers auf und spinnt ein bekanntes Netz aus Intrigen, das Regeln und Konventionen umstürzt und gleichzeitig die Realität als ständiges Produkt einer Übereinkunft offenbart. Realität muss konstruiert, vereinbart werden, selbst wenn die Autoritäten selbst in gutem Glauben handeln, um Gerechtigkeit zu gewährleisten." (Quelle)


1.png
2.png
3.png
4.png

5.png
6.0.png
7.png
8.png

9.png
10.png
11.png
12.png

Benutzeravatar
Rolvo
Beiträge: 73
Registriert: Di., 08.02.2022 10:24

Re: DIE TÖDLICHE WARNUNG - Damiano Damiani

Beitrag von Rolvo »

Ja, hervorragender Film vom großen Meister des politischen Kinos, von Damiano Damiani.
Interessant finde ich den Fakt, dass der Film in der DDR bereits 1981 veröffentlicht wurde, in der BRD erst 1987. Vielleicht wollten sie in der DDR zeigen nach dem Motto "guckt mal, in Westeuropa sind sie alle korrupt".

Benutzeravatar
Richie Pistilli
Beiträge: 5951
Registriert: Sa., 31.10.2020 17:25
Wohnort: Provinzmetropole an Rhein und Mosel
Kontaktdaten:

Re: DIE TÖDLICHE WARNUNG - Damiano Damiani

Beitrag von Richie Pistilli »

Ein großer Teil der italienischen Politthriller wurde augenscheinlich nur in der DDR veröffentlicht. Gehe auch davon aus, dass zum einen das Aufzeigen der Korruption der westlichen Staatsapparate ausschlaggebend war, und zum anderen vermittelten diese Filme ein Menschenbild, das zwar von linken Werten geprägt war, aber in der Realität vom SED-Regime genauso unterdrückt wurde. Somit vermittelten diese Filme zweierlei Arten von Propaganda, die beide den Herrschenden dienlich waren. Ein weiterer ausschlaggebender Punkt dürfte die Klassenfrage gewesen sein, die in diesen Filmen immer wieder durchschimmert. Für Filmverleiher aus der Bonner Republik war ein Großteil dieser Filme, in denen korruppte Staatsstrukturen kritisiert wurden, offensichtlich zu ungemütlich.


Was die Synchronfassungen betrifft, so habe ich das Gefühl, dass im Westen für TV-Erstaufführungen -die keinen vorausgegangenen Kinostart verzeichneten- bis zur Wende eigene TV-Synchronisationen erstellt wurden. DIE TÖDLICHE WARNUNG ist auch so ein Fall. Danach griff man offensichtlich auf bestehende DEFA-Synchronisationen zurück, um die Filme dann im westlichen TV auszustrahlen. Ohne die DEFA-Synchronisationen wären uns zahlreiche Top-Filme in deutscher Sprache verwehrt geblieben. Daher schätze ich diesen Umstand sehr.

Antworten