DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHMALEN HÜFTEN - Johannes Kai

Sexwellen, Kriminalspaß und andere Krautploitation.
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Prisma
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DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHMALEN HÜFTEN - Johannes Kai

Beitrag von Prisma »



DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHMALEN HÜFTEN


● DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHMALEN HÜFTEN (D|1961)
mit Claus Wilcke, Hannelore Elsner, Demeter Bitenc, Dorothee Parker, Katharina Williams und Barbara Valentin
ein Rapid Film | im ABC Filmverleih
ein Film von Johannes Kai

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»Hier kennt einer den anderen. Wie soll man da glücklich sein?«


Auf einer einsamen griechischen Insel lebt die junge Yusha (Hannelore Elsner) und wird von den Bewohnern wie eine Aussätzige behandelt, da ihr ein eigenartiger Ruf voraus eilt. Sie wird von den Menschen ihrer Umgebung als Hexe verschrien, da die Männer, die einst in sie verliebt waren, auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen sind. Grund genug, um Yusha zu meiden und sie zu demütigen, wo es nur geht. Vor der Insel liegt eine luxuriöse Yacht, die Robert (Claus Wilcke) im betrunkenen Zustand nach einem Streit verlässt und auf der Insel strandet. Er ist es, der den nächsten Toten findet und ihn ins Dorf trägt, sodass er unter Mordverdacht gerät. Yusha glaubt allerdings an seine Unschuld und auch er lässt sich von den Gerüchten um ihre Person nicht abschrecken. Die beiden verlieben sich und möchten fliehen, doch vergessen, dass der Mörder immer noch immer nicht überführt ist...

"Das Mädchen mit den schmalen Hüften" kann zu einem der Vorläufer für die später florierende Abenteuerfilm-Welle der Rapid gezählt werden und transportiert etwa ein ähnliches Flair wie hauseigene Beiträge à la "Ein Toter hing im Netz" oder beispielsweise "Die Insel der Amazonen". Das dabei verbreitete Insel- und Hochseeflair prägt diese Filme genauso wie eine gute Prise Erotik, teilweise kann der Zuschauer sogar ein mysteriöses Element wahrnehmen. Wolf C. Hartwig, der als skandalerprobt galt, reicherte seine Produktionen mit ein bisschen mehr Exotik und Sex an, als es die Konkurrenz zu dieser Zeit gewagt hätte und in diesem Sinne versuchte Regisseur Johannes Kai seinen Film darauf abzustimmen, nicht aber ohne auf eine präsentable Geschichte zu achten, die immer wieder recht interessante bis unwirsche Züge anzunehmen weiß. Der Produktion kommt vor allem die damals kaum 20jährige Hannelore Elsner in der Titelrolle zugute, die man noch am Anfang ihrer beeindruckenden Karriere sieht und hier erst in ihrem sechsten Film. Die Geschichte setzt sich zunächst aus sehr kontrastreichen Eindrücken zusammen. Beginnend mit einer Art dolce vita light einer illustren Runde auf einer luxuriösen Yacht, führt der Weg zu vollkommen ländlich geprägten, traditionell und karg wirkenden Lebensumständen auf einer kleinen Insel, die offensichtlich sehr stark vom Aberglauben der Bewohner dominiert wird. Die junge Yusha wird gemieden und ist als Hexe abgestempelt, da sie mit mysteriösen Todesfällen einiger junger Männer in Verbindung gebracht wird, schließlich muss für das Unbegreifliche irgend eine Erklärung her. Besonders die weiblichen Inselbewohner kolportieren diese Märchen bei jeder sich bietenden Gelegenheit, strafen die junge Frau mit Verachtung und schneiden sie, da sie von den Männern im Übrigen wie die verbotene Frucht betrachtet wird.

Ein Streit im Suff auf hoher See wird zum Beginn eines Hoffnungsschimmers für sie, denn Robert strandet auf der Insel und kann sich einen unbefangenen Blick leisten. Pech nur, dass er in einen Mordfall hineinschlittert, für den beide direkt, beziehungsweise indirekt von den Insulanern verantwortlich gemacht werden. Insbesondere die Szenen auf der Insel, die seinerzeit an der jugoslawischen Küste gedreht wurden, sind profilbildend und demonstrieren bildgewaltige Strecken. Dass eine hervorragende Atmosphäre dabei entsteht, ist nicht zuletzt auf die recht solide Inszenierung zurückzuführen, die sowohl bei Tag, als auch Nacht ihre Momente mit sich bringt. Wie gesagt ist das Prinzip der Story nicht uninteressant, jedoch gibt es anfängliche Probleme bei der Entscheidungsfindung und der Verlauf pendelt gerne zwischen Drama, Kriminalfilm und Liebes-Abenteuer hin und her. Für letztere Eindrücke sorgen zwei besonders gut aufspielende Jungdarsteller in Form von Hannelore Elsner und Claus Wilcke, sodass der Kulturschock zwischen Hinterweltlerin und Yuppie nicht ganz so gravierend wirkt, da beide in dem anderen das finden, was sie vermissen. Hannelore Elsner bekommt die Gelegenheit sich darstellerisch zu profilieren, indem ihr die Geschichte vor allem melancholische Momente einräumt. Ihre blendende Konstitution unterstreicht das angekündigte Versprechungen des Filmtitels, der allerdings zur Gattung der weniger gelungenen gehört. Elsner schafft es spielend den Beschützerinstinkt zu wecken und den Gerechtigkeitssinn zu animieren und man bekommt eine sehr beachtliche Interpretation im frühen Stadium ihrer Karriere geboten. Claus Wilcke steht für Hitzigkeit, Temperament und im Gegensatz zu Yusha auch für Erfahrung. Insgesamt ist zu betonen, dass die beiden ein sehr glaubhaftes und nett anzusehendes Paar bilden, mit dem man mitfiebern kann.

Der slowenische Schauspieler Demeter Bitenc hat mehrere Engagements bei der Rapid-Film vorzuweisen und kann in diesem schwarzweißen Treiben eine ambivalente Figur zeichnen, die zeitweise Skepsis, aber genauso gut Sympathie hervorrufen kann. Die restlichen Darsteller schlagen ihre Zeit auf der Yacht mit Kartenspielen, Alkohol und Liaisons untereinander tot. Die üppige Barbara Valentin als selbsternannte Schönheitskönigin, sieht sich als Expertin für die erotischen Einlagen und ist daher permanent mit den (un)passenden Textilien bestückt. Unter den Frauen an Bord offenbaren sich massive Spannungen und stutenbissiges Gehabe, man ist einfach zu sehr auf engstem Raum gefangen. Vor allem die Wortgefechte mit den Damen Dorothee Parker und Katharina Williams heizen die Stimmung auf, dabei lassen sich auf hoher See ganz andere Töne als auf der Insel finden. Diese Variationen innerhalb der Dialoge und beim Tempo wirken sich ganz gut auf den allgemeinen Fluss aus und zum Ende hin nimmt die Bearbeitung wieder an Spannung zu, die man zuvor ein bisschen vermisst hat. Die nicht uninteressante Geschichte hätte insgesamt ein paar mehr Konturen verdient gehabt, insbesondere die brisante Stimmung auf der Insel hätte hier und da drastischere Züge annehmen können. Insgesamt zeigt sich "Das Mädchen mit den schmalen Hüften" vollkommen im Stil der damals handelsüblichen Produktionen von Wolf C. Hartwig, die durch Experimentierfreudigkeit und einen hohen Unterhaltungswert punkten. Der Film wird durch seine besondere Atmosphäre und die unverbrauchten darstellerischen Leistungen seiner Hauptdarsteller getragen, sodass insbesondere der Blick auf die Insel eine Ansicht rechtfertigt. Die teilweise etwas unrund wirkenden Tendenzen stellen unterm Strich keinen so gravierenden Hemmschuh dar, weil die Geschichte ihre Vorteile bereitwillig zur Schau stellt. Gut anzuschauen!

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Count Yorga
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Re: DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHMALEN HÜFTEN - Johannes Kai

Beitrag von Count Yorga »

Illustrierte Film-Bühne:

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:hut:

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Prisma
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Re: DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHMALEN HÜFTEN - Johannes Kai

Beitrag von Prisma »



Interessant dass Barbara Valentin es prominent aufs Bild geschafft hat und nicht das Titelmädchen.
So ließ es sich wahrscheinlich besser vermarkten. Vom Film weiß ich schon gar nicht mehr allzu viel.

KRIMI!
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Re: DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHMALEN HÜFTEN - Johannes Kai

Beitrag von KRIMI! »

Wir stellen gerade eine Liste für Deutsch-Jugoslawische Horror/Genreproduktionen zusammen.

Da wären dieser hier,
Ein toter hing im Netz
Fluch der grünen Augen
Haß ohne Gande
Jungfrau aus 2. Hand
XYY Formel des Bösen.

Weisst Du noch mehr bis ca 1972?
VG

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Prisma
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Re: DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHMALEN HÜFTEN - Johannes Kai

Beitrag von Prisma »



Meinst Du rein deutsche Produktionen, die aus Kostengründen in Jugoslawien gedreht wurden, oder eher Co-Produktionen oder Kooperationen zwischen beiden Ländern?

KRIMI!
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Re: DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHMALEN HÜFTEN - Johannes Kai

Beitrag von KRIMI! »

Am besten dt. Produktionen, an denen auch jugoslawische Schaffende beteiligt waren. Idee ist ein Festival in Belgrad zu veranstalten, und dann vielleicht noch Lebende einzuladen, also bis 1980. Ich bin mit dem Lexikon noch nicht so weit, daher habe ich ja nur die Filme bis 1964 komplett im Blick. Danach muss ich selbst suchen, ich dachte vielleicht fällt Euch auf die Schnelle was ein.

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Prisma
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Re: DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHMALEN HÜFTEN - Johannes Kai

Beitrag von Prisma »



Hier aus dem Forum fallen mir spontan diese ein:

"Dr" (1962)
"Verführung am Meer" (1963)
"Mensch und Bestie" (1963)
"Onkel Toms Hütte" (1964)
"Herrenpartie" (1964)
"Duell vor Sonnenuntergang" (1965)
"Zeugin aus der Hölle" (1966)
"Spezialkommando Wildgänse" (1970)
"Marina - Der brutale Aufstieg einer Hure" (1972)
"Die blutigen Geier von Alaska" (1972)


Allerdings weiß ich nicht, ob du nach solchen Filmen suchst. Da sind in der Regel jugoslawische Produktionspartner und Schaffende dabei gewesen.
Vielleicht guckst Du auch mal speziell nach Produktionen der Jadran Film oder Avala Film. Da gibt es ja Listen.
Die waren ja auch immer wieder an deutsch- co-produzierten Großproduktionen beteiligt, vor allem, wenn vor Ort gedreht wurde.

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Richie Pistilli
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Re: DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHMALEN HÜFTEN - Johannes Kai

Beitrag von Richie Pistilli »

Interessant! Ich war mir gar nicht bewusst, dass so viele deutsche Produktionen mit Jugoslawischer Beteiligung entstanden, obwohl ich einen Teil der aufgezählten Filme kenne. Ein solches Festival kann auch liebend gerne auch mal in unseren Breitengraden stattfinden :) ;)

tbrandl_79
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Re: DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHMALEN HÜFTEN - Johannes Kai

Beitrag von tbrandl_79 »

Hallo zusammen,

@Richie Pistilli: Ein Festival bei uns im Süden fände ich auch nett, aber bin nicht sicher ob das so viele Leute anlockt, das sind ja eher Nischenfilme. Bei mir würde es ggf. eher klappen, wenn man es an ein vorhandenes Kino oder Festival dranhängt, z.B. als Reihe. 🙂

Gruß Thomas

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Richie Pistilli
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Re: DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHMALEN HÜFTEN - Johannes Kai

Beitrag von Richie Pistilli »

tbrandl_79 hat geschrieben: ↑
Fr., 30.10.2026 11:39
Hallo zusammen,

@Richie Pistilli: Ein Festival bei uns im Süden fände ich auch nett, aber bin nicht sicher ob das so viele Leute anlockt, das sind ja eher Nischenfilme. Bei mir würde es ggf. eher klappen, wenn man es an ein vorhandenes Kino oder Festival dranhängt, z.B. als Reihe. 🙂

Gruß Thomas

Die Idee finde ich hervorragend! In welchem Kino wäre ein solches Festival Deiner Meinung nach am besten aufgehoben? Oder welches Filmfestival würdest Du als geeignet ansehen, an das man solche Filme dranhängen könnte? Und die wichtigste Frage: Existieren von den aufgezählten Filmtiteln überhaupt noch einsatzbereite 35mm-Kopien?

Habe diesbezüglich mal die KI angefragt, aber wie es aussieht, ist diese mit der Fragestellung maßlos überfordert, denn sie spuckte nur völligen Humbug aus. Eine absolut beschissene Technik, die keine Sau braucht. Es wäre schön, wenn diese sich eines Tages selbst zerstören würde.
Oder wie siehst Du das? I hate KI!

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Dschallogucker
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Re: DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHMALEN HÜFTEN - Johannes Kai

Beitrag von Dschallogucker »

Du musst nur einfachere Fragen stellen, dann klappt das auch mit KI

KRIMI!
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Re: DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHMALEN HÜFTEN - Johannes Kai

Beitrag von KRIMI! »

Hey, vielen Dank, hat ein wenig gedauert, da ich noch 3 Bücher fertig machen musste, die ich Euch natürlich hier wärmstens ans Herz lege (KRIMI!#2, MYTHOS MABUSE, LEXIKON DES DEUTSCHSPRACHIGEN KRIMINALFILMS - mehr info auf www.krimimagazine.com).

Wir sind da ziemlich fleissig und haben sogar eine verlorene Perle gefunden: BLICK VOM DACHBODEN (1975 - nicht 74!!!), der nach bisherigem Recherchestand wohl der letzte Bryan Edgar Wallace Stoff ist, der es in einen Film geschafft hat (ok ich nehme jetzt ausdrücklich die Argento Filme bis Phenomena raus). Damit haben wir schon 2 "verlorene" dt-yug co-produktionen - nämlich den und X+YY, na das wird spannend.

Ich habe einige Filme aus Eurer Liste übernommen, die mir gar nicht bekannt waren, da sie ja ausserhalb der Horrorfilmgrenzen liegen. Also wir recherchieren:

1. X+YY (nur s/w Arbeitskopie auf 16mm vorhanden - keine Kinokopie!!)
2. BLICK VOM DACHBODEN (Schweden hat eine 35 mm Kopie und ein Sammler in Tschechien - beide allerdings in Landessprache synchronisiert)
3. GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES 35mm vorhanden / Murnau&Filmclubs digitalscan des Kameranegativs bei CCC
4. MARINA die UCLA hat eine 35mm Kopie... ansonsten mal bei den Filmklubs fragen
5. WILDGÄNSE (35mm Kopie vorhanden da es ja eine DVD gibt -aber wo?
7. ALASKA 35mm bei Murnau Stiftung
8. ZEUGIN AUS DER HÖLLE (digialisiertes kameranegativ über dt. Kinemathek)
9. HASS OHNE GNADE (35mm vorhanden - allerdings nur die "verstümmelte" Version)

Wir recherchieren, welche Filme in EX-YUG noch da sind, es sollen ja "inländische" Kopien auf "Serbokroatisch" gezeigt werden....
Kommkino wäre doch der richtige Partner für dt.Filme. Die haben ja die X+YY Arbeitskopie schon mal gezeigt.


Vielen Dank

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