BLUTIGER FREITAG - Rolf Olsen

Sexwellen, Kriminalspaß und andere Krautploitation.
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Prisma
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BLUTIGER FREITAG - Rolf Olsen

Beitrag von Prisma »




Raimund Harmstorf

BLUTIGER FREITAG


● BLUTIGER FREITAG / VIOLENZA CONTRO LA VIOLENZA (D|I|1972)
mit Gianni Macchia, Amadeus August, Christine Böhm, Daniela Giordano, Horst Naumann, Ernst H. Hilbich, Renate Roland und Gila von Weitershausen
eine Produktion der Lisa Film | Divina Film | Cineproduzioni Daunia 70 | im Gloria Verleih
ein Film von Rolf Olsen

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»Ihr tut, als wäre das eine Neckermann-Reise!«


Am Tage seiner Verurteilung gelingt dem Straftäter Heinz Klett (Raimund Harmstorf) eine spektakuläre Flucht aus dem Gerichtsgebäude, da er Hilfe von seinen Komplizen hatte. Um an das nötige Kleingeld für die Flucht zu gelangen, hat sein Kumpel Luigi (Gianni Macchia) alles für einen Banküberfall vorbereitet. Seine Freundin Heidi (Christine Böhm) und ihr Bruder Christian (Amadeus August) schließen sich dem Coup an, da sie ihr altes, karges Leben hinter sich lassen wollen. Doch der vermeintlich todsichere Plan nimmt sich etwas zu wortwörtlich und eskaliert in einer katastrophalen Art und Weise. Plötzlich befinden sich die Bankräuber in einem Krieg mit der Polizei und insbesondere Klett scheint zu allem bereit …

Napoleon Bonaparte hat geschrieben:
Verbrechen ist so ansteckend wie die Pest. Niemand kann ein solches begehen ohne dafür bezahlen zu müssen.

Regisseur Rolf Olsen ist vielleicht einer der wenigen auffällig physischen und pragmatischen "Realos" des deutschen Films, der sich immer dann mehr traute, wenn die Umstände, die jeweilige Welle, die Klimperkasse und das Ausgangsmaterial es zuließen. Seine Handschrift ist somit immer sehr eindeutig und gerne auch einmal sehr blutig wie in diesem Film, dessen Titel die Richtung bereits unmissverständlich ankündigt. "Blutiger Freitag" ist einer der selteneren Spezies deutscher Filme, der sich seiner blutverschmierten Seele und politischen Unkorrektheit bewusst ist und nicht schämt, sie darüber hinaus als essenziell betrachtet, um an das anvisierte Ziel und ein bisschen weiterzukommen. Olsen überlässt dabei nichts dem Zufall, denn er versammelt die richtigen Leute vor und hinter der Kamera, außerdem verfügt die Geschichte über einen sehr hohen Anteil an Action, zügelloser Brutalität und Tempo, außerdem halsbrecherischer Passagen, die den Zuschauer außer Atem halten und schockieren sollen. Ausgestattet mit einem italienischen Produktionspartner, kommt es zu einer schärferen Weichenstellung, zumal die Regie auch zu wesentlich mehr bereit ist, als es bei Kollegen und normalerweise der Fall war. Im Vordergrund steht das Visualisieren einer Idee, die sich beim gegenseitigen Einreden in die Köpfe der Gruppe wie Gold anhört, am Ende aber in Stroh oder Scheiße verwandeln muss, da alleine die maßlose Gewaltbereitschaft nicht über das völlige Manko einer greifenden Strategie hinweg täuschen kann und nach und nach chaotische bis hysterische Züge annehmen wird. Da Rolf Olsen einen ungefilterten Raimund Harmstorf ohne Kette, Maulkorb und Moral in die Arena lässt, ist von vorneherein klar, wo diese wie auf Schienen gebettete Story hinlaufen wird. Dass man wissentlich auf eine Katastrophe zusteuert, nimmt die Spannung keineswegs vorweg, denn es werden die 100+ Möglichkeiten der Ausarbeitung sein, die für Überraschungen sorgen.

In der Tat ist es erstaunlich, welche Gewaltorgie hier in Intervallen angeboten wird, die sich aufgrund ihrer Anlegung immer weiter hochschaukeln muss. Heraus aus der Groschen-Existenz, so lautet das Credo der einzigen weiblichen Stellschraube dieses Himmelfahrtkommandos, allerdings sind sich alle Beteiligten einig, dass ihr Vorhaben - das beim genauen Betrachten so mancher Einzelheit nahezu absurd wirkt - schon irgendwie klappen wird, weil es klappen muss. Der Leidensdruck einer unter immensem Stress und Druck stehenden, außerdem zu wenig zurückgebenden Gesellschaft erscheint ab einem bestimmten Zeitpunkt einfach zu groß geworden zu sein, wenngleich jemand wie Heinz Klett wohl immer schon kriminell at heart gewesen sein muss. Rolf Olsens Leidenschaft für gesellschaftskritische Analysen halten sich schließlich - und hinter vorgehaltener Hand glücklicherweise - in Grenzen und alles muss nur nach seinem persönlichen Gusto gewürzt sein. Das Schicksal spielt in dieser turbulenten Geschichte den Helden, denn viele der Vorhaben werden einfach durch Unvorhersehbarkeiten, schlechte Logistik, ungenügende Abstimmung, blank liegende Nerven und einfach zu unterschiedliche Charaktere gestört bis unterwandert. Es bleibt also nicht aus, dass die Liste der Leichen, die diesen blutigen Weg pflastert, immer mehr wird. Zunächst entsteht eine in sich immer enger verlaufende Gewaltspirale, die ab einem gewissen Zeitpunkt kein Zurück mehr zulässt, da auch nichts mehr zu verlieren ist. Das völlig konträre Trio kann sich nur bedingt aufeinander verlassen, da bei Klett der Hass auf Obrigkeiten und die ihn krank machende Gesellschaft im Vordergrund steht. Die anderen Gauner wollen eher heraus aus einem einheitsklatschigen Sumpf, der nur Durchschnitt für sie bereithält, weil sie durchschnittlich sind. Dabei lässt die Regie sogar offen, ob sie sich nicht irgendwann selbst die Köpfe einschlagen könnten, da der Zuschauer ein paar waschechte Hahnenkämpfe geboten bekommt.

Bemisst man Olsens Filme alleine an der Tatsache, dass er sich gerne selbst einen Cameo-Auftritt innerhalb seiner eigenen Storylines verschaffte, ist er spaßeshalber schnell mit Hitchcock verglichen, was natürlich keinen ernst gemeinten Vergleich darstellen soll, aber einen Hinweis darauf, dass seine Arbeitsauffassung und entsprechende Färbung im deutschen Kino doch seinesgleichen suchen darf. Hier geschehen Dinge, die für das teils mit einheitlichem Material eingeschläferte deutsche Kinopublikum wie eine Kulturrevolution ausgesehen haben muss - zumal Olsen an diesem Zustand hin und wieder aktiv mitarbeitete. Das Blut sprudelt in Fontänen, ein aggressiver Heinz Klett schlägt alles und bevorzugt Knochen kurz und klein, und seine Hose droht bald zu platzen, sodass er zu gegebener Zeit seinen Anti-Charme spielen lassen wird. Um die Dame seiner Wahllosigkeit gefügig zu machen, bedarf es lediglich einiger Schläge und übler Beschimpfungen, und manchmal wirkt das Angebot schon sehr unappetitlich, aber ebenso wie bei einem Unfall, bei dem man einfach nicht wegschauen kann. Ein Film wie dieser ist in jeder Hinsicht ein Freibrief und lässt auch sämtliche Ansätze der Interpretation und Beschreibung zu, was schließlich zu einem kaum zu beschreibenden Spaßfaktor führt - und ja, "Blutiger Freitag" darf trotz einiger grenzwertiger Einfälle und Veranschaulichungen Spaß machen, auch wenn man etwa herausquellende Organe auf einem Silbertablett serviert bekommt, oder Töne hört, die einem beinahe die Ohren schlackern lassen. Rolf Olsen spielt die Karte eines Allround-Programms clever und fast schon rücksichtslos aus, da er sich an den möglichen Sentiments, Wünschen und Ängsten eines jeden Zuschauers festbeißt, um dabei herkömmliche Sehgewohnheiten ein Stück weit zu überschreiten oder je nachdem zu bestätigen. Um schließlich bei der Wahrheit zu bleiben, warum der Film so glänzend funktioniert, muss man auf Hauptdarsteller Harmstorf verweisen, der bereits für so manches Kabinettstückchen gut war.

Trotz einer Vierer-Kombi bekommt man im Endeffekt eine denkwürdige One-Man-Show präsentiert, zumal die übrigen Gruppenmitglieder fast zu human Züge besitzen. Somit stellt Klett ein Musterbeispiel der Brutalität, Impulsivität, Gewaltbereitschaft, Triebhaftigkeit und Kompromisslosigkeit dar, dessen Kamikaze-Allüren in einigen Fressen der Unbeteiligten landen, bis es kein Zurück mehr gib. Harmstorfs Leistung ist und bleibt das Maß aller Dinge, doch alleine kann diese Show nicht geschmissen werden, sodass es tatkräftige Unterstützung von einem zu seinen sonstigen Einsatzgebieten völlig konträr wirkenden Amadeus August als Christian gibt, außerdem von Gianni Macchia als Luigi. Für beide fühlt es sich so an, als seien sie in ausweglosen (gesellschaftlichen) Strukturen und Isolation gefangen, und nur so lässt sich die Kollaboration mit Heinz Klett vielleicht restlos erklären. Abgerundet von weiblicher Finesse, die hier eher von Naivität und Zuneigung bestimmt ist, liefert die bis dato eher unbekannte Österreicherin Christine Böhm treffsicher. Weitere Rollen im Radius der Überzeugung übernehmen beispielsweise Gila von Weitershausen, Ernst H. Hilbich oder Daniela Giordano. Angefangen im Gerichtsgebäude über die Bankfiliale und etliche Verfolgungsjagden, hinterlässt das Quartett nichts als verbrannte Erde, zertrümmerte Köpfe, und durchschossene Körper, was auf einen fulminanten Showdown hindeutet. Rolf Olsen lässt das unter großer Erwartung stehende Publikum in keiner Beziehung im Stich, sodass man auf einen Beitrag blicken kann, der den Titel Reißer mehr als verdient hat. Am Ende fährt man mit dieser Interpretation von Klett, Sex & Crime außergewöhnlich gut, denn das Ganze wirkt noch nicht einmal besonders stumpfsinnig, da die Regie die Geschichte zu keiner Zeit mit fremden Federn schmückt oder vorgibt, etwas anderes sein zu wollen, was man ungetarnt und gewaltverliebt vor die Linse bekommt. "Blutiger Freitag" ist und bleibt ein besonderes Juwel drastischer deutsch-italienischer Zusammenarbeit.



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Prisma
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Re: BLUTIGER FREITAG - Rolf Olsen

Beitrag von Prisma »



Der Trailer macht zwar schon einiges her, aber man sollte besser nochmal zum kompletten Film greifen :mrgreen:


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alex_wintermute
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Re: BLUTIGER FREITAG - Rolf Olsen

Beitrag von alex_wintermute »

Der Film ist absolut sehenswert und in der Tat ein kleines Juwel. "Blutiger Freitag" von Rolf Olsen zeichnet sich vor allem durch seine rohe, direkte und ungewöhnlich harte Machart und Sprache aus. Versprüht jede Menge an aggressiver Energie und besitzt eine ungewöhnliche Härte. Der Film wirkt für einen deutschen Krimi der frühen 70er Jahre extrem kompromisslos, dreckig, gewalttätig und deutlich näher an Exploitationfilmen als an klassischen deutschen Polizeifilmen jener Zeit. Ein sehr eingensinniges und mutiges Werk von Rolf Olsen, das für das deutsche Kino am Anfang der 70er Jahre geradezu radikal wirkt.

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Rolvo
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Re: BLUTIGER FREITAG - Rolf Olsen

Beitrag von Rolvo »

Das stimmt, ich wüsste auch keinen vergleichbaren deutschen Film. Sehr blutig. Von solchen Filmen wurden sonst nur vielleicht ein paar in den USA und Frankreich, aber vor allem in Italien gedreht.

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Prisma
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Re: BLUTIGER FREITAG - Rolf Olsen

Beitrag von Prisma »

alex_wintermute hat geschrieben: ↑
Di., 07.04.2026 07:39
Ein sehr eingensinniges und mutiges Werk von Rolf Olsen, das für das deutsche Kino am Anfang der 70er Jahre geradezu radikal wirkt.

Genau deswegen empfinde ich es als großes Glück, dass Rolf Olsen hier Regie geführt hat, denn es ist davon auszugehen, dass es bei alternativer Regie einen komplett anderen Film gegeben hätte. Eben nicht so kompromisslos und mit dem Mut versehen, den nötigen Schmutz aufzuwirbeln. Ich schätze Olsen als Regisseur sehr, aber auch als Schauspieler finde ich ihn überzeugend. Es lässt sich in der Führung seiner Entourage meist deutlich erkennen, dass er einen Begriff von beiden Seiten hatte und Vieles nicht so abstrakt anging. So wirken seine Geschichten gerne mal authentischer als andere. Insgesamt wird er ja nicht selten als Trash-Regisseur abgetan, aber er hat in manchen Genres schon eine Art Pionierarbeit leisten können. "Blutiger Freitag" gehört definitiv in diese Riege und sein sogenannter Trash ist allemal sehenswert.

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alex_wintermute
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Re: BLUTIGER FREITAG - Rolf Olsen

Beitrag von alex_wintermute »

Prisma hat geschrieben: ↑
Di., 07.04.2026 20:51
Insgesamt wird er ja nicht selten als Trash-Regisseur abgetan, aber er hat in manchen Genres schon eine Art Pionierarbeit leisten können. "Blutiger Freitag" gehört definitiv in diese Riege und sein sogenannter Trash ist allemal sehenswert.

So eine Art von Vorreiterfunktion hat Olsen in jedem Fall. Und sein "Blutiger Freitag" sehe ich jetzt nicht unbedingt als Trashfilm an, der geht für mich viel mehr in Richtung eines harten, rohen und kompromisslosen Exploitationfilms. Olsens Werk ist durchaus faszinierend und handwerklich sehr gut gemacht, man beachte z.B. die exzellente und zu seiner Zeit sehr fortschrittliche Kamerführung von Franz Xaver Lederle. Hinzu kommen die überzeugenden schauspielerischen Leistungen, alle Haupt- und Nebendarsteller liefern eine sehr gute Performance ab, Raimund Harmstorf als Heinz Klett ist in dem Fall ganz besonders zu erwähnen. Selbst Olsen in seinem kleinen Cameo Auftritt weiß zu überzeugen. Billig, geschmacklos oder handwerklich schlecht habe ich den "Blutiger Freitag" nicht wahrgenommen. Ganz im Gegenteil. Nicht jeder Trashfilm ist ein Exploitationfilm. Und nicht jeder Exploitationfilm ist Trash. Ein Exploitationfilm kann bewusst provokant und trotzdem solide gemacht sein. Ein Trashfilm kann einfach billig oder absurd wirken, ohne gezielt Themen oder Tabus auszubeuten. Oder so schlecht sein, dass er wiederum gut ist. Übrigens ist in dem Zusammenhang auch die "Die Katze" von Dominik Graf zu erwähnen. In seinem Film von 1988 geht es ebenfalls um einen Banküberfall der schiefläuft. Aber im Vergleich zu "Blutiger Freitag" von Olsen ist Grafs Film doch etwas anders konzipiert und wirkt weniger radikal. Und vor allem: er ist erst wesentlich später erschienen. Gewisse Parallelen zu "Blutiger Freitag" gibt es aber dennoch, zumindest in meinen Augen. Beides aber sehr sehenswerte Filme aus Deutschland.

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Prisma
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Re: BLUTIGER FREITAG - Rolf Olsen

Beitrag von Prisma »

alex_wintermute hat geschrieben: ↑
Mi., 08.04.2026 07:49
Und sein "Blutiger Freitag" sehe ich jetzt nicht unbedingt als Trashfilm an, der geht für mich viel mehr in Richtung eines harten, rohen und kompromisslosen Exploitationfilms.

Für mich ist er ein gutes Beispiel von Rolf Olsens Begriff, das Zuschauerinteresse und damit die Massentauglichkeit zu steigern. Zumindest möglicherweise. Rückblickend ist es einfach schön, derartige Filme zu haben, denn sie haben Charakter und stellen zeitbezogen insofern etwas Besonderes dar, weil sie vergleichsweise einen draufsetzen konnten. Das ist immer hoch anzurechnen. Wie sie schlussendlich und jeweils klassifiziert werden, also in Genres oder nach bestimmten Qualitätsmerkmalen, finde ich dabei nicht wichtig.

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Richie Pistilli
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Re: BLUTIGER FREITAG - Rolf Olsen

Beitrag von Richie Pistilli »

Lesenswerter Beitrag aus dem Filmblatt:


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Thomas Groh & Philipp Stiasny: Deutschland im März - Rolf Olsen und sein Blutiger Freitag (1972)
https://mediarep.org/server/api/core/bi ... 63/content

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Richie Pistilli
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Re: BLUTIGER FREITAG - Rolf Olsen

Beitrag von Richie Pistilli »

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Interview mit Daniela Giordano:
(Davinotti)


GIACOMO DI NICOLO: 1972 sind Sie nach Deutschland gefahren, um Rolf Olsens BLUTIGER FREITAG zu drehen , einen meiner Lieblingsfilme.

DANIELA GIORDANO: Ja, genau, den Film, den ich in Deutschland gedreht habe. Wissen Sie, Giacomo … es freut mich sehr, dass er Ihnen gefällt, denn praktisch niemand in Italien hat ihn gesehen, wie alle meine besten Filme, die ich im Ausland gedreht habe. Regie führte Rolf Olsen, und zur Besetzung gehörten Raimund Harmstorf, Gianni Macchia, Amadeus August … Fast der gesamte Film spielte in einer Bank, und ich erinnere mich sowohl an Raimund Harmstorf (ein großartiger Mensch … ernsthaft, höflich … ein exzellenter Profi) als auch an den Schwarzwälder Eintopf, der mich wirklich beeindruckt hat.

GIACOMO DI NICOLO: Was meinen Sie?

DANIELA GIORDANO: Wir drehten den letzten Teil des Films in einem abgelegenen Haus im Schwarzwald. Es war eiskalt, und ich war ziemlich genervt, weil ich eine ziemlich heftige Liebesszene mit Harmstorf drehen musste. Ich hätte gern ein Stuntdouble gehabt. Aber dann, in einer Drehpause, gingen wir nach draußen, und sie hatten ein Feuer unter einem Baum angezündet. In dem Moment kam jemand vom Produktionsteam mit einem riesigen Topf kochendem Eintopf. Es war das Beste, was ich während der gesamten Dreharbeiten gegessen habe! Der beste deutsche Eintopf, den ich je gegessen habe (lacht!)

GIACOMO DI NICOLO: Ich erinnere mich noch gut an die ziemlich heftige Liebesszene zwischen dir und Harmstorf, von der du gesprochen hast. Ich war sehr beeindruckt, als ich sie zum ersten Mal sah.

DANIELA GIORDANO: Harmstorf spielte einen sehr bösen Charakter, einen brutalen Räuber, und ich habe die eine Hälfte der Szene gedreht; die andere Hälfte hat ein Stuntdouble gedreht.

GIACOMO DI NICOLO: Aber haben Sie auf Deutsch gespielt?

DANIELA GIORDANO: Nein, sagen wir, ich habe auf Englisch gespielt. Wenn zum Beispiel jemand eine Zeile lieber auf Deutsch sprechen wollte und ich das letzte Wort hatte, habe ich auf Englisch oder Italienisch angefangen … Wir hatten nie Probleme mit den Dialogen … Wenn man mit ausgebildeten Profis arbeitet, versteht man sich sowieso, auch wenn man verschiedene Sprachen spricht. Wenn man an die Filmarbeit gewöhnt ist, bereitet eine andere Sprache nie größere Schwierigkeiten. Und Raimund Harmstorf war wirklich ein hervorragender Profi.

GIACOMO DI NICOLO: Wie kam es, dass Sie für BLUTIGER FREITAG ausgewählt wurden ?

DANIELA GIORDANO: Ich hatte bereits in Deutschland mit einem anderen deutschen Regisseur an einer Fernsehproduktion gearbeitet, DIE MERKWÜRDIGE LEBENSGESCHICHTE DES FRIEDRICH FREIHERRN VON DER TRENCK, unter der Regie von Fritz Umgelter… Wahrscheinlich war er es, der dann mit Rolf Olsen über mich für BLUTIGER FREITAG sprach. Oder vielleicht hatte Olsen Jahre zuvor mit Franz Antel, dem deutschen Regisseur, mit dem ich FRAU WIRTIN HAT AUCH EINEN GRAFEN gedreht hatte, darüber gesprochen… Ich weiß es ehrlich gesagt nicht…


(Quelle: Davinotti)

KlausHH52
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Re: BLUTIGER FREITAG - Rolf Olsen

Beitrag von KlausHH52 »

Richie Pistilli, also eigentlich kenne ich den Schwarzwald im Winter ganz gut (seid gut dreißig Jahren wandere ich dort, meist rund um den Feldberg), und aus eigener Erfahrung muss ich sagen, das der Eintopf bei viel Hütten eher enttäuschend war: Bei Minusgraden und Wind kam er meist nur noch lauwarm auf den Tisch, weshalb ich lieber mein selbstgebackenes Roggenbrot und eine Thermoskanne Tee im Rucksack hatte ! Einmal, an einem Februartag oberhalb von Todtnau, hat uns eine Bäuerin (eigentlich nur zum Aufwärmen) in die Stube gelassen und einen Linseneintopf hingestellt, der so heiß war, dass ich mir die Zunge verbrannt habe, und trotzdem hat mir das die ganze Tour gerettet. Ob er wirklich der beste war, kann ich im Nachhinein gar nicht sagen, ich weiß nur noch, wie die Hände wieder warm wurden.

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