Mark Wahlberg
● FOUR BROTHERS / VIER BRÜDER (US|2005)
mit Tyrese Gibson, André Benjamin, Garrett Hedlund, Terrence Howard, Josh Charles, Sofía Vergara, Chiwetel Ejiofor, Kenneth Welsh und Fionnula Flanagan
eine Produktion der Paramount Pictures | Di Bonaventura Pictures | Four Brothers Films | im Verleih der United International Pictures
ein Film von John Singleton
»Wenn ihr lang genug beim Teufel an die Tür klopft, wird euch auch jemand aufmachen!«
Nach dem scheinbar zufälligen Mord an ihrer Pflegemutter Evelyn Mercer (Fionnula Flanagan) kehren vier ungleiche Brüder nach Detroit zurück. Als die Männer bei den polizeilichen Ermittlungen auf Ungereimtheiten stoßen, beschließen sie, die Wahrheit auf eigene Faust herauszufinden. Ihre Nachforschungen führen sie tief in ein gefährliches Netz aus lokaler Korruption und organisierter Kriminalität. Schließlich nehmen die Brüder das Gesetz selbst in die Hand. Schon bald wird es für den hitzköpfigen Anführer Bobby (Mark Wahlberg), den ex-militärischen Frauenschwarm Angel (Tyrese Gibson), den bürgerlichen Geschäftsmann Jeremiah (André Benjamin) und den jüngsten, rebellischen Rocker-Bruder Jack (Garrett Hedlund) ebensgefährlich …
Die filmische Wurzel von John Singletons rasantem Action-Thriller "Vier Brüder" liegt überraschenderweise im klassischen Hollywood-Kino der 1960er-Jahre. Das dicht ausgearbeitete Drehbuch von David Elliot und Paul Lovett basiert lose auf dem profilierten Western "Die vier Söhne der Katie Elder" aus dem Jahr 1965, in dem einst Leinwandlegende John Wayne die Hauptrolle spielte. Vierzig Jahre nach dessen Entstehen bietet dieses Werk eine völlig andere, aber ebenso interessante und dramatische Geschichte. Regisseur Singleton übernahm dabei den dramaturgischen Kern des Originals – dass der Mord an der Mutter die entfremdete Familie wieder zusammenführt. Er verlegte die archaische Rachegeschichte jedoch aus den staubigen Prärien des Wilden Westens in das von wirtschaftlichem Verfall gezeichnete, tief verschneite Detroit. Dass dieser Genremix den Nerv der Zeit traf, bewies das Werk kurz nach seinem Start im Spätsommer 2005 an den Kinokassen. Der Film entwickelte sich zu einem soliden kommerziellen Erfolg, stürmte am Startwochenende direkt auf Platz 1 der US-Kinocharts und spielte weltweit mehr als das Doppelte seiner Produktionskosten ein. Während der Western von 1965 noch den klassischen Mythos von Recht und Gesetz im ungezähmten Territorium zelebrierte, nutzte die Regie das moderne Setting für einen rauen Neo-Noir-Thriller mit deutlichen ästhetischen Anleihen am Blaxploitation-Kino der 1970er-Jahre. Auf diese Weise wird ein korruptes System skizziert, in dem die Staatsgewalt versagt und die Brüder die Justiz selbst in die Hand nehmen müssen. In der gestalterischen Umsetzung setzt der Film vor allem auf eine schonungslose und überaus physische Bildsprache. Obwohl die Handlung in Michigan verortet ist, offenbaren die Produktionsnotizen, dass der Großteil der Dreharbeiten aus wohl steuerlichen Gründen im kanadischen Toronto und Hamilton stattfand, aber die düstere Atmosphäre entfaltet sich dennoch perfekt. Ein bemerkenswertes Detail der Produktion ist dabei die authentische Kälte: Sämtlicher Schnee im Film ist echt, da das Team komplett auf künstlichen Schnee verzichtete, was den Schauspielern körperlich einiges abverlangt haben dürfte. Zudem verzichtete Singleton weitgehend auf glatte CGI-Effekte und setzte stattdessen auf handgemachte Stunts, explosive Schießereien und eine dynamische Kameraführung.
Die auffällige visuelle Härte wird durch einen extrem stimmungsvollen Motown-Soul-Soundtrack begleitet, der den Schmerz über den Verlust der Ziehmutter beachtlich untermalt. Das Herzstück des Films bildet das ungleiche, aber dennoch harmonierende Quartett der adoptierten Brüder, deren Chemie die emotionale Achse der Erzählung bleibt. Der Mord an ihrer Mutter schweißt sie erneut zusammen; das Gefühl der Rache macht sie trotz gravierender charakterlicher Unterschiede in vielen Situationen sogar gleich. Mark Wahlberg war dem Vernehmen nach vom Drehbuch so angetan, dass er die Rolle des hitzköpfigen Anführers Bobby Mercer annahm, noch bevor ein Regisseur feststand – ein großes Glück für diese Produktion. Er verkörpert die Figur mit grimmiger Entschlossenheit und verleiht ihr eine faszinierende Art der ungeschliffenen Perfektion. Mark Wahlberg gilt als eines der bemerkenswertesten Phänomene Hollywoods. Wer hätte in den 1990er-Jahren damit gerechnet, dass er sich nach zahlreichen Eskapaden, Unterwäsche-Kampagnen, einem Home-Workout-Video und erfolgreichen Musikkarrieren in den USA und Europa zu einer derartigen schauspielerischen Kapazität entwickeln würde? Seine Kollegen stehen der packenden Interpretation allerdings in nichts nach. An seiner Seite spielt Tyrese Gibson den ex-militärischen Frauenschwarm Angel Mercer mit einer der Situation nicht immer angepassten Leichtigkeit. Der OutKast-Musiker André 3000 liefert als vermeintlich bürgerlicher Geschäftsmann Jeremiah Mercer eine überraschend nuancierte Performance ab, während Garrett Hedlund als jüngster Bruder für Rebellion und eine Naivität steht, die bereits ein Verhängnis andeutet. Dieses multikulturelle Ensemble bricht ganz bewusst ethnische Barrieren auf, da die tiefe Verbundenheit der ungleichen Brüder einzig durch die Liebe zu ihrer ermordeten Pflegemutter definiert wird. Ergänzt wird die Besetzung durch starke Nebenrollen von Terrence Howard, Chiwetel Ejiofor und Sofía Vergara in einer ihrer frühen Hollywood-Rollen. Nach der Veröffentlichung stieß "Vier Brüder" bei der Fachkritik erwartungsgemäß auf ein geteiltes Echo, aber das Werk genießt heute dennoch einen sehr hohen und verdienten Stellenwert. Der Film bietet eine dichte, über weite Strecken packende Geschichte, die schon jetzt als Kultfilm gehandelt wird und vielleicht das Potenzial besitzt, sich langfristig als Klassiker des Genres zu etablieren.
Die filmische Wurzel von John Singletons rasantem Action-Thriller "Vier Brüder" liegt überraschenderweise im klassischen Hollywood-Kino der 1960er-Jahre. Das dicht ausgearbeitete Drehbuch von David Elliot und Paul Lovett basiert lose auf dem profilierten Western "Die vier Söhne der Katie Elder" aus dem Jahr 1965, in dem einst Leinwandlegende John Wayne die Hauptrolle spielte. Vierzig Jahre nach dessen Entstehen bietet dieses Werk eine völlig andere, aber ebenso interessante und dramatische Geschichte. Regisseur Singleton übernahm dabei den dramaturgischen Kern des Originals – dass der Mord an der Mutter die entfremdete Familie wieder zusammenführt. Er verlegte die archaische Rachegeschichte jedoch aus den staubigen Prärien des Wilden Westens in das von wirtschaftlichem Verfall gezeichnete, tief verschneite Detroit. Dass dieser Genremix den Nerv der Zeit traf, bewies das Werk kurz nach seinem Start im Spätsommer 2005 an den Kinokassen. Der Film entwickelte sich zu einem soliden kommerziellen Erfolg, stürmte am Startwochenende direkt auf Platz 1 der US-Kinocharts und spielte weltweit mehr als das Doppelte seiner Produktionskosten ein. Während der Western von 1965 noch den klassischen Mythos von Recht und Gesetz im ungezähmten Territorium zelebrierte, nutzte die Regie das moderne Setting für einen rauen Neo-Noir-Thriller mit deutlichen ästhetischen Anleihen am Blaxploitation-Kino der 1970er-Jahre. Auf diese Weise wird ein korruptes System skizziert, in dem die Staatsgewalt versagt und die Brüder die Justiz selbst in die Hand nehmen müssen. In der gestalterischen Umsetzung setzt der Film vor allem auf eine schonungslose und überaus physische Bildsprache. Obwohl die Handlung in Michigan verortet ist, offenbaren die Produktionsnotizen, dass der Großteil der Dreharbeiten aus wohl steuerlichen Gründen im kanadischen Toronto und Hamilton stattfand, aber die düstere Atmosphäre entfaltet sich dennoch perfekt. Ein bemerkenswertes Detail der Produktion ist dabei die authentische Kälte: Sämtlicher Schnee im Film ist echt, da das Team komplett auf künstlichen Schnee verzichtete, was den Schauspielern körperlich einiges abverlangt haben dürfte. Zudem verzichtete Singleton weitgehend auf glatte CGI-Effekte und setzte stattdessen auf handgemachte Stunts, explosive Schießereien und eine dynamische Kameraführung.
Die auffällige visuelle Härte wird durch einen extrem stimmungsvollen Motown-Soul-Soundtrack begleitet, der den Schmerz über den Verlust der Ziehmutter beachtlich untermalt. Das Herzstück des Films bildet das ungleiche, aber dennoch harmonierende Quartett der adoptierten Brüder, deren Chemie die emotionale Achse der Erzählung bleibt. Der Mord an ihrer Mutter schweißt sie erneut zusammen; das Gefühl der Rache macht sie trotz gravierender charakterlicher Unterschiede in vielen Situationen sogar gleich. Mark Wahlberg war dem Vernehmen nach vom Drehbuch so angetan, dass er die Rolle des hitzköpfigen Anführers Bobby Mercer annahm, noch bevor ein Regisseur feststand – ein großes Glück für diese Produktion. Er verkörpert die Figur mit grimmiger Entschlossenheit und verleiht ihr eine faszinierende Art der ungeschliffenen Perfektion. Mark Wahlberg gilt als eines der bemerkenswertesten Phänomene Hollywoods. Wer hätte in den 1990er-Jahren damit gerechnet, dass er sich nach zahlreichen Eskapaden, Unterwäsche-Kampagnen, einem Home-Workout-Video und erfolgreichen Musikkarrieren in den USA und Europa zu einer derartigen schauspielerischen Kapazität entwickeln würde? Seine Kollegen stehen der packenden Interpretation allerdings in nichts nach. An seiner Seite spielt Tyrese Gibson den ex-militärischen Frauenschwarm Angel Mercer mit einer der Situation nicht immer angepassten Leichtigkeit. Der OutKast-Musiker André 3000 liefert als vermeintlich bürgerlicher Geschäftsmann Jeremiah Mercer eine überraschend nuancierte Performance ab, während Garrett Hedlund als jüngster Bruder für Rebellion und eine Naivität steht, die bereits ein Verhängnis andeutet. Dieses multikulturelle Ensemble bricht ganz bewusst ethnische Barrieren auf, da die tiefe Verbundenheit der ungleichen Brüder einzig durch die Liebe zu ihrer ermordeten Pflegemutter definiert wird. Ergänzt wird die Besetzung durch starke Nebenrollen von Terrence Howard, Chiwetel Ejiofor und Sofía Vergara in einer ihrer frühen Hollywood-Rollen. Nach der Veröffentlichung stieß "Vier Brüder" bei der Fachkritik erwartungsgemäß auf ein geteiltes Echo, aber das Werk genießt heute dennoch einen sehr hohen und verdienten Stellenwert. Der Film bietet eine dichte, über weite Strecken packende Geschichte, die schon jetzt als Kultfilm gehandelt wird und vielleicht das Potenzial besitzt, sich langfristig als Klassiker des Genres zu etablieren.