DER ÖLPRINZ - Harald Philipp

Sexwellen, Kriminalspaß und andere Krautploitation.
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Prisma
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DER ÖLPRINZ - Harald Philipp

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● DER ÖLPRINZ / KRALJ PETROLEJA (D|JUG|1965)
mit Pierre Brice, Stewart Granger, Harald Leipnitz, Macha Méril, Mario Girotti, Walter Barnes, Antje Weisgerber, Paddy Fox,
Gerhard Frickhöffer, Veljko Maričić, Dušan Janićijević, Slobodan Dimitrijević, Zvonimir Črnko, Ilija Ivezić und Heinz Erhardt
ein Rialto Film Preben Philipsen | Jardan Film | im Constantin Filmverleih
nach einer Erzählung von Karl May
ein Film von Harald Philipp

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»Eure Gebote sagen Auge um Auge!«


Ein skrupelloser Geschäftsmann, der "Ölprinz" (Harald Leipnitz) genannt wird, versucht mit allen Mitteln, einem nichtsahnenden Bankier eine wertlose Ölquelle zu verkaufen. Als ein Treck friedlicher Siedler unter der Führung von Richard Forsythe (Mario Girotti) und der schönen Lizzy (Macha Méril) genau in diesem Gebiet lagert, droht der großangelegte Betrug aufzufliegen. Um seine Spuren zu verwischen und die Siedler zu vertreiben, zettelt der kaltblütige Gauner mithilfe skrupelloser Banditen einen mörderischen Konflikt mit dem ansässigen Stamm der Utah-Indianer an. Nun liegt es an dem Apachenhäuptling Winnetou (Pierre Brice) und dem treffsicheren Old Surehand (Stewart Granger), die Lügen des Verräters rechtzeitig aufzudecken …

Mitte 1965 konnte die Berliner Rialto Film unter der Leitung von Horst Wendlandt an die Großerfolge der von Harald Reinl inszenierten Karl-May-Verfilmungen anknüpfen, die mit "Der Schatz im Silbersee" und "Winnetou 1. Teil" Millionen von Kino-Zuschauern angelockt und reihenweise die "Goldene Leinwand" abgeräumt hatten. Über die Jahre gesehen und durch die anhaltende Western-Euphorie im Westdeutschland der sechziger Jahre war die Produktion von derartigen Nachfolge-Filmen eine logische Konsequenz, um das treue Publikum fortlaufend mit frischem Stoff aus der Traumwelt Karl Mays zu versorgen. Obwohl man mit "Der Ölprinz" diesmal nicht auf das gewohnte Zugpferd Lex Barker als Old Shatterhand setzte, galt die Fortführung der Reihe als unumstrittener Garant für volle Kinokassen, da das Konzept derartig aufwändig hergestellter Abenteuerfilme nach bekannten Romanvorlagen weiterhin vollumfänglich aufging und die Erwartungen der Kinogänger sogar noch übertreffen sollte. Regisseur Harald Philipp, der hier den Vorzug vor anderen namhaften Regie-Größen erhielt, übernahm die Inszenierung für das Produktionsjahr 1965, um dem bewährten Winnetou-Universum seine ganz eigene, dynamische Handschrift zu verleihen. Diese strategische Neuausrichtung auf der Position des Helden durch die Verpflichtung des charismatischen Hollywood-Heimkehrers Stewart Granger brachte einen spürbar frischen Wind in die Prärie, der auf Verleihebene der Constantin Film für Begeisterung sorgte, da Grangers Interpretation des Old Surehand deutlich spritziger und von einer pointierten Lässigkeit geprägt war. Die Regie kopiert hierbei keineswegs nur den epischen Stil der Reinl-Klassiker, sondern entwickelt das hauseigene Rialto-Repertoire auf clevere und gewinnbringende Weise weiter, um dem erwartungsvollen Publikum ein absolut stimmiges Werk anzubieten, das trotz humoristischer Auflockerungen als echter und hoch spannender May-Film funktioniert. Mit dem unumstrittenen Spitzenstar Pierre Brice und Stewart Granger sowie dem Komiker-Idol Heinz Erhardt konnte man auf eine hochkarätige Besetzung zurückgreifen, die das deutsche Nachkriegskino maßgeblich prägte und für lange Schlangen vor den Lichtspielhäusern sorgte.

Diese glänzenden Grundvoraussetzungen reichten somit mühelos aus, um einen dem "Schatz im Silbersee" ebenbürtigen Verlauf abzuliefern. "Der Ölprinz" avancierte folgerichtig zu einem Hit und lockte erneut ein Multi-Millionenpublikum an, da der ganz große Zauber der ersten Stunde spürbar verarbeitet wurde, was sich durch den laufenden Film selbst erklärt. Er transportiert erneut das epische Etwas und er versteht es, die dramatischen Intervalle rund um den bedrohten Siedlertreck zu einem packenden Gesamterlebnis zu bringen. Diese zahlreichen Vorteile lassen sich auch uneingeschränkt auf das darstellerische Gesamtniveau beziehen, denn der Film bewegt sich in allen Belangen, vor allem schauspielerisch und atmosphärisch gesehen, auf einem hohen Niveau. Dies überträgt sich direkt auf Harald Philipps betont routinierte und bildgewaltige Regie in den wunderschönen kroatischen Landschaften, welche die Geschichte trägt und zu einem visuellen Genuss für jeden Karl May-Fan werden lässt. Vom inhaltlichen Angebot her bekommt man ein gut ausbalanciertes Abenteuer geboten, das sich dem Zuschauer dynamisch erschließt, im Finale mit einem obligatorischen und daher hochdramatischen Showdown aufwartet, um dabei geschickt die Brücke zwischen Tradition und Moderne zu schlagen. Man konzentriert sich erzählerisch sehr stark auf das Zusammenspiel zwischen Stewart Granger und Pierre Brice, was aufgrund des enormen Star-Status der beiden natürlich die folgerichtige Entscheidung war und die treuen Fans im Kinosaal begeistern konnte. Zudem wird das tragische Potenzial der kriegerischen Motive keineswegs geschmälert, sondern findet in den humoristischen Auftritten von Heinz Erhardt als Kantor Hampel eine gelungene Auflockerung, was den Unterhaltungswert bei Antennen enorm steigern kann, ohne die Ernsthaftigkeit der eigentlichen Handlung zu gefährden. Pierre Brice überzeugt auch hier mit seiner gewohnten Würde, dem unerschütterlichen Stolz und seiner unnachahmlichen Aura, die von seinem Gegenpart Granger mit charmanter Ironie und spürbarem Respekt unterstützt wird. In der Bundesrepublik handelte es sich somit gerade bei Brice um einen wirklichen Superstar.

An ihrer Seite ist der junge Mario Girotti zu sehen, hier übrigens noch ganz am Anfang seiner großen Karriere in einer sympathisch-zurückhaltenden Liebhaberrolle, die er mit viel Charisma meistert. In diesem Zusammenhang dürfen Interpretinnen wie Macha Méril oder Antje Weisgerber nicht ungenannt bleiben. Dies alles schmeichelt dem hochkarätig angelegten Schurken-Titel in jeder Hinsicht, denn der gesamte Film und sein dramatischer Verlauf leben von der hier wirklich brillanten und beinahe erschreckend kaltblütigen Performance von Harald Leipnitz, der als Titelfigur jeglichen Raum zur schauspielerischen Entfaltung geboten bekommt. Seine intensiven und messerscharf gespielten Szenen reihen sich mühelos in die Riege der großen Schurkenrollen der bisherigen Reihe ein, sodass gerade seine Besetzung für die Titelrolle als Glücksgriff zu beschreiben ist. Der Film reizt dieses enorme Potenzial des starken Bösewichts schlussendlich perfekt aus, um seine dramatischen Stärken gegenüber den Helden voll auszuspielen, wobei Harald Leipnitz den eigentlichen Hauptdarstellern in den Dialogduellen eine merklich kantige und überaus verlogene Präsenz entgegensetzt. Es wirkt, als habe der "Ölprinz" gelernt, wie man Kreide frisst. Granger nimmt das Publikum mit seiner herablassenden Lässigkeit sofort für sich ein und behält stets souverän die Fäden in der Hand, während Pierre Brice und die pointiert agierenden Indianer-Darsteller voll und ganz für die epische Tiefe einstehen, die man in einem derartigen Film auch erwartet. Diese klug verteilte Dominanz schadet dem Spannungsbogen in keiner Weise, sondern wertet den Verlauf erheblich auf, sodass selbst ruhigere Passagen elegant und zielführend abgewickelt wirken. Im Gedächtnis bleibt ein perfekt kalkulierter Teil der Reihe, aus packender Action, emotionaler Dramatik und wunderschönen Panorama-Aufnahmen, was im Sinne der hohen Erwartungshaltung der Fangemeinde beinahe als obligatorisch zu werten ist. Somit stellt "Der Ölprinz" insgesamt gesehen einen der großen Platzhirsche des Genres dar und positioniert sich als gelungener, unterhaltsamer und schmackhaft besetzter Vertreter der goldenen Ära des deutschen 60er-Jahre Kinos.

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Sid Vicious
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Re: DER ÖLPRINZ - Harald Philipp

Beitrag von Sid Vicious »

In der Tat ein gelungener Beitrag! Leipnitz ist die erwartete Bank. Sein Helfer flink mit dem Messer und Heinz Erhardt nervt mich wie eh und je. Ich kann generell die Schwerzkekse der Karl May-Verfilmungen nicht ab.

Hier im Ruhrgebiet erarbeiteten sich die besonders ungepflegten Zeitgenossen, halt die, die sich alle 8 Wochen mal die Haare gewaschen haben, den Spitznamen Ölprinz.

Es gab zum Film ein Sammelalbum. Die Bilder gab´s am Kiosk und mussten mit Kleber eingeklebt werden. War halt nix mit Abziehbildern.
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Prisma
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Re: DER ÖLPRINZ - Harald Philipp

Beitrag von Prisma »

Sid Vicious hat geschrieben:
Mo., 31.08.2026 15:17
In der Tat ein gelungener Beitrag! Leipnitz ist die erwartete Bank. Sein Helfer flink mit dem Messer und Heinz Erhardt nervt mich wie eh und je. Ich kann generell die Schwerzkekse der Karl May-Verfilmungen nicht ab.

Harald Leipnitz sehe ich in der Regel sogar lieber in derartigen Rollen, da er für Ambivalenz wie geschaffen wirkt. Eine super Performance hier! Das beziehe ich sogar auf den Bereich deutscher Krimi-Serien. Was die Komiker der Reihe betrifft, habe ich es auch nicht besonders mit Eddi Arent oder Ralf Wolter, wobei mich Heinz Erhardt hier wirklich nicht gestört hat. Liegt aber wahrscheinlich daran, dass ich ihn immer recht gerne sehe. Für das Kino-Publikum dürften diese Verpflichtungen allerdings ein absolutes Muss gewesen sein, genau wie bei Edgar Wallace.

Sid Vicious hat geschrieben:
Mo., 31.08.2026 15:17
Hier im Ruhrgebiet erarbeiteten sich die besonders ungepflegten Zeitgenossen, halt die, die sich alle 8 Wochen mal die Haare gewaschen haben, den Spitznamen Ölprinz.

Klingt unter diesem Namen ja doch noch fast wie Hochadel :D

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