Mit Damenbedienung (D)
Le massaggiatrici - Pochade in un tempo... moderno (IT)
Les faux jetons (F)
Massagistas (POR)
As Massagistas (BRA)
Las masajistas (ARG)
Le massaggiatrici
The Masseuses
IT / F 1962
R: Lucio Fulci
D: Sylva Koscina, Cristina Gaioni, Valeria Fabrizi, Marisa Merlini, Ernesto Calindri, Philippe Noiret, Laura Adani, Luigi Pavese, Louis Seigner, Marisa Quattrini u.a.
Deutsche Erstaufführung: 19. Juli 1963
Synchronkartei (DEFA) Info
Italo Cinema
Cinecensura #1
Cinecensura #2
Cinecensura #3
Score: Lallo Gori
OFDb
"Die Lasterhaftigkeit ist schlimmer als das Verbrechen!"
Die beiden Mailänder Unternehmer Parodi (Ernesto Calindri) und Manzini (Luigi Pavese) reisen wegen eines größeren Geschäftsabschlusses nach Rom. Der christdemokratische Minister, Präsident der „Liga der Jungfrauen“ (Louis Seigner), hat einen lukrativen Bauauftrag zu vergeben. Dank einer großzügigen Parteispende stehen Parodi und Manzini kurz vor dem Abschluss des Vertrages. Doch mit dem unerwarteten Tod des Ministers, der sein Leben in einem Massagesalon aushaucht, droht das Geschäft zu platzen. Parodi und Manzini müssen sich schnell etwas einfallen lassen. (Quelle: ARD)
Die Mailänder Bauherren Parodi (Ernesto Calindri) und Manzini (Luigi Pavese) fahren nach Rom, um dort den Auftrag zum Bau eines Wohnheims zum Schutze der Jugend zu ergattern, der von einer christdemokratischen Sittenwächter-Organisation ausgeschrieben wird. Mit deren Präsidenten Paolini (Louis Seigner) und Sekretär Bellini (Philippe Noiret) werden Betragshöhen und "Prozente" verhandelt. Zur Zerstreuung wollen Parodi und Paolini gleichermaßen "Masseurinnen" besuchen. Die in Parodis Hotelzimmer verirrte "Masseurin" Marisa (Sylva Koscina) wird von Bellini entdeckt und muss fortan die "Ehefrau" des Bauherren spielen, die zufällig Haupteigentümerin des Bauunternehmens ist. Sittenwächter Paolini ahnt gar nicht, dass Parodis äußerst hübsche "Ehefrau" die "Masseurin" ist, die er die ganze Zeit erfolglos zu erreichen versucht. Richtig würzig wird die ganze Situation, als Parodis echte Ehefrau (Laura Adani) spontan in Rom auftaucht... (Quelle: Who knows presents)
Infos zur italienischen Schnittfassung: Die Generaldirektion für Unterhaltung, Bereich Film, des Ministeriums für Tourismus und Unterhaltung genehmigte die Vorführung des Films mit einem Verbot für Minderjährige unter 18 Jahren, obwohl die Produktionsfirma in der zu überarbeitenden Fassung spontan Kürzungen und zwei Textänderungen vorgenommen hatte. Die zweite Fassung, die 2008 präsentiert wurde, erreichte die endgültige Aufhebung des Verbots durch eine Kürzung von 17 Sekunden (bei etwa 3 Minuten 14 Sekunden): „Entfernung der Szene, in der eine Prostituierte auf der Straße versucht, einen Freier anzulocken“ (Quelle: Cinecensura)
"Euch versalz ich die Puppe!"
Normalerweise laufen Verwechslungskömödien aufgrund der vielen Täuschungen und Verwechslungen oftmals Gefahr, sich in Hektik und Langeweile zu verfangen, was aber auf Lucio Fulcis temporeiche Komödie in keinster Weise zutrifft. MIT DAMENWAHL besticht nicht nur mit einer subtilen, doppelbödigen Humornote, die obendrein mit einem für die damalige Zeit recht scharfzüngigem Sarkasmus angereichert wurde, sondern bietet auch eine ausgeklügelte Verwechslungsgeschichte, die auf einem Drehbuch von Oreste Biancoli, Italo De Tuddo und Vittorio De Tuddo beruht, eine ausgezeichnete Bildgestaltung, für die sich der italienische Kameramann Guglielmo Mancori verantwortlich zeichnete, und ein Haufen hervorragend besetzter Schauspieler, die sich allesamt in Höchstform zeigen. Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist ein privater Massagesalon, den die drei liebreizenden Damen Sylva Koscina, Cristina Gaioni und Valeria Fabrizi in einer Privatwohnung eines römischen Mehrfamilienhauses betreiben. Dies ruft nicht nur die Mißgunst bei ihrer Nachbarin hervor, einer diplomierten Masseurin, die aufgrund des zügellosen Treibens ihren ehrenwerten Berufsstand gefährdet sieht, sondern auch einen regen Publikumsverkehr, für den sich ausschließlich männliche Schwerenöter verantwortlich zeigen. Dazu zählen auch die vier Hauptprotagonisten, die sich im wahren Leben als schonungslose Moralapostel aufspielen und einen keuchen sowie züchtigen Lebenswandel propagieren, im Geheimen aber ihren sexuellen Gelüsten frönen, die sie im privaten Massagesalon der drei bildhübschen Damen gnadenlos ausleben. Während Louis Seigner und Philippe Noiret den Direktor sowie dessen rechte Hand einer Liga spielen, die sich für den Erhalt einer reinen und unbefleckten Jugend einsetzt, spielen Ernesto Calindri und Luigi Pavese zwei Unternehmer, die mit dem "Verein zum Schutz der Jungfrauen", der der christdemokratischen Partei nahe steht, ein gewinnträchtiges Geschäft abwickeln wollen. Dumm nur, dass fast jeder der Beteiligten ein geheimes Techtelmechtel mit der von Sylva Koscina gespielten Masseurin Marisa unterhält, von dem die anderen Geschäftspartner nichts wissen dürfen. Zu allem Überfluss tritt irgendwann auch noch die wahre Ehefrau eines Geschäftpartners auf den Plan, der den anderen gegenüber zuvor Marisa als seine Angetraute ausgegeben hat. Als dann auch noch der Direktor der Liga in der privaten Lasterhöhle der drei Masseurinnen eine tödliche Herzattacke erleidet, steht für alle Beteiligten Polen offen.
Einfach herrlich, wie Lucio Fulci in seiner satirischen Verwechslungskomödie MIT DAMENWAHL das doppelmoralistische Verhalten seiner Landsmänner aus christdemokratischen Gefilden schonungslos aufs Korn nimmt,ohne dabei in der vollkommenen Albernheit zu landen. Der Humor ist nicht nur subtil und spitzzüngig, sondern beruht auch auf einer soliden satirischen Basis, die gerade in der westdeutschen Kinofassung, die 2018 auf dem 5. Terza Visione gezeigt wurde, allerbestens zur Geltung kam. Leider verwendete die ARD für ihre TV-Ausstrahlungen die weitaus später angefertigte DEFA-Synchro, die zwar an sich nicht schlecht produziert ist, im Vergleich mit der westdeutschen Kinosynchro aber gnadenlos abstinkt. Daher wäre es ein Traum, wenn sich ein Label endlich dieser verschollenen Filmperle annehmen und eine BD mit den beiden Synchronfassungen auf den Markt bringen würde. Eine herrlich pointierte Satire, die nicht nur in Form einer turbulenten Verwechslungskomödie daherkommt, sondern auch gekonnt mit der Doppeldeutigkeit des Begriffs „Masseurin“ jener Zeit spielt. Letztendlich fällt es kaum ins Gewicht, dass am Ende auch noch Franco Franchi und Ciccio Ingrassia -die es aber in keinster Weise gebraucht hätte- kurzzeitig auf der Bildfläche erscheinen, um die letzten zwanzig Minuten des Films mit ihren unlustigen Blödeleien anzureichern.
Fazit: "Ich will mich auch der Sünde hingeben, Mäuschen."
"Ein Kritiker in Variety beschrieb den Film als „rasante und leicht zugängliche Komödie mit großem Potenzial für eine tiefgründige Auseinandersetzung“ und meinte, er dürfte im Ausland aufgrund seines starken, mit Doppeldeutigkeiten gespickten Humors gut ankommen."
(Quelle)
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