DER SPION, DER AUS DEM SPEISEEIS KAM - Mario Bava

Wuselige, flotte und schlüpfrige Attacken auf die Lachmuskeln.
Antworten
Benutzeravatar
Richie Pistilli
Beiträge: 5708
Registriert: Sa., 31.10.2020 17:25
Wohnort: Provinzmetropole an Rhein und Mosel
Kontaktdaten:

DER SPION, DER AUS DEM SPEISEEIS KAM - Mario Bava

Beitrag von Richie Pistilli »

MV5BZWJkMGQ2OGYtYmQ4Ni00MGE3LThlMmQtNGMwZTNkMDA1N2E0XkEyXkFqcGc@._V1_.jpg


Der Spion, der aus dem Speiseeis kam (D)
Le spie vengono dal semifreddo (IT)
I due mafiosi dell'F.B.I. (IT)
Il clan dei due mafiosi (IT)
L'espion qui venait du surgelé (F)
As Sensuais Espias do Dr. Goldfoot (POR)
O Fabricante de Loiras Explosivas (POR)
Bonecas Explosivas (BRA)
Dr. Goldfoot contra el mundo
Spies Come from Half-Cold
The Spy Came from the Semi-Cold
Two Mafia Guys from the FBI
Dr. Goldfoot and the Sex Bombs
Dr. Goldfoot and the Girl Bombs
Dr. Goldfoot and the 'S' Bomb
Dr. G and the Girl Bombs


IT 1966

R: Mario Bava
D: Vincent Price, Ciccio Ingrassia, Franco Franchi, Fabian, Laura Antonelli, Ennio Antonelli, Francesco Mulé, Veriano Ginesi, George Wang, Mario Bava, Moa Tahi, Louis M. Heyward u.a.



img2026-07-26-10h21m17s19.png


Deutsche Erstaufführung: 9. Januar 2017 [ARTE-Mediathek]

Italo-Cinema

In meinem Herzen haben viele Filme Platz 3.0

Cinecensura #1

Cinecensura #2

Locationvergleich

Score: Lallo Gori (IT) / Les Baxter (USA)

IMCDb

OFDb



1.png
2.png
3.png
8.png

5.png
6.png
7.png
4.png

9.png
10.png
11.png
12.png



"Donnerwetter! Die Piranhas sollten länger fasten. Die fressen doch einen Viertelochsen standardmäßig in 25 Sekunden."


Der verrückte Wissenschaftler Dr. Goldfoot (Vincent Price) ist zurück und wartet mit einem neuen teuflischen Plan auf, um die Weltherrschaft an sich zu reißen. Mit einer eigens dafür konstruierten Maschine erschafft er weibliche Roboter-Klone, die beim Küssen eine explosive Sprengkraft entwickeln. Das Ziel der verführerischen Bomben sind ranghohe NATO-Generäle, welche die explosiven Plagiatsfrauen wuchtartig beseitigen sollen. Die einzige Ausnahme stellt General Willis dar, der Dr. Goldfoot wie aus dem Gesicht geschnitten gleicht. Durch den Diebstahl seiner Identität möchte sich Dr. Goldfoot Zugang zu einer Atombombe zu verschaffen, die er anschließend zur Herbeiführung eines atomaren Weltkriegs über Moskau abwerfen möchte. Franco (Franco Franchi) und Ciccio (Ciccio Ingrassia), zwei tollpatschige Hotelangestellte mit dem Traum, Spione zu werden, sollen diesen Wahnsinn verhindern. Unterstützt werden sie dabei von dem in Ungnade gefallenen Ex-Agenten Bill Dexter (Fabian) sowie der Sekretärin Rosanna (Laura Antonelli), die die Drei aber zunächst aus der Gewalt des durchgeknallten Wissenschaftlers befreien müssen.



Ursprünglich war DER SPION, DER AUS DEM SPEISEEIS KAM als Fortsetzung für ZWEI TROTTEL GEGEN GOLDFINGER angedacht, doch als plötzlich "American International Pictures" als Koproduzent in die Planung miteinstieg, änderte der italienische Produzent Fulvio Lucisano kurzerhand seine Pläne und drehte den Film als Fortsetzung zu dem US-amerikanischen Film DR. GOLDFOOT UND SEINE BIKINI-MASCHINE, der ein Jahr zuvor mit Vincent Price und Frankie Avalon in den Hauptrollen international seine Kinopremiere feierte. Als Regisseur verpflichtete Lucisano Mario Bava, der aber zunächst dankend ablehnte. Da Bava aber zu dieser Zeit als Auftragsregisseur vertraglich an Lucisano gebunden war, blieb ihm letzten Endes keine andere Wahl als zähneknirschend seinen Platz auf dem Regiestuhl einzunehmen. Zu allem Überfluss musste Mario Bava diesen Film auch noch in zwei Varianten drehen, nämlich eine für den italienischen Markt, in der das Komiker-Duo Franco und Ciccio stärker im Mittelpunkt steht, als auch eine Fassung für den amerikanischen Markt, die sich wiederum stärker auf die von Vincent Price verkörperte Figur des Dr. Goldfoot konzentriert. Außerdem enthält die italienische Schnittfassung eine Filmmusik von Lallo Gori, wohingegen die amerikanische Fassung Musik von Les Baxter bietet. Gedreht wurde der Film überwiegend in den Cinecittà Studios in Rom. Rückwirkend betrachtet, bezeichnete Vincent Price DER SPION, DER AUS DEM SPEISEEIS KAM als den grässlichsten Film, in dem er je mitgespielt habe - und bei dem alles nur Denkbare völlig schiefgegangen sei.


Ansonsten herrscht im Film von vorne bis hinten der Klamauk, für den sich in erster Linie das italienische Komiker-Duo Franco und Ciccio verantwortlich zeigen. Da ich persönlich klamaukhaften Humor genauso wenig abgewinnen kann, wie den gesichtsakrobatischen Grimassen von Franco Franchi - der übrigens auf mich wirkt, als hätte er literweise LSD zu sich genommen. Dementsprechend bietet der Film nonstop Nonsens. Eine kitschige 007-Kopie, die sich letztlich als entzückender Schund offenbart. Wendungsreich, rasant und völlig überdreht. Manche Szenen erinnern obendrein an die glorreiche Stummfilmzeit. Hinzu gesellen sich Zeitraffereffekte, ein Swimmingpool voller beißwütiger Piranhas, die jeden Morgen einen Rehrücken zum Früstück serviert bekommen und eine Maschinerie, die sämtliche Frauen dieses Planeten beliebig duplizieren kann. Ein feuchter Traum für die erbärmlichen Wichte der Manosphäre. Am Ende kommt es auch noch zu einem Kubrick-Zitat, indem Bava DR. SELTSAM zitiert. Hierzulande wurde DER SPION, DER AUS DEM SPEISEEIS KAM erstmals im Januar 2017 von ARTE als Stream in ihrer Mediathek zur Verfügung gestellt. Dabei handelte es sich um die italienische Schnittfassung, die mit deutschen Untertiteln versehen wurde. Obwohl ich mit überdrehtem italienischen Slapstick wenig anfangen kann, war der Film für meinen Geschmack gerade noch noch ansehbar.


13.png
14.png
15.png
16.png

17.png
18.png
23.0.png
20.png

21.png
22.png
19.png
24.png

25.png
30.png
26.png
31.png



Filmplakate:
► Text zeigen


Titelvorspann / Score:
► Text zeigen


Trailer #1:
► Text zeigen


Trailer #2:


Benutzeravatar
Richie Pistilli
Beiträge: 5708
Registriert: Sa., 31.10.2020 17:25
Wohnort: Provinzmetropole an Rhein und Mosel
Kontaktdaten:

Re: DER SPION, DER AUS DEM SPEISEEIS KAM - Mario Bava

Beitrag von Richie Pistilli »

MV5BZjVhNGVkZWYtZDg3Ny00NzhjLWJiMGUtNzFlZTJjYzI3ZTM2XkEyXkFqcGc@._V1_.jpg



Auszug aus einem Interview zwischen Samuel Z. Arkoff und Tim Lucas:


Tim Lucas: Bavas nächstes Projekt war Dr. Goldfoot und die Sexbomben (1966), ein seltsamer Film: Er wirkt wie ein typisch amerikanisches Projekt.

Samuel Z. Arkoff: Ja, es war ein rein amerikanisches Projekt.

TL: Warum wurde dann Bava als Regisseur ausgewählt?

SA: Nun, es war sozusagen ein Potpourri . Dieser Film… Wenn je ein Film von allen Beteiligten schlecht konzipiert wurde… Wir drehten „Dr. Goldfoot und die Bikini-Maschine“ (1965), und der war ein mäßiger Erfolg. Fulvio und ich sprachen darüber und dachten über eine Fortsetzung nach. Es schien eine gute Idee zu sein. Horrorfilme kamen und gingen damals, sie waren nicht sehr erfolgreich, und wir hatten Vincent [Price] gegenüber eine Verpflichtung, also nutzten wir diese Fortsetzung, um diese Verpflichtung ihm gegenüber zu erfüllen. Ich glaube, wir haben Vincent auch in einem Film in Spanien eingesetzt.

TL: War es „Das Haus der 1000 Puppen“ (1967)?

SA: Genau, Leute, sie kennt diese Filme wirklich gut!

TL: Was soll ich sagen? Ich habe AIP schon immer geliebt.

SA: Na, toll! Wir hatten also Vincent und Bava – keine Ahnung, warum wir ihn genommen haben – und außerdem noch ein paar italienische Komiker [Franco und Ciccio]. Ihr Publikum war ausschließlich italienisch, sie waren… nun ja, sagen wir einfach, sie waren nicht gerade Laurel und Hardy! Wir haben das mit Fulvio besprochen und diesen Filmmix zusammengestellt. Hast du ihn gesehen?

TL: Ja.

SA: Stimmen Sie zu?

TL: Ja, Vincent Price auch.

SA: Hast du mit Vincent darüber gesprochen?

TL: Ja: Er erinnert sich nicht gern an diesen Titel.

SA: Ich mag ihn auch nicht. Der Film war ein totaler Flop und hat uns immer wieder Probleme bereitet, weil wir versucht haben, verschiedene Genres, Sprachen, Kostüme und noch so einiges mehr zu vermischen. Für Bava war es sicherlich nicht der ideale Film: Niemand war glücklich darüber, ihn gedreht zu haben. Ich glaube, da war eine junge italienische Schauspielerin dabei, die später in ihrem Heimatland sehr berühmt wurde.

TL: Ja, es war Laura Antonelli .

SA: Stimmt, und ich muss Ihnen eine Geschichte über Sie erzählen. Mein Neffe, Ed Rusoff arbeitete damals für uns in Italien: Er arbeitet immer noch dort, als Schauspieler, Synchronsprecher und Synchronregisseur. Er wirkte auch in einigen Fellini-Filmen mit. [Die einzige bekannte Zusammenarbeit ist tatsächlich „ Drei Schritte zum Delirium“ (1968), wo Rusoff Alain Delon in der amerikanischen Fassung synchronisiert, ohne im Abspann erwähnt zu werden: Fellini ist zwar auch dabei, führte aber bei einer anderen Episode Regie.
Er war damals noch sehr jung, und wir stellten ihn als Hilfsarbeiter ein. Er freundete sich mit Antonelli an, die zuvor einen Film gedreht hatte, in dem sie sich komplett auszog. Wir engagierten sie, weil wir dachten, sie würde sich zumindest teilweise entkleiden . Mein Neffe fing ohne unser Wissen an, ihr zu sagen, dass es entwürdigend sei, sich vor der Kamera auszuziehen! Da war also diese Frau, bekannt als Sexsymbol, die kein Problem damit hatte, sich auszuziehen, aber für uns wollte sie es nicht tun ! Unser Film ist der einzige, in dem sie sich nie auszog.


TL: Es gibt Gerüchte, dass Bava den Film unvollendet hinterließ, der dann im Schneideraum von Louis Heyward und anderen fertiggestellt wurde.

SA: Ich glaube nicht, dass das stimmt. Wahrscheinlich gab es später noch zusätzliche Szenen für den amerikanischen Markt, aber es existierte auch eine italienische Fassung. Es ist möglich, dass Deke Heyward, der an allen europäischen Produktionen mitgearbeitet hat, einige Szenen hinzugefügt hat, aber das ist noch lange kein Beweis dafür, dass er Bava ersetzt hat.

Quelle: https://ilzinefilo.wordpress.com/2023/1 ... bava-1986/



Überschüssiges Bildmaterial:


1.png
2.png
3.png
4.0.png

5.png
8.0.png
8.1.png
8.png

9.png
10.0.png
10.1.png
12.png

Benutzeravatar
Sid Vicious
Beiträge: 2770
Registriert: So., 01.11.2020 12:30
Wohnort: King´s Road 430

Re: DER SPION, DER AUS DEM SPEISEEIS KAM - Mario Bava

Beitrag von Sid Vicious »

Richie Pistilli hat geschrieben:
So., 26.07.2026 15:08
Obwohl ich mit überdrehtem italienischen Slapstick wenig anfangen kann, war der Film für meinen Geschmack gerade noch noch ansehbar.
Das ist sehr tapfer und bewunderswert, denn Filme in denen Franco und Ciccio mitwirken, sind ganz große Herausforderungen, denen ich mich bestimmt nicht mehr stellen werde - auch wenn da Mario Bava draufsteht.

Es wird aber reichlich Nerds und Bookletautoren geben, die diesen Mist zum Meisterwerk erklären werden. Da steht schließlich - um es noch einmal zu betonen - Mario Bava drauf.
BildBildBildBildBild

Antworten