THE BIG DOLL HOUSE - Jack Hill

Grindhouse- und andere B-Filmfreuden aus den US of A
Antworten
Benutzeravatar
Prisma
Beiträge: 6257
Registriert: Sa., 31.10.2020 18:11

THE BIG DOLL HOUSE - Jack Hill

Beitrag von Prisma »



THE BIG DOLL HOUSE


● THE BIG DOLL HOUSE / THE BIG DOLL HOUSE (US|PH|1971)
mit Judith Brown, Roberta Collins, Pam Grier, Brooke Mills, Pat Woodell, Kathryn Loder, Jerry Franks, Gina Stuart, Letty Mirasol,
Jack Davis, Shirley de las Alas, Myrna De Vera, Cathy McDaniel, Siony Cordona, Jack Hill und Sid Haig sowie Christiane Schmidtmer
eine Produktion der New World Pictures | Four Associates
ein Film von Jack Hill

The Big Doll House (1).png
The Big Doll House (2).png
The Big Doll House (3).png
The Big Doll House (5).png
The Big Doll House (4).png
The Big Doll House (6).png
The Big Doll House (7).png
The Big Doll House (8).png
The Big Doll House (9).png

»You'll never see the outside again!«


In einem Frauengefängnis in den Tropen sind unmenschliche Praktiken und Foltermethoden an der Tagesordnung. Dies muss auch Neuankömmling Collier (Judith Brown) erfahren, die ihren wohlhabenden Ehemann ermordet haben soll. Sie wird umgehend von Grear (Pam Grier) und den anderen Zellengenossinnen in die Mangel genommen und es deutet sich schnell an, dass sie in der Hölle gelandet ist. Doch es entwickelt sich eine Solidarität unter den Frauen, die sich vor allem gegen die Obrigkeit richtet. All dies geschieht unter den Augen der Gefängnisleitung Miss Dietrich (Christiane Schmidtmer), die häufiger plötzliche Todesfälle unter ihren Schutzbefohlenen zu beklagen hat. Doch der Nachschub lässt nie lange auf sich warten …

Jack Hills "The Big Doll House" gilt als einer der wichtigsten Meilensteine und Vorreiter des modernen "Women in Prison"-Subgenres. Obwohl es Filme mit derartiger Thematik bereits zuvor gegeben hat, definiert dieser 1971 entstandene Vertreter zahlreiche Basiselemente neu, sodass die Low-Budget-Produktion zu einem großen kommerziellen Erfolg avancieren konnte. Die hier bereits angedeutete Mischung aus Gewalt, Sex und Action sollte sich in den folgenden Jahren in immer neue Extrema hochschaukeln und brachte dementsprechend sehr provokante Geschichten hervor, die genau wie hier über eine deutlich erkennbare Strategie verfügen, das Publikum in maximale Spannungszustände zu versetzen. Mit den Zutaten sadistischen Gefängnispersonals, Folterpraktiken und reinster Willkür, kommt das Zielpublikum mit Leichtigkeit auf seine Kosten. Bemerkenswert in diesem Fall bleibt, dass sogar ein beinahe ästhetischer Aspekt zum Tragen kommt, wenn man das Szenario an den überaus attraktiven Hauptdarstellerinnen misst. Außerdem erweist sich die Solidarität unter den Frauen als gutes Empowerment, da nicht nur voyeuristische Belange im Vordergrund stehen. Trotz sehr geringer Budgetierung klingelte die Kinokasse recht ordentlich und erwies sich vor allem für Hauptdarstellerin Pam Grier zum Karrieresprungbrett, die wenig später zur Ikone des Blaxploitation-Genres avancierte. Für die Darbietungen gilt: Wenn man freiwillig im Dreck spielt, kann man nicht mehr dort hingeschickt oder durch diesen gezogen werden. Im Camp kommen Neuzugänge an, was in diesem Knast offensichtlich an der Tagesordnung zu sein scheint, da Insassinnen immer wieder unter rätselhaften Umständen das Zeitliche segnen. Die Neue ist dabei eine Augenweide und wird von der überaus attraktiven Judith Brown gespielt, die in der Enge der Zelle direkt den unbarmherzigen Regeln unterworfen wird. Die Hierarchieverhältnisse der Frauen werden direkt wie Karten auf den Tisch gelegt. Collier muss dabei von ganz unten anfangen. Man sieht probate Mittel wie verbale und körperliche Attacken, eine Kopfdusche in der verschissenen Toilette, Kakerlaken-Rennen und obligatorische Duschszenen sowie Gewaltexzesse. Aus späteren Produktionen ist man als Experte wesentlich mehr Konfrontation, Gewalt und Hass untereinander gewöhnt, doch hier wird tatsächlich ein angenehm solidarischer Aspekt in den Vordergrund gestellt. Immerhin hat man sich gegen mächtigere Gegner zu wehren, die sich praktischerweise in den Reihen des Gefängnispersonals bequem gemacht haben.

Unter ihnen befinden sich – ganz im Sinne einer guten Visitenkarte des Genres – noch schlimmere Kriminelle, Sadisten und Freaks als in den Gefängniszellen, die klaustrophobischen Sardinenbüchsen ähneln. Hier bietet sich die schnelle Gelegenheit, dem Publikum die unterschiedlichen Charaktere auf einfache, wenn auch eindringliche Weise näherzubringen, obwohl die Story traditionell nicht auf irgendeine verschwendete Phase namens Tiefgang setzt. So werden die Mädels zu den Sympathieträgerinnen der Veranstaltung, die allesamt an einem Punkt angelangt sind, der nur noch eine Flucht aus dieser unmenschlichen Hölle in Erwägung ziehen lässt. Die tägliche Arbeit ähnelt Frondiensten, die Strafen gestalten sich als drakonisch, weil sie von Bestien ausgeführt werden. Diese sind immer auf der Suche nach neuen Schandtaten und wenn jemand über die Klinge springt, wird es in einem Milieu der Willkür als nicht erwähnenswert eingestuft, da immer für neuen Nachschub gesorgt ist. Unsentimental, beinahe stoisch, liest die Gefängnisdirektorin, Miss Dietrich, Gebete aus der Heiligen Schrift vor, während eine Tote in den Ofen des hauseigenen Krematoriums geschoben wird. Hierbei fällt Christiane Schmidtmer erneut in einer Rolle auf, bei der man sich zunächst fragt, wie sie zustande gekommen sein könnte. Miss Dietrich deutet auf eine deutsche Herkunft und dementsprechend ungeniertes Nazi-Repertoire hin, wenngleich die beherrscht wirkende Dame stets sachlich mit ihren Gefangenen umzugehen scheint. Schmidtmer hantiert erneut mit einer eiskalten Distanz und was ihre bisherige Karriere betrifft, jongliert sie unterschwellig beinahe mit einer Art des ketzerischen Opportunismus. So bleibt eine wirklich hochinteressante Verpflichtung einer Interpretin, bei der man oft nicht unterscheiden kann, ob sie platziert oder deplatziert wirkt. Aber in diesem Ambiente gibt es zahlreiche ausdrucksstarke Darbietungen zu finden, die vor allem Judith Brown, Roberta Collins und Pam Grier zuzuschreiben sind. Vor allem Grier und Collins laden das Szenario mit einer besonders aggressiven Energie auf, bieten sogar einen Catfight im Schlamm an und lassen sich ungern in die Karten sehen. Obwohl es direkt angekündigt wird, wäre auch ohne Vorwarnung klar gewesen, dass einige der renitenten Damen auf der Folter der abartigen Lucian landen müssen, die beängstigend brutal und freaky von Kathryn Loder dargestellt wird. Sie scheint sich beim Thema Quälen und Erniedrigen ständig fortzubilden, damit ihre Schützlinge auch auf Lucians Kosten kommen. Das Ambiente bietet im Grunde genommen lediglich Stereotype und Übertreibungen an, die ein Film wie dieser auch nötig hat, um seinen sich bevorzugt austobenden Charakter zu untermauern.

Die Produktion schreibt und definiert Gesetze des WIP-Genres, wie man sie heute kennt, um dabei sehr stilsicher darauf zu achten, ein paar gehobenere Ansprüche geltend zu machen und eine dichte Bebilderung anzubieten. Selbst beim Thema des Drahtziehers wird ein gut gemeinter, wenn auch durchsichtiger Whodunit-Effekt angeboten, der in seiner Aufmachung besonders zu gefallen weiß. So ist eine maskierte Person wahrzunehmen, die den Folterpraktiken wie auf einem Thron sitzend beiwohnt. Hier kommt es visuell zu in sich verschwimmenden Bildeinstellungen, die bestialische Folter und perversen Genuss miteinander vereinen. Die Dialoge drücken auf die Tube, wenngleich diese in späteren Jahren noch im negativen, also positiven Gossenton-Sinn perfektioniert wurden. Es ist absolut verständlich, warum "The Big Doll House" zu einem Überraschungserfolg werden konnte, was sich am Ende auch auf die doch sehr niedrige Budgetierung bezieht. Dem Publikum wurde etwas Neues im Rahmen eines nicht salonfähigen Spektakels angeboten und für die beteiligten Schauspielerinnen war es im Vorfeld vielleicht nicht klar, dass einige im Anschluss von dieser filmischen Strapaze profitieren würden. Erwähnenswert ist die Musik von Hall Daniels und vor allem der von Pam Grier eingesungene Titelsong "Long Time Woman", den Quentin Tarantino für den Soundtrack seines Films "Jackie Brown" wiederverwendete, in dem Grier ebenfalls die Hauptrolle spielte. Der Film verbreitet eine Spannung, die nicht im klassischen Sinn greift, da sie einfach anders als gewöhnlich an den Nerven zerrt. Dies bäumt sich vor allem bei den Folterszenen, der späteren Flucht und der Frage auf, ob die Verantwortlichen ihrer gerechten Strafe zugefügt werden können, was sich nicht auf die Insassinnen als Sympathieträgerinnen bezieht. Der Verlauf verfügt alleine wegen des Ambientes über kraftvolle, nicht selten sogar schöne Bildimpressionen, das Setting Gefängnis wird in klassischen Kontrast entgegengesetzt, um die unmenschlichen Bedingungen zu unterstreichen. Viel offensichtlicher und intensiver wirken die darstellerischen Leistungen beziehungsweise deren Auswahl, was in einigen späteren Beiträgen zugunsten voyeuristischer Elemente reduziert wurde. Aber auch hier ist der Zuschauer unter den dankbaren Gaffern zu finden, welcher obendrein voll auf seine Kosten kommt. "The Big Doll House" kann ohne die Ahnung eines Zweifels als Klassiker gehandelt werden, der sich für zukünftige Artgenossen wegweisend und unerschrocken im Dreck suhlt.

Benutzeravatar
Prisma
Beiträge: 6257
Registriert: Sa., 31.10.2020 18:11

Re: THE BIG DOLL HOUSE - Jack Hill

Beitrag von Prisma »



Screenshot (2993).png
Screenshot (3085).png
Screenshot (3177).png


● CHRISTIANE SCHMIDTMER als MISS DIETRICH in
THE BIG DOLL HOUSE (US|1971)



Als der Independent-Regisseur Jack Hill 1971 den Low-Budget-Film "The Big Doll House" auf den Philippinen inszenierte, ahnte vermutlich niemand, dass dieses Werk sowohl zum mutigen Pionier als auch zu einem der Grundsteine eines ganzen Genres, sprich: Des sogenannten "Women in Prison"-Exploitationkinos – werden sollte. Als Vorreiter dachte der Film das Motiv des Frauengefängnisses überraschend neu, indem er die Handlung vom klassischen Studiosystem abkoppelte und eine bis dato modifizierte Mischung aus Action, Camp und schwarzem Humor auf die Leinwand brachte. Gleichzeitig ebnete er den teils brutalen Weg für das Genre, weil er eine feste Formel und Charaktere etablierte, die in den darauffolgenden Jahrzehnten unzählige Male kopiert wurden. Mittendrin agiert die deutsche Schauspielerin Christiane Schmidtmer. Nachdem sie in den 1960er-Jahren in Hollywood-Großproduktionen wie "Das Narrenschiff" oder "Boeing-Boeing" starr auf den Typus der attraktiven, charmanten und oft naiven Blondine festgelegt worden war, markierte die Rolle der Gefängnisaufseherin Miss Dietrich einen radikalen Image-Wechsel. Es ist das filmische Zeugnis einer Frau, die das starre Studiosystem vielleicht hinter sich ließ, um im unkonventionellen Bahnhofskino eine darstellerische Freiheit zu finden, die ihr im Mainstream verwehrt blieb, wenngleich sie hier rückblickend auch stereotyp besetzt wurde. Karrieretechnisch bedeutete dieser Schritt allerdings auch einen bewussten Verzicht auf den gewohnten Luxus großer Produktionen. Produziert von Roger Cormans Independent-Schmiede New World Pictures, stand für das gesamte Projekt lediglich ein extremes Low-Budget von geschätzten 125.000 bis 200.000 US-Dollar zur Verfügung. Ein überdimensionales Honorar oder gar eine Star-Gage dürfte Schmidtmer für ihr Engagement im philippinischen Dschungel also keineswegs erhalten haben. Dass sie die Rolle dennoch annahm, zeugt von einem pragmatischen und vielmehr erlebnisorientierten Blick auf das Filmgeschäft jener Zeit, in der das florierende B-Movie-Kino sichere, wenn auch kleinere Gagen abseits der Studio-Diktate bot. Die Ironie dieser Produktionsbedingungen offenbarte sich erst im Nachhinein an den Kinokassen. Trotz der minimalen Produktionskosten und der sicherlich bescheidenen Gagen entwickelte sich der Film zu einem enormen Kassenschlager, der weltweit über 10 Millionen US-Dollar einspielte – ein finanzielles Phänomen, von dem vor allem die Verleiher und weniger die Darstellerinnen profitierten. Dennoch lässt sich sagen, dass auch Christiane Schmidtmer profitierte, indem ihre zu diesem Zeitpunkt filmisch eingeschränkte Reichweite nochmals erhöht wurde.

Das Exploitation-Kino dieser Ära lebte eigentlich von der groß angelegten Übertreibung, vom Visuellen und oft von notwendigen Overacting. Umso erfrischender und subversiver wirkt Schmidtmers darstellerischer Entwurf der Miss Dietrich. Wo andere zeitgenössische Genre-Antagonistinnen auf lautes Brüllen, offene Aggression und kalkulierte Hysterie setzten, bietet Schmidtmer eine Performance an, die durch ihre extreme Ruhe, Korrektheit und Unscheinbarkeit besticht. Ihre Interaktionen mit den Insassinnen des Gefängnisses sowie mit ihren Kollegen irritieren durch eine beinahe unangebracht wirkende Fröhlichkeit und formelle Höflichkeit. Schmidtmer stattet ihre Figur mit einer zivilisierten Maske aus, die wie ein Schutzschild wirkt. Diese extreme passive Aggressivität macht Miss Dietrich daher unberechenbar. Da sie stets lächelt und die Etikette wahrt, etwa Blumen pflegt und als perfekte Gastgeberin in Erscheinung tritt, lässt sie sich zu keinem Zeitpunkt in die Karten schauen. Der Zuschauer und die Figuren im Film tappen eher im Dunkeln darüber, ob der nächste höfliche Satz eine Vergünstigung oder eine drakonische Bestrafung einleitet. Besonders deutlich wird diese darstellerische Intelligenz in den rituellen Momenten des Lageralltags. In Szenen, in denen das Grauen des Knastes für die Insassinnen greifbar wird, fungiert Christiane Schmidtmer als stoisches Aushängeschild des Grauens. Wenn sie mit fester, unaufgeregter Stimme Bibelverse herunterliest, während in unmittelbarer Nähe makabre und zutiefst inhumane Handlungen vollzogen werden, erzeugt dies ein hohes Maß der Befremdung beim Betrachter. Das Böse wird hier nicht mit Schaum vor dem Mund gezeichnet, sondern wie eine bürokratische Pflichtaufgabe abgearbeitet. Die Deutsche präsentiert somit eher die Banalität des Verwerflichen. Miss Dietrich quält nicht aus einer Emotion heraus, sondern agiert mit der unterkühlten Gründlichkeit einer Beamtin. Während der restliche Cast vergleichsweise emotional agiert, bleibt die Leiterin erstaunlich gelassen. Aus dieser einfachen Strategie wächst allerdings eine bedrohliche Machtposition. Sie muss nicht laut werden, um Autorität auszustrahlen – ihre bloße Präsenz reicht völlig aus, um den Zuschauer zu beunruhigen. Aus dieser Präzision resultiert ein spürbarer Sicherheitsabstand, den die Figur instinktiv provoziert. Man möchte dieser Frau als Betrachter zweifellos nicht zu nahe kommen. Sie zieht eine unsichtbare Grenze zwischen sich und ihrer Umwelt, da sie dem Empfinden nach jegliche echte Empathie vermissen lässt, gleichzeitig aber die bürgerliche Fassade der adretten, sauber frisierten Aufseherin perfekt aufrechterhält, daher weitaus bedrohlicher wirkt, als ein bloßes Genre-Klischee.

Sie unterwandert damit eigentlich auch die kruden, oft übersexualisierten Erwartungen des (männlichen) Grindhouse-Publikums jener Zeit, denn ihre Aufseherin strahlt eine paradoxerweise asketische und völlig gebieterische Strenge aus, die kaum Raum für schmuddelige Annäherungen bietet. Dass diese Rolle im Rückblick zu einer der bekanntesten, langlebigsten und am meisten diskutierten Performances in Christiane Schmidtmers Karriere wurde, liegt letztlich an ihrer spürbaren Spiellaune. Man merkt der Darstellung zu jeder Zeit an, dass sie diese Rolle nicht aus finanzieller oder karrieretechnischer Verzweiflung annahm. So ist davon auszugehen, dass Christiane Schmidtmer nicht nach Manila irrte, um alles zu akzeptieren, was ihr gerade vor die Kamera kam, sondern um bewusst mit den Mechanismen ihrer eigenen Typisierung zu kokettieren, was sich vor allem im Finale zeigt. Sie begegnet dem reißerischen Drehbuch mit einer souveränen, fast schon ironischen Haltung und einer dennoch abwegigen Leichtigkeit. Dies spiegelte sich auch in ihrem realen Status in den USA wider, denn obwohl der Film ihr im Kino keine neuen A-Rollen einbrachte, blieb sie in den amerikanischen Medien ein überaus präsenter Begriff. Vor allem in den späten 1970er-Jahren war sie wegen ihres schlagfertigen Humors, ihres Akzents, ihrer Maße und des Jetset-Lebens ein sehr gefragter Gast in großen US-Talkshows. Sie verstand es nachhaltig, sich im Gespräch zu halten und das amerikanische Publikum im Fernsehen als charmante Persönlichkeit zu unterhalten, während sie im Kino genau die hin und wieder drittklassigen Engagements wählte, auf die Kolleginnen wahrscheinlich verzichtet hätten. Letztlich zeigt diese Performance eine intelligente und emanzipierte Frau, die mit ihrem alternativen Weg völlig d'accord gewesen sein wird. Christiane Schmidtmer litt offenbar keineswegs darunter, dass der große Mainstream-Ruhm ausblieb beziehungsweise beendet war; sie begriff diesen Weg nicht als Scheitern, sondern als eigenen Karriere-Entwurf. Mit intellektueller Distanz waren die Mechanismen der Traumfabrik durchschaut, sie priorisierte ihre persönliche Unabhängigkeit und blickte nicht frustriert auf das Erreichte, da es so oder so einträglich war. Genau diese Freiheit und Souveränität überträgt sich direkt auf Miss Dietrich, die nicht mit verbittertem Ernst, sondern mit der Eleganz einer Frau spielt. Durch dieses nuancierte und minimalistische Schauspiel wertet sie "The Big Doll House" massiv auf und schenkte dem Independent-Kino eine der faszinierendsten und gleichzeitig am meisten irritierenden Schurkinnen mit Engelsgesicht der 1970er-Jahre. Eine Performance, die innerhalb ihrer verschleierten Vorhersehbarkeit packt.



Antworten