FLODDER - EINE FAMILIE ZUM KNUTSCHEN
● FLODDER / FLODDER - EINE FAMILIE ZUM KNUTSCHEN (NL|1986)
mit Nelly Frijda, Huub Stapel, René van 't Hof, Tatjana Šimić, Jan Willem Hees, Nani Lehnhausen, Horace Cohen, Herbert Flack,
Apollonia van Ravenstein, Bert André, Lettie Oosthoek, Gerrie van der Klei, Egbert van Paridon, Tom van Beek sowie Lou Landré
eine Produktion der First Floor Features | Concorde | AVRO | Elsevier-Vendex | im Verleih Der UIP
ein Film von Dick Maas
»Das asoziale Verhalten dieser Menschen geht nun wirklich weit über das erträgliche Maß hinaus!«
Die asoziale Großfamilie Flodder lebt in einer baufälligen Bruchbude auf einem Giftmüllgelände. Als die Gemeinde das Areal sanieren will, startet der engagierte Sozialarbeiter Werner (Lou Landré) ein gewagtes Experiment und er siedelt die unliebsame Truppe im bekannten Nobelviertel "Sonnental" an. Dort prallen augenblicklich zwei Welten aufeinander. Das raue Familienoberhaupt Ma Flodder (Nelly Frijda) betreibt im Keller der neuen Luxusvilla ungeniert ihre illegale Schnapsbrennerei. Ihr ältester Sohn Johnnie (Huub Stapel), bandelt sofort mit den Frauen der Nachbarschaft an und hält Ausschau nach krummen Geschäften. Auch Kees (Tatjana Šimić), die sexy Tochter des Hauses, verdreht den spießigen Männern reihenweise den Kopf. Während die Flodders ihren Alltag mit Anarchie und Vandalismus bestreiten, versucht die noble Nachbarschaft verzweifelt, die ungeliebten Neulinge wieder loszuwerden …
Als der niederländische Regisseur und Drehbuchautor Dick Maas Mitte der 1980er-Jahre an einem neuen Projekt feilte, ahnte noch niemand, dass er damit Filmgeschichte schreiben würde. Beflügelt vom Erfolg seines Horror-Thrillers "Lift – Der Fahrstuhl des Grauens" wollte Maas eine radikale gesellschaftspolitische Satire auf den modernen Wohlfahrtsstaat und die übertriebene politische Korrektheit der Behörden drehen. Seine Grundidee war ebenso simpel wie publikumswirksam. Was passiert, wenn der Staat versucht, unverbesserliche asoziale Unruhestifter mit unendlicher Geduld und Gutmütigkeit in die feine Gesellschaft zu integrieren? Aus diesem Gedanken des ultimativen Kulturschocks entstand die Komödie "Flodder – Eine Familie zum Knutschen", deren Familienname sich bereits nach etwas Schlampigem und kaum Gesellschaftsfähigem anhört. Bei der Produktion agierte Maas dabei als echtes Allround-Talent, denn er schrieb nicht nur das Drehbuch und führte Regie, sondern komponierte und spielte auch den markanten Synthesizer-Soundtrack selbst ein, was dem Film eine unverkennbare Handschrift verleiht. Die Handlung wirft den Zuschauer mitten in ein gewagtes sozialpolitisches Experiment, zwischen Giftmüllhalde und Bonzenviertel. Die chaotische, arbeitsscheue Großfamilie Flodder haust in einer Ruine, die von der Gemeinde saniert werden soll. Der engagierte Sozialarbeiter Werner setzt durch, dass die Sippe im noblen Villenviertel "Sonnental" heimisch wird. Vor Ort ist der Schock für Snobs und Schnepfen unendlich groß, was einen Großteil des funktionierenden Humors ausmacht. Während die Flodders mit Autodiebstahl, Schwarzbrennerei, Prostitution und Anarchie ihren ungenierten Alltag bestreiten, versucht die spießige Nachbarschaft ohne Unterlass, die ungeliebten Neulinge wieder aus deren wie aus dem Ei gepellten Viertel loszuwerden. Gedreht wurde dieser Zusammenstoß ironischerweise im echten Nobelviertel Kollenberg in der Stadt Sittard, deren reale Bewohner von den lauten Dreharbeiten und dem verpassten Proll-Image Überlieferungen nach nur mäßig begeistert waren. Maas beweist bei den Drehs viel Humor und Liebe zum Detail und er agiert genüsslich mit einem Salzstreuer, um offene Wunden zu versorgen. Zu sehen sind viele legendäre, buchstäblich mobile Szenen, wie etwa diejenige mit dem Jaguar XJS, der im Swimmingpool parkt, die simple Erläuterung, wie der Einspritzer bei einem Citroën CX 25 funktioniert oder der abenteuerliche Catfight im Delikatessenwagen.
Dass der Film trotz eines schmalen Budgets von rund 1,7 Millionen US-Dollar allein in den Niederlanden über 2,3 Millionen Zuschauer in die Kinos lockte und zum internationalen Exportschlager avancierte, verdankt er nicht nur seiner derben Thematik, sondern vor allem der phänomenalen Besetzung. Die Schauspieler agieren mit einer kompromisslosen und nahezu schamlosen Spiellaune, die dem Werk eine bis heute spürbare Authentizität verleiht. Nelly Frijda als kettenrauchende, gummistiefeltragende und permanent saufende Matriarchin ist dabei nicht nur als platte Karikatur zu werten, sondern sie verleiht irrer Figur dank großer Improvisationsfreiheiten am Set eine echte mütterliche Würde, auch wenn diese befremdlich wirken kann. In der deutschen Fassung wird dieser raue Charme durch die brillante Synchronisation durch Evelyn Meyka perfekt untermauert. Huub Stapel gibt dem ältesten Sohn Johnnie in den ersten beiden Kinofilmen eine spitzbübische Sympathie, die ihn eher als charmanten Lebenskünstler denn als kriminelle Bedrohung wirken lässt. Flankiert werden sie von Tatjana Šimić als Tochter Kees, die mit entwaffnender Naivität agiert, in den Folgejahren zum absoluten Sexsymbol der Epoche reifte und 2026 in einer späten Spin-off-Serie ein Comeback feierte. Diese ungefilterte Asi-Attitüde sorgt dafür, dass das dargebotene Material auch Jahrzehnte später noch überraschend derb, frisch und witzig wirkt, sogar gesellschaftskritisch noch greifen kann. In einer glattgebügelten, doch gleichzeitig modernen Medienlandschaft bricht die vollkommene Schamlosigkeit der Flodders Tabus mit einer befreienden Leichtigkeit. Die Satire altert nicht, weil sie die moralische Doppelmoral der Oberschicht messerscharf entlarvt. Die kleinkriminellen Flodders sind in ihrer Prolligkeit stets zu einhundert Prozent ehrlich, während die feinen Nachbarn als verlogen und hinterhältig enttarnt werden. Dieser moralische Rollentausch macht "Flodder - Eine Familie zum Knutschen" zu einem zeitlosen Klassiker, was 2007 sogar mit der offiziellen Aufnahme in den prestigeträchtigen "Kanon des niederländischen Films" gewürdigt wurde. Ausstaffiert mit expliziten Szenen und Nacktheit, einer Dialogarbeit, die heute als nicht mehr salonfähig im doppelten Sinne einzustufen ist und drapiert mit abenteuerlichen Einfällen, bleibt der Film auch heute noch ein ernstzunehmendes satirisches Schwergewicht. Überhaupt wurde aufwändig inszeniert und die Show macht auch nach 100 Mal anschauen noch großen Spaß.
Als der niederländische Regisseur und Drehbuchautor Dick Maas Mitte der 1980er-Jahre an einem neuen Projekt feilte, ahnte noch niemand, dass er damit Filmgeschichte schreiben würde. Beflügelt vom Erfolg seines Horror-Thrillers "Lift – Der Fahrstuhl des Grauens" wollte Maas eine radikale gesellschaftspolitische Satire auf den modernen Wohlfahrtsstaat und die übertriebene politische Korrektheit der Behörden drehen. Seine Grundidee war ebenso simpel wie publikumswirksam. Was passiert, wenn der Staat versucht, unverbesserliche asoziale Unruhestifter mit unendlicher Geduld und Gutmütigkeit in die feine Gesellschaft zu integrieren? Aus diesem Gedanken des ultimativen Kulturschocks entstand die Komödie "Flodder – Eine Familie zum Knutschen", deren Familienname sich bereits nach etwas Schlampigem und kaum Gesellschaftsfähigem anhört. Bei der Produktion agierte Maas dabei als echtes Allround-Talent, denn er schrieb nicht nur das Drehbuch und führte Regie, sondern komponierte und spielte auch den markanten Synthesizer-Soundtrack selbst ein, was dem Film eine unverkennbare Handschrift verleiht. Die Handlung wirft den Zuschauer mitten in ein gewagtes sozialpolitisches Experiment, zwischen Giftmüllhalde und Bonzenviertel. Die chaotische, arbeitsscheue Großfamilie Flodder haust in einer Ruine, die von der Gemeinde saniert werden soll. Der engagierte Sozialarbeiter Werner setzt durch, dass die Sippe im noblen Villenviertel "Sonnental" heimisch wird. Vor Ort ist der Schock für Snobs und Schnepfen unendlich groß, was einen Großteil des funktionierenden Humors ausmacht. Während die Flodders mit Autodiebstahl, Schwarzbrennerei, Prostitution und Anarchie ihren ungenierten Alltag bestreiten, versucht die spießige Nachbarschaft ohne Unterlass, die ungeliebten Neulinge wieder aus deren wie aus dem Ei gepellten Viertel loszuwerden. Gedreht wurde dieser Zusammenstoß ironischerweise im echten Nobelviertel Kollenberg in der Stadt Sittard, deren reale Bewohner von den lauten Dreharbeiten und dem verpassten Proll-Image Überlieferungen nach nur mäßig begeistert waren. Maas beweist bei den Drehs viel Humor und Liebe zum Detail und er agiert genüsslich mit einem Salzstreuer, um offene Wunden zu versorgen. Zu sehen sind viele legendäre, buchstäblich mobile Szenen, wie etwa diejenige mit dem Jaguar XJS, der im Swimmingpool parkt, die simple Erläuterung, wie der Einspritzer bei einem Citroën CX 25 funktioniert oder der abenteuerliche Catfight im Delikatessenwagen.
Dass der Film trotz eines schmalen Budgets von rund 1,7 Millionen US-Dollar allein in den Niederlanden über 2,3 Millionen Zuschauer in die Kinos lockte und zum internationalen Exportschlager avancierte, verdankt er nicht nur seiner derben Thematik, sondern vor allem der phänomenalen Besetzung. Die Schauspieler agieren mit einer kompromisslosen und nahezu schamlosen Spiellaune, die dem Werk eine bis heute spürbare Authentizität verleiht. Nelly Frijda als kettenrauchende, gummistiefeltragende und permanent saufende Matriarchin ist dabei nicht nur als platte Karikatur zu werten, sondern sie verleiht irrer Figur dank großer Improvisationsfreiheiten am Set eine echte mütterliche Würde, auch wenn diese befremdlich wirken kann. In der deutschen Fassung wird dieser raue Charme durch die brillante Synchronisation durch Evelyn Meyka perfekt untermauert. Huub Stapel gibt dem ältesten Sohn Johnnie in den ersten beiden Kinofilmen eine spitzbübische Sympathie, die ihn eher als charmanten Lebenskünstler denn als kriminelle Bedrohung wirken lässt. Flankiert werden sie von Tatjana Šimić als Tochter Kees, die mit entwaffnender Naivität agiert, in den Folgejahren zum absoluten Sexsymbol der Epoche reifte und 2026 in einer späten Spin-off-Serie ein Comeback feierte. Diese ungefilterte Asi-Attitüde sorgt dafür, dass das dargebotene Material auch Jahrzehnte später noch überraschend derb, frisch und witzig wirkt, sogar gesellschaftskritisch noch greifen kann. In einer glattgebügelten, doch gleichzeitig modernen Medienlandschaft bricht die vollkommene Schamlosigkeit der Flodders Tabus mit einer befreienden Leichtigkeit. Die Satire altert nicht, weil sie die moralische Doppelmoral der Oberschicht messerscharf entlarvt. Die kleinkriminellen Flodders sind in ihrer Prolligkeit stets zu einhundert Prozent ehrlich, während die feinen Nachbarn als verlogen und hinterhältig enttarnt werden. Dieser moralische Rollentausch macht "Flodder - Eine Familie zum Knutschen" zu einem zeitlosen Klassiker, was 2007 sogar mit der offiziellen Aufnahme in den prestigeträchtigen "Kanon des niederländischen Films" gewürdigt wurde. Ausstaffiert mit expliziten Szenen und Nacktheit, einer Dialogarbeit, die heute als nicht mehr salonfähig im doppelten Sinne einzustufen ist und drapiert mit abenteuerlichen Einfällen, bleibt der Film auch heute noch ein ernstzunehmendes satirisches Schwergewicht. Überhaupt wurde aufwändig inszeniert und die Show macht auch nach 100 Mal anschauen noch großen Spaß.
