DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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Prisma
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Re: DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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Lil Dagover

THE WOMAN FROM MONTE CARLO


● THE WOMAN FROM MONTE CARLO (US|1932)
mit Walter Huston, Warren William, George E. Stone, Robert Warwick, Matt McHugh, Frederick Burton, Frank Leigh und John Wray
eine Produktion der First National Pictures
ein Film von Michael Curtiz

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»Pflicht, Pflicht... Ich kann es einfach nicht mehr aushalten!«


Deanna Corlaix (Lil Dagover) hat den Ruf einer Vergnügungssuchenden in den Casinos von Monte Carlo erhalten, doch sie sehnt sich nach gesellschaftlicher Anerkennung und heiratet den erhabenen Corlaix, Kapitän der französischen Marine. Doch ihr Gatte ist die meiste Zeit auf See, während Deanna vereinsamt. Sie gerät in eine kompromittierende Situation mit einem jungen Offizier namens Leutnant d'Entrecasteaux (Warren William) und zu allem Überfluss taucht ein Gespenst aus der Vergangenheit auf, bis sie sich Manipulationsversuchen ausgesetzt sieht. Als die La Fayette, das Schiff ihres Mannes, in ein Seegefecht gerät, ist seine Ehefrau heimlich an Bord, was die Karriere des Kapitäns und gleichzeitig die Ehe zu zerstören droht …

Die Dreharbeiten zu Michael Curtiz "The Woman from Monte Carlo" begannen ab Mitte Oktober 1931, bevor es Anfang 1932 zu dessen US-amerikanischem Massenstart kam. Lil Dagover wurde durch große Kampagnen beworben, doch der Film wurde insgesamt kein großer kommerzieller Erfolg, sodass er auch nie einen deutschen Kinostart erleben durfte, hierzulande gleich nach Erscheinen in den USA in Vergessenheit geriet. Für Dagover, die im Vorspann noch vor dem Titel und ihren durchaus namhaften männlichen Kollegen genannt wird, und in den Vereinigten Staaten einen großen Bekanntheitsgrad genoss, sollte es die einzige Arbeit in Hollywood bleiben, welches ihr laut eigenen Aussagen nicht besonders zugesagt haben soll. Ob es sich nur um eine Halbwahrheit handelt und man sie einfach nicht wie etwa Marlene Dietrich etablieren konnte, sei dahin gestellt. Der Film bedient für die Entstehungszeit typische Mechanismen des Liebesdramas und setzt auf Dialoglastigkeit, die das Ganze etwas zäh werden lässt. Hinzu kommt, dass man sich überwiegend im Vakuum Schiff wiederfindet und mit einer Vorhersehbarkeit konfrontiert ist, die selbst die spannendsten Sequenzen entschärfen wird. Dennoch bleibt es überaus beachtlich, Lil Dagover in diesem Film zu sehen, deren Karriere sich über einen beachtlichen Zeitraum von über 60 Jahren erstreckte und bereits im Stummfilm begann. Hier avancierte sie zum Star, über die Jahrzehnte gesehen sogar zur Stilikone mit dem ewigen Gesicht, da tatsächlich in keiner Dekade zu erkennen war, in welchem (teils hohen) Alter sie sich gerade befand. Ihre sparsame, beinahe maskenhafte Mimik kommt auch hier zum Tragen, ihr Temperament äußert sich in Gebärden und Worten. Interessant ist, dass sie im Film immer wieder ins Deutsche verfällt, wenn sich ihre Deanna Corlaix beispielsweise freut oder ärgert. Dagover steht ihren weiblichen US-amerikanischen Stars in nichts nach, kann sie hier jedoch auch nicht maßgeblich übertrumpfen. Dafür ist die Geschichte zu handelsüblich und die Dramaturgie bietet keine Möglichkeiten eine Sternstunde zu kreieren. Szenen einer Ehe repräsentieren gleichzeitig die Probleme einer Ehe, da die Pflicht des Marinekommandanten Corlaix für monatelange Pausen und dementsprechend Intervalle der Sehnsucht sorgt.

Dafür, dass der Film schon so alt ist, sollte man ihm insgesamt weniger Vorwürfe machen, als es der eigene Impuls verlangt, denn die Palette der vorhandenen Möglichkeiten wird effektiv ausgenutzt. Man sieht annehmbare Tricks, die zeitbezogen sicherlich gut waren, spannende Intervalle, die in den richtigen Momenten zuzupacken wissen und zwischenmenschlichen Zündstoff, der heute vielleicht anders aussieht, aber gewiss noch in anderen Reinformen vorhanden ist. Lil Dagovers unverkennbare Eleganz, die sich in den diskreten Momenten der Geschichte in eine besondere Art der Dominanz umzuwandeln zu scheint, verfeinert das Geschehen manchmal herb, hin und wieder bittersüß, und ihre Partner Walter Huston, Warren William und John Wray stehen ihren Mann und das nicht nur im Sinne der dramaturgischen Anlegungen. So viele positive Komponenten sich auch aufzählen lassen, am Ende bleibt der persönliche Geschmack Richter und Henker zugleich, sodass sich lediglich ein Fazit des Durchschnitts abzeichnen kann. Viele Intervalle wirken durch ihre langen Dialogstrecken zwischen gleichen Personen nicht nur geschwätzig, sondern richtiggehend langweilig, außerdem kommt es zu allerlei Füllmaterial. Unterm Strich bleibt jedoch wieder einmal Lil Dagover, um die sich eine Faszination zusammenbraut, wie die tosende See um die La Fayette. Bereits wenige Jahre später oder vielleicht auch schon hier, wurde sie zur lebenden Legende, da sie den Transfer zum Tonfilm schaffte, woran viele ihrer Kollegen gescheitert waren. Ihre Ausdrucksmöglichkeiten liegen daher weiter zurück als die der alten Schule, die Regie lässt einen enormen Distanzaufbau bestehen, der Lil Dagover vielleicht ein wenig am Zielpublikum vorbeizumanövrieren droht. Als Identifikationsfigur erscheint sie dramaturgisch und generell zu unnahbar zu sein. Unterm Strich bleibt also eine interessante und nicht minder faszinierende Studie zurück, die den eigentlich zu melodramatischen und durchsichtigen "The Woman from Monte Carlo" interessanter als gedacht machen. Späte Szenen am Gericht, im Zeugenstand und die Integration des Schicksals bringen das Geschehen zu einem versöhnlichen Abschluss und man sollte insgesamt nicht vergessen und unterschlagen, dass das Produktionsjahr 1932 nun auch schon wieder einige Monate zurückliegt.

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Prisma
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● DIE INSEL DER BLUTIGEN PLANTAGE (D|1982)
mit Udo Kier, Barbara Valentin, Hans Zander, Karen Lopez, Rosemarie Sarita, Kurt Raab, Peter Kern, Mike Monty,
Karina Fallenstein, Fouad Mediouni-Zaoudi, Ronald Buenaventura sowie Tet Antiquiera und Karl-Otto Alberty
ein Luxor Film | FGO Film | im Verleih der Atlas international
ein Film von Kurt Raab

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»Habt ihr denn alle nur Scheiße im Hirn?«


Otto Globocnik (Karl-Otto Alberty), ein Mann mit einschlägiger Vergangenheit, beherrscht und unterjocht die Bevölkerung einer idyllischen Insel. Der selbsternannte Diktator konnte gemeinsam mit seiner sadistischen Freundin Olga (Barbara Valentin) eine Herrschaft der Willkür, Gewalt und Erniedrigung etablieren. Die Einheimischen müssen auf einer Plantage Frondienste leisten, die Frauen werden obendrein von ihm uns seiner Privatarmee zu Lustobjekten degradiert. Lediglich Hermano (Udo Kier), ein einst loyaler Helfershelfer, versucht sich von den Grausamkeiten abzuwenden, da er sich in die schöne Cora (Karen Lopez) verliebt hat. Er möchte mit ihr von der Insel fliehen, doch die Pläne sickern durch und es wird ein grausames Exempel statuiert …

Kurt Raabs "Die Insel der blutigen Plantage" verfügt laut Produzent Peter Kern über eine schwierige, nahezu abenteuerliche Produktionsgeschichte, bei der zahlreiche widrige Umstände überwunden werden mussten. Dass der Film genauso existiert, grenzt dabei fast an ein Wunder, doch die Intention, ihn in seiner unbändigen Fasson überhaupt zu produzieren, stellt dabei die interessanteste Fußnote dar. Um sich freischaufeln zu können, wollte man einen international und auf ein breites Zielpublikum ausgerichteten Film auf den Markt werfen, um ordentlich Geld damit zu verdienen. Davon sollten schließlich die Filme entstehen, die man wirklich realisieren wollte, also inszenatorisch und thematisch wesentlich komplizierter und anspruchsvoller, als das, was man hier geboten bekommt. Der Film wurde in der Bundesrepublik zum finanziellen Desaster und nach dem Kinostart relativ schnell indiziert, genießt jedoch heute einen gewissen Kultstatus, vor allem auf dem asiatischen Markt. Hierzulande wurde das Werk nicht einmal kritisch, sondern vornehmlich mit Abscheu besprochen, was nicht nur am Angebot selbst liegen wird, sondern vielleicht auch an der Tatsache, in welche Kloake sich Teile der Fassbinder-Clique begeben hatten. Der Wechsel aus dem gesellschaftskritischen und sezierenden Charakterfach zum unverblümten Exploitation- und Trashfilm mag dabei wie ein Kulturschock gewirkt haben, wenngleich es von Anfang an keine Verwechslungsmöglichkeiten geben sollte. Am Ende kann vielleicht gesagt werden, dass sich Produktion und Regie temporär zu wichtig genommen haben, doch für einen Jahrzehnte später existierenden Kultfaktor, kann man sich im Moment der Erstauswertung nichts kaufen. Die Dramaturgie der Veranstaltung ist simpel und daher effektiv. Sadisten toben sich in der Abgeschiedenheit einer schönen Insel aus und inszenieren sich wie Halbgötter. Das Material Mensch wird auf Arbeits- und Sexmaschinen reduziert und jeder kann ordentlich die Sau herauslassen, sodass Folter und Erniedrigung eine plastische Veranschaulichung finden dürfen. Bereits der Einstieg verbreitet ein Gefühl, bei dem man sich fragt, ob die Wahrnehmung stimmt, aber die zwei hübschen Blondinen, die den Weg in die Hölle ebnen, seien laut Peter Kern nur Gewinnerinnen eines Preisausschreibens bei einer Zeitschrift gewesen, die er dann im Gegenzug für dortige Reklame unterzubringen hatte. Es werden also gleich unmissverständliche Zeichen gegeben: Wer die Insel betritt, wird sofort kaltgestellt. Zwar ärgern sich einige der Schergen über den schnellen Tod der beiden Strandschönheiten, der Zuschauer, dass sie nicht blank gezogen haben, vor allem, weil man sie doch in zahlreiche perverse Fantasien und Praktiken hätte einbauen können. Aber man kann jederzeit auf bewährte Pferde im Stall setzen.

Der Film verliert keine überflüssige Zeit, um sich von seiner Schokoladenseite zu zeigen, immerhin wollte man diesen auch in zehn Drehtagen im Kasten haben, sodass die relevantesten Charaktere vorgestellt werden können. Im Grunde genommen stellen sie sich im Rahmen eindeutiger charakterlicher Abgründe selbst vor, und hier sind vor allem Karl-Otto Alberty, Hans Zander und Barbara Valentin zu nennen, denen das Skript-Diktat dem Empfinden nach auch noch Spaß beziehungsweise keine Mühe bereitet. Umso besser, man nimmt auch gut gelaunte Sadisten in einem derartigen Flick dankend an. Leider hat Udo Kier, der Mann mit der überwältigenden Präsenz und beinahe undefinierbaren Ausstrahlung, einen vorgefertigten Nachteil seiner Rolle zu tragen, denn er darf seine bekannten Kapazitäten zugunsten dramaturgischer Ziele nicht in üblicher Manier abrufen. So fällt das Hauptaugenmerk schnell auf Valentin, Zander und Alberty, die in ihrer Eindimensionalität mit Überzeugungskraft und gepfefferten Dialogen kokettieren werden. Es kommt schließlich viel im Rahmen der neu ausgelegten Todsünden, sexueller Ausschweifungen und menschlichen Abschaums zusammen: Der Diktator verlangt blinden Gehorsam und Loyalität zu ihm und seinem System, was schließlich eins ist. Dabei sind ihm Menschen generell nichts wert und er fällt durch eine völlig perfide und unsentimentale Aura auf. Barbara Valentin als "blutige Olga" ist eine Melange aus Sadismus und Geilheit, wobei sich das eine durch das andere nur potenziert. Ein besonderes Kabinettstückchen liefert schließlich Hans Zander, der dem Begriff Widerwärtigkeit in neue Dimensionen verhilft. Eine derartige Entourage ist das Α und Ω in einer derartigen Produktion, deren Handeln gerne auch mal unmotiviert und nicht immer begreiflich sein darf, denn es muss generell einfach nur krachen. Inszenatorisch ist beinahe überall zu bemerken, dass die Möglichkeiten limitiert waren, aber letztlich entsteht so der besondere Kick des Gezeigten. Im letzten Drittel versucht es die Regie mit einem Allround-Programm aus allem, was recht und billig erscheint, sodass man kleine Pyrotechnik, tiefer als tief sinken, Ekel, okkulten Hokuspokus sowie Action und Tempo, außerdem unkultivierte Dialoge angeboten bekommt. Im Gesamtmenü dürfte für Interessenten solcher Flicks also immer etwas Reizvolles dabei sein, und sei es nur ein plumper Nervenkitzel mit betont primitiv agierenden Beteiligten, die hier zu jeder Schandtat bereit sind, obwohl sie sich vielleicht zunächst nicht im Klaren waren, wo sie überhaupt gelandet sind. "Die Insel der blutigen Plantage" genießt für heutige Verhältnisse zurecht einen gewissen Kultstatus, da er vor allem für bundesdeutsche Verhältnisse als recht gut fotografiertes und unterhaltsames Experiment wahrzunehmen ist, das hierzulande in einer derartigen Form nicht wie am Fließband zustande gekommen ist.

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Prisma
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Romy Schneider

DIE FRAU AM FENSTER


● UNE FEMME À SA FENÊTRE / UNA DONNA ALLA FINESTRA / DIE FRAU AM FENSTER (F|I|D|1976)
mit Philippe Noiret, Victor Lanoux, Gastone Moschin, Delia Boccardo, Martine Brochard, Joachim Hansen, Paul Muller,
Carl Möhner, Neli Riga, Vasilis Kolovos, Camille Piton, Aldo Farina, Sandra Burguy, Jean Martin sowie Umberto Orsini
eine Produktion der Albina Productions | TC Productions | Rizzoli Film | Cinema 77 | im Verleih der United Artists
ein Film von Pierre Granier-Deferre

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»In allen guten Geschichten gibt es immer eine Person, die das Schicksal verkörpert.«


Margot (Romy Schneider), die Marquise de Santorini, führt als Diplomatengattin ein sorgenfreies Leben und darüber hinaus eine offene Ehe mit ihrem Mann Rico (Umberto Orsini). Als im Jahr 1936 in Griechenland ein Staatsstreich stattfindet, um eine Militärdiktatur zu etablieren, werden fortan alle Gewerkschafter und Kommunisten verfolgt. Zu dieser Gruppe zählt auch der Grieche Michel Boutros (Victor Lanoux), den die Marquise eines Abends von ihrem Fenster aus sieht, um ihm schließlich Unterschlupf zu gewähren. Margot verliebt sich in den Dissidenten, doch das Glück ist nur von kurzer Dauer, da seine Verhaftung bevorsteht. Diese Warnung erhält sie von ihrem alten Freund, dem Bauunternehmer Raoul Malfosse (Philippe Noiret), der selbst starke Gefühle für die attraktive Frau entwickelt hat. Allen Gefahren zum Trotz, beschließen Michel und Margot gemeinsam durchzubrennen, doch alles kommt anders. Erst Jahrzehnte später wird sich der Nebel verziehen, der sich um das ungleicheLiebespaar gehüllt hatte …

Die Titelgebung zahlreicher Filme kann sich in kürzester Zeit als Wegweiser für die bevorstehenden Geschichten erweisen, doch in Pierre Granier-Deferres "Die Frau am Fenster" werden in dieser Beziehung zunächst keine deutlichen Aufschlüsse geboten. Wer diese Frau sein wird, ist bereits in den ersten Szenen ersichtlich, denn der Zuschauer bekommt Einblicke durch ein Panoramafenster geboten, welches zahlreiche wunderbare Eindrücke vermitteln wird. Der französische Regisseur und Drehbuchautor artikuliert sich wie so oft durch die Bilder einer Landschaft und sorgt damit für Orientierung. In diesem Fall sprechen die Aufnahmen in Delphi ihre ganz eigene Sprache und deuten eine leidenschaftlich-sinnliche Geschichte der Moderne an, in welcher immer wieder deutliche Bezüge zur griechischen Tragödie auftauchen, was gleichzeitig als düstere Prognose zu verstehen ist. Die idyllischen Bilder wollen hingegen für gegenteilige Eindrücke sorgen, bis es langsam zu einer prosaisch gefärbten Ausgeglichenheit kommt, wofür nicht nur Zeit und Ort verantwortlich sind, sondern auch die schnell integrierten Hauptcharaktere. Als Zuschauer lässt man sich gerne von Pierre Granier-Deferre an die Hand nehmen, auch wenn sich das unbestimmte Gefühl etabliert, dass es kein leichter Weg werden wird. Die zwar in zeitlicher und geografischer Hinsicht sehr präzise gehaltene Geschichte beginnt dennoch im Irgendwo und wird dabei als diffuses Puzzlespiel angeboten, das sich im Rahmen kompliziert angelegter Rückblenden lückenlos zusammenfügt. Erneut wird deutlich, dass Regeln, Normen und Werte im Rahmen kriegerischer Zeiten ausgehebelt werden; es herrschen andere Gesetze, denen man sich entweder beugt oder durch die man gebrochen wird. Dieser Aspekt stellt silhouettenhaft das Elixier dieser bemerkenswert formulierten Geschichte dar, die in den Konturen eines opulenten Ausstattungsfilms fesseln wird, oder zumindest das klassische Potenzial hierfür besitzt.

Um den bevorstehenden Zündstoff anzudeuten, treten immer wieder beiläufige Szenen gewaltsamer Zustände auf. Dies wird bald zu dem Punkt führen, dass auch die ausweglose Leidenschaft einer Frau nicht ausreichen wird, um eine gesamte Armee oder wenigstens bestimmte Personen zur Kapitulation zu zwingen. Katastrophen können naturgemäß viele Gesichter oder Auslöser haben, im Großen und genauso im Kleinen. In "Die Frau am Fenster" tut der Ausnahmezustand des blutigen Staatsstreichs, der viele unschuldige Opfer rekrutieren und zur Strecke bringen wird, das Übrige dazu. Während das Leid der Allgemeinheit eher skizzenhaft gezeigt wird, werden die Dekadenz und Ausgelassenheit der besseren Kreise betont, denen ein wesentlich größerer Fokus eingeräumt wird. Dies alles wirkt wie eine Art Parallelwelt zwischen den Realitäten, in welcher sich auch die Titelfigur behauptet und auf sicherem Terrain bewegt. Noch. Pierre Granier-Deferre bietet trotz eindeutiger Worte, Handlungsweisen und Gesinnungen hauptsächlich Unergründlichkeit an und bemüht nichts Geringeres als das Schicksal selbst, das diese poetische Geschichte vor malerischer Kulisse antreibt. Die erwähnten Rückblenden zeigen eindrucksvoll auf, wie die Liaison zwischen den Hauptfiguren Margot und Michel inmitten größter Gefahren und der oberen Zehntausend - die offensichtlich nicht viel mit Loyalität, Werten oder Idealismus zu tun haben - zustande kommen und ihren verheißungsvollen Verlauf nehmen konnte. Fortan nimmt die Sinnhaftigkeit eines unter Beobachtung oder Kuratel stehen deutlichere Formen an, sodass trotz der sehr ruhigen Verlaufsform subtile Spannungsmomente entstehen können, die allerdings so gut wie nie eine Eruption erfahren dürfen. Im Grunde genommen behandelt die klassisch aufgebaute Geschichte Einzelschicksale im Kollektiv, wenngleich man ebenso ahnt, dass es sich keineswegs um isolierte Fälle handeln dürfte.

Szenen einer progressiven Ehe dominieren den späteren Verlauf, und es ist nicht immer leicht, zu verstehen, wieso "Die Frau am Fenster" einen bevorzugt komplizierten Weg gehen möchte. Begleitet von der melancholischen Musik von Carlo Rustichelli, entsteht eine trügerische Harmonie, die allerdings nur dazu gemacht scheint, in beliebigen Momenten der Ruhe in Stücke zu zerfallen. Auf den Stützen geschichtlicher Zusammenhänge, bereitet Pierre Granier-Deferre ein leidenschaftliches sowie eindeutiges Plädoyer für Hoffnung und Tugenden vor, wenngleich auf visueller Ebene Kontrastprogramme abzulaufen haben. Wie man diese Eindrücke, Prognosen und Katastrophen letztlich deuten möchte, überlässt der Regisseur dem Zuseher, aber zurückbleibt ein bedeutender Film mit unmissverständlicher Aussage, der in dieser Fasson wohl nur unter französischer Flagge konstruiert werden konnte. Beeindruckende Leistungen von Philippe Noiret, Victor Lanoux und Umberto Orsini veredeln diese Produktion in zusätzlicher Weise und es kommen formvollendete Phasen zustande, die außerdem dafür sorgen, dass es zu keinem auffälligen Ungleichgewicht im darstellerischen Bereich kommt, obwohl alles und jeder um Hauptdarstellerin Romy Schneider konstruiert ist. Die Wege von Zuneigung oder Liebe bleiben auch hier ein Stück weit unergründlich, obwohl der exemplarisch angelegte Verlauf dazu animiert, genau verstehen zu wollen. Obwohl es im Film kaum in Worte gefasst wird, bleiben Liebe und Leidenschaft unter Romy Schneider und Pierre Granier-Deferre nicht nur lose Worte, denn die Protagonistin hält wie beinahe immer, was sie verspricht. Ohne Theatralik und unangebrachte Untertöne mündet der Verlauf in ein Finale, das trotz einer Art determinierter Vorhersehbarkeit überraschende und bedrückende Wendungen anbietet, die weitsichtig aufgeschlüsselt wirken und einen Hauch von Geheimnis wahren, welches diesen Film stets umgeben hat.

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Prisma
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DAS CHINESISCHE WUNDER


● DAS CHINESISCHE WUNDER (D|1975)
mit Senta Berger, Peter Pasetti, Christian Kohlund, Kitty Mattern, Gaby Herbst, Lisa Chung Ding Dong, Friedhelm Lehmann, Sabi Dorr, John Wo Chi, Ellen Umlauf,
Margot Mahler, Edith Meinel, Alexander May, Bert Fortell, Herbert Fux, Reinhard Kolldehoff, Elisabeth Karg, Marion Kracht, Ingeborg Steinbach, Bruno W. Pantel
und in der Rolle des Poliakoff Heinz Rühmann sowie Harald Leipnitz
Produktion Cinema 77 | im Verleih der Twentieth Century Fox
ein Film von Wolfgang Liebeneiner

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»Man stirbt an seinem ganzen Leben!«


Nachdem der junge Chirurg Dr. Kristian Keller (Christian Kohlund) keine berufliche Erfüllung finden konnte, kehrt er Deutschland den Rücken und begibt sich nach Hongkong. Während des Fluges ereignet sich ein medizinischer Notfall und Keller befürchtet, dass die Patientin ohne Not-Operation stirbt. Er gelangt an den Punkt, an dem er der Frau nicht mehr helfen kann. Hier kommt es zu einem einschneidenden Erlebnis. Ein alter Mann namens Poliakoff (Heinz Rühmann) rettet die Patientin mit der fernöstlichen Kunst der Akupunktur. Keller ist überwältigt von der wirksamen, aber ebenso einfachen Methode und möchte mehr darüber erfahren, doch die beiden Männer verlieren sich wieder aus den Augen. Noch ahnt er nichts von einem baldigen Wiedersehen …

Die Cinema 77 Beteiligungs-GmbH & Co. zweite Produktions KG machte sich in den 1970er Jahren einen Namen durch das Modell der sogenannten Abschreibungs- oder Steuer-Filme. So nutzte die Filmproduktionsgesellschaft seinerzeit bestehende deutsche Steuergesetze aus, die es solventen Anlegern ermöglichten, Investitionen in Filmprojekte sofort und in voller Höhe von steuerlich abzusetzen. Ob diese Filme schlussendlich indirekt von gemeinen Steuerzahler finanziert wurden, ist durchaus ein interessanter Denkansatz. Eingesammelt wurden Millionenbeträge von privaten Investoren, um etwa ein Großprojekt wie "Das chinesische Wunder" völlig risikominimiert durchfinanzieren zu können. Wolfgang Liebeneiners Beitrag stellt somit ein gutes Beispiel für derartig unverhältnismäßig aufgeblasene Produktionen dar, die in der Regel über spektakuläre Besetzungen, üppige Ausstattungen und ausgiebige Drehs an internationalen Schauplätzen verfügen. Geld spielte wie hier offensichtlich keine Rolle, was völlig konträr zu der Gewissheit steht, dass der Film ein ausgesprochener Flop an den Kinokassen und letztlich ein jeweiliges Millionengrab werden sollte. Auch bei diesem Beitrag erwies es sich als schwer, irgendeinen Verleih ausfindig zu machen, doch mit großer Verzögerung gelangte er Anfang 1977 über die Twentieth Century Fox of Germany in einige Kinos. Die größte Resonanz stellte hierbei lediglich die Verrissfreudigkeit der Kritiker dar. So ist der Film bis heute in der Versenkung verschwunden, obwohl er wie angemerkt über zahlreiche Qualitätsmerkmale und eine Top-Besetzung verfügt, die sich fundamental aus Senta Berger, Peter Pasetti, Christian Kohlund und Heinz Rühmann zusammensetzt. Was sich insgesamt kritisch anhört, stellt bei einem rückwirkenden Aufrollen dieser Praktik jedoch keine dar, denn es ist interessant diese teuer produzierten Vehikel zu Gesicht zu bekommen, da es durchaus weitere Existenzberechtigungen als das steuerliche Modell zu finden gibt. Das Klinik-Setting war allerdings schon aus Rolf Thieles im selben Jahr produzierten Abschreibungsfilm "Frauenstation" bekannt und verfügt im Vergleich über eine eigentlich ansprechende Grundstory, die dennoch schwach umgesetzt ist.

Wolfgang Liebeneiner bekommt das Ganze insgesamt besser als sein immer nach guten Zeitpunkten suchender Kollege Rolf Thiele auf Zelluloid zusammengefasst, da er seinem Produkt nicht dieselbe Wichtigkeit beimisst und das Ganze dem Empfinden nach unprätentiöser angeht. Die Thematik dieses Films ist vom Prinzip her interessant genug, um zahlreiche brisante Fragen aufzuwerfen, die jedoch zugunsten der Eitelkeit der hier zur Schau gestellten Charaktere und der allgemeinen Massentauglichkeit untergeordnet werden. So sind die ersten Eindrücke aus dem Klinikalltag Szenen einer offenbar zerrütteten Ehe, die durch Gleichgültigkeit, Demütigungen, Eiseskälte und Alkohol befeuert werden. Peter Pasetti und Senta Berger bieten hierbei einige gekonnte Kostproben ihres breitfächrigen Repertoires an. Er als Professor der Klinik verweist auf seine Pflicht, seiner Klientel zu dienen: »Du willst die Bedingungen, unter denen ich arbeite, einfach nicht zur Kenntnis nehmen!« Der Zuschauer merkt schnell, dass es sich hierbei nur um eine Halbwahrheit handelt, denn schnell wird auf die persönlichen Eitelkeiten und wenig wissenschaftlichen Ziele des Professors verwiesen, der mit aller Gewalt eine riskante Operation durchsetzen will, die de facto nicht nötig ist, also keine medizinisch vertretbare Indikation hergibt. Er will sich ein nachhaltiges Denkmal setzen, damit er von der Fachwelt bewundert wird. Sein Wunsch auf die Titelblätter der Fachzeitschriften zu kommen, scheint dem Anvisieren von Boulevardmagazinen deutlich untergeordnet zu sein. Genau wie seine Frau Detta, die konkret beschreibt, was ihr in dieser nur noch auf dem Papier bestehenden Ehe am meisten fehlt. Zwar lockert jeder zusätzliche Drink ihre Emotionen insofern, als sie von ihrem Gatten als ordinär und völlig unsachlich wahrgenommen wird, aber es folgt ein weiteres steriles Referat über das, was sie bereits hinlänglich kennt. Senta Berger überrascht mit einer entfesselten Performance, um schlussendlich darauf hinzuweisen, dass ihre Frau Professor am Ende und zu allem bereit ist. »Bin keine Patientin. Bin besoffen!«. Man muss schon schmunzeln, als sie ihre erste Begegnung mit ihrem späteren Liebhaber mit diesen Worten abschließt. Der Professor hingegen verweist auf die gut situierten Verhältnisse und selbstredend darauf, dass seine Frau sich doch jeden Wunsch erfüllen könne, sodass beide klassisch aneinander vorbeireden.

Derartige Streitgespräche wurden in unzähligen Filmen zuvor aufbereitet, doch hier macht das darstellende Duo besonderen Spaß, da man sich betont weit weg vom Gegenpart positioniert. All dies soll von der Thematik her nicht selbstzweckhaft wirken, doch Wolfgang Liebeneiner schafft es aufgrund des durchsichtigen Skripts nicht, diese Strategie zur Vollendung zu bringen. Vielmehr laufen die Dinge plötzlich wie erwartet und das Schicksal darf Richter über die wichtigsten Beteiligten spielen, sodass man sich plötzlich in Hongkong wiederfindet. Hier verschafft Liebeneiner Heinz Rühmann nochmal eine großkleine Bühne. Die erste Zusammenarbeit zwischen beiden kam übrigens erstmals im Jahr 1937 mit "Der Mustergatte" zustande. Zwar ist Heinz Rühmann hier bestenfalls in einer prominenten Stargast-Rolle zu sehen, die vom Umfang her nicht besonders ausfüllend ist, allerdings spielt er einen wichtigen Part, der die Geschichte in neue Bahnen lenken wird. Hinzu kommt, dass ihm eine dicke Portion Star-Bonus zugesprochen wird, bis man sich in ein paar Selbstinszenierungen des gebürtigen Esseners wiederfindet. Zeitweise schwebt die Gewichtung auf dem Thema fernöstlicher Heilmethoden derartig stark über den Köpfen der Zuschauer, dass man beinahe einem Kulturschock aufsitzt, wenn es wieder zurück in die sterile Bundesrepublik geht. Leider wirkt insgesamt alles recht konstruiert, sodass es zu keinen signifikanten Überraschungsmomenten kommen wird, bis auf eine: Es schimmern interessante (gesellschaftskritische und bis heute aktuelle) Ansätze hervor, die zu simpel und beinahe gewaltsam zu einem behäbig und mutlos wirkenden Massenprodukt modelliert werden. Das anfängliche Tempo kommt insbesondere gegen Ende zum Erliegen, spielt sich daher hauptsächlich in Fernost ab und am Ende offenbart sich ein Finale, welches bei so viel vorhergegangener Uneinigkeit einfach nur als unbefriedigend zu beschreiben ist. Ob es der durchaus existierenden Romanvorlage zuzuschreiben ist, den Vorgaben der Produzenten oder der zu bequemen Regie, wird hier wohl immer ein deutsch-chinesisches Geheimnis bleiben. Ansonsten bleibt ein temperamentloses Tauziehen zwischen Schul- und Komplementärmedizin, das insgesamt gesehen nicht über interessante Ansätze hinauskommt.

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● UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN (D|1971)
mit Alain Noury, Konrad Georg, Judy Winter, Horst Tappert, Doris Kunstmann, Horst Frank, Heinz Moog, Eva Zilcher, Paul Edwin Roth, Peter Pasetti, Herbert Fleischmann,
Heinz Baumann, Jochen Brockmann, Friedrich Georg Beckhaus, Bruno Dallansky, Klaus Schwarzkopf, Karl Walter Diess, Franz Elkins, Mascha Gonska sowie Ruth Leuwerik
eine Luggi Waldleitner Produktion der Roxy Film | im Constantin Filmverleih
ein Film von Alfred Vohrer

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»Schade, dass es diese Frau nur einmal gibt!«


Der argentinische Chemiker Rafaelo Aranda wird in Wien von der Buchhändlerin Valerie Steinfeld (Ruth Leuwerik) vergiftet, die anschließend Selbstmord begeht. Die beiden verbindet anscheinend nichts, was den Fall für Hofrat Groll (Heinz Moog) noch undurchsichtiger macht. Als Arandas Sohn Manuel (Alain Noury) in Wien eintrifft, ist er fest entschlossen, den Fall aufzuklären, doch die Geheimdienste der Vereinigten Staaten, Sowjetunion und Frankreich heften sich gleich an seine Fersen und versuchen mit allen Mitteln, die Aufklärung der Angelegenheit zu verhindern. Oder steckt noch mehr dahinter? Manuels Recherchen führen ihn weit in die Vergangenheit und plötzlich auch zu der Mörderin seines Vaters, Valerie Steinfeld …

Alfred Vohrers Wechsel von der Berliner Rialto Film zur Münchener Roxy Film stellte für die deutsche Kinolandschaft eine deutliche Zäsur dar, wenngleich man diese Beschreibung keineswegs negativ auslegen sollte. Vohrers Vormachtstellung und eine durchaus einseitig entstandene Dominanz bei der immer noch laufenden Edgar Wallace-Reihe wurde beendet, um sich anderen Projekten widmen zu können, immerhin lag es auf der versteckten Hand, dass die Reihe nicht ewig laufen würde. So kann festgehalten werden, dass neue Besen nicht nur sprichwörtlich gut kehren, und es kam ein neuer Wind im beinahe einseitig bedienten Kino zustande. Der Stuttgarter Regisseur brachte es in einer Art neuen Domäne auf eine beachtliche Anzahl von Literaturverfilmungen, unter dem Banner Johannes Mario Simmel übernahm er sogar bei sechs Filmen die Regie. Der Startschuss kann mit "Und Jimmy ging zum Regenbogen" als überaus glücklich gewählt und insgesamt mehr als gelungen bezeichnet werden, denn ein erfahrener Handwerker wie Alfred Vohrer schafft es auch hier, die wichtigen Fundamente der Unterhaltung miteinander zu vereinen. Die Produktion wurde mit der "Goldenen Leinwand" ausgezeichnet und konnte sich mit ungefähr 4 Millionen Besuchern im Jahresranking der erfolgreichsten deutschen Kinofilme auf Platz drei behaupten. Außerdem wurde ihm das Prädikat "wertvoll" verliehen, um zusätzlich die Spielfilmprämie des Innenministeriums in Höhe von 200.000 D-Mark zu erhalten. Der Constantin Filmverleih wählte bei der Vermarktung eine Bewerbungsstrategie, die radikal über den Autor forciert wurde und offensichtlich aufging. Für filmische Umsetzungen nach Johannes Mario Simmel steht zunächst oft auf der Agenda, die teils komplizierte Rückblenden- und Personen-Struktur zu entschlüsseln und so herzurichten, dass sie vom Publikum leicht konsumiert werden kann. Hierfür war Vohrer der richtige Mann, der nicht nur über die nötige Erfahrung beim Inszenieren von Kino-Hits hatte, sondern auch das Verständnis für Zuschauerinteresse und entsprechende Kompatibilität. Es gilt, einen beinahe kindlich-poetisch klingenden Titel zu dechiffrieren, der im Verlauf noch spannende Rätsel und Brisanz der Vergangenheit und Gegenwart bereithalten wird, was in Verbindung mit Alfred Vohrers Handschrift blendend aufgeht.

Die Regie greift auch hier auf eine bewährte Entourage zurück, jedoch nicht, ohne diese bedeutend zu erweitern. Dies gilt vor allem für die jungen Akteure und insbesondere für den Franzosen Alain Noury, der seinerzeit als eines der hoffnungsvollsten europäischen Talente gehandelt wurde, jedoch nie den ganz großen Durchbruch erzielen sollte. Manuel Aranda wird gleich nach Ankunft am Wiener Flughafen in eine unübersichtliche Situation platziert, die von den Geheimdiensten der Großmächte orchestriert wird. Seine Liquidierung scheint beschlossene Sache, sodass von Anfang an große Zustände der Hochspannung forciert werden können. In letzter Minute muss ein anderer Kopf rollen, sodass die Geschichte minutiös aufgerollt werden kann. Am Ende muss das Publikum akzeptieren, dass man es nur mit einer Schachfigur in einer Partie zu tun hat, die der Kaltblütigkeit und Übermacht der Offiziere vielleicht nicht gewachsten sein wird. Manuel möchte den Tod seines Vaters aufklären, dessen Vergiftung fällt völlig aus dem Zusammenhang, die dafür verantwortliche Person umso mehr. Ein Film wie dieser, der auf modellierende Rückblenden bauen muss, um wichtige Charaktere der Vergangenheit vorstellen zu können, braucht eine gute Strategie, um eine flüssige Verknüpfung herzustellen. Der Zuschauer wird zurück in die Zeit des Nationalsozialismus geführt, um unschuldige Opfer und pathologische Täter kennenzulernen, die den Lauf der Dinge bestimmen. Einige der Schauspieler übernehmen dabei die Funktion, die Vergangenheit ebenso wie die Gegenwart zu repräsentieren und maßgeblich zu beeinflussen. Hier ist vor allem die damals Mitte 20-jährige Judy Winter zu erwähnen, für die die Rolle der Nora Hill als großer Durchbruch gewertet werden kann. Winter musste in den aktuellen Szenen als über 50-jährige Frau zurechtgemacht werden, was eine besondere Form fesselnder Momente fabriziert, denn diese Dame hat allerlei zu berichten, könnte alles mit einem Schlag aufklären, wenn sie wollte oder besser gesagt dürfte. Doch auch sie ist im Würgegriff der Geheimdienste, insbesondere des Sowjetischen. Dessen Kopf wird von einem wie immer großartigen Peter Pasetti dargestellt, dessen Kult um Nora Hill aus Nutzung und Erpressung besteht, wenngleich der eigentliche Ursprung reine Bewunderung ist.

Dem Sprichwort nach heile die Zeit alle Wunden, doch hier werden unaufhörlich neue, klaffende Verletzungen aufgerissen. Die Wahrheitsfindung fordert hohe Konzentration und Aufwand, aber ebenso Vorsicht, denn niemand ist mehr seines Lebens sicher, falls anzunehmen wäre, dass es zu peinlichen Indiskretionen kommen könnte. Darstellerisch bekommt man Unterhaltung auf höchstem Niveau geboten, was sich bis in die kleinen Nebenrollen abbildet. Hervorragend agieren Konrad Georg, Horst Tappert, Heinz Moog, Horst Frank, Paul Edwin Roth, Friedrich Georg Beckhaus, Jochen Brockmann, Klaus Schwarzkopf sowie Eva Zilcher oder Doris Kunstmann. Bei aller ausgiebigen Aufzählung ist man allerdings schneller fertig, wenn betont wird, dass sich keinerlei schwache oder unangepasste Leistungen im Szenario finden lassen. So gut wie jede der Personen behält dabei den Charakter einer Schlüsselfigur inne, was vor allem für den großen Besetzungs-Clou Ruth Leuwerik gilt, welche hier nach jahrelanger Leinwand-Abstinenz wieder vor der Kamera agiert. Valerie Steinfeld löst eine stillgelegte Kettenreaktion wieder aus, die mit Mord beginnt und mit Gleichem aufzuhören hat. Alfred Vohrer inszeniert aufwändig und erklärend, sodass dem teils verschlüsselt wirkenden Verlauf leicht zu folgen ist. Überraschende Wendungen, noch überraschendere Mosaiksteine, die diese Geschichte zu einem Gesamtbild zusammenfügen und der Blick in eine dunkle Zeit machen "Und Jimmy ging zum Regenbogen" zu einer in allen Belangen gelungenen Roman-Adaption, die wie die Vorlage zum Bestseller wird. Die weitreichende Stringenz durch Manfred Purzers Drehbuch, die Kopplung mit der hochwertigen Kamera-Arbeit von Charly Steinberger und die wunderbare Musik von Erich Ferstl lassen diesen Film formvollendet erscheinen, vor allem wenn man das übliche deutsche Kino-Angebot dieses Zeitfensters betrachtet. Der Film verfügt über gut 130 Minuten ausladender und fordernder Unterhaltung und setzt schlussendlich auf eine teils zehrende Dialogarbeit, die den ein oder anderen abschrecken könnte. Als Grundstein für weitere Verfilmungen von Johannes Mario Simmel setzt Alfred Vohrer eine sehr hohe Messlatte für sich selbst an, die nicht nur von der Stärke der Vorlage ausgeht, sondern gleichermaßen vom Geschick des Regisseurs. Sehenswertes Bestseller-Kino.

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Prisma
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Re: DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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● DER GRÜNE BOGENSCHÜTZE (D|1960/61)
mit Klausjürgen Wussow, Karin Dor, Eddi Arent, Harry Wüstenhagen, Stanislav Ledinek, Wolfgang Völz, Heinz Weiss,
Edith Teichmann, Hans Epskamp, Georg Lehn, Hela Gruel, Karl-Heinz Peters, Sigrid von Richthofen und Gert Fröbe
ein Rialto Film Preben Philipsen | im Constantin Filmverleih
ein Film von Jürgen Roland

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»Die Fratze hab ich mir gemerkt!«


Auf Garre Castle, dem Anwesen des amerikanischen Millionärs Abel Bellamy (Gert Fröbe), geschieht ein Mord mit Pfeil und Bogen, sodass die Presse die Legende des sogenannten grünen Bogenschützen wieder reanimiert, der dort sein Unwesen getrieben haben soll. Inspektor Featherstone (Klausjürgen Wussow) soll diesen nebulösen Fall aufklären, stößt allerdings nicht auf die Kooperationsbereitschaft des mürrischen Schlossherrn. Als der Fall rund um Bellamys Schloss stagniert, streckt Featherstone seine Fühler in andere Richtungen aus, sodass die Spur in einen einschlägig bekannten Nachtclub führt, in welchen man die Nachbarin und Nichte Bellamys namens Valerie Howett (Karin Dor) entführt hat. Als der erste Mordanschlag auf den Inspektor folgt, weiß er, dass er auf der richtigen Spur ist …

Nach dem unerwartet erfolgreichen Start der Reihe verpflichtete man im Hause Rialto erneut Jürgen Roland, der bereits mit seinem Debüt "Der rote Kreis" für Aufsehen sorgen konnte. Es ist auffällig, dass der Hamburger Regisseur bei "Der grüne Bogenschütze" einen vollkommen anderen Weg als bisher einschlägt, da der Film im Gros eher einer Art Krimi-Persiflage ähnelt, und die jungen Markenzeichen der Serie weitgehend ignoriert. So kommt es zu einer Atmosphäre, die aufgrund eines alten Gemäuers, geheimer Katakomben, einer dubiosen Hafenbar und vieler weiterer interessanter Schauplätze, sehr ansprechend geraten ist und für leichte Gruselzustände sorgen kann, was allerdings vollkommen von einer kaum nachzuvollziehenden, humorigen Note unterwandert wird, die den Film harmlos und teilweise strapaziös wirken lässt. Jürgen Roland trägt in etlichen Szenen zu dick auf, um rote Linien des Kriminalfilms ungünstig aufzuweichen, sodass dieser Beitrag bestenfalls als Mittelmaß, womöglich eher noch als eines der Schlusslichter in das Wallace-Ranking eingeht. Hervorragende Grundvoraussetzungen erfahren hier leider keinen Brillantschliff, sodass dem Empfinden nach etwas Unvollkommenes zurückbleibt, das hier und da in andere Richtungen hätte laufen dürfen. Diese Adaption nach dem gleichnamigen Roman von Edgar Wallace stellt seine Weichen bereits zu Beginn in eine Richtung, die von den vorhergegangenen Beiträgen abweicht, da es zu plumpem Overacting oder direktem Ansprechen des Publikums kommt. Die Grundlage atmosphärischer Dichte wird schnell unterwandert, kann daher bei Folgeversuchen nicht intensiviert werden, was zu seichten Eindrücken führt, die sich auch auf die grüne Titelfigur übertragen, von der kaum eine Bedrohung auszugehen scheint, obwohl sie mordet.

Warum also schwächelt diese Figur in einem so erheblichen Maß? "Der Grüne Bogenschütze" ist leider dazu verurteilt, nicht ganz ernst genommen zu werden, wofür die uneindeutige Strategie der Regie verantwortlich ist. Vielleicht liegt es an den hauseigenen Vergleichen, in denen Verbrecherfiguren ihr Unwesen trieben, die bislang äußerst stark inszeniert waren und von denen tödliche Gefahren ausgingen, die sich wie ein Schatten über das jeweilige Szenario legen konnten. In dieser Geschichte schlägt der Mörder mit Pfeil und Bogen zu, doch verschwindet dem Empfinden nach wieder zu schnell in der Deckung, gar der Versenkung, da man sich zu sehr auf Nebensächlichkeiten und Nebenhandlungen im Gewand von Haupthandlungen konzentriert. Hinzu kommt die übermächtige Figur des Abel Bellamy, die dem Titelschurken und wichtigen Charakteren oftmals den Rang abläuft, da Gert Fröbe zu Hochtouren aufläuft. Die Geschichte beginnt mit einem Mord in bester Wallace-Gruselatmosphäre, doch auch das alte Schloss und das tosende Gewitter kann diese Eindrücke nicht aufrechterhalten, da die anwesenden Personen - Harry Wüstenhagen, Sigrid von Richthofen, Henry Lorenzen und Eddi Arent - sie unterminieren, obwohl Arent das Publikum offensiv mit der Ankündigung anspricht, dass es wohl doch ein hübscher Film daraus werden dürfte. Jürgen Roland begeht in diesen ersten Minuten den Kardinalfehler, die Distanz zum Verlauf gleich ab- und aufzugeben und unfreiwilliger Komik zum Überholmanöver zu verhelfen. Leider werden diese gut 90 Minuten immer wieder auf derartige Einfälle zurückkommen, die sicherlich gut gemeint waren und originell wirken sollten, doch es kommt zu gegenteiligen Eindrücken, die der Veranstaltung den kompletten Zauber und eine Art Märchencharakter nehmen.

"Der grüne Bogenschütze" bleibt somit in einer bestimmten Grauzone des Genres, und der Film spricht vielleicht erstmals nicht das breite Publikum an, das sonst leicht einzukassieren war. Glücklicherweise verfügt die Produktion über einen weitgehend sehr guten Cast. Klausjürgen Wussow und Karin Dor sind bereits in ihrem jeweils zweiten Wallace-Auftritt zu sehen und machen hier eine blendende Figur, zumal ihre Parts auf eine ungewöhnlich starke Wandlungsfähigkeit ausgelegt sind. Ihre völlig unterschiedlichen Entwürfe zu den bereits dagewesenen Rollen nimmt man somit gerne an, auch das unübersehbare Knistern zwischen beiden wirkt prickelnd und wertet den teils recht trockenen Verlauf zusehends auf. Für Wussow handelt es sich leider um die letzte Verpflichtung innerhalb der Reihe, der jeweils unter Roland spielte, und sein unkonventioneller Ermittler bleibt in angenehmer Erinnerung. Karin Dor geht als Valerie Howett einen bedeutenden Schritt weiter und legt das Image der bedrohten Schönheit ein wenig ab, da sie selbstbewusster und moderner wirkt. Zwar fällt sie den ausgewiesenen Schurken hier noch in die Hände, aber es entsteht nie der Eindruck von schmückendem Beiwerk, welchem man zu ihrem Glück verhelfen muss. Eddi Arent wird sehr viel Screentime zuteil, was dem kompletten Film unterm Strich effektiv schadet, da sein Humor nur wie eine andere Sau durchs Dorf getrieben wird. Diese strapaziösen Einlagen werden im Bereich Humor durch ansprechende Leistungen von Harry Wüstenhagen und Edith Teichmann ausgeglichen, von Wolfgang Völz wiederum verschärft. Schlussendlich kommt es nie zu einer ausgewogenen Dosierung, sodass der Verlauf in diesem Bereich schnell steht oder fällt - je nachdem, wie man Humor oder Situationskomik selbst definiert.

Die Seite der offenkundigen Bösewichte zeigt sehr aussagekräftige Gesichter. Stanislav Ledinek besticht mit einer nahezu abstoßenden Performance und wirkt bedrohlich genug, um etwas Spannung aufkommen zu lassen, aber im Endeffekt führen hier alle Wege zu Gert Fröbe, der durch ungehobeltes und vor allem ungeduldiges Verhalten auffällt. Abel Bellamy wirkt so, als könne er jederzeit wegen Kleinigkeiten in die Luft gehen, aber er hütet auch ein Geheimnis um seine Person, dessen Auflösung der Schlüssel zum Ganzen sein dürfte. Fröbes Negativ-Spiellaune gehört zu den besten Interpretationen der frühen Phase und wird zum Aushängeschild dieser Produktion, die durch ihn eine deutliche Aufwertung erfährt. Unterm Strich gelingt der dramaturgische Spagat zwischen heiteren bis wolkigen Momenten nicht besonders gut, da kaum Spannung und Action aufkommen will. Eher glaubt man sich als Zuschauer permanent in Sicherheit zu wiegen, dass den Protagonisten der Geschichte schon nichts passieren wird, immerhin erzählt die eigenartige Gag-Dichte von nichts anderem. Unklar bleibt auch die Motivation gewisser Personen, die hier bereit waren, zu äußersten Mitteln zu greifen, allerdings fallen diese Mankos auch nicht mehr so schwer ins Gewicht, da der Film als Wallace-Kracher insgesamt durchfällt. Schlussendlich tat man nicht gut daran, eine derartig verkappte Strategie der halben Sachen in der Hoffnung einzuschlagen, das Publikum schon irgendwie zufrieden stellen zu können. "Der grüne Bogenschütze" kann zwar in Basisbereichen überzeugen, allerdings nicht im Gesamtbild, da zu viel des Potenzials liegen gelassen, beziehungsweise umgepolt wurde. Nach diesem Ausrutscher wundert es schließlich nicht, dass Regisseur Jürgen Roland mit keiner weiteren Regie-Arbeit mehr betraut wurde.

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Prisma
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Re: DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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KENNST DU DAS LAND WO BLAUE BOHNEN BLÜHN?


● LO CHIAMOVANO TRESETTE... GIOCAVA SEMPRE COL MORTO / KENNST DU DAS LAND WO BLAUE BOHNEN BLÜH'N? (I|1973)
mit George Hilton, Cris Huerta, Umberto D'Orsi, Sal Borgese, Nello Pazzafini, Dante Cleri, Rosalba Neri und Ida Galli
eine Produktion der Lea Film | im Constantin Filmverleih
ein Film von Giuliano Carnimeo

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»Meine Herren, ein paar Zähne werden vermisst …«


Tresette (George Hilton) muss sich immer wieder mit seinem Erzfeind Veleno (Antonio Monselesan) herumärgern, und bleibt daher mit seinem Schießeisen gut in der Übung. Neben den üblichen Keilereien und Duellen mit seinen Kontrahenten stolpert er über ein äußerst lukratives Geschäft, das ihm gleichzeitig die Zusammenarbeit mit dem falschen Sheriff Bambi (Cris Huerta) einbringt. Die Männer sollen einen Goldtransport nach Dallas eskortieren, der sich aber zunehmend als gefährlich herausstellt, da zahlreiche Banditen ihre Fährte aufgenommen haben. Auch der zwielichtige Bankier Pearson (Umberto D'Orsi) hat seine eigenen Pläne mit dem Gold und will Tresette und seinen Kompagnon für seine Zwecke einspannen …

»Es ist viel einfacher, 'ne Frau zu finden, als 'nen Vorwand für eine deftigere Keilerei!« Der Vorspann dieser von Giuliano Carnimeo inszenierten Western-Komödie scheint genügend Vorwand für die besagten Keilereien darzustellen, und schnell fühlt man sich durch gut choreografierte Hau-drauf-Action und flotte Sprüche in einem Saloon über die Marschrichtung dieses Beitrags orientiert. Der Titel "Kennst du das Land, wo blaue Bohnen blühn?" kündigt somit nicht nur die humorvolle Note dieses im Jahr 1973 hergestellten Streifens an, sondern auch die Tatsache, dass man es mit vielen blauen Bohnen, also ordentlichem Kugelhagel zu tun bekommen wird. Die musikalische Begleitung und die eindeutig komödiantisch gefärbten Dialoge kreieren eine Note, die betont unernst bleiben will und somit für den guten Ton dieser Produktion steht. Beiträge derartigen Kalibers polarisieren innerhalb der Fangemeinde ganz naturgemäß, schließlich gibt es dutzende Beispiele für das Scheitern solcher Auflockerungsversuche, denn oftmals wurde keine optimale Balance zwischen den Bereichen des Humors und einer interessanten Inszenierung gefunden. Giuliano Carnimeos Spielfilm zählt bestimmt zu den angenehmeren Vertretern dieser Zunft, doch auch er liefert kein Patentrezept für eine runde Angelegenheit. Zunächst lässt sich einmal feststellen, dass hier eine sehr tatkräftige Crew zur Verfügung steht, die sich dem Konzept des Films ausgesprochen effektiv anpasst oder wenigstens beugt. Viele kurzweilige Strecken und eine absurd verspielte, aber gleichzeitig eher dünne Geschichte, sind die gewinnbringenden Zutaten für das Funktionieren dieser Story, die mit vielen gelungenen Gags und einer schmackhaften Würze aufwarten kann. Natürlich bleibt es bei dieser geballten Ladung nicht aus, dass es in diesem Zusammenhang auch zu etlichen Fehlzündungen kommt, aber im Ganzen stellt sich kaum das Gefühl ein, dass in unerträglicher Art und Weise über das Ziel hinausgeschossen wird.

Der Grund, weshalb die Architektur des Klamauks im Westerngewand weitgehend funktioniert, ist nicht zuletzt auf die beiden gut aufgelegten Hauptdarsteller George Hilton und Cris Huerta zurückzuführen, die sich in ihren vielen gemeinsamen Szenen nichts schenken werden. Im Grunde genommen kann das turbulent angelegte Katz-und-Maus-Spiel so gut funktionieren, da die von ihnen dargestellten Charaktere Tresette und Sheriff Bambi wie Hund und Katze agieren; natürlich ausstaffiert mit viel Wortwitz und Albernheiten aus dem Reich der Klamotte. Bei George Hilton sieht es sogar so aus, als habe er einen gewissen Spaß an der Sache, sodass man ihm den Ausflug in komödiantische Gefilde recht gut abnehmen kann. Dasselbe gilt für seinen permanent gereizt wirkenden Partner Cris Huerta, der insbesondere mit den Fäusten zu sprechen weiß, weswegen es immer wieder zu rasanten Schlägereien kommt, die den Verlauf amüsant auflockern. Das ungleiche Duo ist sich insgesamt nicht zu schade für jegliche Art der Maskerade und vornehmlich von George Hilton geht die größere Finesse aus, die dem Verlauf locker und leicht über die Ziellinie verhilft. Hinzu kommt, dass vor allem von Tresette eine im Western aller Couleur gerne verwendete Omnipotenz ausgeht, die den reichlich vorhandenen, verbrecherischen Abschaum in die Schranken weisen wird, wo es nur möglich ist. Im vorliegenden Fall läuft das Ganze über die Humor-Schiene und wird somit größter Bestandteil der zugegebenermaßen etwas substanzlosen Geschichte. Unter Regisseur Carnimeo geht es jedoch vielmehr um das Kreieren von Sympathien, die immer wieder aufs Neue spielend zu greifen wissen. Interpreten wie Umberto D'Orsi, Sal Borgese oder Nello Pazzafini fügen sich mitunter bis zur Selbstaufgabe in dieses Konzept ein, um die Gegenseite der Zuschauer-Gunst zu bedienen, außerdem bekommt man es mit einem interessanten Auftritt der Italienerin Ida Galli zu tun, der es wert ist, genauer unter die Lupe genommen zu werden.

Das Gleiche gilt sicherlich auch für den im Italowestern erprobten Regisseur Giuliano Carnimeo, der mit "Kennst du das Land, wo blaue Bohnen blühn?" einen der Beiträge inszenierte, die auf der Klamauk-Skala ganz weit oben stehen. Bei derartigen Experimenten ist es verständlicherweise so, dass sie nicht jedermanns Sache sind, und auch hier ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der Film aufgrund seiner hohen Gag-Dichte einfach durchfällt. Dennoch muss man es der Inszenierung lassen, dass sie sorgsam gestaltet ist und den eigenen Anspruch hält, ihre Unterhaltungsambitionen an den Mann zu bringen. Die eigene Erfahrung bestätigt, dass der Film bereits nach der zweiten Sichtung etwas verliert, da der interne Wiedererkennungswert einfach zu hoch ist. So stützt man sich schnell auf Inhalte, die das Genre unter anderem ausmachen, wie beispielsweise die musikalische Untermalung, atmosphärische Schauplätze und charakteristische Sets, außerdem auf die hier zur Verfügung stehende Crew vor, hinter und fernab der Kamera. Zahlreiche Inhalte wissen in ihrer Intensität zu strapazieren, wie beispielsweise einige Running Gags, die ihren Zenit schnell überschritten haben oder einfach zu dick aufgetragen wirken. Im rein handwerklichen Bereich ist der Film insgesamt sehr gelungen, vor allem die Dynamik der Kamera verhilft vielen Pointen zu noch deutlicheren Konturen. Für das Gelingen dieser Gangster-Geschichte mit heiterem Anstrich sorgt aber vor allem das Duo George Hilton und Cris Huerta, deren oft wenig subtil angelegter Humor sich immer wieder geschickt voneinander emanzipiert, um schlussendlich zu einer geballten Einheit zu werden. In "Kennst du das Land, wo blaue Bohnen blühn?" sprechen also weniger die rauchenden Colts, sondern die flotten Sprüche, die vielen Zuschauern zwar den letzten Nerv rauben, anderen die Zeit jedoch angenehm vertreiben dürften. »Humor ist, wenn man trotzdem lacht«, lautet die vielleicht versöhnliche Devise, die für Fans dieses Beitrags aber kaum gelten dürfte.

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Prisma
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Re: DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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● DER FLUCH DER GRÜNEN AUGEN / BLUTRAUSCH DER VAMPIERE / DIE GROTTE DER LEBENDEN TOTEN (D|JUG|1964)
mit Adrian Hoven, Karin Field, Carl Möhner, Erika Remberg, John Kitzmiller, Emmerich Schrenk und Wolfgang Preiss
eine Produktion der Objectiv Film | Triglav Film | im Schneider Filmverleih
ein Film von Ákos von Ráthonyi

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»Sie glauben nicht an Vampire?«


Eine Mordserie erschüttert ein kleines Bergdorf auf dem Balkan, bislang wurden sieben junge Frauen tot aufgefunden. Nach der Bitte um internationale Hilfe entsendet Interpol Inspektor Frank Doren (Adrian Hoven), der diesen unmlichen Fall rasch aufklären soll. Sein geplantes Inkognito geht allerdings völlig daneben und schon bald weiß jeder, weswegen er anwesend ist. Bei seinen Nachforschungen fallen ihm gewisse Umstände auf, die einen neuen Todesfall ankündigen. Zunächst fällt jedes Mal der Strom im Dorf aus, dann verschwinden die Leichen im Schutze der Dunkelheit unmittelbar nach den Morden. Doren findet unter den Einheimischen sehr eigenartige Zeitgenossen, die sich jeweils verdächtig benehmen und bei einer alten Wahrsagerin fällt schließlich das Schlagwort Vampire. Die mysteriösen Vorgänge führen den Ermittler schließlich zu Professor von Adelsberg (Wolfgang Preiss) der sich in seinem Schloss der Forschung verschrieben hat. Doch dem Wissenschaftler eilt eine kollektive Angst voraus, denn so gut wie jeder der Bewohner vermutet in seinem Schloss und der darunterliegenden Grotte den Schlupfwinkel der Vampire …

Ákos von Ráthonyis Horror-Beitrag entstand zu einer Zeit, in der die Kriminalwelle insbesondere durch die Edgar-Wallace-Verfilmungen Hochkonjunktur hatte. Der Versuch, ein anderes Genre auf Basis bestehender Sehgewohnheiten für den deutschen Kinogänger zu etablieren, ist mit diesem ungewöhnlichen Experiment jedoch gescheitert, da dieser Beitrag ziemlich uneigenständig und in vielerlei Hinsicht auch nicht selbstbewusst genug ist. Als geneigter Zuschauer verfrachtet man derartige Filme jedoch gerne in die Kategorie »gerne gesehen«, weil es auch hier manchmal kaum zu glauben ist, dass die Produktion unter diesen Voraussetzungen und vor allem als fertiges Endprodukt genau so in die Kinos kam, wenn ein Flop aus zahlreichen Gründen doch determiniert erscheint. Die deutschen Verleihtitel sprechen Themen an, die man hier nur äußerst bedingt finden, wenn nicht sogar vergeblich suchen wird, und mit dem zugegebenermaßen wohlklingenden Originaltitel "Der Fluch der grünen Augen" stellt sich ganz bewusst ein Wallace-Bezug wie etwa zu "Der Fluch der gelben Schlange" her, um mögliches Publikum abzugreifen. Die Strategie ging dem Vernehmen nach alles andere als auf, und zurückbleibt eben ein Einzelgänger der möglicherweise Vorreiter sein wollte. Lässt man die Inszenierung Revue passieren, stellt sich eigentlich sehr schnell heraus, dass die Rahmenhandlung bis hin in die Details vollgestopft mit gängigen Klischees ist, die in lediglich aufgewärmter Form nicht so recht ankommen wollen. Das große Ausleihen von Inhalten aus noch größeren Klassikern treibt in Ákos von Ráthonyis daher nur recht konventionelle Blüten und schließlich fühlt man sich bestenfalls lediglich nach Krimi-Richtlinien unterhalten. Ein paar ungewöhnliche Register werden angesichts des bestehenden Zeitfensters gezogen, so geht es beispielsweise beim Thema Nacktheit hier und da deutlich über Andeutungen hinaus.

Aufgrund der Tatsache, dass vieles nicht recht zusammenpassen will, kommt es unterm Strich zu einem eigenartigen Profil. Zu Beginn geht es gleich Schlag auf Schlag, denn die Informationsflut ist hoch und die Irreführung groß. Der Regisseur selbst spendiert sich einen Cameo-Auftritt und die Fahrt ins Ungewisse kann für Adrian Hoven losgehen. Auffällig beim einsetzenden Vorspann ist die Titelmusik von Herbert Jarczyk, die sich in ihrer jazzigen Art und Weise vielleicht in einem Jugend-Drama mit passender Scheunenparty wohlgefühlt hätte. In anderen Szenen, wenn Schatten umherschleichen und Morde geschehen, passt die elektrisch aufgeladene Untermalung allerdings sehr gut und es ist erstaunlich, wie es zu solch signifikanten Unterschieden kommt. Die Besetzung präsentiert sich als ein Konglomerat aus bekannten Namen, neuen Gesichtern und der zweiten Garnitur. Adrian Hoven, nach persönlichem Ermessen so häufig wie auch hier fehlbesetzt, liefert kaum neue Impulse um einen ansprechenden Eindruck hinterlassen zu können. Wie schon beispielsweise in "Das Rätsel der roten Orchidee" stellt man sich mit Vorliebe dutzende andere Darsteller vor, die diesen Part hätten überzeugender interpretieren können. Ihm fehlt Schwung und Vehemenz, sodass er niemanden beeindrucken außer einer Dame in der Geschichte kann, wenn auch nur auf dramaturgischer Basis. Diese wird gespielt von der damaligen Neuentdeckung Karin Field, die bislang noch jeden Film bereichern konnte. "Der Fluch der grünen Augen" stellt nicht nur ihren ersten Kinofilm dar, sondern diese Partizipation ebnet auch gleichzeitig das unumstößliche Rollenprofil der attraktiven Schauspielerin, bis auf wenige Hauptrollen und einige belanglose Einsätze konnte sie sich leider nur einseitig, wenn auch konsequent in der Branche etablieren. Aber auch hier gilt: Ein Karin-Field-Film ist stets ein guter Film.

Von Carl Möhner, Emmerich Schrenk, Erika Remberg und dem vor allem in Europa bekannten amerikanischen Interpreten John Kitzmiller sieht man routinierte Darbietungen, sie arbeiten aber auch gleichzeitig das wässrige Element der Dramaturgie heraus. Was bei den meisten Beteiligten nur nach Ahnungen aussieht, wird bei Wolfgang Preiss zum Corpus Delicti, denn er wirkt dieser hier angebotenen Rollenschablone alles andere als angepasst. Mit wenig Überzeugungskraft und empfundener Gleichgültigkeit agiert der sonst so präzise und verschlagen wirkende Herr leider weitgehend blass und es ist viel von der anvisierten Wirkung verschenkt. Stilistisch und inszenatorisch betrachtet man nüchtern also ein Wechselbad der Qualitätsebenen doch es soll auch nicht verschwiegen werden, dass der Verlauf zahlreiche Momente offenbart, die wirklich gelungen sind. Hier und da kommt die gewünschte Grusel-Atmosphäre auf und es entstehen ein paar beunruhigende Strecken. Vor allem die Schauplätze sind angemessen eingefangen worden, zu nennen sind vor allem die Szenen in der unterirdischen Grotte, doch insgesamt bekommt wird man etwas zu spärlich mit der potenziellen Würze des Hauptthemas versorgt. Großer Pluspunkt bleibt nach persönlichem Ermessen also wieder einmal der transportierte Mut der Verzweiflung, denn die offensichtliche Hoffnung auf Erfolg bei einem vorprogrammierten Flop ist nicht genügend zu würdigen. Was bleibt ist sozusagen ein grauer Farbtupfer in der zeitgenössischen deutschen Kino-Landschaft, der unterm Strich wenigstens einen diffusen Unterhaltungswert mit ausreichend Charme bieten kann. Ob man Ákos von Ráthonyis unorthodoxes Kriminal-Horror-Gebräu einmal probiert haben muss, bleibt letztlich die entscheidende Frage, denn nach diesen zahlreichen gegensätzlichen Eindrücken ist es kaum mehr möglich, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Daher bleibt das Fazit ganz im Sinne der Strategie des Films gewollt diffus. Unterhaltsam schon, gelungen unter Vorbehalt, denn diesem Beitrag können effektiv nur persönliche Präferenzen zu einem passenden Gesamteindruck verhelfen.

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Re: DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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DER TOTE, DER NICHT STERBEN WOLLTE


● NEITHER THE SEA NOR THE SAND / DER TOTE, DER NICHT STERBEN WOLLTE (GB|1972)
mit Susan Hampshire, Michael Petrovitch, Michael Craze, Jack Lambert, Betty Duncan, David Garth, Anthony Booth, Marcia Fox und Frank Finlay
eine Produktion der LMG Film | Portland Film | Tigon British Film Productions
ein Film von Fred Burnley

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»Wer weiß, was im Augenblick des Todes passiert?«


Auf der von Gezeiten und Naturgewalten dominierten Insel Jersey begegnet die einsame Anna Robinson (Susan Hampshire) einem geheimnisvoll aber anziehend wirkenden Leuchtturmwärter namens Hugh Dabernon (Michael Petrovitch). Zwischen beiden entwickelt sich eine leidenschaftliche Liebesbeziehung, die sie für ein paar Tage an die schottische Küste führt. In einer Phase völliger Ausgelassenheit und selten gewordener Glücksmomente geschieht das Undenkbare, denn der junge Mann stirbt plötzlich und unerwartet. Anna will diesen schweren Schicksalsschlag nicht akzeptieren und wehrt sich gegen die neue Realität, die sich überraschenderweise beeinflussen lässt. Plötzlich steht Hugh wieder vor ihrer Tür …

Falls ungewöhnliche Filme der frühen 1970er Jahre zur Sprache kommen, ist es gut möglich, dass auch "Der Tote, der nicht sterben wollte" genannt wird, da er alle Kriterien eines nicht alltäglichen Sehvergnügens erfüllt. Entstanden nach der gleichnamigen Romanvorlage "Neither the sea nor the sand" von Gordon Honeycombe aus dem Jahr 1969, erschließt sich eine ungewöhnliche Melange aus Liebesfilm und Mystery-Thriller, der mit beunruhigenden Horror-Elementen ausstaffiert ist. Hier liegt die Vermutung zunächst relativ nahe, dass diese so weit voneinander entfernten Bereiche vielleicht nicht so recht zusammenpassen mögen, doch Regie und Vorlage belehren das Publikum stringent eines Besseren. Der Film baut unbändige Gewalt über seine Kernbereiche auf, die sich aus Natur und Emotionen bündeln werden und am Ende nur auf ein fulminantes Entladen warten. Die Bebilderung ist atemberaubend, durch die Küstenimpressionen wild, gefährlich und spröde, aber gleichzeitig reizvoll und schön, was sich im unmittelbaren und späteren Verlauf noch auf die sich anbahnende Liebesbeziehung der beiden Protagonisten überträgt. Man trifft sich zufällig, die Melancholie und Poesie dieser Seheindrücke gestaltet ein überaus anziehendes Profil. Die Frau ist auf der Flucht vor ihrem bisherigen Leben, der wortkarge und rätselhaft anmutende Leuchtturmwärter kennt kaum ein anderes, außer das limitierte Angebot der Insel. Prominent inszeniert bleiben die Naturgewalten, die von Wind und Wasser ausgehen und eine gewalttätige Kraft demonstrieren, die alles und jeden einverleiben könnte. So erschließen sich verheißungsvolle Vorboten für einen Verlauf, der über melancholische, poetische, beängstigende und aggressive Intervalle verfügen wird. Der englische Originaltitel klingt beinahe philosophisch, sodass man in seiner ungeduldigen Erwartungshaltung vor allem von einem romantischen Drama ausgeht. Hier bäumt sich jedoch alles überraschend anders auf und wird zur unüberwindbaren Klippe für die eigene Erwartungshaltung. Sobald man sich schließlich nach einem Happy End sehnt, werden Regie uns Geschichte nur noch unerbittlicher. Man wird zum Staunen gebracht, jedoch nicht, ohne sich zu gruseln und Unbehagen zu verspüren. Aber nicht nur das. Zunächst erschließt sich eine ungezwungene Liaison zwischen zwei Fremden, die aufrichtiges Gefühl zu transportieren scheint.

Es sieht so aus, als habe man gegenseitig sein perfect match gefunden, sodass diese neue und ungewohnte Situation die Altlasten der Vergangenheit in Vergessenheit geraten lässt. Die Ursprünge dieser Aufrichtigkeit erscheinen negativ belastet zu sein, doch auch diese Grundvoraussetzungen lassen sich kurzerhand umkehren. Die beiden Protagonisten werden durch ihr Zusammentreffen in die glückliche Lage versetzt, Raum, Zeit, Umstände und schließlich sich selbst vergessen zu können, zumindest so lange, wie es die umherschleichenden Akteure oder Hyänen der Realität zulassen. Eine spontane und völlig unbelastete Liebesbeziehung ist schön mit anzusehen, zumindest so lange sie anhalten darf. So viel ist dem Zuschauer klar, da viele Äquivalente der Natur Unruhe, Zerstörung und Verfall andeuten. Ein Davonlaufen vor der eigenen Realität wird zum Wettlauf gegen die Gezeiten, es wirkt so, obwohl die Emotionen beider so stark wirken, als ob nicht alles überwunden werden könne. Die Regie inszeniert ambivalent, aber minutiös in Bezug auf die gegenseitigen Empfindungen. Als Zuschauer ahnt man, dass es nicht so bleiben kann, immerhin verweisen die Naturgewalten aller Couleur unnachgiebig und aggressiv darauf. Der Tod wetzt die Messer, der Zuschauer ist schockiert über so viel Wucht des Schicksals. Susan Hampshire, hierzulande vielleicht am meisten durch ihren Auftritt in dem Edgar Wallace-Film "Das Geheimnis der weißen Nonne" bekannt, macht einen exzellenten, intensiven und völlig überzeugenden Eindruck. Sie ist in Etappen ihrer emotionalen Zustände zu bewundern, die allerdings immer dieselbe Frau zeigen. Sie appelliert an das Mitgefühl des Publikums, welches sie auch erhält, insbesondere im letzten Drittel des Films. Man kann innerhalb ihrer Gefühlszustände kaum mehr zwischen Realität und Fiktion unterscheiden. Ihr Partner Michael Petrovitch steht dieser exzellenten Leistung in nichts nach, genau wie sein Filmbruder Frank Finlay. Spätestens wenn die Regie hier vor allem visuell mit beunruhigenden Horror-Elementen aufwartet, lehrt sie den Zuschauer buchstäblich das Gruseln. Dennoch bleibt "Der Tote, der nicht sterben wollte" eine Art Kuriosum im Bereich des Liebesdramas, da es völlig unorthodoxe Wege beschreitet und dabei sozusagen über das Wasser geht. Insgesamt gesehen handelt es sich um eine völlig unerwartete Überraschung in der Fasson eines sehenswerten Films.

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Prisma
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Re: DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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Peter Ustinov

TOD AUF DEM NIL


● DEATH ON THE NILE / TOD AUF DEM NIL (GB|1978)
mit Jane Birkin, Lois Chiles, Bette Davis, Mia Farrow, Jon Finch, Olivia Hussey, George Kennedy, Angela Lansbury, Simon MacCorcindale,
Navid Niven, Maggie Smith, Jack Warden sowie Inderjeet Singh Johar, Harry Andrews, Sam Wannamaker, Barbara Hicks, Celia Imrie, u.a.
eine Produktion der EMI | Mersham Productions | im Verleih der Neue Constantin Film
nach dem gleichnamigen Roman von Agatha Christie
ein Film von John Guillermin

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»Und wieso sehen Sie mich dabei an, auf diese familiäre, kontinentale Weise?«


Der Luxusdampfer "Karnak" führt eine illustre Gesellschaft über den Nil. Unter den Passagieren befindet sich auch Linnet Ridgeway (Lois Chiles), die mit ihrem Mann Simon die Flitterwochen verbringt. Jeder der Mitreisenden ist in irgendeiner Weise mit Linnet verbunden, allerdings nicht im freundschaftlichen Sinn. Nach wenigen Tagen wird die schöne Millionenerbin ermordet aufgefunden und jeder der Mitreisenden könnte es gewesen sein, da die junge, aber unerbittliche Geschäftsfrau sich jeden zum Feind gemacht hat. Der Mörder kann sich allerdings nicht in Sicherheit wiegen, zumal Meisterdetektiv Hercule Poirot (Peter Ustinov) ebenfalls an Bord ist. Seine Vernehmungen erschüttern und brüskieren die übrig gebliebenen Personen auf der "Karnak", und die Lage wird immer unübersichtlicher. Ein Mordanschlag deutet schließlich die nächste Leiche an …

Der Kriminalroman "Der Tod auf dem Nil" zählt zu den bekanntesten Werken der Schriftstellerin Agatha Christie und erschien bereits im Jahr 1937. Seit dieser Zeit kam es zu zahlreichen Theater-Adaptionen und Verfilmungen, unter denen John Guillermins Beitrag zu den Besten zählt, daher heute als Klassiker gehandelt wird. Wie so häufig bahnt sich der bevorstehende Mordfall unausweichlich an, immerhin drängt sich eine bestimmte Person in den Aufmerksamkeitsfokus des Publikums, welche alles daran setzt, die Wut und den blanken Hass verschiedener Personen auf sich zu ziehen, um später ermordet aufgefunden zu werden. Was zunächst so einfach klingt, entpuppt ich als schwer zu lösendes Puzzle, denn immerhin hat jeder der Beteiligten ein Motiv, aber keiner will oder kann es gewesen sein. Hier bietet sich das Vakuum des kleinen Kreuzfahrtdampfers nahezu an, das Feld der Verdächtigen einzugrenzen, sie aber ebenso in einem engen Radius in Meisterdetektiv Hercule Poirots Fängen zu halten. Das Szenario beginnt unscheinbar mit der Integration der designierten Toten, die schnell durch Großgrundbesitzer-Allüren auffällt und sich als intrigante, eitle, und rücksichtslose Person herauskristallisiert, nicht zuletzt da sie ihrer vermeintlich besten Freundin den Mann ausspannt. Die Hochzeitsreise führt ins geheimnisvolle Ägypten, um den Tod zu erwarten. Nach der Vorstellung der anderen Mitreisenden stellt sich in Windeseile heraus, dass es nicht nur von Mordmotiven geradezu wimmelt, sondern dass auch jeder Grund genug für die Tat gehabt hätte, immerhin ergeben sich deutliche bis vage Verbindungen zu Linett Ridgeway, die neuerdings Doyle heißt. Der Mord zögert sich noch lange heraus, um genügend Öl ins Feuer gießen zu können, bis sich die Spannungen der Situation mit einem Mord entladen. Der Film kokettiert mit der zeitlosen Schönheit und geheimnisvollen Aura seiner Schauplätze, sodass sich Perfektion in allen erdenklichen Bereichen andeutet und letztlich auch zeigen wird.

Gedreht an Originalschauplätzen bei den Pyramiden von Gizeh oder den Tempelanlagen von Karnak, Kom Ombo und Abu Simbel, entstehen nahezu epische Momente, die sich mit kammerspielartigen Sequenzen auf dem Dampfer "Karnak" verfeinert werden. Ein Film, der über eine derartige Ansammlung von Weltstars und großen Namen verfügt, wird seine volle Kraft auch in diesem sehr wichtigen Bereich ausspielen, sodass eine schauspielerische Pointe die andere jagt. Exzellente Dialogfäden treiben den Verlauf unaufhörlich an, beeindruckende Bilder und Schauwerte sorgen für ein besonderes Gesamtbild. Peter Ustinov ist hier zum ersten Mal in der Rolle des Hercule Poirot zu bestaunen, dessen Ermittlungsarbeit eine hauptsächlich unangenehm auffallende Horde der Hautevolee vor sich hertreibt. Er kann den noch nicht stattgefundenen Mord förmlich riechen, die üblichen Verdächtigen genau ausmachen. Er begegnet ihnen in den richtigen Momenten zwar entschieden, aber stets mit der nötigen Höflichkeit eines Gentleman, der nötigen Distanz und Aufmerksamkeit eines scharfen Beobachters. In alphabetischer Reihenfolge listet der unscheinbar und trügerisch ruhig wirkende Vorspann ein Staraufgebot auf, das - auch ohne es gesehen zu haben - keine Wünsche offen lässt. Eskalationspotenzial liefert zunächst die jüngere Garde, bestehend aus Lois Chiles, weltbekannt geworden durch ihren James-Bond-Auftritt in "Moonraker" oder ihre temporäre Hauptrolle in der Serie "Dallas", Simon MacCorcindale und Mia Farrow, die unerbittliche Kämpfe miteinander austragen. Leidenschaftlich und letztlich hervorragend in ihren Darstellungen, prägen sie ihre Teile des oft langsam angelegten Verlaufs. Jane Birkin oder Olivia Hussey repräsentieren die ruhigere und damit unverdächtigere Fraktion, was bei Agatha Christie jedoch nichts zu bedeuten hat. Jon Finch, George Kennedy, David Niven oder Jack Warden, bieten unterschiedlichste Charaktere an, die zwischen Verdacht und Unschuld hin- und herpendeln.

In andere schauspielerische Sphären taucht man mit den Top-Interpretinnen Angela Lansbury, Maggie Smith und Bette Davis ein, die ihre Charaktere so aberwitzig gut formen, dass es wirkt, als bekomme man Gratis-Schauspielstunden erteilt. Lansbury, als Schriftstellerin Salome Otterbourne und Urheberin erotischer Trivialliteratur, kann an Aufdringlichkeit und Indiskretion nicht übertroffen werden. Die hartprozentige Alkoholikerin vom Dienst wirkt vulgär und nicht minder berüchtigt bei ihren Mitreisenden, sodass hier herrliche und denkwürdige Momente in Wort und Tat entstehen. Bette Davis und Maggie Smith, als gehässige Herrin und frustrierte Zofe, sorgen für überaus skurrile Sinneseindrücke, die nicht selten zum Schmunzeln verleiten, ohne jedoch in die Karikatur abzudriften. Generell lassen sich zahlreiche Catfights beobachten, die sich insbesondere zwischen den ungleichen Damen abspielen, und Hercule Poirot sitzt gerade in diesem Zusammenhang oft unangenehm berührt zwischen den Stühlen. Mordanschläge und tatsächliche Morde geben sich ab einem gewissen Zeitpunkt die Klinke in die Hand und dezimieren den Kreis der Verdächtigen empfindlich, was allerdings keinen Schluss über den Wahren Täter und die Hintergründe zulässt. Ermittlungsarbeit, Befragungen und die finale Auflösung werden mit scharfzüngiger Attitüde geführt und es kommt zu faustdicken Überraschungen, bis man die Omnipotenz Poirots erst gar nicht mehr hinterfragt. Am Ende hat der beobachtende Fuchs gnadenlos zugeschlagen und deckt eine gut konstruierte Geschichte auf, die bis zum letzten Meter von ihrem Überraschungspotenzial lebt. "Tod auf dem Nil" etabliert sich in der erlesenen Riege der gehobenen Kriminalfilme und kann sich als zeitloser Klassiker in der Erinnerung festsetzen. Auch wenn es hauptsächlich eine Geschichte ist, die von ihrer Erstansicht lebt, kann man sich dieses lebhafte Treiben zwischen Verdächtigen und Toten immer wieder aufs Neue anschauen, ohne sich weniger gut und ausgeklügelt unterhalten zu fühlen.

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Prisma
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Ivan Rassimov

7 DRECKIGE TEUFEL


SETTE BASCHI ROSSI / 7 DRECKIGE TEUFEL / STURM DER FEUERVÖGEL (I|D|1968)
mit Angelica Ott, Sieghardt Rupp, Arthur Brauss, Wilbert Gurley, Pamela Tudor, Kirk Morris, Dale Cummings, Serge Nubert und Carla Calò
ein Metheus Film | Lisa Film | im Gloria Verleih
ein Film von Mario Siciliano

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»Ich scheiß auf dich und deine Freunde!«


Nach einem Überfall erbeuten Rebellen streng geheime Kriegsdokumente, die dem Feind schlussendlich nur übergeben wurden, um die eigene Haut zu retten. Diese sollen mithilfe eines Söldnerkommandos wieder zurück beschafft werden, welches von Captain Lauderwood (Wilbert Gurley) angeführt wird. Schnell kommt es zu schwerwiegenden Spannungen innerhalb der Truppe, da Sergeant Kimber (Arthur Brauss) und Sergeant Vlasky (Sieghardt Rupp) etwas gegen die Hautfarbe ihres neuen Kommandanten haben. Als wäre die Aufgabe nicht schon schwer genug, müssen ab sofort auch Angriffe aus dem Inneren der Gruppe abgefedert werden, sodass das Gelingen dieser heiklen Mission in Gefahr gerät …

Durch die breite Aufstellung der Münchner Lisa Film kam es immer hin und wieder zu Produktionen für das weitläufige Exploitation-Genre, wie beispielsweise "Sieben dreckige Teufel" oder den sehr gelungenen "Spezialkommando Wildgänse", die man unter deren Beteiligung nicht unbedingt erwartet hätte. Unter der Regie des italienischen Produzenten, Drehbuchautors und Regisseurs Mario Siciliano, der Jahre zuvor auch die hier beteiligte Produktionsfirma Metheus gegründet hatte, kommt es in seinem Regie-Debüt zu unmissverständlichen Seh- und Hör-Eindrücken, da erst gar nicht der Eindruck entstehen soll, dass er irgendwelche Gefangenen machen möchte. Der Kriegsschauplatz und die federführenden Charaktere empfehlen sich somit in überaus eindeutiger Manier, sodass für genügend Spektakel und Verwunderung gesorgt wird. Überzogen mit einer gnadenlosen Haudrauf-Synchronisation und dementsprechendem Gossen-Vokabular, das hiebweise mit rassistischen Unter- und Übertönen verletzen soll, kann das Szenario zu sämtlichen anvisierten Überholmanövern ansetzen. Der Krieg hat - wie derartige Filme vielleicht auch - seine eigenen Gesetze, sodass die Humanität ausgehebelt wirkt, noch bevor man vielleicht Anflüge davon hat ausfindig machen könnte. Regisseur Siciliano setzt unverblümt auf Action, Brutalität, wilde Schusswechsel und Erniedrigung, damit sich das eigentlich recht stumpfsinnige Drehbuch nicht alleine am Pranger langweilt. Wer sich in solche Filme verirrt oder sich sie gezielt aussucht, dürfte allerdings ohnehin auf das zu Erwartende gefasst sein und sich am Ende womöglich wünschen, dass es ruhig hätte noch etwas schäbiger zugegen dürfen, selbstverständlich hinter vorgehaltener Hand. Die Crew gibt ihr Bestes, um unangenehm in dieser Vorstufe zur Hölle aufzufallen. Allen voran ist Ivan Rassimov zu erwähnen, der seine Rollen stets flexibel anzunehmen wusste. Hier identifiziert man ihn eher als vom Leben gezeichneten Zyniker mit destruktiven Tendenzen, und nicht als größten Abschaum der Veranstaltung, immerhin ist Arthur Brauss mit von der Partie, der in hemmungsloser Weise aufdrehen darf.

Bereits in seiner ersten Szene stellt er sich und sein tiefstes Inneres selbst vor, denn es handelt sich schlicht und einfach um einen widerwärtigen Sadisten, dem es höllischen Spaß bereitet, andere zu quälen und möglicherweise noch qualvoller ins Jenseits zu befördern. Als er eine angebundene Wildkatze mit einem Flammenwerfer aufmischen will, kommt ihm ein schwarzer Soldat in die Quere, bis es nicht mehr lange dauert, dass der menschliche Vandale ein Fließband verletzender Äußerungen ablässt. Sieghardt Rupp zeichnet ebenfalls einen der primitiven Aggressionsherde sehr eindeutig und daher überzeugend. Unterm Strich definiert sich das Szenario auf wenige Charaktere, sucht aber auch nach Lösungen zwischen Gut und Böse. Es kommt zu zahlreichen Kostproben, wozu Menschen in Extremsituationen fähig sind, aber man bleibt geflissentlich an der Oberfläche, ohne nach Erklärungen oder Intentionen der einzelnen Personen zu suchen. Zwischen den vielen atemlosen Sequenzen zeigt sich zwischendurch immer wieder, dass die Inszenierung auf soliden Füßen steht und etliche schön fotografierte Einstellungen zustande bringt, die vornehmlich auf den Schauplätzen basieren. Im letzten Drittel des Films kommt es zu Phasen, die sich alleine durch die Bebilderung in die Länge zu ziehen scheinen, da ein Fußmarsch durch die mit tödlichen Gefahren gespickte Einöde skizziert wird, die in Verbindung mit den ausgemergelten und zusehends kraftloser werdenden Körpern und Seelen der Truppe das nahende Ende markiert, wie es auch immer aussehen will. Ein heimliches Augenmerk wird schließlich auf die beteiligten Frauen und Kinder gelegt, die als schwächste Glieder der Kette ausgemacht werden. Angelica Ott oder Pamela Tudor haben allerdings keinerlei Möglichkeiten, sich in irgendeiner Weise zu profilieren. Alles in allem bleibt "7 dreckige Teufel" ein schmackhaftes Unterfangen für ein sensationslustigeres und unerschrockenes Publikum, verweist aufgrund vieler, dem Empfinden nach identischer Szenen jedoch auf Konkurrenten, die noch einiges mehr an Härte und Unmenschlichkeit im ätzenden Repertoire haben, somit auch präsenter in der Erinnerung zurückbleiben.

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Prisma
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Re: DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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● DIE BRÜCKE (D|1959)
mit Michael Hinz, Fritz Wepper, Volker Bohnet, Frank Glaubrecht, Volker Lechtenbrink, Karl Michael Balzer, Günter Hoffmann, Cordula Trantow,
Wolfgang Stumpf, Günter Pfitzmann, Heinz Spitzner, Siegfried Schürenberg, Edith Schultze-Westrum, Eva Vaitl, Ruth Hausmeister, Til Kiwe, u.a.
eine Produktion der Fono Film | im Verleih der Deutsche Film Hansa
ein Film von Bernhard Wicki

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»Mach ihn tot!«


Im April 1945 befindet sich der Krieg in der letzten Endphase. Während die Alliierten immer mehr auf dem Vormarsch sind, bäumt sich das Nazi-Regime noch einmal auf, und schickt alle verfügbaren Kräfte an die Front, auch Jugendliche. Sieben Gymnasiasten (Michael Hinz, Volker Lechtenbrink, Volker Bohnet, Frank Glaubrecht, Günter Hoffmann, Karl Michael Balzer und Fritz Wepper) werden einberufen, doch durch die Intervention ihres Lehrers, Studienrat Stern (Wolfgang Stumpf), werden sie einer weniger gefährlichen Aufgabe zugeteilt, da sie eine ortsnahe Brücke bewachen sollen, die strategisch völlig wertlos ist …

»Die Branche hat uns für verrückt erklärt, einen solchen Film zu machen und hat uns ein allgemeines Desaster prophezeit«; so Bernhard Wicki in einem Interview zu seinem Beitrag, der als Meilenstein des Anti-Kriegsfilms in die internationale Filmgeschichte eingehen sollte. Der Regisseur orientierte sich in seinen Filmen laut eigener Angabe am italienischen Neo-Realismus: Vittorio De Sica, Luchino Visconti, Roberto Rossellini. Für einen deutschen Vertreter des Genres wird viel Aufwand zwischen den Zeilen und insbesondere über die intensive Bebilderung betrieben, außerdem erweisen sich die unterschiedlichen Charakterzeichnungen als überaus dicht, sodass "Die Brücke" wie ein unprätentiöses Mahnmal, stellvertretend für Geschehnisse der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zugleich zurückbleibt. »Ich wollte damit zeigen, dass Sterben oder ein Held zu sein überhaupt nichts bedeutet, wenn es nicht für die richtige Sache ist!«; Worte, die alleine Wege ihrer scharfen Präzision und Weitsicht für Aufsehen sorgen. Bernhard Wicki machte sich nicht nur als Schauspieler einen internationalen Namen, sondern konnte vor allem auch mit seinen besonders hochwertigen und teilweise tiefschürfenden Regie-Beiträgen glänzen, und diese im Jahr 1959 entstandene Produktion ist definitiv eine von ihnen. In fünf Kategorien ausgezeichnet mit dem Deutschen Filmpreis sowie dem Golden Globe Award als bester ausländischer Film, einer Oscar-Nominierung in der gleichen Kategorie, und diversen anderen Preisen, berichtet dieser Film auf Nebenschauplätzen von seiner international anerkannten Tragweite und Akzeptanz, zumal es deutsche Produktionen im Ausland nicht immer leicht hatten, zumal sie eben nicht als unbelastet angesehen wurden. Das Geschehen schildert eine von vielen möglichen Geschichten der letzten Kriegstage und von Schergen und Anhängern, die bis zuletzt von einem Endsieg fabulierten. Bernhard Wicki schildert eine besonders perfide Form des Verbrechens an Jugendlichen, die als Kanonenfutter aufgestellt werden, ohne genau zu wissen, was sie eigentlich tun. Die Mobilisierung der Massen auf ideologischer Basis stellt also selbst in den letzten Zügen ein nicht zu unterschätzendes Instrument dar.

Doch zunächst liegt das Haupt-Augenmerk nicht auf der Geißel Krieg, der sich langsam, unberechenbar und todsicher wie ein unausweichlicher, vereinnahmender Schatten ausbreitet. Wicki konzentriert sich auf überaus scharfe Zeichnungen der beteiligten Charaktere, die im Bereich der Hauptrollen ausschließlich aus Jung-Darstellern bestehen, von denen etliche noch beachtliche Karrieren machen sollten. Ihr unbekümmertes Schauspiel stellt sich überaus konträr zu den Geschehnissen auf, wirkt wie eine Barriere, über die man als Zuschauer nicht hinwegkommt und es ist schwer, irgendein Verständnis für die Situation und die dazu passenden Einstellungen aufzubringen. Dieses Einfühlungsvermögen liefert Regisseur Wicki, jedoch nicht ohne dieses isolierte Bild einer Ausnahmesituation zu sezieren. Die jungen Rekruten für die Sicherung einer strategisch völlig unwichtigen Brücke liefern von Feuer und Flamme bis träumerischer Abwesenheit oder Angst alles, was man sich bei jungen Menschen vorstellen kann. Entlarvende Blicke in die Elternhäuser schildern teilweise Gründe für Euphorie oder Abscheu, auch hier ist von weinenden Müttern bis kriegsbegeisterten Feiglingen alles zu finden, was sich an den äußeren Rändern abbilden kann. Die plastische und psychologische Exposition wirkt dicht, um schließlich grausame Eindrücke verbreiten zu können, welche seinerzeit vereinzelt schlicht als Brutalität kritisiert wurde. Doch Krieg ist brutal, er ist grausam und letztlich darauf angelegt, auch die letzten Hoffnungsschimmer und Idealisten zu ersticken, sodass Bernhard Wicki nur das Folgerichtige tut, seinen Film in visueller Hinsicht so strapaziös als möglich aufzustellen, um die nötige Glaubwürdigkeit zu kreieren, die bei "Die Brücke" auch nach Jahrzehnten noch so eindringlich wirkt. Viele Szenen sind nur schwer auszuhalten, was sich fernab der erschreckenden Bilder vor allem auf die fundamentale Sinnlosigkeit des Ganzen bezieht. Insgesamt ist zu betonen, dass dieser Beitrag als Einheit funktioniert, da man Höchstleistungen in jedem einzelnen Bereich wahrnehmen kann. Daher ist es logisch, dass "Die Brücke" international anerkannt und mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht wurde. Ein herausragendes Dokument deutscher Filmgeschichte und des Anti-Kriegsfilms.

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DER RICHTER UND SEIN HENKER


● DER RICHTER UND SEIN HENKER / ASSASSINO SUL PONTE (D|I|1975)
mit Jon Voight, Jacqueline Bisset, Robert Shaw, Helmut Qualtinger, Lil Dagover, Friedrich Dürrenmatt,
Gabriele Ferzetti, Donald Sutherland, Rita Calderoni, Norbert Schiller, Guido Cerniglia und Martin Ritt
nach der Novelle "Der Richter und sein Henker" von Friedrich Dürrenmatt
eine Produktion der MFG-Film | T.R.A.C. | im Verleih der Neue Constantin Film
ein Film von Maximilian Schell

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»Man kehrt immer dahin zurück, wo man hingehört!«


Der Schweizer Kommissar Hans Bärlach (Martin Ritt) steht nach jahrzehntelangen Dienstjahren vor dem Ende seiner Laufbahn, denn er ist mittlerweile nicht nur alt, sondern auch schwer erkrankt. So bleibt ihm nicht mehr viel Zeit, eine 30 Jahre alte Wette zum Abschluss zu bringen. Hierbei ging es darum, dass sein Gegenspieler, Richard Gastmann (Robert Shaw), einst behauptete, dass er ein Verbrechen begehen könne, ohne dass er dafür zur Verantwortung gezogen würde. Im Beisein von Bärlach stieß er eine gemeinsame Freundin namens Nadine (Rita Calderoni) von einer Brücke. Bei der Tat kam die junge Frau ums Leben, die Kommissar Bärlach nie vergessen konnte. Etliche Jahre später schickt er Gastmann dessen eigenen Henker, denn der Kriminelle soll für einen Mord angeklagt werden, den er dieses Mal jedoch nicht begangen hat …

Bereits im Jahr 1957 wurde ein Fernsehfilm unter der Regie von Franz Peter Wirth nach der gleichnamigen Romanvorlage "Der Richter und sein Henker" hergestellt, bis Dürrenmatt im Jahr 1975 wieder das Drehbuch für eine Adaption schreiben sollte, dieses Mal allerdings unter der Regie von Maximilian Schell. Da es sich um einen Spielfilm fürs Kino handelt, wurde nicht nur wegen der internationalen Besetzung gleich in Englisch gedreht, sondern man wollte augenscheinlich einen Zuschnitt für den Weltmarkt hinbekommen. Maximilian Schells sehr aufwändig inszenierter Psycho-Thriller brachte es nach seiner Entstehung zu einigen Auszeichnungen und fand naturgemäß eine breitere Beachtung als das beinahe zwanzig Jahre zuvor entstandene Fernsehspiel, das vergleichsweise sehr altbacken und starr wirkt. In diesem Zusammenhang findet man sehr schnell die Stärken dieses Beitrags, denn er wurde einer inszenatorischen Frischzellenkur unterzogen, sodass ein moderner Spielfilm mit Strahlkraft wahrzunehmen ist, der sich seiner Maxime jedoch vollkommen bewusst bleibt. Sicherlich liegt es vor allem daran, dass sich Friedrich Dürrenmatt (unter Mitwirkung von Regisseur Marimilian Schell) selbst für das Drehbuch verantwortlich zeigte. So lässt sich eine enge Anlehnung an die Novelle feststellen, in der sogar Passagen zu finden sind, die originalgetreu übernommen wurden. Der Verlauf beginnt mit einer sehr atmosphärischen Rückblende, die zum frühen Verständnis beitragen wird, falls man "Der Richter und sein Henker" nicht als literarische Version kennt. Ennio Morricones Musikstücke veredeln die ohnehin hervorragende Bildgestaltung, und die Interpreten aus zahlreichen Herkunftsländern sorgen für Intensität und Irritation, Abscheu und Sympathie. Alleine aufgrund der hochwertigen Entourage hinter und vor der Kamera kann sich der interessierte Zuschauer auf einen sehr spannenden und gut ausbalancierten Verlauf freuen, der es schafft, ohne allzu viele Barrieren und dramaturgische Klippen auszukommen.

Die große Stärke dieser Produktion ergibt sich nicht zuletzt aus der Tatsache, dass der Film sich auch ohne großartiges literarisches Interesse oder gar Vorkenntnisse spielend etablieren kann, da zeitgenössische Zutaten nicht fehlen. Maximilian Schell achtet darauf, eine clever durchdachte Publikumswirksamkeit zu kreieren, um - an normalen Sehgewohnheiten gemessen - nicht überqualifiziert zu wirken. Ein offensiver Fischzug nach mehreren möglichen Zielgruppen entsteht unterm Strich allerdings nicht. Die Thematik um Wettschulden, die normalerweise Ehrenschulden sind, nimmt unter der fachmännischen Bearbeitung des gebürtigen Österreichers teils groteske, wenn nicht sogar bizarre Formen an. Die Unterstützung durch ein ebenso aufmerksames wie variables Auge der Kamera lässt Momente der Formvollendung aufkommen, die in schnellen Wechseln wieder mit der bitteren Realität gekreuzt werden. Als reiner Kriminalreißer möchte sich diese Version von "Der Richter und sein Henker" erst gar nicht verstehen, denn viele andere Elemente kommen zum Tragen, die ein wenig nach Thrill aussehen möchten. Auch an Doppelbödigkeit fehlt es dieser Veranstaltung nicht, wenngleich es hin und wieder Unstimmigkeiten im Rahmen der psychologischen Tiefe zu geben scheint, da diverse Inhalte offenlegen, dass sie lediglich schleppend choreografiert sind. Dennoch entwickelt das Tauziehen zwischen Kommissar Bärlach und seinem Kontrahenten Gastmann eine bemerkenswerte Eigendynamik, die von Schockmomenten bis trügerischer Idylle noch vieles mehr zu bieten hat. Die beiden Herren weisen äußerst unterschiedliche Werdegänge auf, obwohl man auf eine gemeinsame Vergangenheit zurückblickt. Bärlach machte Karriere bei der Berner Polizei, wo hingegen Gastmann kriminelle Wege eingeschlagen hat. Das Dilemma des Kommissars setzt sich daher aus mehreren Komponenten zusammen: Eine derartig bedeutende Wette zu verlieren verletzt die Eitelkeit des Polizeimanns erheblich, außerdem höhlt die Gewissheit aus, ihm nicht mit Mitteln und Wegen gegenüber treten zu können, die das Gesetz vorschreibt.

Der amerikanische Regisseur Martin Ritt und der britische Schauspieler Robert Shaw brillieren in diesen sehr unterschiedlich angelegten Rollen, demonstrieren dabei ein Kräftemessen der unterschiedlichsten Mittel. Interessant hierbei ist der angewandte Seitenwechsel des Kommissars, da ihm die Hände durch die ihm zur Verfügung stehenden Mittel des Gesetzes gebunden sind. Sein gefährlichster Gegenspieler ist allerdings die Zeit, da er erkrankt ist und sein Vorhaben zu Ende bringen muss. Gute Voraussetzungen für Gastmann, der somit nur abwarten müsste. Durch das Demonstrieren seiner vermeintlichen Überlegenheit wird er allerdings unvorsichtig, sodass seine eigene Überheblichkeit ihn zu Fall bringen wird; natürlich in Kombination mit der Cleverness des Kommissars. Als weitere Figur in diesem Fall sieht man Jon Voight als Kriminalbeamten Tschanz, der durch den mysteriösen Tod eines Kollegen in eine bessere Position rutscht, um gegen Gastmann zu ermitteln. Interessant bei diesem Schachspiel ist der permanente Wechsel vom Offizier zum Bauern, und Bärlach ist der Spielleiter. Weitere sehr intensiv gefärbte, beziehungsweise eigentümliche Interpretationen geben beispielsweise eine immer bezaubernde Jacqueline Bisset, Helmut Qualtinger, Rita Calderoni, Donald Sutherland oder Friedrich Dürrenmatt zum Besten, außerdem ist Stummfilm-Ikone Lil Dagover in einer ihrer letzten Rollen als Gastmanns Mutter zu sehen. Die Kraft der Bilder unterstützt die ohnehin starke Vorlage bemerkenswert gut und es kommt dementsprechend zu einem nicht nur eleganten Gesamtergebnis, sondern einer ernstzunehmenden Adaption eines literarischen Klassikers. Wenn alle Kräfte mobilisiert sind und man auf das unausweichliche Finale zusteuert, lockt der Genuss gleich mehrerer inszenatorischer Überraschungen, sodass unterm Strich zu sagen bleibt, dass Maximilian Schell und Friedrich Dürrenmatt es in einer überaus harmonischen Allianz geschafft haben, Klassik, Publikumswirksamkeit und moderne Ansätze in Einklang zu bringen. Alles in allem ist "Der Richter und sein Henker" in vielerlei Hinsicht ein kleiner Geheimtipp geworden.

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Re: DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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● DER LETZTE MOHIKANER / EL ÚLTIMO MOHICANO / LA VALLE DELLE OMBRE ROSSE (D|E|I|1965)
mit Joachim Fuchsberger, Karin Dor, Carl Lange, Marie France, Ricardo Rodríguez, Kurt Großkurth, Ángel Ter, Stelio Candelli, Cris Huerta,
Mariano Halcon, Jean Mathieu, Rafael Hernández, Charles Dechamps, Leandro San José, Martin Diaz sowie Dan Martin und Athony Steffen
ein International Germania Film | Procusa | Balcázar | Cineproduzione | im Constantin Filmverleih
nach den gleichnamigen Roman von James Fenimore Cooper
ein Film von Harald Reinl

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»Britische Ohren sind genauso empfindlich wie amerikanische!«


Der erfahrene Waldläufer Falkenauge (Anthony Steffen) und sein treuer mohikanischer Freund Unkas (Dan Martin) übernehmen die gefährliche Aufgabe, Cora (Karin Dor) und Alice (MarieFrance), die zwei Töchter eines britischen Kommandanten (Carl Lange), sicher durch ein umkämpftes Gebiet zu eskortieren. Doch auf dem Weg durch die unwegsame Wildnis lauert der rachsüchtige Huronen-Häuptling Magua (Ricardo Rodríguez), der mit den Franzosen verbündet ist und den Briten noch eine alte Rechnung offen hat. Als die Gruppe in einen Hinterhalt gerät und die Frauen entführt werden, beginnt für die beiden ungleichen Freunde und den sie begleitenden Captain Heyward (Joachim Fuchsberger) ein Wettlauf gegen die Zeit. Es entsteht ein Überlebenskampf, bei dem das Schicksal der gesamten Gruppe auf dem Spiel steht …

Ende 1962 konnte die Berliner Rialto Film Preben Philipsen einen Großerfolg mit Harald Reinls Karl May-Verfilmung "Der Schatz im Silbersee" landen, der 1964 als erster Film überhaupt mit der "Goldenen Leinwand" für mindestens drei Millionen Kino-Zuschauer ausgezeichnet wurde. Über die Jahre gesehen und durch zahlreiche Wiederaufführungen ist sogar von einer Gesamtanzahl von etwa 10 Millionen Zuschauern auszugehen. Obwohl Georg Marischkas "Die Sklavenkarawane" als erster Nachkriegsfilm nach Karl May zu bezeichnen ist, gilt "Der Schatz im Silbersee" auch heute noch als unumstrittener Auftakt einer sehr erfolgreichen Karl May Welle, die noch etliche Farbfilme hervorbrachte. Das Konzept derartig aufwändig hergestellter Abenteuerfilme nach bekannten Romanvorlagen ging also vollumfänglich auf und animierte die Konkurrenz, ähnliche oder sogar recht identische Angebote zu platzieren, da der Erfolg einigermaßen vorprogrammiert zu sein schien. Harald Reinls "Der letzte Mohikaner" war bereits für das Produktionsjahr 1963 mit alternativer Besetzung geplant, wurde dann aber erst zwei Jahre später realisiert, da der immense "Winnetou"-Erfolg quasi dazwischenkam und die zentrale Schaltstelle Constantin Film diesen Filmen Priorität einräumte. Diese strategische Verschiebung auf Verleihebene durch die Constantin führte selbstverständlich zu Einbußen beim Enderfolg, außerdem inszenierte man auf Basis der Romanvorlage von James Fenimore Cooper. Die Regie kopiert den Stil der May-Verfilmungen oder ruft besser gesagt das eigene Repertoire ab, um dem Publikum einen Film anzubieten, der trotz unterschiedlichen Autors dennoch funktionieren soll. Mit den Zugpferden Joachim Fuchsberger und Karin Dor konnte man auf zwei bewährte Interpreten zurückgreifen, die das deutsche Kino seit Jahren prägten und für volle Kinosäle sorgen konnten, doch alleine diese Grundvoraussetzungen reichen nicht aus, um einen ebenbürtigen Film anzubieten. Zwar war "Der letzte Mohikaner" kein ausgesprochener Flop an den Kinokassen, doch der erhoffte Erfolg blieb vergleichsweise aus, was sich beinahe durch den laufenden Film selbst erklärt, denn ihm fehlt das gewisse Etwas und hat darüber hinaus mit sehr langweiligen Intervallen zu kämpfen. Die Kölner International Germania Film produzierte unter Leitung des in Rechtswissenschaften promovierten Dr. Alfons Carcasona und Heinz Willeg hochinteressante Titel, die sich rückblickend oft als ausgesprochene Konkurrenzproduktionen beschreiben lassen, aber einen guten Mix zwischen Kopie und Alternative finden konnten.

Diese Beschreibung kann man leider nicht auf "Der letzte Mohikaner" beziehen, denn er bleibt in allen Belangen, vor allem thematisch und qualitativ gesehen, auf der Strecke. Dies lässt sich durchaus trotz Harald Reinls betont routinierter Regie auch auf den inszenatorischen Bereich übertragen, da der groß angekündigte Titelheld der Geschichte schwächelt und nur ein Statistendasein führt. Vom Angebot her bekommt man insgesamt wenig Neues angeboten, das nicht schon längst andernorts dagewesen ist, sodass sich dieses Abenteuer nur schleppend erschließt, ungünstigerweise viel zu vorhersehbar ist und darüber hinaus einen großen Fehler begeht. Man konzentriert sich zu sehr auf Joachim Fuchsberger und Karin Dor, was aufgrund des Star-Status der beiden nur logisch erscheint und Fans nicht irritieren dürfte. Allerdings werden beide zugunsten einer seicht-sentimentalen Note vergeudet, wenngleich man dies auf hohem Niveau seufzen darf. Karin Dor überzeugt hier mit Schlagfertigkeit und Selbstbewusstsein, welches nur von ihrem Auserkorenen ausgehebelt werden darf. An ihrer Seite ist die bezaubernde Marie France alias Paca Gabaldón zu sehen, hier übrigens in ihrem ersten Kinofilm. Dies alles kann der großen Titel-Ankündigung schließlich nur wenig schmeicheln. Um es daher deutlich zu sagen: Film und Verlauf leiden unter der schwachen und beinahe irrelevant wirkenden Performance von Anthony Steffen, der keinen Raum geboten bekommt. Seine sporadischen und nahezu nichtssagenden Szenen reichen gerade aus, um ihn als klassische Fehlbesetzung zu identifizieren. Dem Film geht ohne einen starken Helden schlussendlich auch das Potenzial verloren, dessen Stärke wie in ähnlich gelagerten Filmen auszuspielen. Sein Partner Dan Martin macht eine bessere Figur, da der Verlauf ihm auch eine kantigere Präsenz zubilligt. Steffen nimmt das Publikum jedenfalls nicht mit und es scheint, dass es ihm einerlei ist, was er grade tut. Ganz im Gegensatz zu Joachim Fuchsberger oder sogar Carl Lange, die für das einstehen, was sie darzustellen haben. Diese einseitig verteilte Dominanz schadet dem Verlauf erheblich, sodass wichtige Charaktere wie abgewickelt wirken. Dennoch erscheint es so, dass diese Gewichtungen genauso kalkuliert zu sein waren. Im Angebot bleibt das übliche Repertoire aus Action, Dramatik und Niedertracht in den Köpfen der Zuschauer zurück, sowie schöne Landschaftsaufnahmen, was sich im Sinne der Erwartungshaltung dann doch eher wie eine globale Sparflamme anfühlt. Insgesamt gesehen stellt "Der letzte Mohikaner" keinen der einschlägigen Platzhirsche des Genres dar.

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Prisma
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Re: DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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● DIE PFARRHAUSKOMÖDIE (D|1971)
mit Maria Schell, Veit Relin, Hugo Lindinger, Christine Schuberth, Thomas Fritsch, Ellen Avenarius, Karin Götz und Jane Tilden
eine Produktion der Schell-Relin | Lisa Film | im Verleih der Cinema Service
ein Film von Veit Relin

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»Denn ich bin frei von Sünd!«


Der Gemeindepfarrer Achaz (Hugo Lindinger), der die strengen Regeln des Zölibats hinter verschlossenen Türen sehr freizügig auslegt, steht vor einem großen Problem, denn das gemeinsame Liebesleben mit seiner treuen Pfarresköchin Ambrosia (Jane Tilden) bleibt nicht ohne Folgen. Um die im Dorf drohende Schande einer unehelichen Schwangerschaft abzuwenden, verlässt sie die Gemeinde unter einem Vorwand. Als Vertretung für die Küche reist die temperamentvolle und durchaus mannstolle Irma Prechtl (Maria Schell) an. Kurz darauf muss auch der Pfarrer das Dorf vorübergehend verlassen, woraufhin der junge Aushilfspfarrer Vinzenz (Veit Relin) seine Vertretung übernimmt. Es dauert nicht lange, bis das Pfarrhaus verweltlicht …

Bei der Entstehung des Films "Die Pfarrhauskomödie" handelt es sich um ein Paradebeispiel für ein ambitioniertes Familienprojekt im deutschsprachigen Kino der frühen 1970er-Jahre. So übernahm Regisseur Veit Relin bei diesem Vorhaben eine immense Mehrfachbelastung: Er verfasste nicht nur das Drehbuch, basierend auf dem gleichnamigen, 1911 erschienenen Theaterstück des expressionistischen Schriftstellers Heinrich Lautensack, sondern führte auch Regie und übernahm gleichzeitig die männliche Hauptrolle des Vertretungspfarrers Vinzenz. Unterstützt wurde er dabei maßgeblich von seiner damaligen Ehefrau, dem weltbekannten Schauspielstar Maria Schell, deren Dominanz hier vollkommen instrumentalisiert wird. Schell fungierte bei dem Werk nicht nur als die weibliche Hauptrolle und spielt die mannstolle Vertretungsköchin Irma, sondern trat gemeinsam mit Relin auch aktiv als Produzentin auf. Für die Umsetzung gründeten sie die eigene Produktionsfirma Schell-Relin mit Sitz in Wasserburg am Inn, die den Film in Co-Produktion mit Karl Spiehs’ namhafter Lisa Film realisierte. Die Produktionsfirma des Ehepaares produzierte sogar noch zwei weitere, ebenfalls weniger beachtete Filme, die heute ebenfalls in Vergessenheit geraten sind. Interessant ist die Fußnote, dass deren gemeinsame Tochter, Marie Theres Relin, in einer kleinen Nebenrolle als "Mausi" zu sehen ist. Die ländliche Komödie oder volkstümliche Posse wurde vorwiegend im Jahr 1971 in Bayern gedreht. Ein ungewöhnliches Detail der Produktion liegt in der musikalischen Untermalung: Statt auf zeittypische Schlager oder seichte Klänge setzte man auf klassische, fast schon sakrale Musikstücke von Anton Bruckner und Eugen Jochum, was den ironischen Kontrast zur klerikalen Doppelmoral der Handlung zusätzlich verstärken sollte. Nach der Fertigstellung im Jahr 1971 verzögerte sich die Veröffentlichung, bis das Werk schließlich am 26. Oktober 1972 über den CS-Verleih seine offizielle Premiere in den bundesdeutschen Kinos feierte, ohne jedoch große Beachtung zu finden. Vielleicht tut man dem Film Unrecht, wenn man ihn allzu schnell als Posse abschreibt, immerhin liegt ihm eine berühmte Vorlage zugrunde, doch genau die hier angebotene Bearbeitung wurde seinerzeit auch als peinlich oder derb kritisiert.

Wie so häufig sollte man sich das in Teilen doch recht originell anmutende Konstrukt einmal selbst ansehen, um ein Gesamturteil fällen zu können, denn schließlich wird hier einiges an Aufwand betrieben, wofür hauptsächlich Maria Schell verantwortlich sein wird. Gleich zu Beginn werden konservative Idylle in Kontrast zu Lebenshunger und Offensivität gesetzt, was nur so irritierend wirkt, da er nicht ausschließlich hinter verschlossenen (Schlafzimmer-)Türen stattfindet. Maria Schell agiert unbändig, provokant, schrill und beinahe aufdringlich, was einem durchaus gefallen kann, da es ihr immer möglich war, sich in unterschiedlichste Parts und Sphären hineinzudenken und dementsprechend auch zu spielen. Seinerzeit wurde jedoch eher davon gesprochen, dass sie sich deutlich unter Wert verkauft habe und im Gros eine übertriebene Darstellung abgeliefert haben soll. Gemessen an der Anforderung und vielleicht sogar der Nachfrage, ist das Gesamtpaket jedoch überzeugend ausgefallen, da Schell es erneut schafft, ihrem Charakter Temperament und ein Eigenlegen zu geben. Von den zahlreichen amüsanten Momenten ganz abgesehen. Was ins Gewicht fällt, ist schließlich die Repetition, sodass man höchstwahrscheinlich generell zu dem Schluss kommen dürfte, die Schell so gut wie überall besser als gesehen zu haben. Neben ihr gibt es schließlich nur noch Statisten, wenn auch namhafte. Veit Relin spielt sich etwa in Bierlaune und kann sich der offensiven Angebote der Köchin nicht mehr entziehen, bis es zu einer Art Aushilfs-Liaison kommt. Die Balz nimmt dabei sehr bizarre Züge an und kehrt auch das komödiantische Talent von Veit Relin heraus. Als krasses Pendant zu Schell wird Jane Tilden etabliert, die für konservative Doppelmoral und reaktionäres Gehabe steht. Auch ihr Partner Hugo Lindinger gibt der weltlichen Hochwürden ein deftiges Profil. Am Ende ist "Die Pfarrhauskomödie" vielleicht tatsächlich nichts anderes als ein Äquivalent einschlägig bekannter Lustspiele und weniger Ebenbild der antiklerikalen Satire geworden, denn hier und da fehlt es an Substanz und komödiantischer Schärfe. Maria Schell schafft es allerdings erneut zu überzeugen, da sie jede Anforderung individuell wie ein Schwamm aufzusaugen pflegt und das Talent hat, dem Zuschauer im Zweifelsfall Waschmaschinen verkaufen zu können.

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● ISABELLA - DUCHESSA DEI DIAVOLI / ISABELLA - MIT BLANKER BRUST UND SPITZEM DEGEN (I|D|1969)
mit Brigitte Skay, Mimmo Palmara, Fred Williams, Elina De Witt, Thomas Astan, Hansi Linder, Salvatore Borgese, Mario Novelli,
Renato Baldini, Enzo Andronico, Gioia Desideri, Mario De Vico, Gianni Pulone, Giacomo Furia, Furio Meniconi und Tino Scotti
eine Produktion der Cinesecolo | Hape Film | im Alpha Filmverleih
ein Film von Bruno Corbucci

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»Du erregst mich!«


Die dreijährige Isabella überlebt als Einzige das Massaker des grausamen Barons von Nutter (Mimmo Palmara) an ihren adeligen Eltern. Eine Gruppe von Sinti und Roma nimmt das verwaiste Mädchen auf und zieht es als Teil ihrer Gemeinschaft groß. Viele Jahre später erfährt die junge, unerschrockene Isabella (Brigitte Skay) von ihrer wahren Herkunft und dem Unrecht, das ihrer Familie angetan wurde. Entschlossen, ihr rechtmäßiges Erbe zurückzufordern, zieht sie gemeinsam mit ihrem Verbündeten Gilbert (Fred Williams) an den französischen Hof. Bewaffnet mit außergewöhnlichem Geschick im Schwertkampf, strategischem Geschick und den Waffen einer Frau nimmt sie den Kampf gegen die Unterdrücker auf …

Der Spielfilm "Isabella – Mit blanker Brust und spitzem Degen" entstand im Jahr 1969 als italienisch-deutsche Koproduktion unter der Regie von Bruno Corbucci, dem jüngeren Bruder des berühmten Western-Regisseurs Sergio Corbucci. Für den Regisseur markierte das Werk einen wichtigen Wendepunkt in seiner Karriere, da es seinen Einstieg in das Genre der Erotikkomödie und des freizügigen Abenteuerkinos darstellte. Das Drehbuch basierte direkt auf der gleichnamigen Comic-Serie "Isabella" von Renzo Barbieri und Giorgio Cavedon. Diese Vorlage besaß in Italien historischen Charakter, denn sie gilt bis heute als der erste offen erotische Comicstrip des Landes und erfreute sich zum Zeitpunkt der Verfilmung dementsprechend enormer Popularität. Um eine möglichst werkgetreue Umsetzung zu garantieren, wurde Schöpfer Giorgio Cavedon direkt in das Autoren-Team des Films eingebunden und die Veröffentlichung des Films fiel mitten in die Phase der weltweiten gesellschaftlichen Umbrüche und der sexuellen Liberalisierung Ende der 1960er Jahre. Eine kämpfende Heldin in den Mittelpunkt eines Action- und Mantel-und-Degen-Films zu stellen, war für die damalige Kinolandschaft ein recht gewagter Schritt. Dennoch erlangte das Werk im Nachhinein kaum Reputation als emanzipatorisches Statement, da die Kamera die deutsche Hauptdarstellerin und Erotik-Expertin Brigitte Skay auffallend oft nackt im Bild platzierte. Für zusätzlichen popkulturellen Charme sorgte der eingängige Soundtrack, den der Komponist Sante Maria Romitelli beisteuerte und für ein wirklich gutes Flair sorgen kann. Ein besonders kurioser Aspekt der Filmhistorie betrifft die internationalen Schnittfassungen und Alternativtitel. Während der Film in Italien am 30. August 1969 ungekürzt starten konnte, kam er am 15. Mai 1970 stark verändert in die bundesdeutschen Kinos und so wurde die deutsche Kinofassung massiv gekürzt. Nahezu alle politischen Hintergründe der Handlung sowie längere romantische Passagen wurden entfernt, wodurch sich der Fokus fast ausschließlich auf die Action- und Erotikszenen verschob. Im englischsprachigen Raum vertrieb man das Werk unter gänzlich verschiedenen Titeln, in Deutschland wiederum kursierten im Laufe der Jahre via Super-8-Heimkino und Videokassetten ebenso extreme Alternativtitel, die das Werk je nach Zielpublikum als historischen Abenteuerfilm oder reißerischen Sexploitation-Film vermarkten sollten.

Die Besetzung von "Isabella – Mit blanker Brust und spitzem Degen" vereint prägende Gesichter des europäischen Genrefilms der späten 1960er und 1970er Jahre. Die aus Mannheim stammende Brigitte Skay übernahm die titelgebende Hauptrolle der rachsüchtigen Adligen und wird hier sehr bestimmend als Blickfang und Identifikationsfigur eingesetzt. Nicht selten ist sogar von dem Höhepunkt ihrer Filmkarriere die Rede. Die Rolle verlangte ihr nicht nur physisches Geschick in den Action- und Fechtszenen ab, sondern machte sie aufgrund der extrem freizügigen Inszenierung auch zu einem gefragten Gesicht des europäischen Erotik- und Sexploitation-Kinos. Im Anschluss an diesen Film feierte sie noch weitere internationale Erfolge, konnte jedoch nie den richtig großen Durchbruch landen. Fred Williams verkörpert Isabellas Verbündeten und war in dieser Ära ein international gefragter Frauenschwarm und Charakterdarsteller, dementsprechend regelmäßig in berüchtigten Genrefilmen zu sehen. Der erfahrene italienische Schauspieler Mimmo Palmara übernahm den Part des skrupellosen Hauptantagonisten, der Isabellas Familie auslöscht. Palmara war ein absoluter Veteran des italienischen Kinos und insbesondere durch das Sandalenfilm-Genre weltbekannt und sorgt hier für die nötige Brisanz. Es sind viele weitere, gute italienische Bekannte in diesem sehr unterhaltsamen Streifen zu sehen, allerdings auch wenige von deutscher Seite. So darf man sich über das Auftauchen der immer schönen Hansi Linder Freuen und sich bei Thomas Astans Performance durchaus fragen, ob man ihm eine derartige Präsenz auf internationaler Bühne zugetraut hätte. Die zentrale Figur bleibt allerdings stets Brigitte Skay, deren Ausstrahlung perfekt auf das umtriebige Angebot abgestimmt ist. Ihre Intention bleibt Rache, ihre Dynamik kann innerhalb ihrer eigenen Filmografie als beispiellos beschrieben werden. Insgesamt gesehen hat Regisseur Corbucci einen überraschend unterhaltsamen und kurzweiligen Film auf die Beine gestellt, dessen reißerische Tendenzen nur noch für mehr Aufmerksamkeit sorgen. Geschickt verknüpft mit prickelnden Erotikstrecken, darf es zeitweise immer wieder derb zugehen, sodass ein größtmögliches Publikum zufriedengestellt werden kann. Nach diesem Film ist jedenfalls klar, dass man bei einer Affinität für Brigitte Skay auch eine ebenso starke für Isabella entwickeln dürfte. Die Wahrscheinlichkeit, dass es umgekehrt genau so sein dürfte, ist ebenso groß. Macht wirklich Spaß.

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Re: DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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WHITEFACE


● EDGAR WALLACE - WHITEFACE (D|1997/98) [TV]
mit Gunter Berger, Mariella Ahrens, Rosalind Baffoe, Horst Bollmann, Uwe Zerbe, Bojana Golenac, Heinz Meier, Willy Egger,
Victor Schefé, Christian Grashof, Christel Peters, Tyron Ricketts, Claudius Freyer, Heike Reichenwallner sowie Eddi Arent
eine Produktion der Rialto Film | im Auftrag von RTL
ein Fernsehfilm von Wolfgang F. Henschel

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»Ist das nicht etwas zu einfach gestrickt?«


Bei der Preisverleihung für den besten Buchautor im Bereich Thriller kommt es zu einem blutigen Eklat. Noch bevor der Gewinner sich vom Publikum feiern lassen kann, wird er mit einem Wurfmesser ermordet. Die geladenen Gäste sind zur Veranstaltung passend alle kostümiert, sodass der Täter mit einer Art Clown-Kostüm in der Masse nicht weiter aufgefallen war. Der ehemalige Kriminalreporter Shapiro (Horst Bollmann) nimmt die Verfolgung auf und kann Inspektor Higgins (Gunter Berger) und seiner Assistentin Barbara Lane (Mariella Ahrens) wichtige Hinweise geben, die schon bald zu einigen Verdächtigen führen. Die Ermittlungen ergeben, dass ein hinlänglich bekannter Verbrecher namens "Whiteface" wieder am Werk sein muss …

Wolfgang F. Henschels "Whiteface" markiert die achte und damit letzte Neo-Wallace-Verfilmung der 1990er Jahre, dem seine Premiere erst vier Jahre später zuteilwurde, was einiges über den verfehlten Erfolg dieser Reihe und die qualitative Sachlage aussagt. Auch hier lässt sich schnell umreißen, dass es dieser TV-Produktion an Originalität fehlt, wie bei den meisten übrigen Filmen der Reihe übrigens auch. Zu sehen ist erneut ein Schnipsel-Sammelsurium aus Wallace-Anleihen aus der Mutter-Reihe, versehen mit einigen Schein-Impulsen. Insgesamt wirkt das Angebot nur notdürftig in Form und Einklang gebracht, da der Mut zu etwas Neuem oder mehr abgekoppelten Angeboten weitreichend fehlt. Zwar kann der Einstieg auf einer unübersichtlichen Massenveranstaltung noch als gelungen und in trashiger Art und Weise spannend empfunden werden, aber es folgen Fließbänder der Plattitüden. Leider ist das Ganze im Rahmen der in Teilen wiederkehrenden Besetzung einfach auch nicht gut gespielt, sodass dieser TV-Film schnell zu Wünschen übrig lässt. Gespickt mit Relikten aus den großen und kleinen Wallace-Klassikern der 1960er Jahre, sind zahlreiche Kino-Plakate der Filme und sogar eine Film-Sequenz aus Alfred Vohrers "Das Gasthaus an der Themse" zu sehen, was unweigerlich an bessere Zeiten erinnert, zumal man Klaus Kinski und Elisabeth Flickenschildt zu sehen bekommt. Dann ist da ja auch noch Eddi Arent als Scotland Yard-Chef, dessen Performance erneut nur als Komiker vom Dienst wahrzunehmen ist. Ein Mord beunruhigt London, zumal er unbehelligt in aller Öffentlichkeit über die Bühne gehen konnte. Inspektor Higgins verweist darauf, dass es sich bei der Titelfigur und dem Mörder um keinen Unbekannten handele. Er und seine Assistentin Lane machen sich genau wie der Reporter Shapiro auf die Suche nach Spuren, und alles was folgt sind notdürftig miteinander verstrickte Handlungsstränge, die nicht immer mit dem Nimbus der Nachvollziehbarkeit versehen sind.

Dies ist dem wirklich schwachen Skript in die Schuhe zu schieben, welches auch andernorts schon in unangenehm trivialer und vor allem schlecht durchdachter Weise aufgefallen war. Die Story bleibt trotz Potenzials lau und substanzlos, baut daher vollkommen auf die ihres Erachtens fundamentalen Wallace-Schnittmuster, bestehend aus Spannung, Kopierdrang und Humor. Doch hier macht niemand Spaß, auch wenn es in dieser Beziehung ausgewiesene Szenen gibt. Eddi Arent als Hobby-Magier und Anti-Kompetenzkanone des Yard ist in seinem Abgesang zu erleben. Der Schauspieler nimmt seine Sache ernst, was unterm Strich als fatalste Meldung zu werten ist. Gunter Berger formt zwar erneut eine Type, bleibt aber als Identifikationsfigur wirkungslos, was leider in tatsächlicher Form und vergleichsweise gesagt werden muss. Mariella Ahrens wirkt regungslos und unbeholfen, was auch für Rosalind Baffoe und alle anderen gilt, die sich hier versammelt haben. Bei Horst Bollmann könnte man zwar etwas Routine herausfiltern, aber diese Mühe steht hier bei Weitem nicht mehr auf der Agenda. Bei allem Abklatsch wird hier klar, dass sich Atmosphäre nicht so einfach reproduzieren lässt, was unter dem Gesichtspunkt einer neuen Reihe gewiss auch nicht das Primärziel gewesen sein sollte. Ein bisschen mehr Mut und Selbstvertrauen hätten Regie, Schauspielern und Drehbuchautoren gut zu Gesicht gestanden, aber es kommt nur selten zu gelungenen Einstellungen und Momenten des Flairs. Als abschließender Film der achtteiligen Reihe ist "Whiteface" als doppeltes Schlusslicht zu werten und es ist kein Wunder, dass die Geschichte so lange auf eine Premiere beim Haussender RTL warten musste, denn das Zuschauerinteresse flachte seinerzeit unmittelbar und signifikant ab. Als Wallace-Fan sollte man die Filme vielleicht dennoch einmal gesehen haben, um sich selbst ein Bild von der sperrigen Qualität dieser Produktionen machen zu können, und um ein paar nostalgische Momente zu erleben, die leider im TV-Hochglanz verblassen.

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Re: DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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DAS GEHEIMNIS DER ALTEN MAMSELL


● DAS GEHEIMNIS DER ALTEN MAMSELL (D|1972) [TV]
mit Giulia Follina, Brigitte Horney, Inge Langen, Volkert Kraeft, Ingeborg Schöner, Dieter Borsche, Hilde Sessak, Ingeborg Steinbach, Hilde Weissner,
Joachim von Ulmann, Georg Hartmann, Karin Schroeder, Patricia Rissmann, Christiane Theuss, Ruth Breitag und als Erzähler Friedrich W. Bauschulte
eine Produktion der Chamier Film | im Auftrag des ZDF
nach dem Roman von Eugenie Marlitt
ein Fernsehfilm von Herbert Ballmann​

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»Schamlos!«


Als die Mutter (Karin Schroeder) der kleinen Felicitas (Christiane Theuss) unter tragischen Umständen auf der Bühne stirbt, wird diese von der wohlhabenden Familie Hellwig aufgenommen. Doch es dauert nicht lange, bis auch ihr Beschützer, der alte Kommerzienrat (Dieter Borsche), stirbt. Fortan wird sie von der Dame des Hauses (Inge Langen) wie eine Magd behandelt und unter dem Deckmantel einer christlichen Erziehung bei jeder sich bietenden Gelegenheit gedemütigt. Zuneigung findet sie fortan bei der in eine Dachwohnung gesperrten alten Mamsell (Brigitte Horney), die nach Ansicht der Familie nicht gesellschaftsfähig ist. Sie gibt Felicitas Unterricht und bringt ihr alles bei, was eine selbstbewusste und ehrliche junge Dame wissen muss …

In einem Zeitraum von 1972 bis 1985 erschienen fünf Fernseh-Verfilmungen nach Vorlagen der deutschen Schriftstellerin Eugenie Marlitt, deren Fortsetzungsprosa beinahe ausschließlich in der Familienwochenschrift "Die Gartenlaube" erschien, einem Vorläufer moderner Illustrierter. Mit "Das Geheimnis der alten Mamsell" fand die Reihe einen sehr gelungenen Start, basierend auf einer in Teilen abgewandelten Erzählung, die bei Erscheinen im Jahr 1867 für heftige Kritik sorgte. Im Zentrum steht Felicitas, deren Werdegang man in einer gestrafften Inszenierung im Alter von 5 bis über 18 Jahre begleiten kann. Gesellschaftliche Korsetts und ein Unterdrückerprinzip verleihen der von Regisseur Herbert Ballmann inszenierten Geschichte eine immer aktuell und fesselnd wirkende Silhouette, auch wenn man sich zeitlich und örtlich gesehen in völlig anderen Zeiten wiederfindet. Alleine der kryptisch wirkende Titel weckt Interesse an einer vor der kritischen und hinterhältigen, gehobenen Gesellschaft entfernten alten Dame, deren Capricen und Wissen auf Dauer allzu unangenehm geworden wären. Im Hause Hellwig herrscht eine gut durchchoreografierte Frömmigkeit, deren Barrieren nicht die eigenen vier Wände sind, sondern erst anfängt, wenn man sich außerhalb derer befindet. So werden der Abwechslung und Gerechtigkeit halber verschiedene Entwürfe von Charakteren vorgestellt, die sich in fundamentalen Einstellungen zum Leben und zur Gesellschaft unterscheiden. Zum größten Teil wimmelt es geradezu von angriffslustigen Hyänen, die wie Mühlsteine um den Hals der jungen Protagonistin baumeln. Das Leben ist trotz der feudalen Verhältnisse für sie karg und unmenschlich, nur in Sequenzen mit der Titelfigur bekommt auch der Zuschauer etwas Balsam für die Seele geboten. Größter Star dieser Produktion ist sicherlich Brigitte Horney in der Titelrolle, deren weltoffene Ansichten die vermeintliche Verschrobenheit sehr gut übertünchen können. Heimlicher Star dieser Veranstaltung bleibt jedoch die Hamburgerin Giulia Follina als ältere Felicitas, deren Performance einfach nur als formvollendet zu beschreiben ist. Ihre erzwungene Unterwürfigkeit lässt immer wieder die eingeborene Lust aufblitzen, sich gegen die hier hoheitsvoll wirkenden Obrigkeiten aufzulehnen, die von der Hausherrin bis zur Köchin reichen, da jeder in der Hierarchie über ihr zu stehen hat. So wird es alles andere als leicht, sie zu begleiten.

Follina agiert unbefangen und überaus dynamisch, ihre angenehme Stimmfärbung bringt es zu blendenden Dialogen, die nicht nur begeistern, sondern auch zu denken geben. Die junge Frau, die wesentlich mehr als Trotzköpfigkeit verkörpert, ist umzingelt von niederträchtigen Personen, deren Intensität von den entsprechenden Interpreten entworfen wird. Hier zu nennen ist vor allem Inge Langen, diese großartige Schauspielerin mit der alles durchdringenden Stimme, die ihre verhasste Ziehtochter geißelt und demütigt, und das aus Prinzip. Da sich ihr Mann seinerzeit gegen ihr Veto durchsetzen konnte, ist Felicitas, deren angeblich blasphemischer Name kurzerhand umgeändert wurde, wie ein Spiegel ihrer eigenen Unzulänglichkeit. An ihrer Seite agiert eine hier umwerfende, da völlig eitle und biestige Ingeborg Schöner, und dieses Duo kann sich wirklich sehen lassen. Als Gegenentwurf thront eine wie immer leichtfüßige Brigitte Horney als graue Eminenz, deren Weltoffenheit trotz eines Lebens im Gefängnis ungebrochen erscheint. Sie beweist mit Leichtigkeit, dass man ein unschuldiges Geschöpf auch ohne Zwänge und Züchtigung auf einen guten Weg bringen kann, doch sie hütet ein dunkles Geheimnis. Diese Gewissheit fabriziert eine permanente Grundspannung, die das Szenario in ausgewählten Sequenzen zum Hochkochen bringen kann. Des Weiteren ausstaffiert mit bekannten Namen, Stars und Sternchen, kann man auf interessante Darbietungen von Volkert Kraeft, Hilde Weissner, Karin Schroeder, Hilde Sessak, Georg Hartmann, Ingeborg Steinbach oder Dieter Borsche blicken, deren Interpretationen diese Geschichte mit zu einer gehobenen Angelegenheit machen. Um zeitliche Sprünge nicht allzu grob wirken zu lassen, gibt es immer wieder einen Off-Kommentar von Friedrich W. Bauschulte, der die Geschichte erklärend zusammenfügt. Sicherlich lassen sich große Anteile ausfindig machen, die kitschig oder gar theatralisch wirken. Manche würden vielleicht sogar von einer Art Schmonzette sprechen. Auch die teils bühnenhaften Darbietungen muss man wohl bedingungslos annehmen können, um mit dieser TV-Produktion insgesamt d'accord zu sein. Unterm Strich gibt es jedenfalls sehr viel Positives zu finden, sodass es dieser ersten von fünf Marlitt-Verfilmungen mit Leichtigkeit möglich ist, die Messlatte sehr hoch anzulegen. Außerdem gibt es ja noch das hier angekündigte Geheimnis der alten Dame zu lüften, das wie die Büchse der Pandora geöffnet wird, um diverse Personen aus ihren Komfortzonen zu drängen.

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