Der Vampir von Notre-Dame (D)
I vampiri (IT)
Les vampires (F)
Los vampiros (ES)
Os Vampiros (POR / BRA)
El vampiro (ARG)
The Devil's Commandment
Evil's Commandment
Lust of the Vampire
The Vampires
IT 1957
R: Riccardo Freda & Mario Bava
D: Gianna Maria Canale, Carlo D'Angelo, Dario Michaelis, Paul Muller, Wandisa Guida, Angelo Galassi, Renato Tontini, Charles Fawcett, Gisella Mancinotti, Miranda Campa, Barbara Wohl, Riccardo Freda u.a.
Deutsche Erstaufführung: 28.11.1958
Synchronkartei
Schnittbericht: Deutsche Kinofassung - Italienische Kinofassung
Schnittbericht: US Kinofassung - Italienische Kinofassung
Schnittbericht: UK-Kinofassung - US-Fassung
Italo-Cinema
Nischenkino (Buchbesprechung)
Score: Roman Vlad
IMCDb
OFDb
"Es handelt sich ausnahmslos um junge Mädchen, die alle der gleichen Blutgruppe angehören."
Der sogenannte "Vampir" trübt den romantisch-verklärten Blick auf Paris. Aus der Seine birgt die Gendarmerie wiederholt Frauenleichen: ein unheimlicher Killer mordet in Serie und lässt lediglich die des roten Lebenssaftes zur Gänze beraubten Hüllen kaum erblühter Weiblichkeit in den kühlen Fluten zurück. Der gewiefte Reporter Lantin (Dario Michaelis) begibt sich auf die Suche nach dem Mörder. Im Zuge seiner Ermittlungen lernt er die "Duchess du Grand" (Gianna Maria Canale) kennen und diese ihn lieben. Zu ihrem Leidwesen gehört das Herz des Reporters einer anderen. Bald schon verschwindet Lantins Freundin (Wandisa Guida) auf mysteriöse Weise. Wissenschaftler Julien (Antoine Balpêtré) wiederum ist in Liebe zu Duchess entflammt und hat außerdem ein Lebenselixier, welches aus dem Blut junger Frauen gewonnen, den natürlichen Alterungsprozess zu stoppen- und scheinbar ewige Schönheit zu spenden vermag. Langsam fügen sich die Geschehnisse zu einem furchtbaren Kaleidoskop des Schreckens zusammen... [Quelle: Anolis]
Ein schrecklicher Fund an der Seine. Eine junge Frau wird tot im Pariser Fluss entdeckt. Alles Blut wurde aus ihr herausgesaugt. Die Polizei ist alarmiert und macht sich auf die Suche nach einem wahnsinnigen Serienkiller. Der junge Journalist Pierre Lantin (Dario Michaelis) will dem gruseligen Mord auf eigene Faust nachgehen. Nacht für Nacht streicht er durch die Gassen rund um Notre Dame, um den Spuren des Mörders zu folgen. Sie führen ihn zu einer mysteriösen Herzogin (Gianna Maria Canale), die ein unheimliches Geheimnis verbirgt. [Quelle: Plaion Pictures]
DER VAMPIR VON NOTRE DAME stellt nicht nur den ersten Horrorfilm dar, der im Italien der Nachkriegszeit gedreht wurde, sondern auch Mario Bavas erste Regietätigkeit - obwohl dieser ursprünglich nur als Kameramann engagiert wurde. "Der Film entstand in einer Zeit des Aufschwungs der italienischen Filmindustrie, der es dem Markt ermöglichte, über das italienische Publikum hinaus zu expandieren und italienischen Filmemachern die Erkundung neuer Genres zu gestatten. Freda schloss einen Vertrag mit Produzenten des italienischen Filmstudios Titanus ab , um einen Low-Budget-Horrorfilm zu drehen. Sie wollte die Geschichte innerhalb eines Tages schreiben und den Film in zwei Wochen abdrehen. Die Produzenten stimmten zu, und Freda begann mit den Dreharbeiten. Am letzten Drehtag verließ Freda das Set, woraufhin Kameramann Mario Bava die Regie übernahm und den Film fertigstellte. Dabei wurden verschiedene Handlungspunkte verändert und Archivmaterial hinzugefügt." (Quelle). Zu den Gründen, warum Riccardo Freda am zwölften Dehtag das Set verließ, existieren mehrere Versionen. Während es allgemein heißt, Freda hätte wegen Missverständnisse mit dem Produzenten das Handtuch geschmissen, soll Mario Bava erzählt haben, dass Freda einfach nur zu lange für den Dreh gebraucht habe. Auf jeden Fall zählten zu den Änderungen, die Bava in letzter Minute vorgenommen hatte, "die Umwandlung der Nebenfigur des Journalisten in die Hauptrolle sowie die Streichung einer Nebenhandlung über einen zerstückelten Verbrecher, der nach der Wiederzusammensetzung zum Leben erwacht. Bava erweiterte außerdem andere Teile des Films mit Archivmaterial und Montagen von Zeitungsdruckereien". (Quelle). Außerdem unterschied sich Bavas von Fredas ursprünglichem Ende, in dem die Antagonistin erhängt aufgefunden wurde. Letztlich standen ihm lediglich zwei Drehtage zur Verfügung, um den Film mit sämtlichen Änderungen zu vollenden. Sein atemberaubender Spezialeffekt, bei dem er die Verwandlungsszenen der Herzogin ausschließlich mit farbigen Licht in Verbindung mit der auf dem Gesicht der Schauspielerin aufgebrachten Schminke erzeugte, verschlägt dem geneigten Zuschauer auch heute noch vollends die Sprache.
Basierend auf einem Drehbuch, das von Riccardo Freda, Piero Regnoli und Mario Bava verfasst wurde, erzählt DER VAMPIR VON NOTRE DAME eine moderne Version der Geschichte der Gräfin Bathory, die aber im vorliegenden Film von einem unmoralischen Wissenschaftler dabei unterstützt wird, das benötigte Verjüngungsserum aus dem Blut entführter Mädchen zu gewinnen. Nebenbei ist es dem Wissenschaftler gelungen, tote Menschen wieder zum Leben zu erwecken, die er dann wiederum für seine Zwecke instrumentalisiert. Neben den Horrorelementen, die in erster Linie aus der beeindruckenden Bildgestaltung Bavas resultieren, weist der Streifen aber auch Bestandteile des Kriminalfilms auf, die sich in erster Linie in der Ermittlungsarbeit des Hauptprotagonisten sowie der Polizei bemerkbar machen. Hinzu gesellen sich atemberaubende Setdesigns sowie eine unheimlich schöne Schaueratmosphäre, die den Film schließlich zu einem filmischen Hochgenuss macht. Abgerundet wird das Ganze mit einer hervorragenden Synchronfassung, für die sich das Münchner Aventin-Filmstudio verantwortlich zeigte. Die Vorführung der 35mm-Fassung auf dem Italo-Cinema-Festival 2024 bleibt für mich ein unvergessliches Erlebnis.
"In den USA und Großbritannien wurde der Film unter den Titeln „ The Devil's Commandment“ bzw. „Lust of the Vampire“ veröffentlicht . Englische Kritiker diskutieren den Film vorwiegend im Hinblick auf seine Kameraführung und seine Bedeutung für die Filmgeschichte. Obwohl er der erste italienische Horrorfilm war, dauerte es bis zum Erscheinen des britischen Films „Dracula“ (1958) und des internationalen Erfolgs „Black Sunday“, bis vermehrt Horrorfilme in Italien produziert wurden." (Quelle)
Kritik:
„(Freda) skizzierte bereits die wesentlichen Kriterien der italienischen „gothic horrors“ vor: die starke Betonung der visuellen Komponente; die Wichtigkeit von Sex und erotischer Spannung; die Entschlossenheit, die Aktionen auch zu zeigen, sie nicht nur zu versprechen. Das hieraus entstandene Gruselstück ist prachtvoll anzusehen und gehört fraglos zu den eindrucksvollsten Beispielen seiner Gattung.“ [Christian Keßler]
Zeitgenössische Kapriolen, bei denen sich einem die Nackenhaare sträuben:
Wie bei Genrefilmen üblich beurteilte die zeitgenössische konfessionelle Kritik den Film vernichtend: „Gulasch aus filmischen Resten“ [Filmdienst]; „widerwärtiges Produkt krankhafter Phantasie“ [Filmbeobachter]; „Primitiv gebastelter Gruselfilm, der weder aus der makabren Handlung noch aus den sich daraus ergebenden Versatzstücken des Genres irgendein Kapital zu schlagen versteht.“ [Lexikon des internationalen Films]. Heute wird er jedoch zu den Klassikern des gotischen Horrorfilms gezählt. (Quelle)
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