TAUSEND MILLIARDEN DOLLAR - Henri Verneuil

Türkploitation, isländische Kannibalenfilme und alles andere aus Europa
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Richie Pistilli
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TAUSEND MILLIARDEN DOLLAR - Henri Verneuil

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Tausend Milliarden Dollar (D)
Der Clan der Giganten (D)
Mille milliards de dollars (F)
Mille miliardi di dollari (IT)
Mil millones (ES)
O Poder do Dinheiro (POR)
Mil Milhões de Dólares (BRA)
A Thousand Billion Dollars

F 1982

R: Henri Verneuil
Patrick Dewaere, Michel Auclair, Caroline Cellier, Charles Denner, Jeanne Moreau, Mel Ferrer, Anny Duperey, Fernand Ledoux, Jean Mercure, Jacques Maury, Jacques François, André Falcon u.a.



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Deutsche Erstaufführung: 27. Mai 1982

Synchronkartei

ARTE-Mediathek

Score: Philippe Sarde

OFDb



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"Selbst wenn es in der Natur der Dinge liegt, dass sich die Wirtschaft ständig dynamisch weiterentwickelt, ist es nur sehr schwer zu begreifen, dass von dieser Weiterentwicklung nur etwa 30 Unternehmen auf der ganzen Welt profitieren. Nun wäre es Aufgabe der Regierungen, der Politiker, diese 30 Unternehmen zu kontrollieren und ihren unersättlichen Expansionsdrang zu bremsen. Da die Politiker aber dazu, aus Unvermögen oder Eigennutz, nicht in der Lage sind, können diese Wirtschaftsriesen beruhigt vom Thron ihrer Macht aus auf uns herabsehen. Sie lächeln über uns, mit unseren kleinen Fähnchen, unseren Grenzen, unseren Bomben, unserem Patriotismus, unseren Ideologien und unseren kleinlichen Streitereien. Für sie ist nur eines wichtig; dass unten auf der Jahresbilanz nur eine Zahl erscheint: 1000 Milliarden Dollar!"


Paul Kerjean (Patrick Dewaere) hat sein Leben dem Journalismus verschrieben. Selbst sein Privatleben opferte er der Arbeit, so dass seine Ehe scheiterte. Dafür gelang ihm der Sprung von einer kleinen Regionalzeitung zur Pariser "La Tribune". Von Kerjeans Fähigkeiten als investigativem Journalist hat auch ein anonymer Informant gehört, der ihm in einem Parkhaus brisantes Material übergibt: Demnach ist Jacques Benoît-Lambert (Robert Party), Chef einer staatlichen Energiefirma, korrupt. Tatsächlich findet Kerjean weitere belastende Fakten. Mit seiner Story schafft er es auf die Titelseite. Kurz darauf wird Benoît-Lambert tot aufgefunden. Kerjean bezweifelt bald, dass Benoît-Lambert sich, wie offiziell verlautbart, aus Scham selbst erschossen hat. Bei seinen Recherchen stößt er auf den multinationalen Konzern G.T.I. und dessen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg. Paul Kerjean und seine Familie geraten in Gefahr. Doch er ist entschlossen, die Wahrheit über das Geschäftsgebaren der G.T.I. an die Öffentlichkeit zu bringen. [Quelle: ARTE]




"Bisher habe ich immer noch daran gezweifelt, dass sie uns von einer militärischen Besatzung zu befreien, um diese dann durch eine wirtschaftliche zu ersetzen."


Wow! Henri Verneuils mitreißender Politthriller konnte mich gestern Abend auf Anhieb vollends begeistern. Der Film ist eine Adaption des 1969 erschienenen Buchs „Tausend Milliarden Dollar – 60 Mammutkonzerne beherrschen 1985 die Wirtschaft der Welt" (Mille milliards de dollars: le monde économique de demain) von Robert Lattès und wirkt angesichts des aktuellen Weltgeschehens aktueller denn je. TAUSEND MILLIARDEN DOLLAR erzählt die fiktive Geschichte eines aufrechten Journalisten, der im Rahmen einer großangelegten Recherche feststellen muss, dass allein die 30 größten globalen Unternehmen im Jahr 1982 einen kolossalen Jahresumsatz von einer Billion Dollar erwirtschafteten. Im Mittelpunkt steht dabei der multinationale Konzern G.T.I., der nicht nur weltweit enge Verbindungen zu den jeweiligen politischen Machtinhabern unterhält, sondern auch "zu jenen nur 30 größten Unternehmen der Welt" zählt, "die zusammen einen Jahresumsatz von Tausend Milliarden Dollar erzielen – 10 Prozent des Jahresumsatzes aller Unternehmen der ganzen Welt (ohne damalige Ostblockstaaten), mit Konzerntöchtern sogar 20 Prozent – eine ungeheure Machtkonzentration in den Händen Weniger." (Quelle). Und wie so oft in der Geschichte, begann der Siegeszug der G.T.I. infolge einer engen Kooperation mit dem deutschen Hitlerreich, bei der sie sich mit Waffenlieferungen an Nazi-Deutschland während des Zweiten Weltkriegs eine goldene Nase verdienten. Dementsprechend prangert Henri Verneuil in seinem spannungsgeladenen Thriller unverhohlen an, dass Konzerne im Namen der Profitmaximierung nicht nur um jeden Preis über Leichen gehen, sondern auch weltweit immer mehr Macht erlangen. Diese seit damals ungebrochene Entwicklung befindet sich heutzutage nicht nur international auf einem neuen Höhepunkt, sondern hat den Multi-Konzernen zwischenzeitlich auch eine dermaßen große Macht verliehen, dass diese gemeinsam mit regierenden Autokraten sogar gewachsene Demokratien zerstören können, um anschließend ein technokratisch-faschistoides Herrschaftssystem zu etablieren, in dem Gewalt, Unterdrückung und Ausbeutung auf der Tagesordnung steht.


"Wie Henri Verneuil selbst verschiedenen Medien zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Films mitteilte, wollte er vor allem die Gefahren der Globalisierung anprangern, die die Entstehung ausufernder und unmenschlicher Gesellschaften begünstigt, in denen der Einzelne lediglich ein austauschbares Spielball ist, der zum eigenen Überleben dazu gezwungen ist, für diese mächtigen Gruppen Einnahmen zu generieren." (Quelle)


Als Hauptdarsteller verpflichtete Verneuil den französischen Schauspieler Patrick Dewaere, den ich bereits durch seine eindrucksvolle Darbietung in Yves Boisset DER RICHTER, DEN SIE SHERIFF NANNTEN sehr zu schätzen gelernt habe. Nachdem Dewaere in den 1970ern seine Blütezeit als Schauspieler genoss, kam seine Karriere infolge eines Übergriffs auf einen Journalisten um Jahr 1980 kurzzeitig zum Erliegen. Der Grund für seinen Ausraster war ein Vertrauensbruch des Journalisten Patrice de Nussac, der sein – aufgrund ihrer Freundschaft gegebenes – Versprechen gebrochen hatte, Dewaeres bevorstehende Hochzeit mit Elsa Chalier, die für den 19. Dezember geplant war, nicht zu enthüllen. Chalier verließ Dewaere 1982 wegen seines Freundes Michel Gérard Joseph Colucci - besser bekannt als Coluche (= Gérard Duchemin, BRUST ODER KEULE). Kurz darauf, am 16. Juli 1982, erschoss sich Dewaere in seinem Haus in Paris mit einem Gewehr vom Kaliber 22, das ihm von Coluche zuvor geschenkt worden war. In weitere Rollen brillieren Mel Ferrer, Jeanne Moreau, Charles Denner und Jean Mercure. Was bleibt, ist ein mitreißender Politthriller der Extraklasse, dem hierzulande obendrein eine hervorragende Synchronfassung verliehen wurde. Wer den spannungsgeladenen Film noch nicht kennt, der kann sich das beeindruckende Werk noch bis zum 01.11.2026 in der ARTE-Mediathek ansehen.


"Der französische Spannungsexperte Henri Verneuil setzte die beklemmende Thematik Anfang der 1980er-Jahre als interessanten und weitgehend spannend entwickelten Polit-Thriller um. Die Warnung vor einem immer größeren Vermögen in den Händen von immer weniger Konzernen erscheint dabei auch aus über 40-jährigem Abstand ebenso visionär wie zutreffend. Manche Effekte und die eher komplizierte Erzählform mit verschachtelten Rück- und Vorausblicken werden durch die sichere Inszenierung und eine Riege exzellenter Charakterköpfe aufgefangen." (Filmdienst)


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