Trotz der heißen Temperaturen, die uns die letzte Woche über im Griff hatte, konnte ich es mir nicht verkneifen, nach all den Jahren wieder in die traumhafte Kulisse der polynesischen Inselwelt zurückzukehren, um mir noch einmal die unfassbare Geschichte anzutun. Letztlich ließ mich die Handlung ein weiteres Mal ratlos zurück, obwohl mir auch ein prägnanter Unterschied zur damaligen Sichtung ins Auge stach: Die Rolle von Doris Kunstmann. Sie ist letztlich die Einzige, die dem herabwürdigenden Verhalten Corrado Panis nicht nur souverän entgegentritt, indem sie ihm ordentlich Paroli bietet, sondern diesem auch ungeschönt den Spiegel vors Gesicht hält. Da Frau Kunstmann zum damaligen Zeitpunkt bereits mit dem Regisseur liiert war, liegt die Vermutung nahe, dass ihre korrekte Sicht der Dinge auch von Ugo Liberatore geteilt wurde, was wiederum bedeuten würde, dass er die letztendliche Entscheidung seiner Hauptprotagonistin als einen folgenschweren Fehler einordnet, vor dem er seine Zuschauer warnen möchte. Anders kann ich mir diesen Film nicht erklären, in dem Corrado Pani ein wahrhaftiges Arschloch spielt, der Frauen nicht nur die Würde und den Stolz nimmt, sondern sich auch ansonsten als ein zynischer, sarkastischer Rassist entpuppt, der Frauen verdrischt, die er obendrein als seinen Besitz ansieht. Kein Wunder, dass seine von der liebreizenden Haydée Politoff gespielte Ehefrau vor ihm das Weite sucht und sich in die herrliche Landschaftskulisse der polynesischen Inselwelt flüchtet, wo sie einen einfühlsamen Mann findet, der ihr ein zufriedenstellendes Leben bietet. Umso unfassbarer, dass sie am Ende doch wieder zu ihm zurückkehrt, obwohl er anstatt Einsicht und Reue zu zeigen, genauso weitermacht, wie zuvor in ihrer gemeinsamen Ehe.
Fazit: "Ich habe es immer gewusst. Du hast mich gequält, Du hast mir mein letztes bisschen Stolz genommen, aber ich liebe Dich einfach."
"Bora Bora wurde von American International Pictures für den amerikanischen Vertrieb übernommen . Diese entfernten einige Szenen (wodurch die Laufzeit von 97 auf 90 Minuten verkürzt wurde) und ersetzten die Originalmusik des italienischen Komponisten Piero Piccioni durch eine neue Partitur der Exotica- Legende Les Baxter , dem vom Studio ausgewählten Komponisten." (Quelle)