Enfant Terrible (2020)
Originaltitel: Enfant Terrible
Herstellungsland: Deutschland
Erscheinungsjahr: 2020
Darsteller: Oliver Masucci, Harry Prinz, Katja Riemann, Erdal Yildiz, Jochen Schropp, Götz Otto, Alexander Scheer, Eva Mattes, Frida Lovisa Hamann, Christian Berkel, André Hennicke, Detlef Bothe, Meike Droste
Regie: Oskar Roehler
"Enfant Terrible" von Oskar Roehler zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass der Film kein brav nacherzähltes Künstlerporträt bzw. kein klassisches Biopic über Rainer Werner Fassbinder ist, sondern eher ein mutiges, stilisiertes, künstliches und zugleich äußerst interessantes Filmtheater über das Prinzip Fassbinder. Selbsbverständlich sollte man Roehlers Werk zur realen, historischen Person Fassbinder distanziert betrachten. Wie gesagt "Enfant Terrible" ist kein Biopic, will es auch nicht sein, sondern ist viel mehr ein abstraktes Kunstwerk. Der Film ist deshalb so stark, weil er Fassbinder nicht erklärt, sondern ihn als Ereignis inszeniert. Die Hauptrolle mag zwar dem realen Fassbinder nachempfunden sein, aber sie ist keine dokumentarische Rekonstruktion von ihm als wirkliche Person. Sie ist viel mehr eine grelle, verdichtete, überzeichnete und manchmal monströse und gerade deshalb passende Kunstfigur. Der Film ist kein Tatsachenprotokoll, sondern zeigt die innere und äußere Welt einer Kunstfigur: eine Welt aus Besessenheit, Wut, Gewalt, Melodram, Abhängigkeit, Homosexualität, Arbeitswahn, Ungeduld, Demütigung, Größenwahn und unstillbarer künstlerischer Gier. Hinter aller Destruktivität steckt aber auch Liebe und Verletzlichkeit. Natürlich gibt es auf gewissen Ebenen einige Parallelen zur realen Person Fassbinder, wie man ihn z.B. aus Interviews, Filmen, Zeitdokumenten und anderen Quellen kennt bzw. einordnet. Der überwiegende Teil im Film konzentriert sich jedoch auf die Kunstfigur Fassbinder, die absolut grandios von Oliver Masucci verkörpert ist. Seine äußerst wirkungsvolle Performance trägt den Film. Man erkennt manches - aber nicht alles - vom echten Fassbinder wieder. Auch rein formal betrachtet ist der Film recht mutig gemacht. Er ist bewusst nicht naturalistisch, sondern stark theatralisch, künstlich und hochstilisiert inszeniert. Kamera und Schnitt unterstützen den fiebrigen Charakter des Films. Mich hat "Enfant Terrible" prächtig unterhalten. Man wird als Zuschauer zum Glück nicht gemütlich durch eine "brave" Biografie geführt, sondern immer wieder in neue emotionale Brennräume geworfen. Man ist wahrlich gespannt und wartet ungeduldig ab, was als nächstes im Film passiert: auf den nächsten Ausbruch, die nächste Konfrontation, die nächste Verdichtung der Kunstfigur Fassbinder. Von mir gibt es 9-10/10
ENFANT TERRIBLE - Oskar Roehler
- alex_wintermute
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Re: ENFANT TERRIBLE - Oskar Roehler
Hatte den Film zwar mal angetestet, aber irgendwie bin ich mit ihm nicht richtig warm geworden, so dass ich nach 30 Minuten die Stopp-Taste betätigte.
Aber infolge Deiner Besprechung werde ich dem Film irgendwann eine zweite Chance einräumen.
Aber infolge Deiner Besprechung werde ich dem Film irgendwann eine zweite Chance einräumen.