DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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Prisma
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Re: DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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Lil Dagover

THE WOMAN FROM MONTE CARLO


● THE WOMAN FROM MONTE CARLO (US|1932)
mit Walter Huston, Warren William, George E. Stone, Robert Warwick, Matt McHugh, Frederick Burton, Frank Leigh und John Wray
eine Produktion der First National Pictures
ein Film von Michael Curtiz

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»Pflicht, Pflicht... Ich kann es einfach nicht mehr aushalten!«


Deanna Corlaix (Lil Dagover) hat den Ruf einer Vergnügungssuchenden in den Casinos von Monte Carlo erhalten, doch sie sehnt sich nach gesellschaftlicher Anerkennung und heiratet den erhabenen Corlaix, Kapitän der französischen Marine. Doch ihr Gatte ist die meiste Zeit auf See, während Deanna vereinsamt. Sie gerät in eine kompromittierende Situation mit einem jungen Offizier namens Leutnant d'Entrecasteaux (Warren William) und zu allem Überfluss taucht ein Gespenst aus der Vergangenheit auf, bis sie sich Manipulationsversuchen ausgesetzt sieht. Als die La Fayette, das Schiff ihres Mannes, in ein Seegefecht gerät, ist seine Ehefrau heimlich an Bord, was die Karriere des Kapitäns und gleichzeitig die Ehe zu zerstören droht …

Die Dreharbeiten zu Michael Curtiz "The Woman from Monte Carlo" begannen ab Mitte Oktober 1931, bevor es Anfang 1932 zu dessen US-amerikanischem Massenstart kam. Lil Dagover wurde durch große Kampagnen beworben, doch der Film wurde insgesamt kein großer kommerzieller Erfolg, sodass er auch nie einen deutschen Kinostart erleben durfte, hierzulande gleich nach Erscheinen in den USA in Vergessenheit geriet. Für Dagover, die im Vorspann noch vor dem Titel und ihren durchaus namhaften männlichen Kollegen genannt wird, und in den Vereinigten Staaten einen großen Bekanntheitsgrad genoss, sollte es die einzige Arbeit in Hollywood bleiben, welches ihr laut eigenen Aussagen nicht besonders zugesagt haben soll. Ob es sich nur um eine Halbwahrheit handelt und man sie einfach nicht wie etwa Marlene Dietrich etablieren konnte, sei dahin gestellt. Der Film bedient für die Entstehungszeit typische Mechanismen des Liebesdramas und setzt auf Dialoglastigkeit, die das Ganze etwas zäh werden lässt. Hinzu kommt, dass man sich überwiegend im Vakuum Schiff wiederfindet und mit einer Vorhersehbarkeit konfrontiert ist, die selbst die spannendsten Sequenzen entschärfen wird. Dennoch bleibt es überaus beachtlich, Lil Dagover in diesem Film zu sehen, deren Karriere sich über einen beachtlichen Zeitraum von über 60 Jahren erstreckte und bereits im Stummfilm begann. Hier avancierte sie zum Star, über die Jahrzehnte gesehen sogar zur Stilikone mit dem ewigen Gesicht, da tatsächlich in keiner Dekade zu erkennen war, in welchem (teils hohen) Alter sie sich gerade befand. Ihre sparsame, beinahe maskenhafte Mimik kommt auch hier zum Tragen, ihr Temperament äußert sich in Gebärden und Worten. Interessant ist, dass sie im Film immer wieder ins Deutsche verfällt, wenn sich ihre Deanna Corlaix beispielsweise freut oder ärgert. Dagover steht ihren weiblichen US-amerikanischen Stars in nichts nach, kann sie hier jedoch auch nicht maßgeblich übertrumpfen. Dafür ist die Geschichte zu handelsüblich und die Dramaturgie bietet keine Möglichkeiten eine Sternstunde zu kreieren. Szenen einer Ehe repräsentieren gleichzeitig die Probleme einer Ehe, da die Pflicht des Marinekommandanten Corlaix für monatelange Pausen und dementsprechend Intervalle der Sehnsucht sorgt.

Dafür, dass der Film schon so alt ist, sollte man ihm insgesamt weniger Vorwürfe machen, als es der eigene Impuls verlangt, denn die Palette der vorhandenen Möglichkeiten wird effektiv ausgenutzt. Man sieht annehmbare Tricks, die zeitbezogen sicherlich gut waren, spannende Intervalle, die in den richtigen Momenten zuzupacken wissen und zwischenmenschlichen Zündstoff, der heute vielleicht anders aussieht, aber gewiss noch in anderen Reinformen vorhanden ist. Lil Dagovers unverkennbare Eleganz, die sich in den diskreten Momenten der Geschichte in eine besondere Art der Dominanz umzuwandeln zu scheint, verfeinert das Geschehen manchmal herb, hin und wieder bittersüß, und ihre Partner Walter Huston, Warren William und John Wray stehen ihren Mann und das nicht nur im Sinne der dramaturgischen Anlegungen. So viele positive Komponenten sich auch aufzählen lassen, am Ende bleibt der persönliche Geschmack Richter und Henker zugleich, sodass sich lediglich ein Fazit des Durchschnitts abzeichnen kann. Viele Intervalle wirken durch ihre langen Dialogstrecken zwischen gleichen Personen nicht nur geschwätzig, sondern richtiggehend langweilig, außerdem kommt es zu allerlei Füllmaterial. Unterm Strich bleibt jedoch wieder einmal Lil Dagover, um die sich eine Faszination zusammenbraut, wie die tosende See um die La Fayette. Bereits wenige Jahre später oder vielleicht auch schon hier, wurde sie zur lebenden Legende, da sie den Transfer zum Tonfilm schaffte, woran viele ihrer Kollegen gescheitert waren. Ihre Ausdrucksmöglichkeiten liegen daher weiter zurück als die der alten Schule, die Regie lässt einen enormen Distanzaufbau bestehen, der Lil Dagover vielleicht ein wenig am Zielpublikum vorbeizumanövrieren droht. Als Identifikationsfigur erscheint sie dramaturgisch und generell zu unnahbar zu sein. Unterm Strich bleibt also eine interessante und nicht minder faszinierende Studie zurück, die den eigentlich zu melodramatischen und durchsichtigen "The Woman from Monte Carlo" interessanter als gedacht machen. Späte Szenen am Gericht, im Zeugenstand und die Integration des Schicksals bringen das Geschehen zu einem versöhnlichen Abschluss und man sollte insgesamt nicht vergessen und unterschlagen, dass das Produktionsjahr 1932 nun auch schon wieder einige Monate zurückliegt.

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Prisma
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● DIE INSEL DER BLUTIGEN PLANTAGE (D|1982)
mit Udo Kier, Barbara Valentin, Hans Zander, Karen Lopez, Rosemarie Sarita, Kurt Raab, Peter Kern, Mike Monty,
Karina Fallenstein, Fouad Mediouni-Zaoudi, Ronald Buenaventura sowie Tet Antiquiera und Karl-Otto Alberty
ein Luxor Film | FGO Film | im Verleih der Atlas international
ein Film von Kurt Raab

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»Habt ihr denn alle nur Scheiße im Hirn?«


Otto Globocnik (Karl-Otto Alberty), ein Mann mit einschlägiger Vergangenheit, beherrscht und unterjocht die Bevölkerung einer idyllischen Insel. Der selbsternannte Diktator konnte gemeinsam mit seiner sadistischen Freundin Olga (Barbara Valentin) eine Herrschaft der Willkür, Gewalt und Erniedrigung etablieren. Die Einheimischen müssen auf einer Plantage Frondienste leisten, die Frauen werden obendrein von ihm uns seiner Privatarmee zu Lustobjekten degradiert. Lediglich Hermano (Udo Kier), ein einst loyaler Helfershelfer, versucht sich von den Grausamkeiten abzuwenden, da er sich in die schöne Cora (Karen Lopez) verliebt hat. Er möchte mit ihr von der Insel fliehen, doch die Pläne sickern durch und es wird ein grausames Exempel statuiert …

Kurt Raabs "Die Insel der blutigen Plantage" verfügt laut Produzent Peter Kern über eine schwierige, nahezu abenteuerliche Produktionsgeschichte, bei der zahlreiche widrige Umstände überwunden werden mussten. Dass der Film genauso existiert, grenzt dabei fast an ein Wunder, doch die Intention, ihn in seiner unbändigen Fasson überhaupt zu produzieren, stellt dabei die interessanteste Fußnote dar. Um sich freischaufeln zu können, wollte man einen international und auf ein breites Zielpublikum ausgerichteten Film auf den Markt werfen, um ordentlich Geld damit zu verdienen. Davon sollten schließlich die Filme entstehen, die man wirklich realisieren wollte, also inszenatorisch und thematisch wesentlich komplizierter und anspruchsvoller, als das, was man hier geboten bekommt. Der Film wurde in der Bundesrepublik zum finanziellen Desaster und nach dem Kinostart relativ schnell indiziert, genießt jedoch heute einen gewissen Kultstatus, vor allem auf dem asiatischen Markt. Hierzulande wurde das Werk nicht einmal kritisch, sondern vornehmlich mit Abscheu besprochen, was nicht nur am Angebot selbst liegen wird, sondern vielleicht auch an der Tatsache, in welche Kloake sich Teile der Fassbinder-Clique begeben hatten. Der Wechsel aus dem gesellschaftskritischen und sezierenden Charakterfach zum unverblümten Exploitation- und Trashfilm mag dabei wie ein Kulturschock gewirkt haben, wenngleich es von Anfang an keine Verwechslungsmöglichkeiten geben sollte. Am Ende kann vielleicht gesagt werden, dass sich Produktion und Regie temporär zu wichtig genommen haben, doch für einen Jahrzehnte später existierenden Kultfaktor, kann man sich im Moment der Erstauswertung nichts kaufen. Die Dramaturgie der Veranstaltung ist simpel und daher effektiv. Sadisten toben sich in der Abgeschiedenheit einer schönen Insel aus und inszenieren sich wie Halbgötter. Das Material Mensch wird auf Arbeits- und Sexmaschinen reduziert und jeder kann ordentlich die Sau herauslassen, sodass Folter und Erniedrigung eine plastische Veranschaulichung finden dürfen. Bereits der Einstieg verbreitet ein Gefühl, bei dem man sich fragt, ob die Wahrnehmung stimmt, aber die zwei hübschen Blondinen, die den Weg in die Hölle ebnen, seien laut Peter Kern nur Gewinnerinnen eines Preisausschreibens bei einer Zeitschrift gewesen, die er dann im Gegenzug für dortige Reklame unterzubringen hatte. Es werden also gleich unmissverständliche Zeichen gegeben: Wer die Insel betritt, wird sofort kaltgestellt. Zwar ärgern sich einige der Schergen über den schnellen Tod der beiden Strandschönheiten, der Zuschauer, dass sie nicht blank gezogen haben, vor allem, weil man sie doch in zahlreiche perverse Fantasien und Praktiken hätte einbauen können. Aber man kann jederzeit auf bewährte Pferde im Stall setzen.

Der Film verliert keine überflüssige Zeit, um sich von seiner Schokoladenseite zu zeigen, immerhin wollte man diesen auch in zehn Drehtagen im Kasten haben, sodass die relevantesten Charaktere vorgestellt werden können. Im Grunde genommen stellen sie sich im Rahmen eindeutiger charakterlicher Abgründe selbst vor, und hier sind vor allem Karl-Otto Alberty, Hans Zander und Barbara Valentin zu nennen, denen das Skript-Diktat dem Empfinden nach auch noch Spaß beziehungsweise keine Mühe bereitet. Umso besser, man nimmt auch gut gelaunte Sadisten in einem derartigen Flick dankend an. Leider hat Udo Kier, der Mann mit der überwältigenden Präsenz und beinahe undefinierbaren Ausstrahlung, einen vorgefertigten Nachteil seiner Rolle zu tragen, denn er darf seine bekannten Kapazitäten zugunsten dramaturgischer Ziele nicht in üblicher Manier abrufen. So fällt das Hauptaugenmerk schnell auf Valentin, Zander und Alberty, die in ihrer Eindimensionalität mit Überzeugungskraft und gepfefferten Dialogen kokettieren werden. Es kommt schließlich viel im Rahmen der neu ausgelegten Todsünden, sexueller Ausschweifungen und menschlichen Abschaums zusammen: Der Diktator verlangt blinden Gehorsam und Loyalität zu ihm und seinem System, was schließlich eins ist. Dabei sind ihm Menschen generell nichts wert und er fällt durch eine völlig perfide und unsentimentale Aura auf. Barbara Valentin als "blutige Olga" ist eine Melange aus Sadismus und Geilheit, wobei sich das eine durch das andere nur potenziert. Ein besonderes Kabinettstückchen liefert schließlich Hans Zander, der dem Begriff Widerwärtigkeit in neue Dimensionen verhilft. Eine derartige Entourage ist das Α und Ω in einer derartigen Produktion, deren Handeln gerne auch mal unmotiviert und nicht immer begreiflich sein darf, denn es muss generell einfach nur krachen. Inszenatorisch ist beinahe überall zu bemerken, dass die Möglichkeiten limitiert waren, aber letztlich entsteht so der besondere Kick des Gezeigten. Im letzten Drittel versucht es die Regie mit einem Allround-Programm aus allem, was recht und billig erscheint, sodass man kleine Pyrotechnik, tiefer als tief sinken, Ekel, okkulten Hokuspokus sowie Action und Tempo, außerdem unkultivierte Dialoge angeboten bekommt. Im Gesamtmenü dürfte für Interessenten solcher Flicks also immer etwas Reizvolles dabei sein, und sei es nur ein plumper Nervenkitzel mit betont primitiv agierenden Beteiligten, die hier zu jeder Schandtat bereit sind, obwohl sie sich vielleicht zunächst nicht im Klaren waren, wo sie überhaupt gelandet sind. "Die Insel der blutigen Plantage" genießt für heutige Verhältnisse zurecht einen gewissen Kultstatus, da er vor allem für bundesdeutsche Verhältnisse als recht gut fotografiertes und unterhaltsames Experiment wahrzunehmen ist, das hierzulande in einer derartigen Form nicht wie am Fließband zustande gekommen ist.

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Prisma
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Romy Schneider

DIE FRAU AM FENSTER


● UNE FEMME À SA FENÊTRE / UNA DONNA ALLA FINESTRA / DIE FRAU AM FENSTER (F|I|D|1976)
mit Philippe Noiret, Victor Lanoux, Gastone Moschin, Delia Boccardo, Martine Brochard, Joachim Hansen, Paul Muller,
Carl Möhner, Neli Riga, Vasilis Kolovos, Camille Piton, Aldo Farina, Sandra Burguy, Jean Martin sowie Umberto Orsini
eine Produktion der Albina Productions | TC Productions | Rizzoli Film | Cinema 77 | im Verleih der United Artists
ein Film von Pierre Granier-Deferre

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»In allen guten Geschichten gibt es immer eine Person, die das Schicksal verkörpert.«


Margot (Romy Schneider), die Marquise de Santorini, führt als Diplomatengattin ein sorgenfreies Leben und darüber hinaus eine offene Ehe mit ihrem Mann Rico (Umberto Orsini). Als im Jahr 1936 in Griechenland ein Staatsstreich stattfindet, um eine Militärdiktatur zu etablieren, werden fortan alle Gewerkschafter und Kommunisten verfolgt. Zu dieser Gruppe zählt auch der Grieche Michel Boutros (Victor Lanoux), den die Marquise eines Abends von ihrem Fenster aus sieht, um ihm schließlich Unterschlupf zu gewähren. Margot verliebt sich in den Dissidenten, doch das Glück ist nur von kurzer Dauer, da seine Verhaftung bevorsteht. Diese Warnung erhält sie von ihrem alten Freund, dem Bauunternehmer Raoul Malfosse (Philippe Noiret), der selbst starke Gefühle für die attraktive Frau entwickelt hat. Allen Gefahren zum Trotz, beschließen Michel und Margot gemeinsam durchzubrennen, doch alles kommt anders. Erst Jahrzehnte später wird sich der Nebel verziehen, der sich um das ungleicheLiebespaar gehüllt hatte …

Die Titelgebung zahlreicher Filme kann sich in kürzester Zeit als Wegweiser für die bevorstehenden Geschichten erweisen, doch in Pierre Granier-Deferres "Die Frau am Fenster" werden in dieser Beziehung zunächst keine deutlichen Aufschlüsse geboten. Wer diese Frau sein wird, ist bereits in den ersten Szenen ersichtlich, denn der Zuschauer bekommt Einblicke durch ein Panoramafenster geboten, welches zahlreiche wunderbare Eindrücke vermitteln wird. Der französische Regisseur und Drehbuchautor artikuliert sich wie so oft durch die Bilder einer Landschaft und sorgt damit für Orientierung. In diesem Fall sprechen die Aufnahmen in Delphi ihre ganz eigene Sprache und deuten eine leidenschaftlich-sinnliche Geschichte der Moderne an, in welcher immer wieder deutliche Bezüge zur griechischen Tragödie auftauchen, was gleichzeitig als düstere Prognose zu verstehen ist. Die idyllischen Bilder wollen hingegen für gegenteilige Eindrücke sorgen, bis es langsam zu einer prosaisch gefärbten Ausgeglichenheit kommt, wofür nicht nur Zeit und Ort verantwortlich sind, sondern auch die schnell integrierten Hauptcharaktere. Als Zuschauer lässt man sich gerne von Pierre Granier-Deferre an die Hand nehmen, auch wenn sich das unbestimmte Gefühl etabliert, dass es kein leichter Weg werden wird. Die zwar in zeitlicher und geografischer Hinsicht sehr präzise gehaltene Geschichte beginnt dennoch im Irgendwo und wird dabei als diffuses Puzzlespiel angeboten, das sich im Rahmen kompliziert angelegter Rückblenden lückenlos zusammenfügt. Erneut wird deutlich, dass Regeln, Normen und Werte im Rahmen kriegerischer Zeiten ausgehebelt werden; es herrschen andere Gesetze, denen man sich entweder beugt oder durch die man gebrochen wird. Dieser Aspekt stellt silhouettenhaft das Elixier dieser bemerkenswert formulierten Geschichte dar, die in den Konturen eines opulenten Ausstattungsfilms fesseln wird, oder zumindest das klassische Potenzial hierfür besitzt.

Um den bevorstehenden Zündstoff anzudeuten, treten immer wieder beiläufige Szenen gewaltsamer Zustände auf. Dies wird bald zu dem Punkt führen, dass auch die ausweglose Leidenschaft einer Frau nicht ausreichen wird, um eine gesamte Armee oder wenigstens bestimmte Personen zur Kapitulation zu zwingen. Katastrophen können naturgemäß viele Gesichter oder Auslöser haben, im Großen und genauso im Kleinen. In "Die Frau am Fenster" tut der Ausnahmezustand des blutigen Staatsstreichs, der viele unschuldige Opfer rekrutieren und zur Strecke bringen wird, das Übrige dazu. Während das Leid der Allgemeinheit eher skizzenhaft gezeigt wird, werden die Dekadenz und Ausgelassenheit der besseren Kreise betont, denen ein wesentlich größerer Fokus eingeräumt wird. Dies alles wirkt wie eine Art Parallelwelt zwischen den Realitäten, in welcher sich auch die Titelfigur behauptet und auf sicherem Terrain bewegt. Noch. Pierre Granier-Deferre bietet trotz eindeutiger Worte, Handlungsweisen und Gesinnungen hauptsächlich Unergründlichkeit an und bemüht nichts Geringeres als das Schicksal selbst, das diese poetische Geschichte vor malerischer Kulisse antreibt. Die erwähnten Rückblenden zeigen eindrucksvoll auf, wie die Liaison zwischen den Hauptfiguren Margot und Michel inmitten größter Gefahren und der oberen Zehntausend - die offensichtlich nicht viel mit Loyalität, Werten oder Idealismus zu tun haben - zustande kommen und ihren verheißungsvollen Verlauf nehmen konnte. Fortan nimmt die Sinnhaftigkeit eines unter Beobachtung oder Kuratel stehen deutlichere Formen an, sodass trotz der sehr ruhigen Verlaufsform subtile Spannungsmomente entstehen können, die allerdings so gut wie nie eine Eruption erfahren dürfen. Im Grunde genommen behandelt die klassisch aufgebaute Geschichte Einzelschicksale im Kollektiv, wenngleich man ebenso ahnt, dass es sich keineswegs um isolierte Fälle handeln dürfte.

Szenen einer progressiven Ehe dominieren den späteren Verlauf, und es ist nicht immer leicht, zu verstehen, wieso "Die Frau am Fenster" einen bevorzugt komplizierten Weg gehen möchte. Begleitet von der melancholischen Musik von Carlo Rustichelli, entsteht eine trügerische Harmonie, die allerdings nur dazu gemacht scheint, in beliebigen Momenten der Ruhe in Stücke zu zerfallen. Auf den Stützen geschichtlicher Zusammenhänge, bereitet Pierre Granier-Deferre ein leidenschaftliches sowie eindeutiges Plädoyer für Hoffnung und Tugenden vor, wenngleich auf visueller Ebene Kontrastprogramme abzulaufen haben. Wie man diese Eindrücke, Prognosen und Katastrophen letztlich deuten möchte, überlässt der Regisseur dem Zuseher, aber zurückbleibt ein bedeutender Film mit unmissverständlicher Aussage, der in dieser Fasson wohl nur unter französischer Flagge konstruiert werden konnte. Beeindruckende Leistungen von Philippe Noiret, Victor Lanoux und Umberto Orsini veredeln diese Produktion in zusätzlicher Weise und es kommen formvollendete Phasen zustande, die außerdem dafür sorgen, dass es zu keinem auffälligen Ungleichgewicht im darstellerischen Bereich kommt, obwohl alles und jeder um Hauptdarstellerin Romy Schneider konstruiert ist. Die Wege von Zuneigung oder Liebe bleiben auch hier ein Stück weit unergründlich, obwohl der exemplarisch angelegte Verlauf dazu animiert, genau verstehen zu wollen. Obwohl es im Film kaum in Worte gefasst wird, bleiben Liebe und Leidenschaft unter Romy Schneider und Pierre Granier-Deferre nicht nur lose Worte, denn die Protagonistin hält wie beinahe immer, was sie verspricht. Ohne Theatralik und unangebrachte Untertöne mündet der Verlauf in ein Finale, das trotz einer Art determinierter Vorhersehbarkeit überraschende und bedrückende Wendungen anbietet, die weitsichtig aufgeschlüsselt wirken und einen Hauch von Geheimnis wahren, welches diesen Film stets umgeben hat.

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Prisma
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DAS CHINESISCHE WUNDER


● DAS CHINESISCHE WUNDER (D|1975)
mit Senta Berger, Peter Pasetti, Christian Kohlund, Kitty Mattern, Gaby Herbst, Lisa Chung Ding Dong, Friedhelm Lehmann, Sabi Dorr, John Wo Chi, Ellen Umlauf,
Margot Mahler, Edith Meinel, Alexander May, Bert Fortell, Herbert Fux, Reinhard Kolldehoff, Elisabeth Karg, Marion Kracht, Ingeborg Steinbach, Bruno W. Pantel
und in der Rolle des Poliakoff Heinz Rühmann sowie Harald Leipnitz
Produktion Cinema 77 | im Verleih der Twentieth Century Fox
ein Film von Wolfgang Liebeneiner

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»Man stirbt an seinem ganzen Leben!«


Nachdem der junge Chirurg Dr. Kristian Keller (Christian Kohlund) keine berufliche Erfüllung finden konnte, kehrt er Deutschland den Rücken und begibt sich nach Hongkong. Während des Fluges ereignet sich ein medizinischer Notfall und Keller befürchtet, dass die Patientin ohne Not-Operation stirbt. Er gelangt an den Punkt, an dem er der Frau nicht mehr helfen kann. Hier kommt es zu einem einschneidenden Erlebnis. Ein alter Mann namens Poliakoff (Heinz Rühmann) rettet die Patientin mit der fernöstlichen Kunst der Akupunktur. Keller ist überwältigt von der wirksamen, aber ebenso einfachen Methode und möchte mehr darüber erfahren, doch die beiden Männer verlieren sich wieder aus den Augen. Noch ahnt er nichts von einem baldigen Wiedersehen …

Die Cinema 77 Beteiligungs-GmbH & Co. zweite Produktions KG machte sich in den 1970er Jahren einen Namen durch das Modell der sogenannten Abschreibungs- oder Steuer-Filme. So nutzte die Filmproduktionsgesellschaft seinerzeit bestehende deutsche Steuergesetze aus, die es solventen Anlegern ermöglichten, Investitionen in Filmprojekte sofort und in voller Höhe von steuerlich abzusetzen. Ob diese Filme schlussendlich indirekt von gemeinen Steuerzahler finanziert wurden, ist durchaus ein interessanter Denkansatz. Eingesammelt wurden Millionenbeträge von privaten Investoren, um etwa ein Großprojekt wie "Das chinesische Wunder" völlig risikominimiert durchfinanzieren zu können. Wolfgang Liebeneiners Beitrag stellt somit ein gutes Beispiel für derartig unverhältnismäßig aufgeblasene Produktionen dar, die in der Regel über spektakuläre Besetzungen, üppige Ausstattungen und ausgiebige Drehs an internationalen Schauplätzen verfügen. Geld spielte wie hier offensichtlich keine Rolle, was völlig konträr zu der Gewissheit steht, dass der Film ein ausgesprochener Flop an den Kinokassen und letztlich ein jeweiliges Millionengrab werden sollte. Auch bei diesem Beitrag erwies es sich als schwer, irgendeinen Verleih ausfindig zu machen, doch mit großer Verzögerung gelangte er Anfang 1977 über die Twentieth Century Fox of Germany in einige Kinos. Die größte Resonanz stellte hierbei lediglich die Verrissfreudigkeit der Kritiker dar. So ist der Film bis heute in der Versenkung verschwunden, obwohl er wie angemerkt über zahlreiche Qualitätsmerkmale und eine Top-Besetzung verfügt, die sich fundamental aus Senta Berger, Peter Pasetti, Christian Kohlund und Heinz Rühmann zusammensetzt. Was sich insgesamt kritisch anhört, stellt bei einem rückwirkenden Aufrollen dieser Praktik jedoch keine dar, denn es ist interessant diese teuer produzierten Vehikel zu Gesicht zu bekommen, da es durchaus weitere Existenzberechtigungen als das steuerliche Modell zu finden gibt. Das Klinik-Setting war allerdings schon aus Rolf Thieles im selben Jahr produzierten Abschreibungsfilm "Frauenstation" bekannt und verfügt im Vergleich über eine eigentlich ansprechende Grundstory, die dennoch schwach umgesetzt ist.

Wolfgang Liebeneiner bekommt das Ganze insgesamt besser als sein immer nach guten Zeitpunkten suchender Kollege Rolf Thiele auf Zelluloid zusammengefasst, da er seinem Produkt nicht dieselbe Wichtigkeit beimisst und das Ganze dem Empfinden nach unprätentiöser angeht. Die Thematik dieses Films ist vom Prinzip her interessant genug, um zahlreiche brisante Fragen aufzuwerfen, die jedoch zugunsten der Eitelkeit der hier zur Schau gestellten Charaktere und der allgemeinen Massentauglichkeit untergeordnet werden. So sind die ersten Eindrücke aus dem Klinikalltag Szenen einer offenbar zerrütteten Ehe, die durch Gleichgültigkeit, Demütigungen, Eiseskälte und Alkohol befeuert werden. Peter Pasetti und Senta Berger bieten hierbei einige gekonnte Kostproben ihres breitfächrigen Repertoires an. Er als Professor der Klinik verweist auf seine Pflicht, seiner Klientel zu dienen: »Du willst die Bedingungen, unter denen ich arbeite, einfach nicht zur Kenntnis nehmen!« Der Zuschauer merkt schnell, dass es sich hierbei nur um eine Halbwahrheit handelt, denn schnell wird auf die persönlichen Eitelkeiten und wenig wissenschaftlichen Ziele des Professors verwiesen, der mit aller Gewalt eine riskante Operation durchsetzen will, die de facto nicht nötig ist, also keine medizinisch vertretbare Indikation hergibt. Er will sich ein nachhaltiges Denkmal setzen, damit er von der Fachwelt bewundert wird. Sein Wunsch auf die Titelblätter der Fachzeitschriften zu kommen, scheint dem Anvisieren von Boulevardmagazinen deutlich untergeordnet zu sein. Genau wie seine Frau Detta, die konkret beschreibt, was ihr in dieser nur noch auf dem Papier bestehenden Ehe am meisten fehlt. Zwar lockert jeder zusätzliche Drink ihre Emotionen insofern, als sie von ihrem Gatten als ordinär und völlig unsachlich wahrgenommen wird, aber es folgt ein weiteres steriles Referat über das, was sie bereits hinlänglich kennt. Senta Berger überrascht mit einer entfesselten Performance, um schlussendlich darauf hinzuweisen, dass ihre Frau Professor am Ende und zu allem bereit ist. »Bin keine Patientin. Bin besoffen!«. Man muss schon schmunzeln, als sie ihre erste Begegnung mit ihrem späteren Liebhaber mit diesen Worten abschließt. Der Professor hingegen verweist auf die gut situierten Verhältnisse und selbstredend darauf, dass seine Frau sich doch jeden Wunsch erfüllen könne, sodass beide klassisch aneinander vorbeireden.

Derartige Streitgespräche wurden in unzähligen Filmen zuvor aufbereitet, doch hier macht das darstellende Duo besonderen Spaß, da man sich betont weit weg vom Gegenpart positioniert. All dies soll von der Thematik her nicht selbstzweckhaft wirken, doch Wolfgang Liebeneiner schafft es aufgrund des durchsichtigen Skripts nicht, diese Strategie zur Vollendung zu bringen. Vielmehr laufen die Dinge plötzlich wie erwartet und das Schicksal darf Richter über die wichtigsten Beteiligten spielen, sodass man sich plötzlich in Hongkong wiederfindet. Hier verschafft Liebeneiner Heinz Rühmann nochmal eine großkleine Bühne. Die erste Zusammenarbeit zwischen beiden kam übrigens erstmals im Jahr 1937 mit "Der Mustergatte" zustande. Zwar ist Heinz Rühmann hier bestenfalls in einer prominenten Stargast-Rolle zu sehen, die vom Umfang her nicht besonders ausfüllend ist, allerdings spielt er einen wichtigen Part, der die Geschichte in neue Bahnen lenken wird. Hinzu kommt, dass ihm eine dicke Portion Star-Bonus zugesprochen wird, bis man sich in ein paar Selbstinszenierungen des gebürtigen Esseners wiederfindet. Zeitweise schwebt die Gewichtung auf dem Thema fernöstlicher Heilmethoden derartig stark über den Köpfen der Zuschauer, dass man beinahe einem Kulturschock aufsitzt, wenn es wieder zurück in die sterile Bundesrepublik geht. Leider wirkt insgesamt alles recht konstruiert, sodass es zu keinen signifikanten Überraschungsmomenten kommen wird, bis auf eine: Es schimmern interessante (gesellschaftskritische und bis heute aktuelle) Ansätze hervor, die zu simpel und beinahe gewaltsam zu einem behäbig und mutlos wirkenden Massenprodukt modelliert werden. Das anfängliche Tempo kommt insbesondere gegen Ende zum Erliegen, spielt sich daher hauptsächlich in Fernost ab und am Ende offenbart sich ein Finale, welches bei so viel vorhergegangener Uneinigkeit einfach nur als unbefriedigend zu beschreiben ist. Ob es der durchaus existierenden Romanvorlage zuzuschreiben ist, den Vorgaben der Produzenten oder der zu bequemen Regie, wird hier wohl immer ein deutsch-chinesisches Geheimnis bleiben. Ansonsten bleibt ein temperamentloses Tauziehen zwischen Schul- und Komplementärmedizin, das insgesamt gesehen nicht über interessante Ansätze hinauskommt.

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Prisma
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● UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN (D|1971)
mit Alain Noury, Konrad Georg, Judy Winter, Horst Tappert, Doris Kunstmann, Horst Frank, Heinz Moog, Eva Zilcher, Paul Edwin Roth, Peter Pasetti, Herbert Fleischmann,
Heinz Baumann, Jochen Brockmann, Friedrich Georg Beckhaus, Bruno Dallansky, Klaus Schwarzkopf, Karl Walter Diess, Franz Elkins, Mascha Gonska sowie Ruth Leuwerik
eine Luggi Waldleitner Produktion der Roxy Film | im Constantin Filmverleih
ein Film von Alfred Vohrer

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»Schade, dass es diese Frau nur einmal gibt!«


Der argentinische Chemiker Rafaelo Aranda wird in Wien von der Buchhändlerin Valerie Steinfeld (Ruth Leuwerik) vergiftet, die anschließend Selbstmord begeht. Die beiden verbindet anscheinend nichts, was den Fall für Hofrat Groll (Heinz Moog) noch undurchsichtiger macht. Als Arandas Sohn Manuel (Alain Noury) in Wien eintrifft, ist er fest entschlossen, den Fall aufzuklären, doch die Geheimdienste der Vereinigten Staaten, Sowjetunion und Frankreich heften sich gleich an seine Fersen und versuchen mit allen Mitteln, die Aufklärung der Angelegenheit zu verhindern. Oder steckt noch mehr dahinter? Manuels Recherchen führen ihn weit in die Vergangenheit und plötzlich auch zu der Mörderin seines Vaters, Valerie Steinfeld …

Alfred Vohrers Wechsel von der Berliner Rialto Film zur Münchener Roxy Film stellte für die deutsche Kinolandschaft eine deutliche Zäsur dar, wenngleich man diese Beschreibung keineswegs negativ auslegen sollte. Vohrers Vormachtstellung und eine durchaus einseitig entstandene Dominanz bei der immer noch laufenden Edgar Wallace-Reihe wurde beendet, um sich anderen Projekten widmen zu können, immerhin lag es auf der versteckten Hand, dass die Reihe nicht ewig laufen würde. So kann festgehalten werden, dass neue Besen nicht nur sprichwörtlich gut kehren, und es kam ein neuer Wind im beinahe einseitig bedienten Kino zustande. Der Stuttgarter Regisseur brachte es in einer Art neuen Domäne auf eine beachtliche Anzahl von Literaturverfilmungen, unter dem Banner Johannes Mario Simmel übernahm er sogar bei sechs Filmen die Regie. Der Startschuss kann mit "Und Jimmy ging zum Regenbogen" als überaus glücklich gewählt und insgesamt mehr als gelungen bezeichnet werden, denn ein erfahrener Handwerker wie Alfred Vohrer schafft es auch hier, die wichtigen Fundamente der Unterhaltung miteinander zu vereinen. Die Produktion wurde mit der "Goldenen Leinwand" ausgezeichnet und konnte sich mit ungefähr 4 Millionen Besuchern im Jahresranking der erfolgreichsten deutschen Kinofilme auf Platz drei behaupten. Außerdem wurde ihm das Prädikat "wertvoll" verliehen, um zusätzlich die Spielfilmprämie des Innenministeriums in Höhe von 200.000 D-Mark zu erhalten. Der Constantin Filmverleih wählte bei der Vermarktung eine Bewerbungsstrategie, die radikal über den Autor forciert wurde und offensichtlich aufging. Für filmische Umsetzungen nach Johannes Mario Simmel steht zunächst oft auf der Agenda, die teils komplizierte Rückblenden- und Personen-Struktur zu entschlüsseln und so herzurichten, dass sie vom Publikum leicht konsumiert werden kann. Hierfür war Vohrer der richtige Mann, der nicht nur über die nötige Erfahrung beim Inszenieren von Kino-Hits hatte, sondern auch das Verständnis für Zuschauerinteresse und entsprechende Kompatibilität. Es gilt, einen beinahe kindlich-poetisch klingenden Titel zu dechiffrieren, der im Verlauf noch spannende Rätsel und Brisanz der Vergangenheit und Gegenwart bereithalten wird, was in Verbindung mit Alfred Vohrers Handschrift blendend aufgeht.

Die Regie greift auch hier auf eine bewährte Entourage zurück, jedoch nicht, ohne diese bedeutend zu erweitern. Dies gilt vor allem für die jungen Akteure und insbesondere für den Franzosen Alain Noury, der seinerzeit als eines der hoffnungsvollsten europäischen Talente gehandelt wurde, jedoch nie den ganz großen Durchbruch erzielen sollte. Manuel Aranda wird gleich nach Ankunft am Wiener Flughafen in eine unübersichtliche Situation platziert, die von den Geheimdiensten der Großmächte orchestriert wird. Seine Liquidierung scheint beschlossene Sache, sodass von Anfang an große Zustände der Hochspannung forciert werden können. In letzter Minute muss ein anderer Kopf rollen, sodass die Geschichte minutiös aufgerollt werden kann. Am Ende muss das Publikum akzeptieren, dass man es nur mit einer Schachfigur in einer Partie zu tun hat, die der Kaltblütigkeit und Übermacht der Offiziere vielleicht nicht gewachsten sein wird. Manuel möchte den Tod seines Vaters aufklären, dessen Vergiftung fällt völlig aus dem Zusammenhang, die dafür verantwortliche Person umso mehr. Ein Film wie dieser, der auf modellierende Rückblenden bauen muss, um wichtige Charaktere der Vergangenheit vorstellen zu können, braucht eine gute Strategie, um eine flüssige Verknüpfung herzustellen. Der Zuschauer wird zurück in die Zeit des Nationalsozialismus geführt, um unschuldige Opfer und pathologische Täter kennenzulernen, die den Lauf der Dinge bestimmen. Einige der Schauspieler übernehmen dabei die Funktion, die Vergangenheit ebenso wie die Gegenwart zu repräsentieren und maßgeblich zu beeinflussen. Hier ist vor allem die damals Mitte 20-jährige Judy Winter zu erwähnen, für die die Rolle der Nora Hill als großer Durchbruch gewertet werden kann. Winter musste in den aktuellen Szenen als über 50-jährige Frau zurechtgemacht werden, was eine besondere Form fesselnder Momente fabriziert, denn diese Dame hat allerlei zu berichten, könnte alles mit einem Schlag aufklären, wenn sie wollte oder besser gesagt dürfte. Doch auch sie ist im Würgegriff der Geheimdienste, insbesondere des Sowjetischen. Dessen Kopf wird von einem wie immer großartigen Peter Pasetti dargestellt, dessen Kult um Nora Hill aus Nutzung und Erpressung besteht, wenngleich der eigentliche Ursprung reine Bewunderung ist.

Dem Sprichwort nach heile die Zeit alle Wunden, doch hier werden unaufhörlich neue, klaffende Verletzungen aufgerissen. Die Wahrheitsfindung fordert hohe Konzentration und Aufwand, aber ebenso Vorsicht, denn niemand ist mehr seines Lebens sicher, falls anzunehmen wäre, dass es zu peinlichen Indiskretionen kommen könnte. Darstellerisch bekommt man Unterhaltung auf höchstem Niveau geboten, was sich bis in die kleinen Nebenrollen abbildet. Hervorragend agieren Konrad Georg, Horst Tappert, Heinz Moog, Horst Frank, Paul Edwin Roth, Friedrich Georg Beckhaus, Jochen Brockmann, Klaus Schwarzkopf sowie Eva Zilcher oder Doris Kunstmann. Bei aller ausgiebigen Aufzählung ist man allerdings schneller fertig, wenn betont wird, dass sich keinerlei schwache oder unangepasste Leistungen im Szenario finden lassen. So gut wie jede der Personen behält dabei den Charakter einer Schlüsselfigur inne, was vor allem für den großen Besetzungs-Clou Ruth Leuwerik gilt, welche hier nach jahrelanger Leinwand-Abstinenz wieder vor der Kamera agiert. Valerie Steinfeld löst eine stillgelegte Kettenreaktion wieder aus, die mit Mord beginnt und mit Gleichem aufzuhören hat. Alfred Vohrer inszeniert aufwändig und erklärend, sodass dem teils verschlüsselt wirkenden Verlauf leicht zu folgen ist. Überraschende Wendungen, noch überraschendere Mosaiksteine, die diese Geschichte zu einem Gesamtbild zusammenfügen und der Blick in eine dunkle Zeit machen "Und Jimmy ging zum Regenbogen" zu einer in allen Belangen gelungenen Roman-Adaption, die wie die Vorlage zum Bestseller wird. Die weitreichende Stringenz durch Manfred Purzers Drehbuch, die Kopplung mit der hochwertigen Kamera-Arbeit von Charly Steinberger und die wunderbare Musik von Erich Ferstl lassen diesen Film formvollendet erscheinen, vor allem wenn man das übliche deutsche Kino-Angebot dieses Zeitfensters betrachtet. Der Film verfügt über gut 130 Minuten ausladender und fordernder Unterhaltung und setzt schlussendlich auf eine teils zehrende Dialogarbeit, die den ein oder anderen abschrecken könnte. Als Grundstein für weitere Verfilmungen von Johannes Mario Simmel setzt Alfred Vohrer eine sehr hohe Messlatte für sich selbst an, die nicht nur von der Stärke der Vorlage ausgeht, sondern gleichermaßen vom Geschick des Regisseurs. Sehenswertes Bestseller-Kino.

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Prisma
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Re: DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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● DER GRÜNE BOGENSCHÜTZE (D|1960/61)
mit Klausjürgen Wussow, Karin Dor, Eddi Arent, Harry Wüstenhagen, Stanislav Ledinek, Wolfgang Völz, Heinz Weiss,
Edith Teichmann, Hans Epskamp, Georg Lehn, Hela Gruel, Karl-Heinz Peters, Sigrid von Richthofen und Gert Fröbe
ein Rialto Film Preben Philipsen | im Constantin Filmverleih
ein Film von Jürgen Roland

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»Die Fratze hab ich mir gemerkt!«


Auf Garre Castle, dem Anwesen des amerikanischen Millionärs Abel Bellamy (Gert Fröbe), geschieht ein Mord mit Pfeil und Bogen, sodass die Presse die Legende des sogenannten grünen Bogenschützen wieder reanimiert, der dort sein Unwesen getrieben haben soll. Inspektor Featherstone (Klausjürgen Wussow) soll diesen nebulösen Fall aufklären, stößt allerdings nicht auf die Kooperationsbereitschaft des mürrischen Schlossherrn. Als der Fall rund um Bellamys Schloss stagniert, streckt Featherstone seine Fühler in andere Richtungen aus, sodass die Spur in einen einschlägig bekannten Nachtclub führt, in welchen man die Nachbarin und Nichte Bellamys namens Valerie Howett (Karin Dor) entführt hat. Als der erste Mordanschlag auf den Inspektor folgt, weiß er, dass er auf der richtigen Spur ist …

Nach dem unerwartet erfolgreichen Start der Reihe verpflichtete man im Hause Rialto erneut Jürgen Roland, der bereits mit seinem Debüt "Der rote Kreis" für Aufsehen sorgen konnte. Es ist auffällig, dass der Hamburger Regisseur bei "Der grüne Bogenschütze" einen vollkommen anderen Weg als bisher einschlägt, da der Film im Gros eher einer Art Krimi-Persiflage ähnelt, und die jungen Markenzeichen der Serie weitgehend ignoriert. So kommt es zu einer Atmosphäre, die aufgrund eines alten Gemäuers, geheimer Katakomben, einer dubiosen Hafenbar und vieler weiterer interessanter Schauplätze, sehr ansprechend geraten ist und für leichte Gruselzustände sorgen kann, was allerdings vollkommen von einer kaum nachzuvollziehenden, humorigen Note unterwandert wird, die den Film harmlos und teilweise strapaziös wirken lässt. Jürgen Roland trägt in etlichen Szenen zu dick auf, um rote Linien des Kriminalfilms ungünstig aufzuweichen, sodass dieser Beitrag bestenfalls als Mittelmaß, womöglich eher noch als eines der Schlusslichter in das Wallace-Ranking eingeht. Hervorragende Grundvoraussetzungen erfahren hier leider keinen Brillantschliff, sodass dem Empfinden nach etwas Unvollkommenes zurückbleibt, das hier und da in andere Richtungen hätte laufen dürfen. Diese Adaption nach dem gleichnamigen Roman von Edgar Wallace stellt seine Weichen bereits zu Beginn in eine Richtung, die von den vorhergegangenen Beiträgen abweicht, da es zu plumpem Overacting oder direktem Ansprechen des Publikums kommt. Die Grundlage atmosphärischer Dichte wird schnell unterwandert, kann daher bei Folgeversuchen nicht intensiviert werden, was zu seichten Eindrücken führt, die sich auch auf die grüne Titelfigur übertragen, von der kaum eine Bedrohung auszugehen scheint, obwohl sie mordet.

Warum also schwächelt diese Figur in einem so erheblichen Maß? "Der Grüne Bogenschütze" ist leider dazu verurteilt, nicht ganz ernst genommen zu werden, wofür die uneindeutige Strategie der Regie verantwortlich ist. Vielleicht liegt es an den hauseigenen Vergleichen, in denen Verbrecherfiguren ihr Unwesen trieben, die bislang äußerst stark inszeniert waren und von denen tödliche Gefahren ausgingen, die sich wie ein Schatten über das jeweilige Szenario legen konnten. In dieser Geschichte schlägt der Mörder mit Pfeil und Bogen zu, doch verschwindet dem Empfinden nach wieder zu schnell in der Deckung, gar der Versenkung, da man sich zu sehr auf Nebensächlichkeiten und Nebenhandlungen im Gewand von Haupthandlungen konzentriert. Hinzu kommt die übermächtige Figur des Abel Bellamy, die dem Titelschurken und wichtigen Charakteren oftmals den Rang abläuft, da Gert Fröbe zu Hochtouren aufläuft. Die Geschichte beginnt mit einem Mord in bester Wallace-Gruselatmosphäre, doch auch das alte Schloss und das tosende Gewitter kann diese Eindrücke nicht aufrechterhalten, da die anwesenden Personen - Harry Wüstenhagen, Sigrid von Richthofen, Henry Lorenzen und Eddi Arent - sie unterminieren, obwohl Arent das Publikum offensiv mit der Ankündigung anspricht, dass es wohl doch ein hübscher Film daraus werden dürfte. Jürgen Roland begeht in diesen ersten Minuten den Kardinalfehler, die Distanz zum Verlauf gleich ab- und aufzugeben und unfreiwilliger Komik zum Überholmanöver zu verhelfen. Leider werden diese gut 90 Minuten immer wieder auf derartige Einfälle zurückkommen, die sicherlich gut gemeint waren und originell wirken sollten, doch es kommt zu gegenteiligen Eindrücken, die der Veranstaltung den kompletten Zauber und eine Art Märchencharakter nehmen.

"Der grüne Bogenschütze" bleibt somit in einer bestimmten Grauzone des Genres, und der Film spricht vielleicht erstmals nicht das breite Publikum an, das sonst leicht einzukassieren war. Glücklicherweise verfügt die Produktion über einen weitgehend sehr guten Cast. Klausjürgen Wussow und Karin Dor sind bereits in ihrem jeweils zweiten Wallace-Auftritt zu sehen und machen hier eine blendende Figur, zumal ihre Parts auf eine ungewöhnlich starke Wandlungsfähigkeit ausgelegt sind. Ihre völlig unterschiedlichen Entwürfe zu den bereits dagewesenen Rollen nimmt man somit gerne an, auch das unübersehbare Knistern zwischen beiden wirkt prickelnd und wertet den teils recht trockenen Verlauf zusehends auf. Für Wussow handelt es sich leider um die letzte Verpflichtung innerhalb der Reihe, der jeweils unter Roland spielte, und sein unkonventioneller Ermittler bleibt in angenehmer Erinnerung. Karin Dor geht als Valerie Howett einen bedeutenden Schritt weiter und legt das Image der bedrohten Schönheit ein wenig ab, da sie selbstbewusster und moderner wirkt. Zwar fällt sie den ausgewiesenen Schurken hier noch in die Hände, aber es entsteht nie der Eindruck von schmückendem Beiwerk, welchem man zu ihrem Glück verhelfen muss. Eddi Arent wird sehr viel Screentime zuteil, was dem kompletten Film unterm Strich effektiv schadet, da sein Humor nur wie eine andere Sau durchs Dorf getrieben wird. Diese strapaziösen Einlagen werden im Bereich Humor durch ansprechende Leistungen von Harry Wüstenhagen und Edith Teichmann ausgeglichen, von Wolfgang Völz wiederum verschärft. Schlussendlich kommt es nie zu einer ausgewogenen Dosierung, sodass der Verlauf in diesem Bereich schnell steht oder fällt - je nachdem, wie man Humor oder Situationskomik selbst definiert.

Die Seite der offenkundigen Bösewichte zeigt sehr aussagekräftige Gesichter. Stanislav Ledinek besticht mit einer nahezu abstoßenden Performance und wirkt bedrohlich genug, um etwas Spannung aufkommen zu lassen, aber im Endeffekt führen hier alle Wege zu Gert Fröbe, der durch ungehobeltes und vor allem ungeduldiges Verhalten auffällt. Abel Bellamy wirkt so, als könne er jederzeit wegen Kleinigkeiten in die Luft gehen, aber er hütet auch ein Geheimnis um seine Person, dessen Auflösung der Schlüssel zum Ganzen sein dürfte. Fröbes Negativ-Spiellaune gehört zu den besten Interpretationen der frühen Phase und wird zum Aushängeschild dieser Produktion, die durch ihn eine deutliche Aufwertung erfährt. Unterm Strich gelingt der dramaturgische Spagat zwischen heiteren bis wolkigen Momenten nicht besonders gut, da kaum Spannung und Action aufkommen will. Eher glaubt man sich als Zuschauer permanent in Sicherheit zu wiegen, dass den Protagonisten der Geschichte schon nichts passieren wird, immerhin erzählt die eigenartige Gag-Dichte von nichts anderem. Unklar bleibt auch die Motivation gewisser Personen, die hier bereit waren, zu äußersten Mitteln zu greifen, allerdings fallen diese Mankos auch nicht mehr so schwer ins Gewicht, da der Film als Wallace-Kracher insgesamt durchfällt. Schlussendlich tat man nicht gut daran, eine derartig verkappte Strategie der halben Sachen in der Hoffnung einzuschlagen, das Publikum schon irgendwie zufrieden stellen zu können. "Der grüne Bogenschütze" kann zwar in Basisbereichen überzeugen, allerdings nicht im Gesamtbild, da zu viel des Potenzials liegen gelassen, beziehungsweise umgepolt wurde. Nach diesem Ausrutscher wundert es schließlich nicht, dass Regisseur Jürgen Roland mit keiner weiteren Regie-Arbeit mehr betraut wurde.

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Prisma
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Re: DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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KENNST DU DAS LAND WO BLAUE BOHNEN BLÜHN?


● LO CHIAMOVANO TRESETTE... GIOCAVA SEMPRE COL MORTO / KENNST DU DAS LAND WO BLAUE BOHNEN BLÜH'N? (I|1973)
mit George Hilton, Cris Huerta, Umberto D'Orsi, Sal Borgese, Nello Pazzafini, Dante Cleri, Rosalba Neri und Ida Galli
eine Produktion der Lea Film | im Constantin Filmverleih
ein Film von Giuliano Carnimeo

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»Meine Herren, ein paar Zähne werden vermisst …«


Tresette (George Hilton) muss sich immer wieder mit seinem Erzfeind Veleno (Antonio Monselesan) herumärgern, und bleibt daher mit seinem Schießeisen gut in der Übung. Neben den üblichen Keilereien und Duellen mit seinen Kontrahenten stolpert er über ein äußerst lukratives Geschäft, das ihm gleichzeitig die Zusammenarbeit mit dem falschen Sheriff Bambi (Cris Huerta) einbringt. Die Männer sollen einen Goldtransport nach Dallas eskortieren, der sich aber zunehmend als gefährlich herausstellt, da zahlreiche Banditen ihre Fährte aufgenommen haben. Auch der zwielichtige Bankier Pearson (Umberto D'Orsi) hat seine eigenen Pläne mit dem Gold und will Tresette und seinen Kompagnon für seine Zwecke einspannen …

»Es ist viel einfacher, 'ne Frau zu finden, als 'nen Vorwand für eine deftigere Keilerei!« Der Vorspann dieser von Giuliano Carnimeo inszenierten Western-Komödie scheint genügend Vorwand für die besagten Keilereien darzustellen, und schnell fühlt man sich durch gut choreografierte Hau-drauf-Action und flotte Sprüche in einem Saloon über die Marschrichtung dieses Beitrags orientiert. Der Titel "Kennst du das Land, wo blaue Bohnen blühn?" kündigt somit nicht nur die humorvolle Note dieses im Jahr 1973 hergestellten Streifens an, sondern auch die Tatsache, dass man es mit vielen blauen Bohnen, also ordentlichem Kugelhagel zu tun bekommen wird. Die musikalische Begleitung und die eindeutig komödiantisch gefärbten Dialoge kreieren eine Note, die betont unernst bleiben will und somit für den guten Ton dieser Produktion steht. Beiträge derartigen Kalibers polarisieren innerhalb der Fangemeinde ganz naturgemäß, schließlich gibt es dutzende Beispiele für das Scheitern solcher Auflockerungsversuche, denn oftmals wurde keine optimale Balance zwischen den Bereichen des Humors und einer interessanten Inszenierung gefunden. Giuliano Carnimeos Spielfilm zählt bestimmt zu den angenehmeren Vertretern dieser Zunft, doch auch er liefert kein Patentrezept für eine runde Angelegenheit. Zunächst lässt sich einmal feststellen, dass hier eine sehr tatkräftige Crew zur Verfügung steht, die sich dem Konzept des Films ausgesprochen effektiv anpasst oder wenigstens beugt. Viele kurzweilige Strecken und eine absurd verspielte, aber gleichzeitig eher dünne Geschichte, sind die gewinnbringenden Zutaten für das Funktionieren dieser Story, die mit vielen gelungenen Gags und einer schmackhaften Würze aufwarten kann. Natürlich bleibt es bei dieser geballten Ladung nicht aus, dass es in diesem Zusammenhang auch zu etlichen Fehlzündungen kommt, aber im Ganzen stellt sich kaum das Gefühl ein, dass in unerträglicher Art und Weise über das Ziel hinausgeschossen wird.

Der Grund, weshalb die Architektur des Klamauks im Westerngewand weitgehend funktioniert, ist nicht zuletzt auf die beiden gut aufgelegten Hauptdarsteller George Hilton und Cris Huerta zurückzuführen, die sich in ihren vielen gemeinsamen Szenen nichts schenken werden. Im Grunde genommen kann das turbulent angelegte Katz-und-Maus-Spiel so gut funktionieren, da die von ihnen dargestellten Charaktere Tresette und Sheriff Bambi wie Hund und Katze agieren; natürlich ausstaffiert mit viel Wortwitz und Albernheiten aus dem Reich der Klamotte. Bei George Hilton sieht es sogar so aus, als habe er einen gewissen Spaß an der Sache, sodass man ihm den Ausflug in komödiantische Gefilde recht gut abnehmen kann. Dasselbe gilt für seinen permanent gereizt wirkenden Partner Cris Huerta, der insbesondere mit den Fäusten zu sprechen weiß, weswegen es immer wieder zu rasanten Schlägereien kommt, die den Verlauf amüsant auflockern. Das ungleiche Duo ist sich insgesamt nicht zu schade für jegliche Art der Maskerade und vornehmlich von George Hilton geht die größere Finesse aus, die dem Verlauf locker und leicht über die Ziellinie verhilft. Hinzu kommt, dass vor allem von Tresette eine im Western aller Couleur gerne verwendete Omnipotenz ausgeht, die den reichlich vorhandenen, verbrecherischen Abschaum in die Schranken weisen wird, wo es nur möglich ist. Im vorliegenden Fall läuft das Ganze über die Humor-Schiene und wird somit größter Bestandteil der zugegebenermaßen etwas substanzlosen Geschichte. Unter Regisseur Carnimeo geht es jedoch vielmehr um das Kreieren von Sympathien, die immer wieder aufs Neue spielend zu greifen wissen. Interpreten wie Umberto D'Orsi, Sal Borgese oder Nello Pazzafini fügen sich mitunter bis zur Selbstaufgabe in dieses Konzept ein, um die Gegenseite der Zuschauer-Gunst zu bedienen, außerdem bekommt man es mit einem interessanten Auftritt der Italienerin Ida Galli zu tun, der es wert ist, genauer unter die Lupe genommen zu werden.

Das Gleiche gilt sicherlich auch für den im Italowestern erprobten Regisseur Giuliano Carnimeo, der mit "Kennst du das Land, wo blaue Bohnen blühn?" einen der Beiträge inszenierte, die auf der Klamauk-Skala ganz weit oben stehen. Bei derartigen Experimenten ist es verständlicherweise so, dass sie nicht jedermanns Sache sind, und auch hier ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der Film aufgrund seiner hohen Gag-Dichte einfach durchfällt. Dennoch muss man es der Inszenierung lassen, dass sie sorgsam gestaltet ist und den eigenen Anspruch hält, ihre Unterhaltungsambitionen an den Mann zu bringen. Die eigene Erfahrung bestätigt, dass der Film bereits nach der zweiten Sichtung etwas verliert, da der interne Wiedererkennungswert einfach zu hoch ist. So stützt man sich schnell auf Inhalte, die das Genre unter anderem ausmachen, wie beispielsweise die musikalische Untermalung, atmosphärische Schauplätze und charakteristische Sets, außerdem auf die hier zur Verfügung stehende Crew vor, hinter und fernab der Kamera. Zahlreiche Inhalte wissen in ihrer Intensität zu strapazieren, wie beispielsweise einige Running Gags, die ihren Zenit schnell überschritten haben oder einfach zu dick aufgetragen wirken. Im rein handwerklichen Bereich ist der Film insgesamt sehr gelungen, vor allem die Dynamik der Kamera verhilft vielen Pointen zu noch deutlicheren Konturen. Für das Gelingen dieser Gangster-Geschichte mit heiterem Anstrich sorgt aber vor allem das Duo George Hilton und Cris Huerta, deren oft wenig subtil angelegter Humor sich immer wieder geschickt voneinander emanzipiert, um schlussendlich zu einer geballten Einheit zu werden. In "Kennst du das Land, wo blaue Bohnen blühn?" sprechen also weniger die rauchenden Colts, sondern die flotten Sprüche, die vielen Zuschauern zwar den letzten Nerv rauben, anderen die Zeit jedoch angenehm vertreiben dürften. »Humor ist, wenn man trotzdem lacht«, lautet die vielleicht versöhnliche Devise, die für Fans dieses Beitrags aber kaum gelten dürfte.

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Prisma
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Re: DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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● DER FLUCH DER GRÜNEN AUGEN / BLUTRAUSCH DER VAMPIERE / DIE GROTTE DER LEBENDEN TOTEN (D|JUG|1964)
mit Adrian Hoven, Karin Field, Carl Möhner, Erika Remberg, John Kitzmiller, Emmerich Schrenk und Wolfgang Preiss
eine Produktion der Objectiv Film | Triglav Film | im Schneider Filmverleih
ein Film von Ákos von Ráthonyi

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»Sie glauben nicht an Vampire?«


Eine Mordserie erschüttert ein kleines Bergdorf auf dem Balkan, bislang wurden sieben junge Frauen tot aufgefunden. Nach der Bitte um internationale Hilfe entsendet Interpol Inspektor Frank Doren (Adrian Hoven), der diesen unmlichen Fall rasch aufklären soll. Sein geplantes Inkognito geht allerdings völlig daneben und schon bald weiß jeder, weswegen er anwesend ist. Bei seinen Nachforschungen fallen ihm gewisse Umstände auf, die einen neuen Todesfall ankündigen. Zunächst fällt jedes Mal der Strom im Dorf aus, dann verschwinden die Leichen im Schutze der Dunkelheit unmittelbar nach den Morden. Doren findet unter den Einheimischen sehr eigenartige Zeitgenossen, die sich jeweils verdächtig benehmen und bei einer alten Wahrsagerin fällt schließlich das Schlagwort Vampire. Die mysteriösen Vorgänge führen den Ermittler schließlich zu Professor von Adelsberg (Wolfgang Preiss) der sich in seinem Schloss der Forschung verschrieben hat. Doch dem Wissenschaftler eilt eine kollektive Angst voraus, denn so gut wie jeder der Bewohner vermutet in seinem Schloss und der darunterliegenden Grotte den Schlupfwinkel der Vampire …

Ákos von Ráthonyis Horror-Beitrag entstand zu einer Zeit, in der die Kriminalwelle insbesondere durch die Edgar-Wallace-Verfilmungen Hochkonjunktur hatte. Der Versuch, ein anderes Genre auf Basis bestehender Sehgewohnheiten für den deutschen Kinogänger zu etablieren, ist mit diesem ungewöhnlichen Experiment jedoch gescheitert, da dieser Beitrag ziemlich uneigenständig und in vielerlei Hinsicht auch nicht selbstbewusst genug ist. Als geneigter Zuschauer verfrachtet man derartige Filme jedoch gerne in die Kategorie »gerne gesehen«, weil es auch hier manchmal kaum zu glauben ist, dass die Produktion unter diesen Voraussetzungen und vor allem als fertiges Endprodukt genau so in die Kinos kam, wenn ein Flop aus zahlreichen Gründen doch determiniert erscheint. Die deutschen Verleihtitel sprechen Themen an, die man hier nur äußerst bedingt finden, wenn nicht sogar vergeblich suchen wird, und mit dem zugegebenermaßen wohlklingenden Originaltitel "Der Fluch der grünen Augen" stellt sich ganz bewusst ein Wallace-Bezug wie etwa zu "Der Fluch der gelben Schlange" her, um mögliches Publikum abzugreifen. Die Strategie ging dem Vernehmen nach alles andere als auf, und zurückbleibt eben ein Einzelgänger der möglicherweise Vorreiter sein wollte. Lässt man die Inszenierung Revue passieren, stellt sich eigentlich sehr schnell heraus, dass die Rahmenhandlung bis hin in die Details vollgestopft mit gängigen Klischees ist, die in lediglich aufgewärmter Form nicht so recht ankommen wollen. Das große Ausleihen von Inhalten aus noch größeren Klassikern treibt in Ákos von Ráthonyis daher nur recht konventionelle Blüten und schließlich fühlt man sich bestenfalls lediglich nach Krimi-Richtlinien unterhalten. Ein paar ungewöhnliche Register werden angesichts des bestehenden Zeitfensters gezogen, so geht es beispielsweise beim Thema Nacktheit hier und da deutlich über Andeutungen hinaus.

Aufgrund der Tatsache, dass vieles nicht recht zusammenpassen will, kommt es unterm Strich zu einem eigenartigen Profil. Zu Beginn geht es gleich Schlag auf Schlag, denn die Informationsflut ist hoch und die Irreführung groß. Der Regisseur selbst spendiert sich einen Cameo-Auftritt und die Fahrt ins Ungewisse kann für Adrian Hoven losgehen. Auffällig beim einsetzenden Vorspann ist die Titelmusik von Herbert Jarczyk, die sich in ihrer jazzigen Art und Weise vielleicht in einem Jugend-Drama mit passender Scheunenparty wohlgefühlt hätte. In anderen Szenen, wenn Schatten umherschleichen und Morde geschehen, passt die elektrisch aufgeladene Untermalung allerdings sehr gut und es ist erstaunlich, wie es zu solch signifikanten Unterschieden kommt. Die Besetzung präsentiert sich als ein Konglomerat aus bekannten Namen, neuen Gesichtern und der zweiten Garnitur. Adrian Hoven, nach persönlichem Ermessen so häufig wie auch hier fehlbesetzt, liefert kaum neue Impulse um einen ansprechenden Eindruck hinterlassen zu können. Wie schon beispielsweise in "Das Rätsel der roten Orchidee" stellt man sich mit Vorliebe dutzende andere Darsteller vor, die diesen Part hätten überzeugender interpretieren können. Ihm fehlt Schwung und Vehemenz, sodass er niemanden beeindrucken außer einer Dame in der Geschichte kann, wenn auch nur auf dramaturgischer Basis. Diese wird gespielt von der damaligen Neuentdeckung Karin Field, die bislang noch jeden Film bereichern konnte. "Der Fluch der grünen Augen" stellt nicht nur ihren ersten Kinofilm dar, sondern diese Partizipation ebnet auch gleichzeitig das unumstößliche Rollenprofil der attraktiven Schauspielerin, bis auf wenige Hauptrollen und einige belanglose Einsätze konnte sie sich leider nur einseitig, wenn auch konsequent in der Branche etablieren. Aber auch hier gilt: Ein Karin-Field-Film ist stets ein guter Film.

Von Carl Möhner, Emmerich Schrenk, Erika Remberg und dem vor allem in Europa bekannten amerikanischen Interpreten John Kitzmiller sieht man routinierte Darbietungen, sie arbeiten aber auch gleichzeitig das wässrige Element der Dramaturgie heraus. Was bei den meisten Beteiligten nur nach Ahnungen aussieht, wird bei Wolfgang Preiss zum Corpus Delicti, denn er wirkt dieser hier angebotenen Rollenschablone alles andere als angepasst. Mit wenig Überzeugungskraft und empfundener Gleichgültigkeit agiert der sonst so präzise und verschlagen wirkende Herr leider weitgehend blass und es ist viel von der anvisierten Wirkung verschenkt. Stilistisch und inszenatorisch betrachtet man nüchtern also ein Wechselbad der Qualitätsebenen doch es soll auch nicht verschwiegen werden, dass der Verlauf zahlreiche Momente offenbart, die wirklich gelungen sind. Hier und da kommt die gewünschte Grusel-Atmosphäre auf und es entstehen ein paar beunruhigende Strecken. Vor allem die Schauplätze sind angemessen eingefangen worden, zu nennen sind vor allem die Szenen in der unterirdischen Grotte, doch insgesamt bekommt wird man etwas zu spärlich mit der potenziellen Würze des Hauptthemas versorgt. Großer Pluspunkt bleibt nach persönlichem Ermessen also wieder einmal der transportierte Mut der Verzweiflung, denn die offensichtliche Hoffnung auf Erfolg bei einem vorprogrammierten Flop ist nicht genügend zu würdigen. Was bleibt ist sozusagen ein grauer Farbtupfer in der zeitgenössischen deutschen Kino-Landschaft, der unterm Strich wenigstens einen diffusen Unterhaltungswert mit ausreichend Charme bieten kann. Ob man Ákos von Ráthonyis unorthodoxes Kriminal-Horror-Gebräu einmal probiert haben muss, bleibt letztlich die entscheidende Frage, denn nach diesen zahlreichen gegensätzlichen Eindrücken ist es kaum mehr möglich, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Daher bleibt das Fazit ganz im Sinne der Strategie des Films gewollt diffus. Unterhaltsam schon, gelungen unter Vorbehalt, denn diesem Beitrag können effektiv nur persönliche Präferenzen zu einem passenden Gesamteindruck verhelfen.

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DER TOTE, DER NICHT STERBEN WOLLTE


● NEITHER THE SEA NOR THE SAND / DER TOTE, DER NICHT STERBEN WOLLTE (GB|1972)
mit Susan Hampshire, Michael Petrovitch, Michael Craze, Jack Lambert, Betty Duncan, David Garth, Anthony Booth, Marcia Fox und Frank Finlay
eine Produktion der LMG Film | Portland Film | Tigon British Film Productions
ein Film von Fred Burnley

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»Wer weiß, was im Augenblick des Todes passiert?«


Auf der von Gezeiten und Naturgewalten dominierten Insel Jersey begegnet die einsame Anna Robinson (Susan Hampshire) einem geheimnisvoll aber anziehend wirkenden Leuchtturmwärter namens Hugh Dabernon (Michael Petrovitch). Zwischen beiden entwickelt sich eine leidenschaftliche Liebesbeziehung, die sie für ein paar Tage an die schottische Küste führt. In einer Phase völliger Ausgelassenheit und selten gewordener Glücksmomente geschieht das Undenkbare, denn der junge Mann stirbt plötzlich und unerwartet. Anna will diesen schweren Schicksalsschlag nicht akzeptieren und wehrt sich gegen die neue Realität, die sich überraschenderweise beeinflussen lässt. Plötzlich steht Hugh wieder vor ihrer Tür …

Falls ungewöhnliche Filme der frühen 1970er Jahre zur Sprache kommen, ist es gut möglich, dass auch "Der Tote, der nicht sterben wollte" genannt wird, da er alle Kriterien eines nicht alltäglichen Sehvergnügens erfüllt. Entstanden nach der gleichnamigen Romanvorlage "Neither the sea nor the sand" von Gordon Honeycombe aus dem Jahr 1969, erschließt sich eine ungewöhnliche Melange aus Liebesfilm und Mystery-Thriller, der mit beunruhigenden Horror-Elementen ausstaffiert ist. Hier liegt die Vermutung zunächst relativ nahe, dass diese so weit voneinander entfernten Bereiche vielleicht nicht so recht zusammenpassen mögen, doch Regie und Vorlage belehren das Publikum stringent eines Besseren. Der Film baut unbändige Gewalt über seine Kernbereiche auf, die sich aus Natur und Emotionen bündeln werden und am Ende nur auf ein fulminantes Entladen warten. Die Bebilderung ist atemberaubend, durch die Küstenimpressionen wild, gefährlich und spröde, aber gleichzeitig reizvoll und schön, was sich im unmittelbaren und späteren Verlauf noch auf die sich anbahnende Liebesbeziehung der beiden Protagonisten überträgt. Man trifft sich zufällig, die Melancholie und Poesie dieser Seheindrücke gestaltet ein überaus anziehendes Profil. Die Frau ist auf der Flucht vor ihrem bisherigen Leben, der wortkarge und rätselhaft anmutende Leuchtturmwärter kennt kaum ein anderes, außer das limitierte Angebot der Insel. Prominent inszeniert bleiben die Naturgewalten, die von Wind und Wasser ausgehen und eine gewalttätige Kraft demonstrieren, die alles und jeden einverleiben könnte. So erschließen sich verheißungsvolle Vorboten für einen Verlauf, der über melancholische, poetische, beängstigende und aggressive Intervalle verfügen wird. Der englische Originaltitel klingt beinahe philosophisch, sodass man in seiner ungeduldigen Erwartungshaltung vor allem von einem romantischen Drama ausgeht. Hier bäumt sich jedoch alles überraschend anders auf und wird zur unüberwindbaren Klippe für die eigene Erwartungshaltung. Sobald man sich schließlich nach einem Happy End sehnt, werden Regie uns Geschichte nur noch unerbittlicher. Man wird zum Staunen gebracht, jedoch nicht, ohne sich zu gruseln und Unbehagen zu verspüren. Aber nicht nur das. Zunächst erschließt sich eine ungezwungene Liaison zwischen zwei Fremden, die aufrichtiges Gefühl zu transportieren scheint.

Es sieht so aus, als habe man gegenseitig sein perfect match gefunden, sodass diese neue und ungewohnte Situation die Altlasten der Vergangenheit in Vergessenheit geraten lässt. Die Ursprünge dieser Aufrichtigkeit erscheinen negativ belastet zu sein, doch auch diese Grundvoraussetzungen lassen sich kurzerhand umkehren. Die beiden Protagonisten werden durch ihr Zusammentreffen in die glückliche Lage versetzt, Raum, Zeit, Umstände und schließlich sich selbst vergessen zu können, zumindest so lange, wie es die umherschleichenden Akteure oder Hyänen der Realität zulassen. Eine spontane und völlig unbelastete Liebesbeziehung ist schön mit anzusehen, zumindest so lange sie anhalten darf. So viel ist dem Zuschauer klar, da viele Äquivalente der Natur Unruhe, Zerstörung und Verfall andeuten. Ein Davonlaufen vor der eigenen Realität wird zum Wettlauf gegen die Gezeiten, es wirkt so, obwohl die Emotionen beider so stark wirken, als ob nicht alles überwunden werden könne. Die Regie inszeniert ambivalent, aber minutiös in Bezug auf die gegenseitigen Empfindungen. Als Zuschauer ahnt man, dass es nicht so bleiben kann, immerhin verweisen die Naturgewalten aller Couleur unnachgiebig und aggressiv darauf. Der Tod wetzt die Messer, der Zuschauer ist schockiert über so viel Wucht des Schicksals. Susan Hampshire, hierzulande vielleicht am meisten durch ihren Auftritt in dem Edgar Wallace-Film "Das Geheimnis der weißen Nonne" bekannt, macht einen exzellenten, intensiven und völlig überzeugenden Eindruck. Sie ist in Etappen ihrer emotionalen Zustände zu bewundern, die allerdings immer dieselbe Frau zeigen. Sie appelliert an das Mitgefühl des Publikums, welches sie auch erhält, insbesondere im letzten Drittel des Films. Man kann innerhalb ihrer Gefühlszustände kaum mehr zwischen Realität und Fiktion unterscheiden. Ihr Partner Michael Petrovitch steht dieser exzellenten Leistung in nichts nach, genau wie sein Filmbruder Frank Finlay. Spätestens wenn die Regie hier vor allem visuell mit beunruhigenden Horror-Elementen aufwartet, lehrt sie den Zuschauer buchstäblich das Gruseln. Dennoch bleibt "Der Tote, der nicht sterben wollte" eine Art Kuriosum im Bereich des Liebesdramas, da es völlig unorthodoxe Wege beschreitet und dabei sozusagen über das Wasser geht. Insgesamt gesehen handelt es sich um eine völlig unerwartete Überraschung in der Fasson eines sehenswerten Films.

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