DIE HOCHZEITSREISE - Ralf Gregan

Sexwellen, Kriminalspaß und andere Krautploitation.
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Prisma
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DIE HOCHZEITSREISE - Ralf Gregan

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● DIE HOCHZEITSREISE / EINE NERVENSÄGE GEGEN ALLE (D|I|1969)
mit Liselotte Pulver, Dieter Hallervorden, Ewa Strömberg, Alberto Farnese, Memmo Carotenuto, Angelo Sorrentini, Armando Carini und Dieter Hallervorden junior
eine Produktion der cCc Filmkunst | Finarco | im Verleih der Columbia Film
ein Film von Ralf Gregan

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»Nix capito!«


Hannelore (Liselotte Pulver) und Lukas Schmidt (Dieter Hallervorden) befinden sich im verflixten siebten Ehejahr und holen ihre Hochzeitsreise nach. Auf dem Weg nach Rom bleiben sie mit ihrem Wagen liegen, da das Benzin ausgegangen ist. Zu allem Überfluss wird Lukas’ Brieftasche von einem vermeintlich hilfsbereiten Mann gestohlen und man steht plötzlich ohne Urlaubskasse da. Ab sofort nimmt die Planung bizarre Wendungen. Während Lukas die Verbrecherkarteien auf dem Polizeirevier durchforstet, wird Hannelore von Rossano Bertorelli (Alberto Farnese) hofiert, ihr Mann wiederum von der exaltierten amerikanischen Malerin Kay (Ewa Strömberg) ins Visier genommen, sodass die Hochzeitsreise völlig chaotische Züge annehmen wird …

Kollaborationen zwischen zwei Ländern, deren Output an Komödien nicht jeweils sehr hoch und produktiv, von der Handhabe aber nicht selten völlig unterschiedlich bis entgegengesetzt war, müssen sich unter normalen Umständen für einen (gemeinsamen) Weg entscheiden. Ralf Gregans "Die Hochzeitsreise" bietet überraschenderweise eine gelungene Mixtur im Groben an, auch wenn sich Feinabstimmung innerhalb zahlreicher Klischees variiert. Dies gilt vor allem für Fragen der jeweiligen Mentalität als Fundament dieser bemüht turbulenten Geschichte, die insgesamt keine Probleme haben wird, in Fahrt zu kommen. Ausgestattet mit ausgewiesenen Komödianten namens Liselotte Pulver und Dieter Hallervorden, funktioniert die hier angepriesene Strategie über das Modellieren einer ganz hauseigenen Situationskomik und über wichtige Stichwortgeber recht gut. Insgesamt müssen jedoch Abstriche gemacht werden, da die Ausarbeitung einerseits nicht an italienische Grandezza heranreicht, deutschen Plattitüden-Klamauk andererseits weitgehend abhängen kann. Überaus angenehm ist das hier aufkommende Flair, welches alleine wegen der Schauplätze und Sehenswürdigkeiten aufkommt, bis sich zwei deutsche Hochzeitstouristen im Dschungel italienischen Temperaments verirren. In Frau Schmidt brodelt allerdings eine bislang verborgen gebliebene Extravaganz, die im spießigen Alltag offenbar permanent von äußeren Umständen gedeckelt wurde, sodass sie ab sofort aufleben kann, was sich auch in optischer Hinsicht zeigen darf. Ihr Mann hingegen trägt die typisch deutschen Tugenden beziehungsweise Mühlsteine um den Hals offen zur Schau, sodass sich hin und wieder die Frage abbildet, wie beide überhaupt zusammenfinden konnten. Natürlich ist der Humor der Schlüssel. Die Ehe lebte bislang vermutlich von weiblicher Kompromissbereitschaft und einer globalen Anpassungsfähigkeit, die allerdings weit von der Selbstaufgabe entfernt zu sein scheint. Es dürfte kein Zufall sein, dass diese Reise im Mythos des verflixten siebten Ehejahres stattfindet, denn fortan ist das Paar mit Versuchungen konfrontiert, die von einem weltmännisch wirkenden Playboy und einer extravaganten Künstlerin ausgehen. Dieter Hallervorden und Liselotte Pulver dosieren den Humor sehr angemessen, denn sie verlieren sich nie in den Sphären des ausgesprochen schlechten Geschmacks. Von daher ist erfreulicherweise immer wieder etwas Situationskomik zu erkennen.

Als Sparringspartner stehen den beiden Hauptdarstellern Alberto Farnese und Ewa Strömberg zur Seite, die in diesem Zusammenhang mitverantwortlich für das Gelingen vieler dieser Szenen sein werden, auch wenn Liselotte Pulver in einem Interview auf das schwache Drehbuch verwies. Dieser insgesamt kritische Blick auf die Veranstaltung zeigt übrigens eine häufig erkennbare Tendenz, die Schauspieler an den Tag legen, wenn eigene Arbeiten dieses Zeitfensters betrachtet und eigene Mitwirkungen und entsprechende Produktionen somit pauschal abqualifiziert werden. So gesehen geht es hier natürlich tendenziell seicht zu, aber man sollte mit diesem Verlauf nicht allzu hart ins Gericht gehen, da man das Bemühen erkennen kann, die Geschichte zu einem originellen Ende zu bringen. Seinerzeit war Liselotte Pulver immer noch für einen Zugpferdcharakter auf Kinoplakaten geeignet, am wirtschaftlichen Misserfolg gemessen war dieser Credit jedoch völlig wirkungslos, sodass es sich unterm Strich nur um einen sogenannten Brotjob handelt, bei dem aber die übliche Spiellaune zu identifizieren ist. Ihr Partner Dieter Hallervorden ist in einer seiner ersten Kinohauptrollen zu sehen und bietet hier bereits das an, was das Publikum über viele Jahrzehnte von ihm gewöhnt sein sollte. Sein Darbietungsstil liegt einem daher, oder eben nicht. Insgesamt wirkt es nett mit anzuschauen, wie sich beide gegenseitig die Bälle zuwerfen, was auch von Strömberg und Farnese aufgenommen wird. Die Konstruktion funktioniert trotz wenig Hintergründigkeit einwandfrei und plätschert bestenfalls kurzweilig vor sich hin. Mögliche Finessen des Genres sind zugunsten landläufig bekannter Klischees untergeordnet, was vor allem für die hier dargestellte deutsche Urlauber-Mentalität und die des temperamentvollen Italieners gilt. Auch wenn der Film seinerzeit keine Relevanz hatte, erscheint es doch bemerkenswert, dass Produzent Artur Brauner es bewerkstelligen konnte, Liselotte Pulver zurück auf die Kinoleinwand zu bringen, deren Auftritte mit den Jahren immer sporadischer geworden waren. "Eine Nervensäge gehen alle" - ein Titel, der bei seiner Wiederaufführung eindeutig Bezug auf die Mitte der 1980er Jahre ausgestrahlte TV-Serie "Die Nervensäge" nimmt - verfügt über einige charmante Attacken, aber ebenso viele Grobschlächtigkeiten, die ihn weit von der Crème de la Crème des Genres und entfernen, aber ebenso vom Bodensatz, da Regisseur Gregan hier nicht immer mit dem Strom zu schwimmen pflegt.

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Prisma
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● EWA STRÖMBERG als KAY in
DIE HOCHZEITSREISE (D|I|1969)



Nach Ewa Strömbergs Auftritten in schwedischen Produktionen sollten zahlreiche Auftritte in deutschen beziehungsweise deutsch-coproduzierten Filmen folgen, was wie ein Beleg dafür wirkt, dass man stets nach derartig charismatischen Gesichtern Ausschau hielt. So stehen etwa drei unmittelbar aufeinanderfolgende Auftritte in der seinerzeit immer noch populären Edgar Wallace-Reihe zu Buche und vor allem Verpflichtungen bei Artur Brauner mit zehn Kinofilmen an der Zahl. So ist davon auszugehen, dass Strömberg sowohl bei der Rialto Film als auch cCc Filmkunst für eine bestimmte Anzahl von Filmen unter Vertrag stand oder zumindest immer wieder auf sie zurückgegriffen wurde. Gerade die Zusammenarbeit mit Jess Franco führte zu einem einseitig geebneten Karriereweg, allerdings lassen sich auch Ausnahmen wie die zweiteilige Großproduktion "Kampf um Rom" oder mit Abstrichen auch Ralf Gregans "Die Hochzeitsreise" finden. In dieser Komödie ist Ewa Strömbergs Einsatz wie so häufig weitgehend auf einen attraktiven Blickfang mit beinahe obligatorischen Nackteinlagen zu reduzieren, wenngleich man eine bemerkenswerte Spiellaune und die Fähigkeit sieht, sich der komödiantisch gefärbten Materie optimal anzupassen. Die attraktive Schwedin ist somit fester Bestandteil des komischen Ensembles dieser Geschichte und sticht in einer Vierer-Konstellation durch exaltiertes Verhalten und künstlerische Bewusstseinserweiterung hervor. In Kombination mit ihrer extravaganten Aufmachung, die sich besonders bei ihren Frisuren zeigt, ist es ihr spielend möglich, für Situationskomik zu sorgen. Als Amerikanerin spricht sie mit ihrem Partner Dieter Hallervorden einen Mischmasch aus Englisch und Deutsch, sodass Hallervorden wie üblich loslegen und am Gegenüber vorbeireden kann. Nebenbei erwähnt, hatte er mit seiner Klamauk-Partnerin Helga Feddersen einen musikalischen Hit namens "Du, die Wanne ist voll", welcher genauso wie die hier angebotenen Konversationen aufgebaut ist. Ewa Strömberg betritt das Szenario unter einem Schleier von Extravaganzen und sturzbetrunken, was vielleicht der hauptsächliche Grund dafür ist, dass sie sich Hals über Kopf in Herrn Schmidt verknallt. Oder ist es Ekstase? Geklärt wird dieses überschäumende Temperament nicht, aber es gibt allerlei Körpereinsatz der sympathischen Blondine zu sehen. Ihr Dasein als Künstlerin wird kurzerhand gleichgesetzt mit ihrer schrillen Exzentrik, die sich auch in ihren Werken widerspiegelt. Was für die einen Kunst ist, stellt für die anderen Trivialität aus dem Bilderbuch dar, aber sie scheint mit Leib und Seele und einer sich gut durch die leidenschaftliche Leistung Strömbergs anbahnenden Inbrunst bei der Sache zu sein.

Wer die attraktive und hier immer mehr heiß laufende Interpretin kennt, weiß ganz genau, dass es auch jederzeit körperlich zur Sache gehen könnte, bis diese Möglichkeit auch schnellstmöglich abgeschöpft wird und Kay plötzlich völlig entblößt vor ihrem Auserkorenen steht. Dieser wehrt sich zwar mit Händen und Füßen, aber die Amerikanerin kennt keinerlei Kompromisse und ist offenbar gewöhnt, das zu bekommen, was sie sich in den Kopf gesetzt hat. So ist eine beinahe fiebrige Impulsivität zu erkennen, die sie zu einem unberechenbaren Gegenpol werden lässt. Dem Empfinden nach hat Ewa Strömberg hier Spaß bei der Sache, was ihrem heiter wirkenden Naturell vollkommen entspricht. Dem Skript und ihrer Rolle entsprechend, wird es mit ihr noch zu zahlreichen Übertreibungen kommen, welche vordergründig auf schnelle Lacher abzielen und in Verbindung mit ihrer Performance auch nicht selten zünden. Die Malerin Kay scheint in einer Art Paralleluniversum zu leben, was sie in ihrer abstrakten Kunst zum Ausdruck bringt. Sie malt sich derartig in eine Isolation, dass die im Grunde genommen frustriert und einsam ist, durch ihren Alkoholkonsum aber dennoch gut drauf, was allerdings schnell wieder kippen kann. Vielleicht kam so der Impuls zustande, dass sie sich dem ersten Mann, der ihr über den Weg läuft, anbietet und sich nach ihren eigenen Angaben verliebt. Dabei ist es fraglich, ob es sich tatsächlich um starke Gefühle handelt, oder um einen extremen künstlerischen, durch Unmengen an Alkohol beflügelten Rausch. Obwohl die Malerin mehr als sympathisch wirkt, ist sie dem Zuschauer ein Dorn im Auge, immerhin bedroht sie die eigentliche Hochzeitsreise der Schmidts und deren bestehende Ehe gleich mit. Da hier jedoch alles über den Humor abgefedert wird, ist die Wahrscheinlichkeit von Seitensprüngen dementsprechend niedrig. Die Schwedin zeigt hier erneut, was sie unter der Garderobe zu bieten hat und scheut sich innerhalb dieser Gewissheit auch nicht, ihre Zeigefreudigkeit unter Beweis zu stellen. Zwar achtet die Regie darauf, mehr im Bereich der Andeutungen zu präsentieren, was vermutlich angesichts einer günstigen Altersfreigabe für den Film zu werten ist. In Ewa Strömbergs Werkschau handelt es sich trotz obligatorischer Angebote jedoch um einen kleinen filmischen Ausreißer, der ihre komödiantische Note zwischen allerhand Sex & Crime betont in den Vordergrund rückt, auch wenn Jess Franco es auch immer wieder mit dem Abruf derartiger Eigenschaften bei ihr probierte. So bleibt "Die Hochzeitsreise" schlussendlich ein kleiner Mehrwert in ihrer Filmografie, denn falls einen hier sonst überhaupt nichts interessieren sollte, macht dieser in mehrere Intervalle eingeteilte Auftritt wirklich Freude.



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Prisma
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Re: DIE HOCHZEITSREISE - Ralf Gregan

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Der Trailer, mit Off-Kommentar von Liselotte Pulver und Dieter Hallervorden:


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