UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN - Alfred Vohrer

Sexwellen, Kriminalspaß und andere Krautploitation.
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Retro
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UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN - Alfred Vohrer

Beitrag von Retro »

UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN (1971)

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Der Argentinier Manuel Aranda kommt nach Wien, um seinen dort verstorbenen Vater zu begraben und die Ursache seines Todes aufzuklären.
Die Polizei hat zwar ermittelt, konnte aber nicht feststellen ob es sich um Mord oder Selbstmord mit Zyankali gehandelt hat-
so dass die Ermittlungen eingestellt wurden.Da Manuel nicht an einen Selbstmord glaubt, fängt er an, Nachforschungen anzustellen.
Schon bald stößt er auf Hinweise, dass sein Vater ein Nazi-Wissenschaftler war,
und heimlich ein Nervengift produzierte, welches er verschiedenen Großmächten anbot.
Es wird auch klar, dass es sich um Mord handelte- allerdings erscheint dieser, aufgrund der taten seines Vaters, fast schon gerechtfertigt.
Mittlerweile sind Deutsche, Russische und Amerikanische Agenten auf Manuel aufmerksam geworden, und beobachten jeden seiner Schritte-
könnte er doch auch mit diesem Nervengift in Verbindung stehen, hinter dem immer noch die Geheimdienste aller Regierungen her sind...

Verfilmung eines Johannes Mario Simmel-Romans von Edgar Wallace-Stammregisseur Alfred Vohrer.
Die Hauptrolle trägt der weitgehend unbekannte Alain Noury recht souverän,
mit Judy Winter und Horst Tappert sind aber auch zwei damals prominente Gesichter anwesend.
Der Film wird in über zwei Stunden recht langsam erzählt, und setzt sehr stark auf Dialoge.
Besondere Schauwerte oder gar Action sind nicht geboten.
Die eine oder andere länge hat sich auch durchaus eingeschlichen, obwohl die erzählte Geschichte interessant, und gut gespielt ist.
Das Ende sticht hier auch noch heraus, ob positiv oder negativ möge jeder selbst entscheiden- mir hat es gefallen.

7/10
Zuletzt geändert von Retro am Do., 12.11.2020 19:25, insgesamt 1-mal geändert.

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Sid Vicious
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Re: UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN - Alfred Vohrer

Beitrag von Sid Vicious »

Ein Film wie ein kalter, gemütlicher Tag im Spätherbst (so was gibt es scheinbar in diesem Jahr nicht :( ) an dem man viele gute alte Bekannte zu einem schmackhaften Tässchen Tee trifft. Ein feines Spiel mit vielen Fragezeichen, die als Teile eines anfangs undurchschaubaren Mosaiks fungieren, welches finalisierend zum Zweck der kollektiven Erhellung zusammengefügt wird. Ein toller Film mit einer ebenso tollen Besetzung.
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Prisma
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Re: UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN - Alfred Vohrer

Beitrag von Prisma »

Neben "Die Antwort kennt nur der Wind", Liebe ist nur ein Wort" und "Bis zur bitteren Neige", der sich ja deutlich von den Vohrer'schen Beiträgen unterscheidet, zählt diese verschachtelte, und in Rückblenden angelegte Geschichte zu meinen Lieblingsbeiträgen im Simmel-Orbit. Filme, die man sich immer und immer wieder anschauen kann. "Und Jimmy ging zum Regenbogen" wartet mit der spektakulärsten Besetzung dieser Filme auf, hervorragende Leistungen in Hülle und Fülle, bei denen insbesondere Judy Winter, Ruth Leuwerik, Konrad Georg, aber auch Alain Noury begeistern können. Der Plot ist spannend, tragisch, überraschend, anspruchsvoll und gleichzeitig unterhaltend; es handelt sich einfach um ganz großartiges deutsches Kino.

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Retro
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Re: UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN - Alfred Vohrer

Beitrag von Retro »

Ganz so begeistert wie ihr war ich zwar nicht, aber der Film ist definitiv nicht schlecht! ;)

Kennt einer von euch das Remake- und lohnt sich dieses?

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Prisma
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Re: UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN - Alfred Vohrer

Beitrag von Prisma »

Retro hat geschrieben:
Do., 12.11.2020 19:32
Kennt einer von euch das Remake- und lohnt sich dieses?


Da habe ich mich ehrlich gesagt nicht heran getraut. :mrgreen:

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Retro
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Re: UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN - Alfred Vohrer

Beitrag von Retro »

So geht es mir bisher eben auch... ;)

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Prisma
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Re: UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN - Alfred Vohrer

Beitrag von Prisma »



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● UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN (D|1971)
mit Alain Noury, Konrad Georg, Judy Winter, Horst Tappert, Doris Kunstmann, Horst Frank, Heinz Moog, Eva Zilcher, Paul Edwin Roth, Peter Pasetti, Herbert Fleischmann,
Heinz Baumann, Jochen Brockmann, Friedrich Georg Beckhaus, Bruno Dallansky, Klaus Schwarzkopf, Karl Walter Diess, Franz Elkins, Mascha Gonska sowie Ruth Leuwerik
eine Luggi Waldleitner Produktion der Roxy Film | im Constantin Filmverleih
ein Film von Alfred Vohrer

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»Schade, dass es diese Frau nur einmal gibt!«


Der argentinische Chemiker Rafaelo Aranda wird in Wien von der Buchhändlerin Valerie Steinfeld (Ruth Leuwerik) vergiftet, die anschließend Selbstmord begeht. Die beiden verbindet anscheinend nichts, was den Fall für Hofrat Groll (Heinz Moog) noch undurchsichtiger macht. Als Arandas Sohn Manuel (Alain Noury) in Wien eintrifft, ist er fest entschlossen, den Fall aufzuklären, doch die Geheimdienste der Vereinigten Staaten, Sowjetunion und Frankreich heften sich gleich an seine Fersen und versuchen mit allen Mitteln, die Aufklärung der Angelegenheit zu verhindern. Oder steckt noch mehr dahinter? Manuels Recherchen führen ihn weit in die Vergangenheit und plötzlich auch zu der Mörderin seines Vaters, Valerie Steinfeld …

Alfred Vohrers Wechsel von der Berliner Rialto Film zur Münchener Roxy Film stellte für die deutsche Kinolandschaft eine deutliche Zäsur dar, wenngleich man diese Beschreibung keineswegs negativ auslegen sollte. Vohrers Vormachtstellung und eine durchaus einseitig entstandene Dominanz bei der immer noch laufenden Edgar Wallace-Reihe wurde beendet, um sich anderen Projekten widmen zu können, immerhin lag es auf der versteckten Hand, dass die Reihe nicht ewig laufen würde. So kann festgehalten werden, dass neue Besen nicht nur sprichwörtlich gut kehren, und es kam ein neuer Wind im beinahe einseitig bedienten Kino zustande. Der Stuttgarter Regisseur brachte es in einer Art neuen Domäne auf eine beachtliche Anzahl von Literaturverfilmungen, unter dem Banner Johannes Mario Simmel übernahm er sogar bei sechs Filmen die Regie. Der Startschuss kann mit "Und Jimmy ging zum Regenbogen" als überaus glücklich gewählt und insgesamt mehr als gelungen bezeichnet werden, denn ein erfahrener Handwerker wie Alfred Vohrer schafft es auch hier, die wichtigen Fundamente der Unterhaltung miteinander zu vereinen. Die Produktion wurde mit der "Goldenen Leinwand" ausgezeichnet und konnte sich mit ungefähr 4 Millionen Besuchern im Jahresranking der erfolgreichsten deutschen Kinofilme auf Platz drei behaupten. Außerdem wurde ihm das Prädikat "wertvoll" verliehen, um zusätzlich die Spielfilmprämie des Innenministeriums in Höhe von 200.000 D-Mark zu erhalten. Der Constantin Filmverleih wählte bei der Vermarktung eine Bewerbungsstrategie, die radikal über den Autor forciert wurde und offensichtlich aufging. Für filmische Umsetzungen nach Johannes Mario Simmel steht zunächst oft auf der Agenda, die teils komplizierte Rückblenden- und Personen-Struktur zu entschlüsseln und so herzurichten, dass sie vom Publikum leicht konsumiert werden kann. Hierfür war Vohrer der richtige Mann, der nicht nur über die nötige Erfahrung beim Inszenieren von Kino-Hits hatte, sondern auch das Verständnis für Zuschauerinteresse und entsprechende Kompatibilität. Es gilt, einen beinahe kindlich-poetisch klingenden Titel zu dechiffrieren, der im Verlauf noch spannende Rätsel und Brisanz der Vergangenheit und Gegenwart bereithalten wird, was in Verbindung mit Alfred Vohrers Handschrift blendend aufgeht.

Die Regie greift auch hier auf eine bewährte Entourage zurück, jedoch nicht, ohne diese bedeutend zu erweitern. Dies gilt vor allem für die jungen Akteure und insbesondere für den Franzosen Alain Noury, der seinerzeit als eines der hoffnungsvollsten europäischen Talente gehandelt wurde, jedoch nie den ganz großen Durchbruch erzielen sollte. Manuel Aranda wird gleich nach Ankunft am Wiener Flughafen in eine unübersichtliche Situation platziert, die von den Geheimdiensten der Großmächte orchestriert wird. Seine Liquidierung scheint beschlossene Sache, sodass von Anfang an große Zustände der Hochspannung forciert werden können. In letzter Minute muss ein anderer Kopf rollen, sodass die Geschichte minutiös aufgerollt werden kann. Am Ende muss das Publikum akzeptieren, dass man es nur mit einer Schachfigur in einer Partie zu tun hat, die der Kaltblütigkeit und Übermacht der Offiziere vielleicht nicht gewachsten sein wird. Manuel möchte den Tod seines Vaters aufklären, dessen Vergiftung fällt völlig aus dem Zusammenhang, die dafür verantwortliche Person umso mehr. Ein Film wie dieser, der auf modellierende Rückblenden bauen muss, um wichtige Charaktere der Vergangenheit vorstellen zu können, braucht eine gute Strategie, um eine flüssige Verknüpfung herzustellen. Der Zuschauer wird zurück in die Zeit des Nationalsozialismus geführt, um unschuldige Opfer und pathologische Täter kennenzulernen, die den Lauf der Dinge bestimmen. Einige der Schauspieler übernehmen dabei die Funktion, die Vergangenheit ebenso wie die Gegenwart zu repräsentieren und maßgeblich zu beeinflussen. Hier ist vor allem die damals Mitte 20-jährige Judy Winter zu erwähnen, für die die Rolle der Nora Hill als großer Durchbruch gewertet werden kann. Winter musste in den aktuellen Szenen als über 50-jährige Frau zurechtgemacht werden, was eine besondere Form fesselnder Momente fabriziert, denn diese Dame hat allerlei zu berichten, könnte alles mit einem Schlag aufklären, wenn sie wollte oder besser gesagt dürfte. Doch auch sie ist im Würgegriff der Geheimdienste, insbesondere des Sowjetischen. Dessen Kopf wird von einem wie immer großartigen Peter Pasetti dargestellt, dessen Kult um Nora Hill aus Nutzung und Erpressung besteht, wenngleich der eigentliche Ursprung reine Bewunderung ist.

Dem Sprichwort nach heile die Zeit alle Wunden, doch hier werden unaufhörlich neue, klaffende Verletzungen aufgerissen. Die Wahrheitsfindung fordert hohe Konzentration und Aufwand, aber ebenso Vorsicht, denn niemand ist mehr seines Lebens sicher, falls anzunehmen wäre, dass es zu peinlichen Indiskretionen kommen könnte. Darstellerisch bekommt man Unterhaltung auf höchstem Niveau geboten, was sich bis in die kleinen Nebenrollen abbildet. Hervorragend agieren Konrad Georg, Horst Tappert, Heinz Moog, Horst Frank, Paul Edwin Roth, Friedrich Georg Beckhaus, Jochen Brockmann, Klaus Schwarzkopf sowie Eva Zilcher oder Doris Kunstmann. Bei aller ausgiebigen Aufzählung ist man allerdings schneller fertig, wenn betont wird, dass sich keinerlei schwache oder unangepasste Leistungen im Szenario finden lassen. So gut wie jede der Personen behält dabei den Charakter einer Schlüsselfigur inne, was vor allem für den großen Besetzungs-Clou Ruth Leuwerik gilt, welche hier nach jahrelanger Leinwand-Abstinenz wieder vor der Kamera agiert. Valerie Steinfeld löst eine stillgelegte Kettenreaktion wieder aus, die mit Mord beginnt und mit Gleichem aufzuhören hat. Alfred Vohrer inszeniert aufwändig und erklärend, sodass dem teils verschlüsselt wirkenden Verlauf leicht zu folgen ist. Überraschende Wendungen, noch überraschendere Mosaiksteine, die diese Geschichte zu einem Gesamtbild zusammenfügen und der Blick in eine dunkle Zeit machen "Und Jimmy ging zum Regenbogen" zu einer in allen Belangen gelungenen Roman-Adaption, die wie die Vorlage zum Bestseller wird. Die weitreichende Stringenz durch Manfred Purzers Drehbuch, die Kopplung mit der hochwertigen Kamera-Arbeit von Charly Steinberger und die wunderbare Musik von Erich Ferstl lassen diesen Film formvollendet erscheinen, vor allem wenn man das übliche deutsche Kino-Angebot dieses Zeitfensters betrachtet. Der Film verfügt über gut 130 Minuten ausladender und fordernder Unterhaltung und setzt schlussendlich auf eine teils zehrende Dialogarbeit, die den ein oder anderen abschrecken könnte. Als Grundstein für weitere Verfilmungen von Johannes Mario Simmel setzt Alfred Vohrer eine sehr hohe Messlatte für sich selbst an, die nicht nur von der Stärke der Vorlage ausgeht, sondern gleichermaßen vom Geschick des Regisseurs. Sehenswertes Bestseller-Kino.

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Prisma
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Re: UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN - Alfred Vohrer

Beitrag von Prisma »

Retro hat geschrieben:
Do., 12.11.2020 19:32
Kennt einer von euch das Remake- und lohnt sich dieses?

Ich habe mir die Neuverfilmung von 2008 übrigens Anfang des Jahres angeschaut und war ziemlich enttäuscht von der Inszenierung, die kammerspielartig ist und sich betont von der ersten Verfilmung und der Romanvorlage in den Bereichen Raum, Zeit und Figurenkonstellationen abhebt. Für mich haben Carlo Rolas Stilmittel nicht funktioniert. Den Schauspielern kann man ihre deutliche Präsenz zwar nicht absprechen, aber sie konnten mich allesamt nicht mitnehmen. Heino Ferch und Dennenesch Zoudé, zwei Akteure, die ich sehr schätze, sind zu sehr in Modifikationen gefangen, auch die mit Spannung erwartete Judy Winter wirkte blass. Vielleicht haben die Vergleiche am Ende alles zunichtegemacht, ich weiß es gar nicht genau. Aber gut unterhalten habe ich mich unterm Strich kaum gefühlt.

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Prisma
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Re: UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN - Alfred Vohrer

Beitrag von Prisma »



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● MASCHA GONSKA als BIANCA in
UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN (D|1971)



»Sie wissen alle, dass es ein großes Privileg ist, an der Staatsschule für Chemie studieren zu dürfen. Privileg das heißt besondere Rechte. Besondere Rechte schließen aber auch besondere Pflichten ein. Weshalb sage ich das? Ich sage es deswegen, weil es immer noch Schüler gibt, die sich nicht im Klaren darüber sind, was ihnen zusteht, und was ihnen nicht zusteht. Es ist zum Beispiel ein besonderes Privileg, wenn ein Halbjude an einer Anstalt wie der unsrigen einen Studienplatz innehat. Wie nennt man das, wenn sich ein Halbjude an einem deutschen Mädchen vergreift? Rassenschande. An diesem Ort hier weiß das anscheinend jeder, bis auf einen. Und dieser eine wird jetzt seinen Arbeitsplatz räumen und seinen Arbeitsplatz sofort räumen!« Am Boden zerstört und gedemütigt muss der Student Heinz Steinfeld seine wenigen Sachen packen, die höhere Lehr- und Versuchsanstalt verlassen und sich von seinem Studienkollegen, der ihn bei seinem Lehrer Professor Dr. Friedjung verraten hatte, antisemitisch beleidigen lassen. Was vorgefallen war, konnte das Publikum bereits im Vorfeld miterleben und es geht um die etwa gleichaltrige Bianca; eine Situation, in der noch das widerliche aber seinerzeit völlig geläufige Wort »Rassenschande« fallen wird. Zu sehen war Mascha Gonska, die sich bereits ab ihrem ersten Auftritt, im Rahmen von tragenden Rollen im bundesdeutschen Film, mit Leichtigkeit und Charme etablieren konnte. Dies geschah durchaus unter den besten Voraussetzungen, denn der Film war immer auf der Suche nach derartig unverbrauchten Gesichtern. In Alfred Vohrers Simmel-Verfilmung "Und Jimmy ging zum Regenbogen" ist die Deutsche nur in einer sehr kleinen Rolle zu sehen, die in eine einzige Rückblende aus der Zeit des Nationalsozialismus eingefasst ist. Die für die Geschichte erklärende Funktion ist trotz der Kürze des Auftritts wichtig und stellt wie bei vielen anderen Charakteren auch eine Zahnradfunktion dar. So ist ihr später Einstieg eingerahmt in Vorsicht und Angst, und das gleich im doppelten Sinn. Bezüglich der schwierigen Situation, in der sich das Liebespaar befindet, ist Verheimlichung und äußerste Vorsicht geboten. Die ersten Schritte der Liebe dürfen ohnehin nicht öffentlich gegangen werden, schon gar nicht, wenn es sich um einem sogenannten Halbjuden handelt.

Bianca und Heinz begreifen nicht die Tragweite der Verbindung und die Kreise, die das heimliche Zusammensein noch ziehen wird. Man sieht die Sehnsucht nach Normalität, Zuneigung und Sicherheit. Gonska, gleich zu Beginn ihrer Filmkarriere bekannt für eine freche Freizügigkeit, gibt hier eine völlig konträre Darbietung zum Besten, denn bei Bianca handelt es sich um kein leichtfertiges Mädchen. Die Situation der Unerfahrenheit verängstigt sie in Kombination mit der repressiven Atmosphäre. Offenbar hat sie noch nie Erfahrungen mit einem anderen Jungen gesammelt, sodass sie - entgegen ihres mittlerweile verbreiteten schauspielerischen Images - völlig zugeknöpft wirken muss. Als ihr Freund mehr als nur Händchenhalten will, unterbricht sie Heinz beinahe erschrocken, lässt sich aber weiter von ihm führen. Ihr Partner geht dabei behutsam als möglich vor, doch die Rahmenbedingungen in einem abgelegenen Bootshaus lässt sie immer wieder ausbremsend reagieren, vor allem, als sie schreckhaft feststellen muss, dass sie beobachtet werden. Es handelt sich um einen von Heinz’ Schulkameraden, der sich ebenfalls für Bianca interessiert und von fehlgeleiteten Ansichten getrieben wird. Obwohl Mascha Gonska bereits einige Schulmädchen der aufmüpfigen, renitenten und denkerisch freizügigen Fasson in anderen Produktionen dargestellt hatte, liefert sie hier das völlige Pendant in einer Zeit, in der man überall und von jedem ausspioniert und angeschwärzt werden könnte. Dass die beiden von einem eifersüchtigen und linientreuen Schüler aufgespürt wurden, wird noch eine fatale Kettenreaktion nach sich ziehen. Heinz versucht Bianca zwar zu beruhigen, versichert, dass sie keine Angst zu haben brauche, allerdings ist die große konsequente Tragik der Geschichte nicht mehr abzuwenden. Bianca verabschiedet sich schließlich als hübsche Erinnerung in einem Film, der als überaus besetzungsstark zu beschreiben ist und in dem auch derartig kleine Parts wichtige Schlüsselfunktionen übernehmen. Mascha Gonska bietet dabei Dosierung, Zurückhaltung und eine überaus angespannte Körpersprache an. Sie hat kaum Dialog, doch die Kamera verlässt sich auf die Spreche ihrer Augen. Alfred Vohrer setzt auf eine Mischung aus Präsenz und Kompetenz, die er bereits in ihren ersten beiden gemeinsamen Filmen kennenlernen und abrufen durfte.



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