ELLEN UMLAUF

Leinwandsternchen und verkannte Stars im Blickpunkt
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Prisma
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ELLEN UMLAUF

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ELLEN UMLAUF

[*17. August 1925| † 19. Februar 2000]

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Prisma hat geschrieben:
Die Film-, Fernseh- und Bühnenkarriere der Wiener Schauspielerin Eleonora "Ellen" Umlauf erstreckt sich über einen Zeitraum von über 50 Jahren, in denen sie stets und auf unterschiedlichstem Parkett präsent war. Nach ihrem Studium am renommierten Max-Reinhardt-Seminar boten Bühne und Kino ihr schnell die Möglichkeit, ihre auffällige Aura in Nischen aber auch klassischen Engagements zu platzieren. Ab 1949 wirkte sie als Bühnenschauspielerin in Berlin, München, Düsseldorf, Zürich und natürlich Wien, aber auch Film und TV hielten zahlreiche publikumswirksame Aufgaben für sie bereit, sodass sie schnell sehr gut beschäftigt war. Ellen Umlauf, vorwiegend in markanten Nebenrollen bis hin zu internationalen Co-Produktionen zu sehen, war bis zu ihrem rätselhaften Tod durch eine Schwefelwasserstoffvergiftung bis um die Jahrtausendwende filmisch aktiv und verstarb in Neuseeland, wo sie gerade an einer Filmproduktion beteiligt war. Ihr Typ wirkte nicht selten spröde, exaltiert und fordernd, sodass sie im breiten Spektrum anspruchsvoller bis belangloser Rollen glänzen und stets überzeugen, und man ihr die Dame genauso wie die Dirne spielend abnehmen konnte.


Beim Rückblick auf die großen Kapazitäten des deutschsprachigen Nachkriegsfilms fallen einem en passant zahlreiche Schauspielerinnen ein, die das Bild nachhaltig prägen konnten, doch der Name Ellen Umlauf dürfte in dieser illustren Gesellschaft kaum eine Rolle spielen, obwohl sich ihre Karriere über 50 Jahre erstreckt und sie nahezu in allen gängigen Formaten zu sehen war. Trotz dieser großen Arbeitsleistung ist die Wienerin etwas in Vergessenheit geraten und wird nicht in einem Atemzug mit ihren namhaften Kolleginnen aufgezählt. Dies liegt zum einen daran, dass Umlauf hauptsächlich in Nebenrollen zu sehen war und nicht die ganz großen Kino- und TV-Klassiker wie Berufskolleginnen vorzuweisen hat. Diese Feststellung soll ihre erfüllte Karriere jedoch keineswegs schmälern, denn Ellen Umlauf bleibt rückblickend gesehen eine Art Mädchen für alles, und dies im positivsten Sinn. In diesem Zusammenhang scheute sie sich nicht, Rollen anzunehmen, die viele ihrer Kolleginnen bestimmt als nicht salonfähig abgelehnt hätten. Außerdem war es der Schauspielerin dem Empfinden nach ein besonderes Vergnügen, sich von ihrer spröden, unangepassten und teils sogar aufdringlichen Seite zu zeigen, was im Rahmen der dargebotenen Charaktere oftmals ein Highlight darzustellen weiß. So sind ihre Parts trotz oftmals geringer Screentime ebenso wirkungsvoll wie eine klassische Hauptrolle, die jedoch nicht den maximalen Einsatz erforderten, insgesamt aber eine enorme Reichweite garantieren konnten. Um Schauspielerin zu werden, schlug Ellen Umlauf einen ganz klassischen Weg ein, sodass sie ebenso auf Bühnen zu Hause war, wie im Kino oder Fernsehen. Bekannte Vorabendserien, nicht selten aus dem Kriminalbereich, sorgten für ein großes Stammpublikum, das temporär angesagte Genrekino ebenfalls. Ihre großen Stationen lassen sich bereits in den frühen Karriere-Anfängen finden, als sie an den Opernhäusern von Graz und Breslau als Solotänzerin debütierte. Ende der 1950er Jahre kamen darstellende Bühnenengagements an zahlreichen renommierten Adressen hinzu und Film und Fernsehen ließen auch nicht lange auf sich warten, immerhin bot die Schauspielerin ein ganz besonderes Repertoire einen auffälligen Entwurf an, der insgesamt nicht ganz leicht zu beschreiben ist. Fakt ist allerdings, wem der deutschsprachige Nachkriegsfilm geläufig ist, der kennt auch den Namen Ellen Umlauf. Verheiratet war sie übrigens mit ihrem bekannten Landsmann und Schauspielkollegen Albert Rueprecht.

Ihre Ausdrucksmöglichkeiten werden durch ihre Wiener Art verfeinert und gerne auf die Spitze des filmischen Eisbergs getrieben. Das sich Beugen angesichts jeder auf sie zukommenden Anforderung bleibt auch heute noch ihr Markenzeichen. Umlauf war es stets möglich, besondere Akzente im Rahmen ihrer auffällig monotonen Körpersprache zu setzen, sodass sie nicht selten unbeteiligt wirkt, in den richtigen Momenten jedoch ihrem Temperament freien Lauf lassen kann. Berüchtigt für sarkastische Spitzen, bissige Kommentare und vielsagende Augenaufschläge, erweckt sie oft den Eindruck, über den Dingen und ihrem jeweiligen Gegenüber zu stehen, was sie zu patenten Kontrahentinnen, Frauen mit Abgründen und Vergangenheit oder solchen werden ließ, die einfach nur die Bürden des kläglichen Alltags zu bewältigen hatten. Fischzüge nach Publikumssympathien wird man bei ihr kaum finden, denn dafür stellt sie eine zu streng auf gewisse Rollen festgelegte Interpretin dar, was jedoch zu ihrer großen Stärke werden sollte. Beinahe findet man bei ihren Charakteren häufig den Versuch, eine Balance innerhalb der Dysbalance der jeweiligen Umstände zu finden. Die Österreicherin kommentiert diese wahlweise nicht aktiv, sondern mit den Möglichkeiten ihrer hin und wieder herrlich gelangweilt wirkenden Gestik. Im Grunde genommen stehen ihr Frauen besonders gut, die sich nicht in die Karten schauen lassen, solange es das Skript zulässt. Sieht man als Karrierekonzept also ausschließlich Gegenentwürfe? Mitnichten, denn dafür besitzt die Schauspielerin innerhalb ihrer oft gleich wirkenden Anforderungen eine feine Wandlungsfähigkeit, die sich oft nur in subtilen Verhaltensweisen oder Nuancen ablesen lässt. Sie ist die Frau für alles: die Dame und die Dirne, die Rechtschaffene und Gaunerin, Gehörnte und Hörnende, aber nie beliebig in ihren Aktionen und der Rollenauswahl wirkend. Ihre besonders markanten und überraschenden Performances lassen sich in der Peripherie des Genre-Kinos finden, so beispielsweise in "Ich schlafe mit meinem Mörder" oder "Engel, die ihre Flügel verbrennen". Vielleicht ist Ellen Umlauf insgesamt als limitiertes Allround-Talent zu verstehen, welches dem Empfinden nach oder sogar tatsächlich überall einsetzbar war, um dabei nie zu vergessen, sie selbst zu bleiben. So bleibt eine hochinteressante und überaus begabte Interpretin, deren umfangreiche Filmografie noch einige Überraschungen und spannende Momente im kleinen und großen Rahmen bereithalten wird.

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Prisma
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● ELLEN UMLAUF als BAMBI in
ICH SCHLAFE MIT MEINEM MÖRDER (D|1970)



»Eine Dame wartet auf Sie. Die Dame meinte, der Name Bambi würde genügen …« Die Durchsage der Sekretärin lässt Rolf Schröder, den Direktor einer größeren und renommierten Firma sichtlich unruhig werden, da er genau weiß, dass es sich um kein Wiedersehen mit der Unschuld aus dem Walde handeln dürfte. So symbolisiert der verspielt wirkende Name Bambi einen direkten Blick durch eine Glaskugel in die Vergangenheit, die der in beste Anzüge eingenähte Manager am liebsten auslassen würde. Der Zuschauer fragt sich voller Spannung, was und wer auf ihn zukommen wird und nachdem er sich in die beste Pose gerückt, das Ambiente kurz hergerichtet und sein Pokerface aufgesetzt hat. Schließlich darf die etwas ordinär wirkende Dame eintreten. Zu sehen ist Ellen Umlauf in kaum unaufdringlicher Manier und bester Spiellaune, die ihre ganzen Kunstgriffe in dieser kurzen Sequenz ausspielen wird, sie bei dieser Gelegenheit zu einer der besten des gesamten Films werden lässt. Die beiden kennen sich gut, natürlich von früher und aus einschlägigen Rotlichtkreisen, doch die ehemalige Nutte Bambi legt die Karten nach kurzem Rumgeplänkel noch nicht sofort auf den Tisch. Die Wiedersehensfreude ist ganz ihrerseits, er als ihr Ex-Zuhälter ahnt sofort, dass sie beschlossen hat, sich das zurückzuholen, was ihr ihrer Ansicht nach zusteht. Auf Schmeicheleien über ihr gutes Aussehen steigt sie nur mit einem verbitterten Kommentar ein und unterstreicht, dass sie genau wisse, wie sie aussehe: »Aus der kleinen Bambi ist ein altes Reh geworden!« Das Tempo des Gesprächs dokumentiert, dass die ehemalige Prostituierte keine Zeit verlieren und lukrative Ergebnisse sehen will. Zustande kommt ein Gespräch, das familiär und manchmal vulgär klingt, außerdem mit herrlichen sarkastischen Spitzen von beiden Seiten präpariert wird. Zunächst wird die Vergangenheit touchiert und verklärt: »Ich bin gern für dich auf den Strich gegangen, hab auch ganz schön was angeschafft. Stimmts?« Man ahnt, dass die guten alten Zeiten längst vorbei sind, aber nicht weit genug entfernt, und man es aktuell mit zwei Gemütern zu tun hat, die gleiche abgründige Mentalitäten zu bieten haben. Der Text geht als eine Melange aus Eigenlob und Schmeicheleien weiter: »Du warst ein klasse Liebhaber und mein bester Zuhälter!« Pro forma fragt Direktor Schröder nach ihrem aktuellen Stenz und es kommt zu einer ungeschönten Antwort: »Niemand, es gibt nichts mehr zuzuhalten! Ich habe umgesattelt. Ich lebe von Erpressungen.« Die Katze ist schließlich aus dem Sack und der Grund des unbequemen Besuchs wird explizit benannt.

»Fünf große Braune, verstehst du? Sonst erzähl ich deiner Alten, dass ich für dich auf den Strich gegangen bin!« Bambis Forderung, die eine unbequeme Drohung beinhaltet, wird ernst genommen, doch eigenartigerweise wird die selbstbewusst und völlig unverblümt auftretende Dame sofort mit einer Zusage abgewickelt. Den Zuschauer wundert es bei dem Gedanken daran nicht, dass sich Rolf mit seiner jungen Freundin ins Ausland absetzen will, aber alte Freundinnen müssen ja nicht alles erfahren. Bambi sieht man in diesem Szenario nicht wieder, aber dennoch wird es definitiv ein Wiedersehen geben, was zur Gewissheit durch dramaturgische Gründe wird. Ellen Umlauf ist nahezu perfekt in dieser kurzen Rolle, da sie zahlreiche Grundvoraussetzungen für die Glaubwürdigkeit beisteuert und für eine authentische Note wirkt. Ihr vehementer Auftritt wirkt amüsant, wofür Aufmachung, Gesprächsführung und der Mut sorgen, sich von ihrer völlig unpräparierten Seite zu zeigen. Da sie anmerkt, nicht nur ihre alten Kunden sondern alle auszunehmen, die zum Geschäft gehörten, ist davon auszugehen, dass es ihr nicht so schlecht geht, wie zu ihren besten Zeiten mit Rolf. Ihr beinahe satirisch gefärbter Auftritt weist am Ende auf die großen Stärken der Schauspielerin hin, sich in ihre Rollen hineinzuversetzen, hineinzudenken und eins mit ihren darzustellenden Charakteren zu werden. Trotz der Verniedlichung durch den Namen Bambi und der Tatsache, dass sie Vieles ironisch formuliert, ist das ehemalige Freudenmädchen eine ernstzunehmende Kontrahentin, was jedoch leider nicht weiter ausgebaut wird. In der laufenden Geschichte lockert das Aufeinandertreffen das Geschehen eher auf und verweist auf die bewegte Vergangenheit der Hauptfigur, stellt unterm Strich allerdings eines der großen darstellerischen Highlights dieser Produktion dar. Ellen spielt erneut entfesselt auf, jedoch nicht ohne ihrer Darbietung eine auffällige Note des Understatement zu verleihen. Ihre Verpflichtung stellt somit vielleicht kein reines Zufallsprinzip dar, da sich längst herumgesprochen hatte, dass Ellen Umlauf ihre oft zeitlich begrenzten Rollen mit wesentlich mehr Substanz ausstatten konnte, als normalerweise oder bei Kolleginnen üblich. In "Ich schlafe mit meinem Mörder" kommt und geht Bambi als klassischer Bumerang, der dem Publikum gerade recht ist, um die Facetten preiszugeben, die für Momente und Begeisterungsfähigkeit sorgen können. Umlauf avanciert hier zu der Instanz, die derartig kleine Rollen zu Highlights werden lässt und bei dieser Gelegenheit sogar ihren Partner Harald Leipnitz zum Stichwortgeber degradiert.

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