THE BIG DOLL HOUSE
● THE BIG DOLL HOUSE / THE BIG DOLL HOUSE (US|PH|1971)
mit Judith Brown, Roberta Collins, Pam Grier, Brooke Mills, Pat Woodell, Kathryn Loder, Jerry Franks, Gina Stuart, Letty Mirasol,
Jack Davis, Shirley de las Alas, Myrna De Vera, Cathy McDaniel, Siony Cordona, Jack Hill und Sid Haig sowie Christiane Schmidtmer
eine Produktion der New World Pictures | Four Associates
ein Film von Jack Hill
»You'll never see the outside again!«
In einem Frauengefängnis in den Tropen sind unmenschliche Praktiken und Foltermethoden an der Tagesordnung. Dies muss auch Neuankömmling Collier (Judith Brown) erfahren, die ihren wohlhabenden Ehemann ermordet haben soll. Sie wird umgehend von Grear (Pam Grier) und den anderen Zellengenossinnen in die Mangel genommen und es deutet sich schnell an, dass sie in der Hölle gelandet ist. Doch es entwickelt sich eine Solidarität unter den Frauen, die sich vor allem gegen die Obrigkeit richtet. All dies geschieht unter den Augen der Gefängnisleitung Miss Dietrich (Christiane Schmidtmer), die häufiger plötzliche Todesfälle unter ihren Schutzbefohlenen zu beklagen hat. Doch der Nachschub lässt nie lange auf sich warten …
Jack Hills "The Big Doll House" gilt als einer der wichtigsten Meilensteine und Vorreiter des modernen "Women in Prison"-Subgenres. Obwohl es Filme mit derartiger Thematik bereits zuvor gegeben hat, definiert dieser 1971 entstandene Vertreter zahlreiche Basiselemente neu, sodass die Low-Budget-Produktion zu einem großen kommerziellen Erfolg avancieren konnte. Die hier bereits angedeutete Mischung aus Gewalt, Sex und Action sollte sich in den folgenden Jahren in immer neue Extrema hochschaukeln und brachte dementsprechend sehr provokante Geschichten hervor, die genau wie hier über eine deutlich erkennbare Strategie verfügen, das Publikum in maximale Spannungszustände zu versetzen. Mit den Zutaten sadistischen Gefängnispersonals, Folterpraktiken und reinster Willkür, kommt das Zielpublikum mit Leichtigkeit auf seine Kosten. Bemerkenswert in diesem Fall bleibt, dass sogar ein beinahe ästhetischer Aspekt zum Tragen kommt, wenn man das Szenario an den überaus attraktiven Hauptdarstellerinnen misst. Außerdem erweist sich die Solidarität unter den Frauen als gutes Empowerment, da nicht nur voyeuristische Belange im Vordergrund stehen. Trotz sehr geringer Budgetierung klingelte die Kinokasse recht ordentlich und erwies sich vor allem für Hauptdarstellerin Pam Grier zum Karrieresprungbrett, die wenig später zur Ikone des Blaxploitation-Genres avancierte. Für die Darbietungen gilt: Wenn man freiwillig im Dreck spielt, kann man nicht mehr dort hingeschickt oder durch diesen gezogen werden. Im Camp kommen Neuzugänge an, was in diesem Knast offensichtlich an der Tagesordnung zu sein scheint, da Insassinnen immer wieder unter rätselhaften Umständen das Zeitliche segnen. Die Neue ist dabei eine Augenweide und wird von der überaus attraktiven Judith Brown gespielt, die in der Enge der Zelle direkt den unbarmherzigen Regeln unterworfen wird. Die Hierarchieverhältnisse der Frauen werden direkt wie Karten auf den Tisch gelegt. Collier muss dabei von ganz unten anfangen. Man sieht probate Mittel wie verbale und körperliche Attacken, eine Kopfdusche in der verschissenen Toilette, Kakerlaken-Rennen und obligatorische Duschszenen sowie Gewaltexzesse. Aus späteren Produktionen ist man als Experte wesentlich mehr Konfrontation, Gewalt und Hass untereinander gewöhnt, doch hier wird tatsächlich ein angenehm solidarischer Aspekt in den Vordergrund gestellt. Immerhin hat man sich gegen mächtigere Gegner zu wehren, die sich praktischerweise in den Reihen des Gefängnispersonals bequem gemacht haben.
Unter ihnen befinden sich – ganz im Sinne einer guten Visitenkarte des Genres – noch schlimmere Kriminelle, Sadisten und Freaks als in den Gefängniszellen, die klaustrophobischen Sardinenbüchsen ähneln. Hier bietet sich die schnelle Gelegenheit, dem Publikum die unterschiedlichen Charaktere auf einfache, wenn auch eindringliche Weise näherzubringen, obwohl die Story traditionell nicht auf irgendeine verschwendete Phase namens Tiefgang setzt. So werden die Mädels zu den Sympathieträgerinnen der Veranstaltung, die allesamt an einem Punkt angelangt sind, der nur noch eine Flucht aus dieser unmenschlichen Hölle in Erwägung ziehen lässt. Die tägliche Arbeit ähnelt Frondiensten, die Strafen gestalten sich als drakonisch, weil sie von Bestien ausgeführt werden. Diese sind immer auf der Suche nach neuen Schandtaten und wenn jemand über die Klinge springt, wird es in einem Milieu der Willkür als nicht erwähnenswert eingestuft, da immer für neuen Nachschub gesorgt ist. Unsentimental, beinahe stoisch, liest die Gefängnisdirektorin, Miss Dietrich, Gebete aus der Heiligen Schrift vor, während eine Tote in den Ofen des hauseigenen Krematoriums geschoben wird. Hierbei fällt Christiane Schmidtmer erneut in einer Rolle auf, bei der man sich zunächst fragt, wie sie zustande gekommen sein könnte. Miss Dietrich deutet auf eine deutsche Herkunft und dementsprechend ungeniertes Nazi-Repertoire hin, wenngleich die beherrscht wirkende Dame stets sachlich mit ihren Gefangenen umzugehen scheint. Schmidtmer hantiert erneut mit einer eiskalten Distanz und was ihre bisherige Karriere betrifft, jongliert sie unterschwellig beinahe mit einer Art des ketzerischen Opportunismus. So bleibt eine wirklich hochinteressante Verpflichtung einer Interpretin, bei der man oft nicht unterscheiden kann, ob sie platziert oder deplatziert wirkt. Aber in diesem Ambiente gibt es zahlreiche ausdrucksstarke Darbietungen zu finden, die vor allem Judith Brown, Roberta Collins und Pam Grier zuzuschreiben sind. Vor allem Grier und Collins laden das Szenario mit einer besonders aggressiven Energie auf, bieten sogar einen Catfight im Schlamm an und lassen sich ungern in die Karten sehen. Obwohl es direkt angekündigt wird, wäre auch ohne Vorwarnung klar gewesen, dass einige der renitenten Damen auf der Folter der abartigen Lucian landen müssen, die beängstigend brutal und freaky von Kathryn Loder dargestellt wird. Sie scheint sich beim Thema Quälen und Erniedrigen ständig fortzubilden, damit ihre Schützlinge auch auf Lucians Kosten kommen. Das Ambiente bietet im Grunde genommen lediglich Stereotype und Übertreibungen an, die ein Film wie dieser auch nötig hat, um seinen sich bevorzugt austobenden Charakter zu untermauern.
Die Produktion schreibt und definiert Gesetze des WIP-Genres, wie man sie heute kennt, um dabei sehr stilsicher darauf zu achten, ein paar gehobenere Ansprüche geltend zu machen und eine dichte Bebilderung anzubieten. Selbst beim Thema des Drahtziehers wird ein gut gemeinter, wenn auch durchsichtiger Whodunit-Effekt angeboten, der in seiner Aufmachung besonders zu gefallen weiß. So ist eine maskierte Person wahrzunehmen, die den Folterpraktiken wie auf einem Thron sitzend beiwohnt. Hier kommt es visuell zu in sich verschwimmenden Bildeinstellungen, die bestialische Folter und perversen Genuss miteinander vereinen. Die Dialoge drücken auf die Tube, wenngleich diese in späteren Jahren noch im negativen, also positiven Gossenton-Sinn perfektioniert wurden. Es ist absolut verständlich, warum "The Big Doll House" zu einem Überraschungserfolg werden konnte, was sich am Ende auch auf die doch sehr niedrige Budgetierung bezieht. Dem Publikum wurde etwas Neues im Rahmen eines nicht salonfähigen Spektakels angeboten und für die beteiligten Schauspielerinnen war es im Vorfeld vielleicht nicht klar, dass einige im Anschluss von dieser filmischen Strapaze profitieren würden. Erwähnenswert ist die Musik von Hall Daniels und vor allem der von Pam Grier eingesungene Titelsong "Long Time Woman", den Quentin Tarantino für den Soundtrack seines Films "Jackie Brown" wiederverwendete, in dem Grier ebenfalls die Hauptrolle spielte. Der Film verbreitet eine Spannung, die nicht im klassischen Sinn greift, da sie einfach anders als gewöhnlich an den Nerven zerrt. Dies bäumt sich vor allem bei den Folterszenen, der späteren Flucht und der Frage auf, ob die Verantwortlichen ihrer gerechten Strafe zugefügt werden können, was sich nicht auf die Insassinnen als Sympathieträgerinnen bezieht. Der Verlauf verfügt alleine wegen des Ambientes über kraftvolle, nicht selten sogar schöne Bildimpressionen, das Setting Gefängnis wird in klassischen Kontrast entgegengesetzt, um die unmenschlichen Bedingungen zu unterstreichen. Viel offensichtlicher und intensiver wirken die darstellerischen Leistungen beziehungsweise deren Auswahl, was in einigen späteren Beiträgen zugunsten voyeuristischer Elemente reduziert wurde. Aber auch hier ist der Zuschauer unter den dankbaren Gaffern zu finden, welcher obendrein voll auf seine Kosten kommt. "The Big Doll House" kann ohne die Ahnung eines Zweifels als Klassiker gehandelt werden, der sich für zukünftige Artgenossen wegweisend und unerschrocken im Dreck suhlt.
Jack Hills "The Big Doll House" gilt als einer der wichtigsten Meilensteine und Vorreiter des modernen "Women in Prison"-Subgenres. Obwohl es Filme mit derartiger Thematik bereits zuvor gegeben hat, definiert dieser 1971 entstandene Vertreter zahlreiche Basiselemente neu, sodass die Low-Budget-Produktion zu einem großen kommerziellen Erfolg avancieren konnte. Die hier bereits angedeutete Mischung aus Gewalt, Sex und Action sollte sich in den folgenden Jahren in immer neue Extrema hochschaukeln und brachte dementsprechend sehr provokante Geschichten hervor, die genau wie hier über eine deutlich erkennbare Strategie verfügen, das Publikum in maximale Spannungszustände zu versetzen. Mit den Zutaten sadistischen Gefängnispersonals, Folterpraktiken und reinster Willkür, kommt das Zielpublikum mit Leichtigkeit auf seine Kosten. Bemerkenswert in diesem Fall bleibt, dass sogar ein beinahe ästhetischer Aspekt zum Tragen kommt, wenn man das Szenario an den überaus attraktiven Hauptdarstellerinnen misst. Außerdem erweist sich die Solidarität unter den Frauen als gutes Empowerment, da nicht nur voyeuristische Belange im Vordergrund stehen. Trotz sehr geringer Budgetierung klingelte die Kinokasse recht ordentlich und erwies sich vor allem für Hauptdarstellerin Pam Grier zum Karrieresprungbrett, die wenig später zur Ikone des Blaxploitation-Genres avancierte. Für die Darbietungen gilt: Wenn man freiwillig im Dreck spielt, kann man nicht mehr dort hingeschickt oder durch diesen gezogen werden. Im Camp kommen Neuzugänge an, was in diesem Knast offensichtlich an der Tagesordnung zu sein scheint, da Insassinnen immer wieder unter rätselhaften Umständen das Zeitliche segnen. Die Neue ist dabei eine Augenweide und wird von der überaus attraktiven Judith Brown gespielt, die in der Enge der Zelle direkt den unbarmherzigen Regeln unterworfen wird. Die Hierarchieverhältnisse der Frauen werden direkt wie Karten auf den Tisch gelegt. Collier muss dabei von ganz unten anfangen. Man sieht probate Mittel wie verbale und körperliche Attacken, eine Kopfdusche in der verschissenen Toilette, Kakerlaken-Rennen und obligatorische Duschszenen sowie Gewaltexzesse. Aus späteren Produktionen ist man als Experte wesentlich mehr Konfrontation, Gewalt und Hass untereinander gewöhnt, doch hier wird tatsächlich ein angenehm solidarischer Aspekt in den Vordergrund gestellt. Immerhin hat man sich gegen mächtigere Gegner zu wehren, die sich praktischerweise in den Reihen des Gefängnispersonals bequem gemacht haben.
Unter ihnen befinden sich – ganz im Sinne einer guten Visitenkarte des Genres – noch schlimmere Kriminelle, Sadisten und Freaks als in den Gefängniszellen, die klaustrophobischen Sardinenbüchsen ähneln. Hier bietet sich die schnelle Gelegenheit, dem Publikum die unterschiedlichen Charaktere auf einfache, wenn auch eindringliche Weise näherzubringen, obwohl die Story traditionell nicht auf irgendeine verschwendete Phase namens Tiefgang setzt. So werden die Mädels zu den Sympathieträgerinnen der Veranstaltung, die allesamt an einem Punkt angelangt sind, der nur noch eine Flucht aus dieser unmenschlichen Hölle in Erwägung ziehen lässt. Die tägliche Arbeit ähnelt Frondiensten, die Strafen gestalten sich als drakonisch, weil sie von Bestien ausgeführt werden. Diese sind immer auf der Suche nach neuen Schandtaten und wenn jemand über die Klinge springt, wird es in einem Milieu der Willkür als nicht erwähnenswert eingestuft, da immer für neuen Nachschub gesorgt ist. Unsentimental, beinahe stoisch, liest die Gefängnisdirektorin, Miss Dietrich, Gebete aus der Heiligen Schrift vor, während eine Tote in den Ofen des hauseigenen Krematoriums geschoben wird. Hierbei fällt Christiane Schmidtmer erneut in einer Rolle auf, bei der man sich zunächst fragt, wie sie zustande gekommen sein könnte. Miss Dietrich deutet auf eine deutsche Herkunft und dementsprechend ungeniertes Nazi-Repertoire hin, wenngleich die beherrscht wirkende Dame stets sachlich mit ihren Gefangenen umzugehen scheint. Schmidtmer hantiert erneut mit einer eiskalten Distanz und was ihre bisherige Karriere betrifft, jongliert sie unterschwellig beinahe mit einer Art des ketzerischen Opportunismus. So bleibt eine wirklich hochinteressante Verpflichtung einer Interpretin, bei der man oft nicht unterscheiden kann, ob sie platziert oder deplatziert wirkt. Aber in diesem Ambiente gibt es zahlreiche ausdrucksstarke Darbietungen zu finden, die vor allem Judith Brown, Roberta Collins und Pam Grier zuzuschreiben sind. Vor allem Grier und Collins laden das Szenario mit einer besonders aggressiven Energie auf, bieten sogar einen Catfight im Schlamm an und lassen sich ungern in die Karten sehen. Obwohl es direkt angekündigt wird, wäre auch ohne Vorwarnung klar gewesen, dass einige der renitenten Damen auf der Folter der abartigen Lucian landen müssen, die beängstigend brutal und freaky von Kathryn Loder dargestellt wird. Sie scheint sich beim Thema Quälen und Erniedrigen ständig fortzubilden, damit ihre Schützlinge auch auf Lucians Kosten kommen. Das Ambiente bietet im Grunde genommen lediglich Stereotype und Übertreibungen an, die ein Film wie dieser auch nötig hat, um seinen sich bevorzugt austobenden Charakter zu untermauern.
Die Produktion schreibt und definiert Gesetze des WIP-Genres, wie man sie heute kennt, um dabei sehr stilsicher darauf zu achten, ein paar gehobenere Ansprüche geltend zu machen und eine dichte Bebilderung anzubieten. Selbst beim Thema des Drahtziehers wird ein gut gemeinter, wenn auch durchsichtiger Whodunit-Effekt angeboten, der in seiner Aufmachung besonders zu gefallen weiß. So ist eine maskierte Person wahrzunehmen, die den Folterpraktiken wie auf einem Thron sitzend beiwohnt. Hier kommt es visuell zu in sich verschwimmenden Bildeinstellungen, die bestialische Folter und perversen Genuss miteinander vereinen. Die Dialoge drücken auf die Tube, wenngleich diese in späteren Jahren noch im negativen, also positiven Gossenton-Sinn perfektioniert wurden. Es ist absolut verständlich, warum "The Big Doll House" zu einem Überraschungserfolg werden konnte, was sich am Ende auch auf die doch sehr niedrige Budgetierung bezieht. Dem Publikum wurde etwas Neues im Rahmen eines nicht salonfähigen Spektakels angeboten und für die beteiligten Schauspielerinnen war es im Vorfeld vielleicht nicht klar, dass einige im Anschluss von dieser filmischen Strapaze profitieren würden. Erwähnenswert ist die Musik von Hall Daniels und vor allem der von Pam Grier eingesungene Titelsong "Long Time Woman", den Quentin Tarantino für den Soundtrack seines Films "Jackie Brown" wiederverwendete, in dem Grier ebenfalls die Hauptrolle spielte. Der Film verbreitet eine Spannung, die nicht im klassischen Sinn greift, da sie einfach anders als gewöhnlich an den Nerven zerrt. Dies bäumt sich vor allem bei den Folterszenen, der späteren Flucht und der Frage auf, ob die Verantwortlichen ihrer gerechten Strafe zugefügt werden können, was sich nicht auf die Insassinnen als Sympathieträgerinnen bezieht. Der Verlauf verfügt alleine wegen des Ambientes über kraftvolle, nicht selten sogar schöne Bildimpressionen, das Setting Gefängnis wird in klassischen Kontrast entgegengesetzt, um die unmenschlichen Bedingungen zu unterstreichen. Viel offensichtlicher und intensiver wirken die darstellerischen Leistungen beziehungsweise deren Auswahl, was in einigen späteren Beiträgen zugunsten voyeuristischer Elemente reduziert wurde. Aber auch hier ist der Zuschauer unter den dankbaren Gaffern zu finden, welcher obendrein voll auf seine Kosten kommt. "The Big Doll House" kann ohne die Ahnung eines Zweifels als Klassiker gehandelt werden, der sich für zukünftige Artgenossen wegweisend und unerschrocken im Dreck suhlt.