● GESCHICHTEN ZU ZWEIT (D|1973) (TV]
mit Nadja Tiller, Hansjörg Felmy, Eva Renzi, Paul Hubschmid, Hannelore Elsner, Fritz Wepper, Liselotte Pulver, Ernst Schröder, Grit Boettcher, Harald Juhnke,
Barbara Schöne, Gisela Trowe, Walter Bluhm, Johanna von Koczian, Horst Bollmann, Ruth Maria Kubitschek, Henning Schlüter, Hanne Wieder, Günter Pfitzmann
eine Bertelsmann Fernseh-Produktion | hergestellt in den Studios der Berliner Union Film | im Auftrag des ZDF
ein Episodenfilm von Wolfgang Liebeneiner
Wolfgang Liebeneiners knapp 60-minütige TV-Produktion "Geschichten zu zweit" verfügt über eine ungewöhnliche Besonderheit, denn es handelt sich trotz der deutlichen zeitlichen Begrenzung um einen sage und schreibe 10-Episodenfilm, dessen Geschichten sich ganz im Sinne des Titels erschließen. Jeweils aufgeteilt in Spieldauern von wenigen Minuten, sind bis auf eine Episode jeweils ein männlicher und weiblicher Part zu sehen, die sich in geistreicher, humorvoller, bestimmender, frustrierter oder behutsamer Art und Weise gegenüberstehen, um das kurze Szenario zu vereinnahmen. Dabei werden es überwiegend die Damen der dramaturgischen Schöpfung sein, die althergebrachte beziehungsweise männlich-weibliche Rollenverteilungen genüsslich herumdrehen und aushebeln, damit die scharfzüngigen Akteurinnen sozusagen ihren Mann stehen können. Ob bei einem polizeilichen Verhör, bei einer Autopanne auf der Landstraße, moralischen Anwandlungen in einer Kneipe, am häuslichen Esstisch oder im Büro der Staatsanwaltschaft; es kommt stets zu amüsanten Dialogen und der Umkehr des zu Erwartenden, sodass dieser Film durchweg großen Spaß macht. Ausgestattet mit einer Top-Besetzung, die in keinem Kinofilm dieser Zeit zu finden war, daher beispiellos für eine reine TV-Produktion wirkt, sind beeindruckende Interaktionen zu sehen, die Denkanstöße über Rollenverteilungen und Gesellschaft liefern, ohne dabei jedoch allzu in die Ernsthaftigkeit abzudriften. Hat man sich den kompletten Verlauf aufmerksam angesehen, haben sich ebenso schnell die persönlichen Favoriten unter den Episoden herauskristallisiert, die innerhalb des thematischen Überbegriffes allesamt einen unterschiedlichen Variantenreichtum liefern. Da Liebeneiners Angebot nicht nur routiniert, sondern überaus gewitzt wirkt, ist es umso schöner, diese TV-Rarität endlich einmal gesehen zu haben. "Geschichten zu zweit" entwickelt sich daher jeweils zu einer Geschichte zu dritt, da man sich als Zuschauer gerne und interessiert dazugesellt, um nicht selten zu lachen, zu staunen oder einfach nur zu hinterfragen. Eine besondere Delikatesse im großen weiten Feld der vergessenen Fernsehfilme.