IN 3 TAGEN BIST DU TOT - Andreas Prochaska

Sexwellen, Kriminalspaß und andere Krautploitation.
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Prisma
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IN 3 TAGEN BIST DU TOT - Andreas Prochaska

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IN 3 TAGEN BIST DU TOT


● IN 3 TAGEN BIST DU TOT (A|2006)
mit Sabrina Reiter, Julia Rosa Stöckl, Michael Steinocher, Nadja Vogel, Laurence Rupp, Julian Sharp, Andreas Kiendl, Susi Stach,
Michou Friesz, Konstantin Reichmuth, Claudia-Sofie Jelinek, Karl Fischer, Amelie Jarolim, Michael Rastl, Raimund Wallisch, u.a.
eine Produktion der Allegro Film | Filmförderung des Landes Österreich | Filmfonds Wien|
Österreichisches Filminstitut | ORF Film/Fernsehabkommen | im Delphi Filmverleih
Ein Film von Andreas Prochaska

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»Geh leck mi doch am Oasch!«


Nina (Sabrina Reiter) und ihre Freunde sind nach bestandener Matura in ausgelassener Feierlaune, die allerdings nicht von langer Dauer ist. Von einem Unbekannten bekommen sie Nachrichten per SMS geschickt, in denen angekündigt wird, dass sie in drei Tagen tot sein werden. Das erste Opfer ist Ninas Freund Martin (Laurence Rupp), der bei lebendigem Leib in einem See versenkt wird. Das brutale Vorgehen des Killers versetzt alle in Schockstarre und Nina und ihren Freunden ist völlig klar, dass jeder das nächste Opfer sein könnte. Es beginnt ein Davonlaufen vor der Vergangenheit …

Andreas Prochaskas Antwort auf bekannte US-amerikanische Teenie-Slasher konnte sich vor allem in Österreich als großer Überraschungserfolg etablieren und lockte dort weit über 80.000 Zuschauer in die Kinos. Vielleicht verhält es sich bei dieser Produktion im Vorfeld tatsächlich so, dass man ihr mit einer guten Portion Skepsis begegnet, da einem das Vorstellungsvermögen in Richtung eines überzeugenden Vertreters fehlt, aber die Regie belehrt den Zuschauer schnellstens eines Besseren. Die in Mundart gedrehte Produktion ist überwiegend mit bis dato unerfahrenen Darstellern besetzt, was sich zum großen Plus der Geschichte entwickelt, da eine sehr angenehme Leichtigkeit in Kombination mit Unbefangenheit aufkommt. Es ist gut möglich, dass der mit zahlreichen staatlichen und öffentlichen Mitteln finanziell geförderte Film im Vorfeld nicht als potenzieller Hit gehandelt wurde, aber die überraschend gute Umsetzung sowie die dichte Dramaturgie lassen ihn im Genre keineswegs untergehen. Jugendliche erreichen mit der Matura einen neuen Meilenstein des Lebens, die Ausgelassenheit ist groß, wird jedoch durch einen tödlichen Vorboten im Rahmen eines Wildunfalls getrübt. Bei dieser Gelegenheit lernt man die Protagonisten und ihre charakterlichen Eigenschaften kennen, was sehr flüssig vonstattengeht. Alles wirkt selbstverständlich kleiner als in amerikanischen Blockbustern, aber das hier angebotene bürgerliche Ambiente sorgt sogar für den Eindruck, dass hier alles auch ein kleines bisschen mehr echt oder zumindest nicht so weit weg wirkt. Wie so häufig ist der Schlüssel zu allem in der Vergangenheit zu finden und bis das Publikum zu diesem Schluss kommen darf, wird ausgiebig mit metaphorischen Hinweisen gespielt, die durch das unberechenbare Element Wasser angedeutet werden. Der Tod wirkt hier nicht selten unbarmherziger als anderswo, der Schock sitzt tief, da die Kamera nicht nur an Provokation und Effekten interessiert ist, sondern ebenso einen künstlerischen Anspruch verfolgt. Das Verschmelzen der Ästhetik der Bilder mit absolut brutalen Elementen steigert sich hier daher in hochinteressante Sphären. Die erste Ermordungsszene ist nicht zuletzt aufgrund der wechselnden Perspektiven schwer verdaulich, zumal das Publikum diese Phase in Intervallen aus der Sicht des gefesselten Opfers mitverfolgen muss. Die Vorgehensweise des Killers ist beängstigend und weist darauf hin, dass der nächste ohne jeden Zweifel keinen leichteren Weg zum Tod haben wird.

Viele Inhalte, Basiselemente oder auch Kleinigkeiten sind großen Vorbildern entliehen, was sich aber kaum als Hemmschuh herausstellen wird, da der Verlauf stets in der Lage ist, eine eigentümliche Hochspannung aufzubauen, um diese auch aufrechterhalten zu können. Der Film verfügt sozusagen über eine eigene Seele. Was kann einen Killer veranlassen, derartig unmenschlich vorzugehen? Diese Frage wird vom Publikum in selbstverständlicher Art und Weise als heißes Eisen gehandelt, doch vom Verlauf lange als Ass im Ärmel gehalten. Ist es Wahnsinn, oder Rache, Willkür oder die Lust am Töten? Andreas Prochaska ordnet sein blutiges Schachspiel sehr akribisch und nervenaufreibend, sodass eine dauerhafte Aufmerksamkeit garantiert ist. Als weiterer Vorteil erweist sich die Wahl der Schauspieler, die alles zwischen Vitalität, Routine und Unverbrauchtheit anbieten. Hier überzeugen vor allem die Nachwuchsschauspieler. Der Zusammenhalt einer Clique wird durch eine unsichtbare Todesliste unterwandert, jeder von ihnen vermeidet zunächst den qualvollen Blick zurück in die Vergangenheit. Alle scheinen verdrängt zu haben, dass sie ein dunkles Geheimnis verbindet. Diese Gewissheit hindert allerdings daran, unbeschwert zu leben, sodass eine Art erzwungene Amnesie zum Motor für den Killer wird, der hier wie ein Phantom inszeniert ist. Beängstigend, einer Leiche ähnlich, aber dennoch agil und brutal. Es wird noch zu einigen Szenen kommen, deren morbider Einfallsreichtum für breite Zustimmung sorgt. Rückblenden platzieren das Geschehen im Radius eines sich langsam zusammenfügenden Puzzlespiels, das thematisch gesehen wirklich interessant ausgearbeitet ist. Ein Film wie dieser lebt nicht nur von einem dichten Verlauf, sondern ebenfalls von einem packenden Finale, das sehr gelungen ist. Wenn der Mörder erstmals zu sehen ist, gefriert einem beinahe das Blut in den Adern. Ein angewiderter Blick in dessen Gesicht zeigt nichts als Hass, Emotionslosigkeit und tödliche Programmierung. Was folgt sind Impressionen, die so schnell nicht wieder zu vergessen sind und bei dieser Gelegenheit werden auch die Weichen für eine Fortsetzung gestellt, wenngleich man sich zum Produktionszeitpunkt möglicherweise noch nicht im Klaren darüber war, ob es hier in irgendeiner Weise weitergehen wird. "In 3 Tagen bist du tot" ist in jeder Hinsicht als gelungen und packend zu bezeichnen und markiert quasi den volkstümlichen Vertreter unter den Slashern, den man sich als Genre-Fan gerne einmal anschauen sollte.

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