ROTE LIPPEN - SADISTEROTICA - Jess Franco

Agenten rippen einsam off - Bond-Kopien aus europäischem Klon-Technik-Anbau
Antworten
Benutzeravatar
Prisma
Beiträge: 5811
Registriert: Sa., 31.10.2020 18:11

ROTE LIPPEN - SADISTEROTICA - Jess Franco

Beitrag von Prisma »



ROTE LIPPEN - SADISTEROTICA


● ROTE LIPPEN - SADISTEROTICA / EL CASO DE LAS DOSBELLEZAS (|D|E|1967)
mit Janine Reynaud, Rosanna Yanni, Alexander Engel, Chris Howland, Michel Lemoine, Marcelo Arroita-Jáuregui,
Manolo Otero, Dorit Dom, Ana Casares, María Antonia Redondo, Claudia Gravy, Ana Puértolas sowie Adrian Hoven
ein Aquila Film | Films Montana | im Alpha Filmverleih
ein Film von Jess Franco

Sadisterotica (4).JPG
Sadisterotica (5).JPG
Sadisterotica (7).JPG
Sadisterotica (8).JPG
Sadisterotica (11).JPG
Sadisterotica (14).JPG
Sadisterotica (16).JPG
Sadisterotica (17).JPG
Sadisterotica (19).JPG

»Fantasie braucht man im Leben!«


Die beiden Privatdetektivinnen Diana (Janine Reynaud) und Regina (Rosanna Yanni) betreiben ein Detektivbüro unter dem vielversprechenden Namen "Rote Lippen". Sie werden damit beauftragt, das kürzlich spurlos verschwundene Model Lida Regnier (María Antonia Redondo) wiederzufinden. Die erste Spur führt in Galerie des Künstlers Klaus Tiller (Adrian Hoven), der für seine teils makabren Werke bekannt ist, die leicht bekleidete Frauen im Moment ihres Ablebens zeigen. Für Regina und Diana ist klar, dass der Schlüssel zur Lösung der Fälle in der Galerie zu finden ist, bis die Ermittlungsarbeiten gefährlich gefährlich werden …

Die Ansicht von "Rote Lippen - Sadisterotica" stellt das Publikum vor eine recht interessante Frage: Hatte Regisseur Jess Franco eine verborgene komödiantische Ader? Blickt man isoliert auf den hier angebotenen Slapstick und die damit verbundene Situationskomik, ist dieser Gedanke zumindest nicht mehr auszuschließen. So zeigt sich ein sehr komplett wirkendes Angebot, denn es scheint für jeden Interessenten etwas in dieser mit bunten Bildern gespickten Veranstaltung dabei zu sein. Alleine die Idee mit den zwei aufreizenden Privatdetektivinnen, deren Markenname auch gleichzeitig Programm darstellt, wirkt recht originell, wenn auch sicherlich nicht vollkommen neu, da es prominente Vorreiterinnen in Film und Serie gibt, die bereits entsprechende Grundsteine legen konnten. Produziert von Adrian Hovens Aquila Film, die sich einen Namen in Sachen außergewöhnlicher filmischer Angebote machen sollte, kommt etwas Qualität in den Durchschnittssphären zeitgenössischer Produktionen auf, denn das Ganze wirkt alleine visuell gesehen höchst ansprechend. Jess Franco bietet hier einen Film an, der sich seine kopflastigen Inszenierungskapriolen im doppelten Sinne aufspart und eine für damalige Verhältnisse völlig massentaugliche Offerte darstellt. Natürlich darf der typische Schuss Jess Franco auch hier nicht fehlen, was zu einem kurzweiligen Gesamtergebnis führt. Der Verlauf wirkt vergleichsweise stringenter aufgezogen, die Hauptdarstellerinnen bieten Charme und Witz an, der auch als solcher empfunden wird. Einen Löwenanteil dazu tragen seine beiden Hauptdarstellerinnen Janine Reynaud und Rosanna Yanni bei, denen man bei ihrer unkonventionellen und erotisch aufgeladenen Arbeit einfach gerne zuschaut, vorausgesetzt, man bringt auch Antennen mit, die lang genug für derartige Flicks sind. Der mysteriöse Fall für das Detektivbüro wirkt abenteuerlich genug, um bei der Stange halten zu können. Interessant hierbei ist, dass Franco keine Art Bumsbüro daraus werden lässt und sich seine Grazien lediglich in erotisch aufgeheizten Andeutungen und Gebärden gefallen dürfen, wofür sie ohne jeden Zweifel auch gemacht sind. Auch wenn das Geheimnis des Falles sogar ohne gesteigerte Aufmerksamkeit oder Kombinationsgabe so gut wie auf der Hand liegt, nimmt man das mit Humor, Sex & Crime sowie originellen Ideen drapierte Sortiment sehr gerne und ohne Bedingungen an.

Die Französin Janine Reynaud und ihre argentinische Partnerin Rosanna Yanni schmeißen das Geschehen im Alleingang, wobei ihre Einsatzgebiete strikt voneinander getrennt zu sein scheinen. Während Diana vornehmlich für das Grobe zu haben ist, spielt sich Reginas Können vor allem auf amouröser Ebene ab. Gemeinsam bilden sie ein starkes und vor allem unwiderstehliches Team, das offenbar vor nichts zurückschreckt. Lukrative Aufträge lassen sie zu Höchstleistungen auftrumpfen und sie können dabei jeglicher Gefahr trotzen. Welche der beiden Damen die persönliche Favoritin sein wird, stellt sich beim bunten Treiben nach kürzester Zeit heraus. Weitere bekannte Namen, wie Chris Howland oder Produzent Adrian Hoven, die beide auch im Nachfolgefilm "Küss mich, Monster" zu sehen sind, bekleiden hier wirksame Rollen, die den Handlungsverlauf mehr oder minder mitprägen können, was sich allerdings als schwierig darstellt, denn es gibt im Grunde genommen keine weiteren Kapazitäten neben den berüchtigten "Roten Lippen". Erwähnenswert und eigenartig zugleich ist die Mitwirkung des Schauspielveterans Alexander Engel, der den Massenstart der Produktion nicht mehr miterleben sollte, hier dementsprechend in seinem letzten Kinofilm zu sehen ist. Engel passt sich der komödiantischen Seele des Verlaufs besonders sachdienlich an und bietet eine nette Abschiedsvorstellung in einer für ihn üblich kleineren Rolle. Michel Lemoine dient sich in der Rolle eines obligatorischen Franco-Monsters an, hat dabei lediglich seine teils unheimliche Präsenz auszuspielen und kein einziges Wort zu sagen, wobei der Schauspieler meistens ohnehin über den Wahnsinn in seinen Augen zu sprechen pflegt. Die Suche nach dem Frauenmörder gestaltet sich als turbulent, gewitzt und manchmal sogar recht spannend, sodass es zu der ungewöhnlichen Gewissheit kommt, dass für Franco'sche Verhältnisse kaum nennenswerter Leerlauf aufkommt. Auch wenn das Ganze schlussendlich eine sehr abenteuerliche Reise durch schöne Kulissen und interessante Ausstattungen darstellt, kann "Rote Lippen - Sadisterotica" von Anfang bis Ende überzeugen, wenn nicht sogar mit einem ganz eigentümlichen Charme fesseln. Das Finale wirkt zugegeben etwas hastig zusammengeschustert, der Film daher etwas abrupt zu Ende, aber selbst das kann dem Vergnügen keinen Abbruch tun, sodass der Film als insgesamt gelungen zu bewerten ist.

Antworten