● SÜNDE MIT RABATT (D|1968)
mit Claus Holm, Silvia Frank, Eva Astor, Nino Korda, Paula Braendt, Rolf Wanka, Li Menon, Werner Cartano, Annemarie Dick, Christine Schuberth, Irene Fritsche,
Ursula Tröndle, Karl Arnold, Renate Pichler, Joachim Reinecke, Lothar Grytzmann, Heinrich Kiefer sowie Adrian Hoven, Margarete Reinhardt und Mona Baptiste
ein Gopa Film | im Auftrag der Reinhardt Film | im AB Verleih
ein Film von Rudolf Lubowski
Die Regie-Karriere des Filmemachers Rudolf Lubowski beschränkt sich lediglich auf vier Spielfilme, die im Gros unter dem Sex-Krimi-Gütesiegel in die Kinos kamen. Um die Herstellung von "Sünde mit Rabatt" halten sich nach wie vor zahlreiche Mythen, die mitunter auf Margarete Reinhardt zurückzuführen ist, die im Film sogar in einer Rolle zu sehen ist. Die aus kleinbürgerlichen Verhältnissen stammende Reinhardt prägte das Rotlichtmilieu in Stuttgart und Karlsruhe über Jahrzehnte als sogenannte "Rotlicht-Königin" und legte eine regelrechte Karriere hin, um nebenbei sogar als Filmproduzentin in Erscheinung zu treten. Die von ihrer im Jahr 1962 gegründeten Produktionsfirma beauftragte Gopa Film wurde bereits Anfang der 70er-Jahre abgewickelt. Lubowski inszenierte noch thematisch ähnlich gelagerte Reißer wie "Wer weint denn schon im Freudenhaus" oder "Immer bei Vollmond", die teils sogar kleine Achtungserfolge einfahren konnten, jedoch einstimmig von der Kritik verrissen wurden. "Sünde mit Rabatt" erinnert in vielerlei Hinsicht an den ebenfalls von Reinhardt und Gopa hergestellten Ákos von Ráthonyi-Film "St. Pauli Herbertstraße", der jedoch insgesamt in qualitativ höheren Sphären anzusiedeln ist. So kann man sich bei Ansicht dieses einige Jahre später entstandenen Films nicht des Eindrucks verwehren, dass das hier präsentierte Angebot bereits hinlänglich bekannt ist. Der Verlauf beginnt mit einer schönen Panoramafahrt durch die Stadt, der Vorspann präsentiert dabei einige gute alte Bekannte, die dieses Szenario gut aufmischen dürften. Die Kamera ist um dynamische Bildeindrücke bemüht, kann sich mit diesem Vorhaben jedoch nicht global durchsetzen, da die Studiokulissen oft zu eintönig und schäbig wirken. So entsteht eine deutliche Diskrepanz zwischen den wenigen atmosphärischen Außenaufnahmen und den Interieurs. Attraktive Frauen animieren Gäste und Publikum vor Ort und unter den Zuschauern mit lasziven Tanzeinlagen, die mit ihrer klassischen Untermalung von etwa Tschaikowskis Klavierkonzert Nr.1 op.23 in b-Moll oder Maurice Ravels Boléro vor allem akustisch zu gefallen wissen. Durch die Ankündigung des Titels wäre ein ordinäreres Angebot jedoch wünschenswerter gewesen. Überhaupt wirkt der Verlauf mit seiner dünnen kriminalistischen Handlung arg durch derartige Einlagen aus dem "Apollo" gestreckt, sodass beinahe der Eindruck von Substanzlosigkeit aufkommt.
Eine gut wahrzunehmende Ferne zu gehobenem sprachlichen Niveau wertet die Dialogarbeit in vielen Szenen im Sinne der Veranstaltung auf, bis man schließlich ohne Probleme in das Geschehen eintauchen kann, ohne wohlgemerkt Wunder erwarten zu können. Interessant ist die Besetzungsliste, in die sich wieder einmal ein paar wenige Interpreten verirrt haben, die man dort nicht unbedingt vermutet hätte. Dies gilt dem Empfinden nach vielleicht vornehmlich für Claus Holm, Paula Braendt, Rolf Wanka und Adrian Hoven, aber der Zeitgeist geht bekanntermaßen nur an den wenigsten vorbei. Im Grunde genommen lässt sich keine einzige Rolle finden, die besonders große Screentime beansprucht oder einen expliziten Stellenwert im Szenario einnimmt, vielmehr lässt sich in ausgewählten Intervallen ein gutes Händchen für die Materie herauslesen, sodass der Verlauf seine Unterhaltsamkeit langsam aber sicher aufbauen kann. Bekannte Sternchen des Genre-Films, wie etwa Eva Astor, Sylvia Frank oder Christine Schuberth, sorgen für die nötigen erotischen Präparationen und Schwingungen, können sich jedoch nicht gegen den Eindruck stemmen, dass insgesamt recht zahm agiert wird und die entsprechenden Bildeindrücke zu keiner Zeit zur Sünde, sondern eher in Richtung Rabatt gehen. Interessant bleiben die Mitwirkungen von Margarete Reinhardt und Nino Korda, der als widerlicher Zuhälter ohne Skrupel überzeugen kann. Vor allem aber Paula Braendt als olle Puffmutter macht ihre Sache wirklich gut, da sie schlussendlich absolut konträr zu dem besetzt wirkt, wie man sich eine Geschäftsfrau dieses Schlages eigentlich vorstellt. Der Film verfügt leider über Phasen des Leerlaufs, schöpft aber auch hier sein unterhaltendes Grundpotenzial aus spekulativem Sex und Crime ab, sodass man dem Geschehen auch dann folgen wird, wenn es denn etwas zu wünschen übrig lässt. Gegen Ende stellt sich natürlich die Frage, wer für die Mordserie verantwortlich ist, doch es tun sich weder Abgründe auf, noch Überraschungen hervor, sodass natürlich auch beim Thema Spannung zahlreiche Möglichkeiten liegen gelassen werden. Alles in allem kann die Sichtung von "Sünde mit Rabatt" eine Lücke im Genre schließen und vertreibt einem die Zeit trotz aller Kritikpunkte recht gut. Richtet man jedoch einen konkreten Blick auf die Genre-Konkurrenz, verliert sich Rudolf Lubowskis Beitrag in der Peripherie des Durchschnitts.