MÄDCHEN IN UNIFORM - Géza von Radványi

Sexwellen, Kriminalspaß und andere Krautploitation.
Antworten
Benutzeravatar
Prisma
Beiträge: 5784
Registriert: Sa., 31.10.2020 18:11

MÄDCHEN IN UNIFORM - Géza von Radványi

Beitrag von Prisma »




Lilli Palmer   Romy Schneider

MÄDCHEN IN UNIFORM


● MÄDCHEN IN UNIFORM / JEUNES FILLES EN UNIFORMES (D|F|1958)
mit Blandine Ebinger, Adelheid Seeck, Gina Albert, Ginette Pigeon, Sabine Sinjen, Danik Patisson, Christine Kaufmann und Therese Giehse
eine Produktion der cCc Filmkunst | Les Films Modernes | im Gloria Verleih
ein Film von Géza von Radványi

MiU (1).png
MiU (2).png
MiU (3).png
MiU (5).png
MiU (4).png
MiU (6).png
MiU (7).png
MiU (8).png
MiU (9).png

»Was Sie Härte nennen, ist der Grundbegriff von Zucht und Ordnung!«


Im Jahr 1910. Nach dem Tod ihrer Mutter wird Manuela von Meinhardis (Romy Schneider) von ihrer herzlosen Tante in ein Internat für junge, adelige Mädchen gesteckt. Manuela, die schwer unter dem Verlust ihrer Mutter leidet, soll dort die strengen Gebote des Hauses sowie Grundregeln der Gesellschaft und der Etikette erlernen. Geführt wird das Stift von der verhärteten Oberin (Therese Giehse), die mit eiserner Hand ihr Regiment führt und die verängstigten Mädchen mit ihren unerbittlichen Methoden wie in einem Zuchthaus führt. Manuela findet nur schwer Anschluss und ihre Leistungen im Unterricht sind sehr schwach, doch es gibt einen Lichtblick für sie: Fräulein von Bernburg (Lilli Palmer), die ihre eigenen unkonventionellen Ansichten vertritt, behandelt die Mädchen zwar streng, aber gerecht und herzlich, sodass Manuela schnell eine schwärmerische Bewunderung für die allseits beliebte Lehrerin entwickelt. Manuela schöpft neue Hoffnung, und als sie auch noch die Hauptrolle des Romeo im schuleigenen Theaterstück spielen darf, scheint sie sich zu fangen und aufzublühen. Doch der Tag der Vorführung gipfelt in einem Skandal. Nicht nur Manuela, sondern auch Fräulein von Bernburg drohen drastische Konsequenzen...

Mit "Mädchen in Uniform" wagte sich der Ungar Géza von Radványi an die Neuverfilmung des bereits im Jahr 1931 verfilmten Stoffes heran, der seinerzeit für einen Skandal sorgte. Es heißt, dass sich vor ihm bereits zwanzig andere Regisseure des Stoffes annehmen wollten. Diese deutsch-französische Co-Produktion der cCc Filmkunst vereinte die Hauptdarstellerinnen Lilli Palmer und Romy Schneider nach ihrem Film "Feuerwerk" (1953) wieder vor der Kamera - ein Umstand, über den Romy Schneider dem Vernehmen sehr glücklich gewesen sein soll. Es würde der erste Film in ihrer noch jungen Karriere sein, den sie sich selbst und unabhängig von Magda Schneider aussuchen konnte, und da sie ins Charakterfach überwechselte, handelt es sich um einen weiteren Meilenstein ihres Schaffens. Es wird hier bereits sehr deutlich, welches Potenzial in ihr schlummerte. Die Produktion rief unterschiedliche Reaktionen beim Publikum hervor, auch der Unmut über das zuvor abgelehnte Angebot eines weiteren "Sissi"-Films war noch längst nicht vergessen. "Mädchen in Uniform" erhielt schließlich das Prädikat »wertvoll«. Dem Film bekommt seine beinahe isolierte Handlung sehr gut, denn die Handlung spielt sich ausschließlich in dem preußischen Mädcheninternat ab. Die Besetzungsliste vereint große deutsche Kino- und Bühnenstars, die dem Film einen zusätzlich besonderen Reiz geben. Am Rande sei bemerkt, dass in der Handlung übrigens kein einziger männlicher Darsteller zu sehen ist. Aus heutiger Sicht sieht man einen ambitioniert gehaltenen, kammerspielartig aber konsequent umgesetzten Film, der für damalige Verhältnisse als gewagt einzustufen ist, heute eher harmlose Konturen besitzt.

Die Besetzung mit Lilli Palmer ist eine der wichtigsten Komponenten für das Funktionieren und die hohe Glaubhaftigkeit dieser Produktion, beziehungsweise der Interaktion. Schon bei ihrem ersten Erscheinen wird dem Zuschauer klar, warum die Mädchen im Internat für die Lehrerin schwärmen und sie als mütterliche Freundin ansehen. Ihre Erscheinung ist wie gewohnt überaus elegant und von besonnener, reifer Selbstsicherheit geprägt. Innerhalb des von Anfang an düsteren und unbehaglichen Settings ist sie die einzige Vertrauensperson, der einzige Lichtblick für die Insassinnen, und stößt mit ihren progressiven Ansichten auch zahlreiche Widerstände innerhalb des Kollegiums. Von der 1914 geborenen Schauspielerin wird eine faszinierende Persönlichkeit mühelos dargestellt und auch nachhaltig geprägt. Für pikante Momente sorgt das intensive Zusammenspiel zwischen ihr und Filmpartnerin Romy Schneider. Sie wirkt dieses Mal mit ungewohnt sparsamer Mimik und Gestik zunächst unscheinbar, bis sie im Verlauf ihr Temperament voll entfalten darf, insbesondere während des Theaterstücks und danach, welches erahnen lässt, wie glaubwürdig sie auf der Bühne gewirkt haben muss. Manuela wirkt lange traurig und einsam, gehemmt und ohne Selbstbewusstsein. Die Gefühle, die sie für ihre Lehrerin entwickelt, resultieren aus der Tatsache, dass sie nach einem Halt sucht, nach einer verlässlichen Bezugsperson, möglicherweise sogar nach einem Mutterersatz. Die kalten und strengen Regeln im Internat tun das Übrige dazu. Deutlich wird, dass Romy Schneider im Charakterfach angekommen und prädestiniert für alles außer seichten Rollen war. Anzumerken bleibt, dass die Geschichte um die Zuneigung nicht tiefenpsychologisch aufgeschlüsselt wird, denn dafür ist die doch sehr züchtige, ungefährliche oder angedeutete Darstellung viel zu behutsam inszeniert worden. Lilli Palmer und Romy Schneider spielen wirklich großartig.

Als Oberin liefert Therese Giehse ein Kabinettstückchen der Spitzenklasse. Ihr dominantes und kaltherziges Auftreten wird in dieser Produktion zum Ereignis. Sie regiert ihr Internat unerbittlich und sorgt für Angst und Schrecken bei den Mädchen. Ihre Ansichten sind derartig festgefahren, dass sie keine anderen Denkansätze duldet. Vor ihren Untergebenen gefällt sich die cholerisch veranlagte Frau in Selbstinszenierungen, bei den Mädchen werden ihre Ansichten äußerst deutlich zum Ausdruck gebracht, denn sie erziehe schließlich zukünftige Soldatenmütter, die abgehärtet und uneingeschränkt nach ihren Wünschen funktionieren müssen. Ihr Motto lautet daher: »Kinder, Kirche, Küche«. Therese Giehse strahlt eine stahlharte Vehemenz aus; jeder Ton, jede Geste und jede Kleinigkeit sitzt, ihrem Schauspiel ist deutlich anzusehen, dass die Bühne ihre Domäne gewesen ist. Nur als sich ihre königliche Hoheit zu einem Inspektionsbesuch ankündigt,ist die Oberin unterwürfig und gespielt freundlich wahrzunehmen; sie übt sogar heimlich ihren Hofknicks in ihrem Zimmer. Eine durch und durch außerordentliche Interpretation der markanten Darstellerin. Ihre rechte Hand, Fräulein von Racket, wird von UFA-Star Blandine Ebinger ebenfalls eindrucksvoll dargestellt. Sie unterstützt jede noch so zweifelhafte Entscheidung und biedert sich ihrer Vorgesetzten regelrecht an. Im Umgang mit den Mädchen fährt sie den selben harten Kurs der Oberin und leistet gerne Schützenhilfe, die Autorität ihrer Kollegin Fräulein von Bernburg zu untergraben. Zu erwähnen ist noch die leichtfüßig spielende und majestätisch wirkende Adelheid Seeck als Königliche Hoheit, die stets eine Bereicherung darstellt. Mit Sabine Sinjen, Ginette Pigeon, Christine Kaufmann, Gina Albert oder Danik Patisson sind unverbrauchte Gesichter für die Besetzungen der Schülerinnen gefunden worden. Ein außergewöhnlicher Schauspieler-Film.

Insgesamt sind es die vielen darstellerischen Nuancen, die "Mädchen in Uniform" nachhaltig prägen. Wenn die Thematik hin und wieder zu behäbig abgehandelt wirkt, kompensieren die Schauspieler die wenigen Schwächephasen zielsicher. Bei den großen Auftritten der Hauptdarstellerinnen wird eine hohe Glaubwürdigkeit vermittelt, es kommt zu einer ausgewogenen Dosierung von Spannung und Tragik, die sogar hin und wieder mit einigen Kostproben aus dem Spektrum des angebrachten Humors aufgelockert wird, was eine trügerische Atmosphäre begünstigt. Die Dialogarbeit ist in jeder Phase erstaunlich und wirkt äußerst sicher, musikalisch untermalt Peter Sandloff die oft gespenstisch wirkende Atmosphäre sehr sicher, wenn auch wenig außergewöhnlich, Ausstattung und Kulissen erscheinen relativ typisch nach cCc-Verhältnissen auszusehen, aber spartanisch und kalt soll es im Internat ja schließlich auch zugehen. Das Finale mit seinem offenen Ende ist möglicherweise etwas zu rührselig ausgefallen und man hätte bestimmte Charaktere dafür nicht aufweichen müssen, aber es gibt dem Publikum eine Botschaft mit auf den Weg. Die Zeitschrift "Ciné-Revue" urteilte im November 1958: »Der Film, für den sich Geza Radvanyi verantwortlich zeichnet, hat solide Qualitäten. Man folgt der Handlung mit großer Aufmerksamkeit, denn die Dramatik des Themas wird geschickt herausgearbeitet. Lilli Palmers und Romy Schneiders eindrucksvolle Leistung verleihen dem Film seine wahre Bedeutung.« "Mädchen in Uniform" ist ein wirklich sehenswerter und in Ansätzen durchaus kritischer Beitrag, der durch die geradlinige Regie, die klar aufgebaute Handlung und die hohe Dynamik seiner Schauspielerinnen durchgehend überzeugen kann. Das Konzept der Produktion geht schließlich in jeder Minute auf und stellt in der frühen Filmografie von Romy Schneider einen der beachtenswertesten Beiträge dar.

Benutzeravatar
Count Yorga
Beiträge: 202
Registriert: Sa., 31.10.2020 20:43
Wohnort: Nordbaden

Re: MÄDCHEN IN UNIFORM - Géza von Radványi

Beitrag von Count Yorga »

Neues Filmprogramm NFP:

Uniform.jpg
:hut:

Benutzeravatar
Prisma
Beiträge: 5784
Registriert: Sa., 31.10.2020 18:11

Re: MÄDCHEN IN UNIFORM - Géza von Radványi

Beitrag von Prisma »



An sich ein passendes Motiv, versehen mit den wichtigsten Personen, allerdings wirkt Romy Schneider wegen der hellen Umrandung wie aufgeklebt.
Ich habe den Film immer gerne gesehen, muss mir bei Gelegenheit aber mal den Vorgänger von 1931 anschauen.

Antworten