DER FLUCH DES SCHWARZEN RUBIN - Manfred R. Köhler

Sexwellen, Kriminalspaß und andere Krautploitation.
Antworten
Benutzeravatar
Prisma
Beiträge: 5088
Registriert: Sa., 31.10.2020 18:11

DER FLUCH DES SCHWARZEN RUBIN - Manfred R. Köhler

Beitrag von Prisma »



Der Fluch des schwarzen Rubin.JPG

● DER FLUCH DES SCHWARZEN RUBIN / AGENTE S3S: OPERAZIONE URANIO / ESPIONNAGE À BANGKOK POUR U-92 (D|I|F|1964-65)
mit Thomas Alder, Peter Carsten, Serge Nubret, Chitra Ratana, Carlo Tamberlani, Jacques Bézard, Alberto Cevenini, Yu Sam, Ma Suphin und Horst Frank
ein Rapid Film | Metheus Film | Société Nouvelle de Cinématographie | Thai Tri Mitr Films | im Constantin Filmverleih
ein Film von Manfred R. Köhler

Der Fluch des schwarzen Rubin (1).JPG
Der Fluch des schwarzen Rubin (3).JPG
Der Fluch des schwarzen Rubin (4).JPG
Der Fluch des schwarzen Rubin (5).JPG
Der Fluch des schwarzen Rubin (7).JPG
Der Fluch des schwarzen Rubin (9).JPG
Der Fluch des schwarzen Rubin (13).JPG
Der Fluch des schwarzen Rubin (15).JPG
Der Fluch des schwarzen Rubin (16).JPG

»Die brauchen ne Bleispritze!«


In einem Bangkoker Museum wird eine wertvolle Goldkette gestohlen, in die ein schwarzer Rubin eingearbeitet ist. Der Legende nach soll dieser jedem Träger einen gewaltsamen Tod bescheren. Das Geschmeide gehört zum Familienschatz den Prinzen Gulab (Yu Sam), dessen Erbansprüche durch den Besitz legitimiert werden. Um das für ihn lebenswichtige Symbol wieder in die Hände zu bekommen, engagiert er den international tätigen Privatdetektiv Rolf Torring (Thomas Alder) und dessen Gefolgschaft Hans Warren (Peter Carsten) und Pongo (Serge Nubret). Bei den Ermittlungen kann das Trio schnelle Erfolge verbuchen, die ebenso zügige Mordanschläge nach sich ziehen …

Die zweite Spielfilmregie von Manfred R. Köhler bewegt sich stilsicher im Fahrwasser ähnlicher Produktionen und schwappt sogar häufiger einmal über den Tellerrand des Genres, was immerhin überraschend erscheint. Blickt man auf die in den Haupt- und Nebenrollen vermeintlich zu schwache Besetzung, will zunächst wenig Hoffnung auf einen gelungenen Vertreter aufkommen, doch man wird schnell eines Besseren belehrt, sodass das ermittelnde Trio Konkurrenten durch Eigendynamik schnell in die Tasche steckt. Thomas Alder, zuvor verheizt in überaus monotonen Veranstaltungen, überzeugt als smarter und unerschrockener Ermittler, der sowohl seriös als auch humorvoll herüberkommen kann. Davon war im Vorfeld nicht auszugehen, wenngleich es sich bei Alder gewiss um keinen schlechten Handwerker handelt. Die großen Aushängeschilder des Genres hatten bis zu diesem Zeitpunkt jedoch andere Namen und wecken beim Publikum auch andere Assoziationen. Seine mit sicheren Fäusten agierenden Kumpanen werden von Peter Carsten und Serge Nubret in interessante Fasson gebracht, bis einem das Dargebotene ziemlich energisch und optimal abgestimmt vorkommt. Gedreht vor imposanten Schauplätzen in Thailand, kommt ein Exotik-Flair auf und die Bildgewalt hilft häufig über die handelsübliche Story hinweg, die zu ihrer Verteidigung allerdings immer wieder spannende, actionreiche und nebulöse Phasen anbietet. Sehr gut kommt zudem der Mangel an Vorhersehbarkeit an. Rund um den Raub der Goldkette baut sich eine geheimnisvolle Atmosphäre auf. Die frühen Anschläge auf die Ermittler beweisen, dass man es mit rücksichtslosen Handlangern und einem Hintermann zu tun hat, der nicht gewillt ist, Gefangene zu machen. Jeder scheint verdächtig zu sein, bei jedem könnte ein Motiv zu finden sein, denn es geht um den Weg zu immensem Reichtum, der von einer verschlüsselten Botschaft auf der Kette zu finden sein wird. Horst Frank, versehen mit der Synchronstimme von Rainer Brandt, wird vorstellig als Mann fürs Grobe, der zwischendurch auch keine Probleme damit hat, unschuldige Frauen zu foltern, um an seine Informationen zu gelangen. Da er sich einen Namen als ausgewiesener Schurke in vielen Produktionen machen konnte, wirkt er in dieser Geschichte umso überzeugender, zumal er an keine Kette gelegt ist.

Zwischenzeitlich haben die Protagonisten mit der hiesigen Fauna, wie etwa Spinnen, Tigern und Krokodilen zu kämpfen, was durch simulierte oder einkopierte Bilder für eine gewisse Atemlosigkeit sorgen kann. Auch die Pyrotechnik kommt in diesem turbulenten Spektakel nicht zu kurz. Das Publikum ahnt, dass bei der Wahl derartig drastischer Mittel nicht nur der materielle oder ideelle Wert einer Goldkette im Vordergrund stehen kann, sondern etwas mehr dahinterstecken muss. Thomas Alder, Peter Carsten und Serge Nubret schaffen es mit Leichtigkeit, einem die Zeit zu vertreiben, indem sie ihre Agilität unter Beweis stellen. Thomas Alder platziert sich als Kopf des Ganzen, steht jedoch auf keinem Podest, sondern agiert auf völliger Augenhöhe mit seinen Freunden. Peter Carsten trumpft häufiger mit flotten Sprüchen auf, kann auch die Fäuste sprechen lassen, genau wie es sein französischer Kollege und Profi-Bodybuilder Serge Nubret in unbändiger aber sympathischer Art und Weise tut, der vor allem durch seine beeindruckende Physis zu punkten versucht. Der Rest der Besetzung ist mehr oder weniger mit unbekannteren Namen versehen, was jedoch nicht heißt, dass keine Präzisionsauftritte angeboten werden. Interessant ist das Fehlen der traditionell platzierten, meist europäischen Hauptdarstellerin, die hier einen beeindruckenden Ersatz durch die aus Thailand stammende Chitra Ratana erfährt. Sie fungiert als klassische Projektionsfläche für Angst und Schrecken und gerät in sehr lebensbedrohliche Situationen. Der Showdown des Films bietet einige Überraschungen an, auch was die Entlarvung des Drahtziehers angeht, aber vor allem sind es hier die episch wirkenden Kulissen und Schauplätze, die in Erinnerung bleiben werden. "Der Fluch des schwarzen Rubin" lief seinerzeit in der Bundesrepublik ungewöhnlich schlecht im Kino an, sodass die geplante Fortsetzung mit dem Namen "Die Rache des grünen Skorpions" fallengelassen wurde, was angesichts der Überzeugungsarbeit des hier federführenden Trios zu bedauern ist. Am Ende bleibt ein Vertreter des Abenteuer-Krimis, der es mit einfachen Mitteln und frisch wirkenden Einfällen versteht, von sich Reden zu machen und schließlich wesentlich besser dasteht, als zu Beginn gedacht. Ein klassischer Überraschungserfolg, der sein stiefmütterliches Dasein nicht verdient.

Benutzeravatar
Count Yorga
Beiträge: 120
Registriert: Sa., 31.10.2020 20:43
Wohnort: Nordbaden

Re: DER FLUCH DES SCHWARZEN RUBIN - Manfred R. Köhler

Beitrag von Count Yorga »

Illustrierte Film-Bühne:

Bild
:hut:

Benutzeravatar
Prisma
Beiträge: 5088
Registriert: Sa., 31.10.2020 18:11

Re: DER FLUCH DES SCHWARZEN RUBIN - Manfred R. Köhler

Beitrag von Prisma »

Count Yorga hat geschrieben:
Sa., 09.08.2025 20:30
Rubin.jpg
Rubin.jpg (42.38 KiB) 271 mal betrachtet

Es gibt sicher bessere Motive, aber was die hier dargebotene Schlagkraft angeht, ist es am Ende doch wie eine Ansage. :mrgreen:

Benutzeravatar
Prisma
Beiträge: 5088
Registriert: Sa., 31.10.2020 18:11

Re: DER FLUCH DES SCHWARZEN RUBIN - Manfred R. Köhler

Beitrag von Prisma »



Also der handelsübliche Trailer dürfte jedenfalls nicht für die schwache Kino-Resonanz verantwortlich gewesen sein:


Antworten