● SUCHKIND 312 / SUCHKIND 312 - DIE GESCHICHTE EINER UNERFÜLLTEN LIEBE (D|1955)
mit Inge Egger, Paul Klinger, Heli Finkenzeller, Alexander Kerst, Renate Schacht, Josef Sieber, Berta Drews, Ilse Fürstenberg, Karin Hardt,
Hans Leibelt, Erich Dunskus, Werner Hessenland, Pia von Rüden, Horst Beck, Kora Marlo und Ingrid Simon, Stefan Haar, Inge Moldenhauer
nach dem Hörzu-Roman von Hans Ulrich Horster
ein Unicorn Film | im Verleih der NF
ein Film von Gustav Machatý
mit Inge Egger, Paul Klinger, Heli Finkenzeller, Alexander Kerst, Renate Schacht, Josef Sieber, Berta Drews, Ilse Fürstenberg, Karin Hardt,
Hans Leibelt, Erich Dunskus, Werner Hessenland, Pia von Rüden, Horst Beck, Kora Marlo und Ingrid Simon, Stefan Haar, Inge Moldenhauer
nach dem Hörzu-Roman von Hans Ulrich Horster
ein Unicorn Film | im Verleih der NF
ein Film von Gustav Machatý
»Was sollen wir denn den Leuten sagen, wenn wir plötzlich eine so große Tochter haben?«
Ursula (Inge Egger) und Oberregierungsrat Dr. Richard Grothe (Paul Klinger) führen eine harmonische Ehe, bis Ursula plötzlich durch eine Suchanzeige in einer Zeitung von der Vergangenheit eingeholt wird. Sie erfährt, dass ihre seit Kriegsende 1945 vermisste Tochter Martina (Ingrid Simon) noch lebt. Auch Achim Lenau (Alexander Kerst), der ebenfalls totgeglaubte Vater des Kindes, taucht wieder auf. Ursula, die mittlerweile in gutsituierten Verhältnissen lebt und erneut Mutter geworden ist, erzählt ihrem Mann nach langem Überlegen schließlich von der Existenz der beiden Vermissten. Dieser fürchtet fortan um seine Reputation und möchte einen Skandal vermeiden, indem er seiner Gattin ein Ultimatum stellt …
Der Publizist, Schriftsteller und Journalist Eduard Rhein, von 1946 bis 1964 Chefredakteur der Programmzeitschrift Hörzu, verfasste ab dem Jahr 1950 zahlreiche Illustriertenromane die dort millionenfach abgedruckt wurden. Ein halbes Dutzend seiner Geschichten wurde zum Teil unter dem wie hier verwendeten Pseudonym Hans Ulrich Horster verfilmt, darunter Produktionen wie "Der rote Rausch", "Herz ohne Gnade" oder "Eheinstitut Aurora". Der aus Prag gebürtige Gustav Machatý erlangte weltweite Bekanntheit durch seinen Skandalfilm "Ekstase" und konnte sich in Hollywood einen Namen als Regisseur und Drehbuchautor machen, inszenierte mit "Suchkind 312" jedoch schon seinen letzten Film, dem von der zeitgenössischen Kritik zu viel Rührseligkeit vorgeworfen wurde. Zweifellos ist der Film vordergründig auf ein feinbesaitetes Zielpublikum abgestimmt, verfügt allerdings über eine routinierte Inszenierung und gute Schauspielführung. Wenn Menschen zu Nummern werden, soll kein Auge trocken bleiben, als funktionierende Projektionsfläche fungiert ein kleines Mädchen, welches vom Krieg zur vermeintlichen Waise gemacht wurde. Die Emotionen und Konstellationen der Hauptfiguren tun das Übrige zu der hier gezeigten Dramatik dazu. Szenen einer vorzeigbaren Ehe bahnen den Anfang für die mit Hörzu-Drastik aufgeladene Geschichte, doch es wird schnell klar, dass die Verbindung nur so gut funktioniert, weil es eine Frau gibt, die mit ihren Aufgaben und Pflichten vertraut ist. Nach außen hin scheint alles perfekt, bis das längst begrabene Geheimnis von Ursula Grothe exhumiert wird. Gepeinigt von eigenem Gewissen und Ängsten, entschließt sie sich zur Beichte, ihr Mann reagiert wenig überraschend, da er nicht heraus kann aus seinem gesellschaftlichen Korsett. So fällt ihm nichts Besseres als ein Ultimatum ein, welches einfach nicht zu erfüllen ist. Für den Herrn Oberregierungsrat ist es dem Anschein nach nicht einmal das Schlimmste, dass seine Frau schon einmal eine Beziehung hatte. Er weiß, dass im Krieg andere Regeln geherrscht haben. Indiskutabel für ihn ist primär das uneheliche Kind; eine Brandmarkung, die er vor den Augen der Öffentlichkeit nicht ertragen könnte. So wünschte er das gerade wieder gefundene Kind sofort in die Vergessenheit zurück.
In der Zwischenzeit melden andere dubiose Damen Anspruch auf Martina an. Eine von ihnen legt postwendend 10 000 Mark auf den Tisch der Pflegemutter, eine andere kündigt an, zu allem bereit zu sein. Aber die Mühlen der Behörden haben auch damals schon ihre Zeit in Anspruch genommen. Das Hauptaugenmerk liegt fortan auf der Zerrissenheit der richtigen Mutter, die sich zwischen zwei Männern entscheiden muss, da es plötzlich zwei Väter für zwei verschiedene Kinder gibt. Der eine ist nicht bereit, ein Kuckuckskind aufzunehmen, der andere würde sich um beide sorgen wollen. Inge Egger spielt mit einem Repertoire auf, welches große Anteilnahme provoziert und die Frage in den Raum stellt, welchen Weg es überhaupt aus dieser verfahrenen Situation heraus gibt, in der keine Schuldigen zu finden sind. Egger schafft es dabei mit Leichtigkeit, das Publikum zu berühren, was vor allem sehr gut im Zusammenspiel mit Paul Klinger zur Geltung kommt. Er wirkt kultiviert, weltmännisch und sorgt für eine materielle Sicherheit, die er sich in Form einer für seine Ansprüche gut funktionierenden Ehefrau auch bezahlen lässt. Seine gesellschaftliche Stellung thront als wichtigstes Gut über den Köpfen der Familie. Gegenentwürfe liefern Heli Finkenzeller als dessen umsichtige und milde Schwester sowie Alexander Kerst als Vater des sogenannten Suchkindes mit der amtlichen Nummer 312. Erwähnenswert sich die Leistungen der Kinder Ingrid Simon, Stefan Haar und Inge Moldenhauer, die mit Unbekümmertheit punkten können, außerdem leisten Josef Sieber, Berta Drews, Karin Hardt und insbesondere Renate Schacht sehr wichtige Schützenhilfe. Der Verlauf, der eigentlich mit einem Happy End anfängt, da das totgeglaubte Kind wieder auftaucht, beginnt sich zusehends durch ein Nadelöhr der Dramatik zu manövrieren, zumal die meisten Personen heftige Widerstände leisten, um ihre eigenen Komfortzonen nicht aufzugeben. Szenen gehässiger Vertreter der sogenannten besseren Gesellschaft verschärfen die ohnehin schwierige Situation für Frau Oberregierungsrat und hätten häufiger etabliert werden können, um nicht ausschließlich die vorhersehbare Architektur der Schmonzette zu bedienen. Dennoch funktioniert der Film mit all seinen kleineren Kehrtwendungen erstaunlich gut, da es die Schauspieler sind, die dem Ganzen Emotion, Verzweiflung oder wahlweise Härte verleihen. Am Ende bleibt es schade, dass Regisseur Machatý mit "Suchkind 312" bereits seinen letzten Film realisierte, dessen Brisanz Zuschauer-Schablonen zum Opfer fällt.
Der Publizist, Schriftsteller und Journalist Eduard Rhein, von 1946 bis 1964 Chefredakteur der Programmzeitschrift Hörzu, verfasste ab dem Jahr 1950 zahlreiche Illustriertenromane die dort millionenfach abgedruckt wurden. Ein halbes Dutzend seiner Geschichten wurde zum Teil unter dem wie hier verwendeten Pseudonym Hans Ulrich Horster verfilmt, darunter Produktionen wie "Der rote Rausch", "Herz ohne Gnade" oder "Eheinstitut Aurora". Der aus Prag gebürtige Gustav Machatý erlangte weltweite Bekanntheit durch seinen Skandalfilm "Ekstase" und konnte sich in Hollywood einen Namen als Regisseur und Drehbuchautor machen, inszenierte mit "Suchkind 312" jedoch schon seinen letzten Film, dem von der zeitgenössischen Kritik zu viel Rührseligkeit vorgeworfen wurde. Zweifellos ist der Film vordergründig auf ein feinbesaitetes Zielpublikum abgestimmt, verfügt allerdings über eine routinierte Inszenierung und gute Schauspielführung. Wenn Menschen zu Nummern werden, soll kein Auge trocken bleiben, als funktionierende Projektionsfläche fungiert ein kleines Mädchen, welches vom Krieg zur vermeintlichen Waise gemacht wurde. Die Emotionen und Konstellationen der Hauptfiguren tun das Übrige zu der hier gezeigten Dramatik dazu. Szenen einer vorzeigbaren Ehe bahnen den Anfang für die mit Hörzu-Drastik aufgeladene Geschichte, doch es wird schnell klar, dass die Verbindung nur so gut funktioniert, weil es eine Frau gibt, die mit ihren Aufgaben und Pflichten vertraut ist. Nach außen hin scheint alles perfekt, bis das längst begrabene Geheimnis von Ursula Grothe exhumiert wird. Gepeinigt von eigenem Gewissen und Ängsten, entschließt sie sich zur Beichte, ihr Mann reagiert wenig überraschend, da er nicht heraus kann aus seinem gesellschaftlichen Korsett. So fällt ihm nichts Besseres als ein Ultimatum ein, welches einfach nicht zu erfüllen ist. Für den Herrn Oberregierungsrat ist es dem Anschein nach nicht einmal das Schlimmste, dass seine Frau schon einmal eine Beziehung hatte. Er weiß, dass im Krieg andere Regeln geherrscht haben. Indiskutabel für ihn ist primär das uneheliche Kind; eine Brandmarkung, die er vor den Augen der Öffentlichkeit nicht ertragen könnte. So wünschte er das gerade wieder gefundene Kind sofort in die Vergessenheit zurück.
In der Zwischenzeit melden andere dubiose Damen Anspruch auf Martina an. Eine von ihnen legt postwendend 10 000 Mark auf den Tisch der Pflegemutter, eine andere kündigt an, zu allem bereit zu sein. Aber die Mühlen der Behörden haben auch damals schon ihre Zeit in Anspruch genommen. Das Hauptaugenmerk liegt fortan auf der Zerrissenheit der richtigen Mutter, die sich zwischen zwei Männern entscheiden muss, da es plötzlich zwei Väter für zwei verschiedene Kinder gibt. Der eine ist nicht bereit, ein Kuckuckskind aufzunehmen, der andere würde sich um beide sorgen wollen. Inge Egger spielt mit einem Repertoire auf, welches große Anteilnahme provoziert und die Frage in den Raum stellt, welchen Weg es überhaupt aus dieser verfahrenen Situation heraus gibt, in der keine Schuldigen zu finden sind. Egger schafft es dabei mit Leichtigkeit, das Publikum zu berühren, was vor allem sehr gut im Zusammenspiel mit Paul Klinger zur Geltung kommt. Er wirkt kultiviert, weltmännisch und sorgt für eine materielle Sicherheit, die er sich in Form einer für seine Ansprüche gut funktionierenden Ehefrau auch bezahlen lässt. Seine gesellschaftliche Stellung thront als wichtigstes Gut über den Köpfen der Familie. Gegenentwürfe liefern Heli Finkenzeller als dessen umsichtige und milde Schwester sowie Alexander Kerst als Vater des sogenannten Suchkindes mit der amtlichen Nummer 312. Erwähnenswert sich die Leistungen der Kinder Ingrid Simon, Stefan Haar und Inge Moldenhauer, die mit Unbekümmertheit punkten können, außerdem leisten Josef Sieber, Berta Drews, Karin Hardt und insbesondere Renate Schacht sehr wichtige Schützenhilfe. Der Verlauf, der eigentlich mit einem Happy End anfängt, da das totgeglaubte Kind wieder auftaucht, beginnt sich zusehends durch ein Nadelöhr der Dramatik zu manövrieren, zumal die meisten Personen heftige Widerstände leisten, um ihre eigenen Komfortzonen nicht aufzugeben. Szenen gehässiger Vertreter der sogenannten besseren Gesellschaft verschärfen die ohnehin schwierige Situation für Frau Oberregierungsrat und hätten häufiger etabliert werden können, um nicht ausschließlich die vorhersehbare Architektur der Schmonzette zu bedienen. Dennoch funktioniert der Film mit all seinen kleineren Kehrtwendungen erstaunlich gut, da es die Schauspieler sind, die dem Ganzen Emotion, Verzweiflung oder wahlweise Härte verleihen. Am Ende bleibt es schade, dass Regisseur Machatý mit "Suchkind 312" bereits seinen letzten Film realisierte, dessen Brisanz Zuschauer-Schablonen zum Opfer fällt.